USADie Elite-Uni für Amerikas religiöse Fundamentalisten

Am Patrick Henry College bilden christliche Evangelikale den Führungsnachwuchs der USA aus. Ihre Mission lautet: Die "gottlose Nation" vor den Demokraten retten. von 

Republikanerin vor einem Kirchenzentrum in Orlando, Florida

Republikanerin vor einem Kirchenzentrum in Orlando, Florida  |  © Chip Somodevilla/Getty Images

Diese Geschichte beginnt mit einer Sünde. Sie handelt von einer kleinen, noch unbekannten Universität in den Vereinigten Staaten, einer Hochschule, deren Absolventen die amerikanische Politik erobern sollen; von ihren Studenten wird sie »Gottes Harvard« genannt.

Als deutsche Journalistin melde ich mich vor ein paar Wochen telefonisch bei der Universität und mache einen Besuchstermin aus. 36 Stunden bevor ich losfliege, bekomme ich eine Mail des Uni-Sprechers: In der Vergangenheit habe man schlechte Erfahrungen mit der Presse gemacht, vor allem mit der deutschen. Der Direktor wolle nicht mit mir sprechen, und er wolle auch nicht, dass seine Studenten mit mir sprechen.

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Das Patrick Henry College, eine Autostunde von der Hauptstadt Washington entfernt, ist ein Brutkasten der evangelischen Elite. Es wurde vor zwölf Jahren gegründet, 340 Leute studieren hier Fächer, die »Regierung« heißen (eine gute Grundlage für zukünftige Abgeordnete und Präsidenten), »Strategic Intelligence« (Agenten) oder »Staatsfinanzen und Steuerwesen« (Finanzminister). Fast 90 Prozent der Studenten haben zuvor noch keine Schule von innen gesehen; sie wurden aus religiösen Gründen zu Hause unterrichtet. Schulen, die im Biologieunterricht Sexualkunde und Evolutionstheorie lehren, sind tabu.

Das College hat eine Mission: Amerika vor dem Untergang retten. Vor dem Abgrund, dem entgegen Barack Obama das Land in ihren Augen in den vergangenen vier Jahren gelenkt hat. Junge, konservative Christen sind die Soldaten in diesem Krieg. Am Patrick Henry College werden sie ausgebildet, um eines Tages an der Front zu kämpfen – als Politiker, Filmemacher oder Unternehmer sollen sie die amerikanische Gesellschaft zurückerobern. Manche von ihnen haben Yale und Harvard verschmäht, um hier zu studieren. »An dieser Uni«, so schrieb der New Yorker kurz nach ihrer Gründung, »kann man sehen, was geschieht, wenn sich fundamentalistischer Glaube mit politischem Aktivismus mischt.«

Zum Empfang gibt es ein Buch mit dem Titel »Gott bei der Arbeit«

Ich akzeptiere das Nein des Pressesprechers nicht, will nicht hinnehmen, dass sich ein College mit einer solchen Mission der Öffentlichkeit entzieht. Also begehe ich die Sünde: Online bewerbe ich mich als interessierte Studentin für einen Tag der offenen Tür am Patrick Henry College. Ich gebe mir einen anderen Namen: Elisa Schaefer, setze eine Brille auf und scheitle meine Haare fein. Ich werde eingeladen.

Der Campus sieht aus wie eine Hollywood-Kulisse, man könnte hier einen Jane-Austen-Roman verfilmen. Ein roter Backsteinbau mit weißen Säulen, ein Eingangsschild, auf dem »Für Christus und für die Freiheit« steht. Der Boden in der Eingangshalle ist aus Marmor, an der Wand hängt ein Bild von George Washington, dem Gründervater der USA. Am Empfang liegt ein Stapel für mich bereit, oben drauf mein Besucherausweis zum Umhängen, darunter eine Werbemappe und ein Buch mit dem Titel »Gott bei der Arbeit«.

In einem Raum mit schweren, dunklen Holzmöbeln und einem Teppich zum Versinken warten 22 Heimgeschulte aus ganz Amerika auf die Eröffnungsrede. Sie sind mit ihren Eltern angereist, manche haben auch ihre Geschwister mitgebracht. Neben mir sitzt Katie aus Texas, die eigentlich anders heißt. Sie ist 15 Jahre alt, höflich und schüchtern, sie sieht aus wie Disneys Teeniestar Hannah Montana. Zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter ist sie 2.300 Kilometer mit dem Auto gefahren, um zum Tag der offenen Tür zu kommen. Katie wurde zu Hause unterrichtet, von ihrer Mutter, ging nur in der fünften und sechsten Klasse auf eine staatliche Schule. »Ich habe es dort gehasst«, sagt sie. »Die Lehrer, den Geschichts- und Biologieunterricht. Die ganze Stimmung dort war fürchterlich.« Übernächstes Jahr macht sie ihr Abitur, dann will sie Politik studieren, einen Master in Jura machen und danach als Abgeordnete wirken. Wenn sie von ihrer Zukunft erzählt, dann klingt ihr Leben wie ein Bauplan, den sie entworfen hat; ihr Studium wäre das Fundament.

Ein Mann mit müden Augen, grauen Haaren und einem kindlichen Gesicht betritt den Raum, es wird still. »Das hier ist Gottes Projekt«, sagt Michael Farris, der Gründer. Farris ist ein Anwalt aus Virginia, der in die Politik wollte, aber nicht genug Stimmen bekam. Die Kontakte zu einflussreichen Republikanern hat er bis heute. In seiner Eröffnungsrede erzählt er, wie er auf die Idee kam, das Patrick Henry College zu gründen: Eltern, die ihre Kinder zu Hause unterrichtet hatten, suchten nach einem »sauberen« College. Und republikanische Politiker suchten nach ehrgeizigen Praktikanten. Beide fragten ihn – und im Jahr 2000 eröffnete er sein College. Farris ist die Weiche zwischen der abgeschiedenen Welt der heimgeschulten Kinder und der öffentlichen Welt der Politik. In seiner Rede schimpft er über Abtreibung und Demokraten, macht Witze über Schwule und Lesben. Die Gäste lachen.

»Ohne Gott kollabiert das ganze System«, sagt Farris. »So, wie wir es schon heute da draußen sehen.« Eine Arbeitslosenquote von 7,8 Prozent; 46 Millionen Amerikaner, die von Lebensmittelkarten leben; sinkende Löhne – für Farris ist bewiesen, dass Amerika fast verloren ist. »Aber diese Generation von Heimgeschulten kann es schaffen«, sagt er. »Kann es schaffen, die Nation zurückzuerobern.«

Für das Wort homeschooling gibt es keine gute Übersetzung. Schon deshalb, weil diese Art des Unterrichts in Deutschland verboten ist. Schicken deutsche Familien ihre Kinder nicht zur Schule, werden sie ermahnt, müssen eine Strafe zahlen oder werden von der Polizei besucht. 2010 bekam eine deutsche Familie, die sich politisch verfolgt fühlte, Asyl in den USA – die Eltern hatten ihre fünf Kinder zu Hause unterrichtet, sie wollten ihnen das »unchristliche Treiben« an deutschen Schulen ersparen. In den USA hat sich die Zahl der zu Hause unterrichteten Kinder seit 1999 verdreifacht. Geschätzte 2,5 Millionen sind es mittlerweile, die meisten von ihnen sind Christen. Michael Farris schrieb einmal, dass staatliche Schulen wegen ihres Sexualkundeunterrichts »gottlose Ungeheuer« seien.

Alle Studenten und Professoren am Patrick Henry College unterschreiben das »Glaubensbekenntnis«. Darin steht, dass die Bibel unfehlbar sei, dass Satan und die Hölle real seien. Und dass »alle, die ohne Christus sterben, für immer gefesselt und bei vollem Bewusstsein gequält werden«. Im Biologieunterricht lernen die Studenten, dass Gott die Erde in sechs 24-Stunden-Tagen geschaffen hat und dass die Welt ungefähr 6.000 Jahre alt ist. Nach der Rede frage ich Katie aus Texas, wie es ihr an dieser Uni gefalle, und sie sagt: »Nicht so. Die Leute hier sind sehr eigen.«

Wir bekommen eine Campus-Führung und lernen dabei die College-Gesetze. Um einen kleinen See stehen fünf Häuser, die Schlafsäle. Mädchen und Jungs leben in getrennten Häusern, zu keiner Zeit dürfen sie die Zimmer der anderen betreten. Will ein Junge mit einem Mädchen ausgehen, sollte er vorher einen Brief an den Vater des Mädchens schicken und ihn um Erlaubnis bitten. Sex gibt es nur nach der Hochzeit, den ersten Kuss am besten bei der Trauung. Alkohol ist verboten. Läuft man über den Campus, sieht man Studenten, die Krawatte und Anzug tragen, die Frauen Kostüm; Kleidung, für die sie mit ihren nicht mal 20 Jahren eigentlich zu jung sind. Als wollten sie ihrer Zukunft, ihrem Traum von einer schillernden Karriere, in dieser Garderobe ein Stück näher kommen.

»Überall, wo wir hinkommen, werden wir geliebt als Praktikanten!«, sagt einer, der Strategic Intelligence (S.I.) studiert. Die Patrick-Henry-Studenten machen Praktika beim FBI, bei der CIA, bei republikanischen Abgeordneten. Als George W. Bush noch Präsident der Vereinigten Staaten war, war Patrick Henry das College mit den meisten Praktikanten im Weißen Haus, gemessen an der Studentenzahl. An Weihnachten kriegt die Hochschule noch immer handsignierte Grußkarten der Familie Bush.

Der S.I.-Student erzählt, warum Patrick-Henry-Praktikanten so beliebt sind: »Das FBI hat keine interne Zeitung? Wir machen eine und bieten sie ihnen gratis an. Die Grenzpolizei hat keinen Ort, an dem all ihre Daten gebündelt werden? Wir kümmern uns und bereiten die Fakten auf, bieten ihnen quasi einen kostenlosen Nachrichtendienst an.« Sie helfen großen Unternehmen, beim Google-Ranking an erster Stelle zu landen. Sie füllen die Nischen im System und stopfen sie mit ihren eigenen Werten. Sie unterwandern die amerikanische Gesellschaft, und sie machen es unauffällig. Ihre Professoren könnten kaum besser sein: Sie haben an den Eliteuniversitäten der USA studiert und unterrichtet, in Yale und Princeton. Die Uni nimmt kein Geld von der Regierung. »Damit uns keiner reinreden kann«, sagt Farris. Rund 40.000 Dollar kostet das College die Studenten im Jahr. Für Einserschüler gibt es auch Stipendien.

Das Glaubensbekenntnis und die strengen Regeln – sie klingen wie aus einer vergangenen Zeit. Aber die Studenten hier lesen nicht nur christliche Schriften, sondern auch die großen Philosophen und Aufklärer. Locke, Hume, Kant, Nietzsche. Ihr Leitspruch: Du musst den Feind gut kennen, um ihn zu besiegen. »Es ist aber so, weil es so in der Bibel steht« – das sei kein Argument, das man in einer politischen Diskussion bringen könne, sagt ein Lehrer.

Ihre Schlacht um die Nation sollen die Studenten mit Worten gewinnen. Und dafür trainieren sie: Der beliebteste Sport an dieser Universität ist nicht Basketball, sondern Moot Court, »fiktives Gericht«. Eine Art Debattierclub, bei dem Teams von zwei bis vier Studenten in einer simulierten Gerichtsverhandlung gegeneinander antreten. Sie bereiten Pro- und Contra-Argumente eines Falles vor und erfahren erst kurz vor der Verhandlung, welche Seite sie vertreten sollen. Die Patrick-Henry-Studenten haben Moot Courts am Beispiel von Obamacare durchgespielt, der vor allem von Konservativen kritisierten Gesundheitsreform, und natürlich hat die Contra-Seite gewonnen. Sie treten weltweit gegen andere Universitäten an, sogar Oxford haben sie schon geschlagen.

Auch Katie aus Texas debattiert, seit sie ein Kind ist. »Vielleicht ist es hier doch gar nicht so schlecht«, sagt sie nach ein paar Stunden auf dem Campus. »Je mehr ich erfahre, desto besser gefällt es mir.«

Wie wichtig Debatten in der amerikanischen Politik sind, das zeigten die TV-Duelle zwischen Barack Obama und Mitt Romney, die vor der Wahl die Medien beherrschten. Bei der ersten Debatte war die Einschaltquote so hoch wie seit 32 Jahren politischer US-Fernsehgeschichte nicht mehr – mehr als 67 Millionen Menschen schauten sich das Duell an. Die Studenten am Patrick Henry College sind neidisch auf einen Kandidaten wie Obama. Er sei ein mitreißender Redner, habe eine wunderbare Rhetorik. »Nur leider gehört er der falschen Partei an, verkauft die falschen Inhalte«, sagt eine Studentin. Aus ihren Reihen soll er eines Tages kommen: ein republikanischer Obama.

Eine, die das gern wäre, ist Teresa Scanlan, 19 Jahre alt. Scanlan hat blondierte Haare, geweißte Zähne, falsche Wimpern und eine dicke Schicht Make-up im Gesicht. 2011 wurde sie zur Miss America gewählt. Und 2028 wird sie Präsidentschaftskandidatin – so zumindest steht es auf ihrer Facebook-Seite. Seit zwei Monaten studiert sie hier.

Sie sitzt in einem Café in Campusnähe, wo Studenten Chai-Lattes aus Pappbechern trinken und vor ihren Laptops sitzen, auf denen Pro-Life-Sticker kleben. Scanlan will in die Politik, seit sie sieben Jahre alt ist. Zum Patrick Henry College will sie, seit sie acht ist. Nach dem College will sie in Harvard einen Master in Jura machen, um anschließend als Richterin für den Obersten Gerichtshof zu arbeiten. Der Oberste Gerichtshof soll das Sprungbrett in die Präsidentschaftskandidatur werden. Sie erzählt diesen Plan so selbstverständlich, als rede sie über das Wetter. Gott habe sie »dazu berufen«. Scanlan hat eine laute, klare Stimme, und während sie spricht, unterstreicht sie die Sätze mit ihren Händen in der Luft.

»Mein Miss-America-Titel ist hier am College gar nichts wert«, sagt sie. »Hier sind Leute, die schon mit 18 ihr erstes Studium abgeschlossen haben, die Bücher geschrieben oder Hilfsorganisationen gegründet haben.« An dieser kleinen Uni, an der jeder jeden kennt und jeder jeden überwacht, sind der Vergleich mit den anderen und die ständige Konkurrenz ein Motor, der die Studenten zu Bestleistungen treibt. Das Versprechen, das ihnen gegeben wird, ist der amerikanische Traum: Du kannst aufsteigen, wenn du nur hart genug arbeitest. Deshalb gibt es Studenten, die morgens um drei aufstehen, um die Bibel zu lesen und den Unterricht vorzubereiten.

Spricht man mit Studenten und Absolventen, dann begreift man eine Angst, die sie alle zu teilen scheinen: die Angst davor, bedeutungslos zu sein. Sie ist wie ein Gift, das ihnen an diesem College verabreicht wird, ein Gift, das sie hungrig macht auf Macht. Absolventen schmieden Pläne, in denen sie festhalten, wie sie in zehn Jahren in den Senat gewählt werden. Wie sie sich sozial engagieren müssen. Wo sie nebenher arbeiten sollen. Hauptsache, es sieht gut aus im Lebenslauf.

Teresa Scanlan will so viele Kinder haben, wie Gott ihr schenke, sagt sie. »Und mindestens zehn adoptieren.« Die Kinder sollen zu Hause unterrichtet werden. Von wem? »Von mir natürlich, ihrer Mutter«, sagt Scanlan. Wie sie das mit ihrer Karriere vereinen will, darauf weiß sie keine Antwort. »Aber Gott wird einen Plan für mich haben.« Fragt man sie nach ihren Vorbildern, sagt sie: »Mutter Teresa und Sarah Palin.« Mutter Teresa, weil sie der Beweis dafür ist, dass ein einzelner Mensch die Gesellschaft bewegen kann. Sarah Palin, weil sie eine Frau ist, die Politik und Glauben vereint.

Könnten diese Studenten wirklich eines Tages Amerika regieren, frage ich mich nach ein paar Stunden und vielen Gesprächen auf dem Campus. Die meisten von ihnen kennen nur ihr Wohnzimmer als Klassenraum, nur ihre Geschwister als Mitschüler. Ausgerechnet diese jungen Leute wollen in die Politik, wollen einen Beruf ergreifen, der mit sozialer Verantwortung zu tun hat, wollen Entscheidungen treffen, die das Leben von Millionen Menschen bestimmen.

Aus schüchternen Erstsemestern werden filmreife Absolventen

Unsere Führung geht weiter, der nächste Programmpunkt heißt »Leben als Patrick-Henry-Student«. Fünf gut aussehende Studenten, die kurz vor ihrem Abschluss sind, beantworten den Besuchern und ihren Eltern Fragen. Die drei jungen Männer erzählen von ihren sportlichen Erfolgen, die beiden Frauen von den Freundschaften, die sie hier geschlossen haben. Eine Stunde lang reden sie; stottern dabei kein einziges Mal, räuspern sich nicht, sie sprechen kamerareif. Ich bin beeindruckt, wie aus schüchternen Erstsemestern selbstbewusste Absolventen geschliffen werden in den vier Jahren am College. Die fünf Studenten auf dem Podium können über sich selbst lachen, sie sind charmant. Sie sind an dieser Uni zu Menschen geworden, denen man vertraut.

»Ich mag ihre Art«, sagt Katie aus Texas, die am Morgen noch skeptisch war. Jetzt sagt sie: »Ich will und muss unbedingt hierher.« Die smarten Studenten auf dem Podium haben sie überzeugt. Eine so ausgezeichnete Sprecherin will sie auch eines Tages werden. Andere Unis guckt sie sich nicht mehr an. Das Patrick Henry College, das weiß sie nun, ist der Plan, den Gott für sie bereithält.

Zum Tagesabschluss werden wir Besucher in einen Keller geführt, die Kapelle, dreimal die Woche findet hier der Gottesdienst statt. Alle Studenten sind in dem Raum mit der tiefen Decke. Sie beten gemeinsam, und Michael Farris, der Gründer, predigt: »Wenn du Jesus nicht kennst, gehst du in die Hölle!«

Es gibt eine Anekdote, die Farris gern erzählt, wenn es um die Zukunft seiner Uni geht. Es ist seine Version von »Ich habe einen Traum«: »Einer meiner Studenten läuft über den roten Teppich bei der Oscar-Verleihung, um sich den Preis für den besten Film des Jahres abzuholen«, sagt er. »Sein Telefon klingelt, und der Präsident der Vereinigten Staaten ruft an, um ihm zu gratulieren. Die beiden haben sich ein Zimmer geteilt am Patrick Henry College.« Die ersten Patrick-Henry-Absolventen haben inzwischen Journalisten-, Film- und Fernsehpreise gewonnen, einer hat gerade sein Jurastudium in Harvard abgeschlossen und wird in die Politik gehen. Farris’ Traum und die Wirklichkeit, sie nähern sich einander.

Die Studenten in der Kellerkapelle singen, sie schließen die Augen und recken die Arme in die Luft. »Das ist der Vorgeschmack auf den Himmel«, sagt Farris. »Nur dass die Akustik dort besser sein wird.«

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Leserkommentare
  1. Die meisten dieser fanatischen Fundamentalisten gehen bekanntlich auf Sekten des 17. und 18.Jhs. zurück, die aus Mitteleuropa vertrieben wurden und in "Gottes eigenem Land" eine neue Heimat fanden. Die Gründe ihrer Vertreibung waren vielseitig -- im Fall der Münsteraner Wiedertäufer musste buchstäblich das Militär eingesetzt werden. Jede Sekte hat eigene, oft gesetzwidrige Regeln. Noch Romneys Vater wurde in Mexiko geboren weil Opa mit seinen fünf (!) Ehefrauen dorthin fliehen musste.

  2. Das zusammenprallen von Realitäten ist das, was Meinungsfreiheit immer garantieren wird (solange kein Staat einschreitet). Menschen haben immer eine Unterschiedliche Meinung (so wie wir gerade) und natürlich werden sie auch versucehn sie vor den anderen zu vertreten (ebenfalls wie wir). Nun ist es aber so, wie bei jedem zusammentreffen von Kontrahenten, dass am Ende immer nur einer gewinnen kann, und wenn ein Part besonders oft verliert, wird er das registrieren und seine Schlüsse daraus ziehen (Fanatiker ausgenommen). Andere Möglichkeiten seine Meinung zu verbreiten gibt es nicht mehr (zumindest legal) und mir sind keine Fälle bekannt (zugegeben, ich hab auch nicht danach gesucht) in denen bekehrungen in letzter Zeit mit Gewalt durchgeführt wurden. Und nun eine Gegenfrage: Funktioniert Meinungsfreiheit denn wenn man Menschen dazu zwingt? Und noch eine: Wer ist "wir" die nicht zulassen können dass man irgendwen indoktriniert? Ist dass denn nicht ein Eingriff in die Selbstbestimmung oder das Recht der Erziehung der Eltern? Wo wird dann hier die Granze gezogen?

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    • F. M.
    • 18. November 2012 11:21 Uhr

    Zitat: Das zusammenprallen von Realitäten ist das, was Meinungsfreiheit immer garantieren wird./Zitat

    Das grosse Problem bei der Sache ist doch, dass es nicht bei "Meinungen" bleibt, dass dies oder jenes im Leben der Menschen so abzulaufen hätte, wie die reiligiösen Fundamentalisten jeglicher Couleur das wollen.
    Die wollen ihre jeweilige Meinung per Strafgesetzbuch allen Menschen als Handlungsanweisung aufzwingen. Du darfst nicht ... gleichgeschlechtlich lieben, abtreiben, vor der offiziellen Erlaubnis (durch deinen Gottesstellevertreter) lieben etc. pp.

    Die gleichgeschlichtlich Liebenden wollen mitnichten allen die gleichgeschlechtliche Ehe aufzwingen; die religiösen Fundamentalisten wollen die gleichgeschlechtliche Ehe (und am liebsten auch diese Art der Liebe) per Gesetz verbieten.

    Kein Liberaler wird eine religiöse Fundamentalistin zu einem Schwangerschaftsabbruch zwingen, auch wenn ihr Leben in Gefahr sein sollte. Die religiösen Fundamentalisten sind er Meinung, dass eine Schwangerschaftsunterbrechung in jedem Fall sündhaft ist und sie setzen diese Meinung per Strafgesetzbuch auch durch. Das Ergebnis sind tote Frauen und Mädchen.
    Es bleibt nicht bei Meunungen. Es geht den Absolventen der Patrick Henry Schule darum, Ihre Meinungen allen per Gesetzgebung aufzuzwingen.

    Etwas, was viele Menschen sehr gerne übersehen:
    Es gibt einen fundamentalen [:-)] Unterschied zwischen Meinungen und Fakten.

    Es ist meine Meinung, dass wir als Spezies zusammenarbeiten und eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond aufbauen sollen. Das ist diskutierbar, jederman kann mit Recht das Gegenteil behaupten und trotzdem ernst genommen werden.
    Es ist aber ein Faktum, dass der Mond von der Sonne bestrahlt wird und nicht aus Biberkäse besteht. Das ist nicht verhandelbar.
    Fakten müssen vielleicht revidiert werden, wenn neues Wissen dazukommt, aber das ist eine Einbahnstraße.
    Wer vorhandenes Wissen, also Theorien und Beobachtungen ignoriert, wird nicht ernst genommen. Das ist relativ einfach, aber mit Argumenten wie "just a theory" (was eine Theorie ist, wissen erschreckend wenige) kann man sehr schön Stimmung machen, besonders bei Leuten, die weniger gebildet sind oder sein wollen (trifft bei Naturwissenschaft auf sehr viele Menschen zu)

    Zum Zusammentreffen:
    sie haben zwar Recht, es gibt oft Gewinner und Verlierer, aber das finde ich eher kindisch. Die Diskussion an sich sollte ein Gewinn sein.
    Meine Partnerin ist überzeugte Christin, ich bin Atheist. Wir diskutieren oft. Das macht Spaß und jeder muss sehr genau über seine Überzeugung nachdenken. Das hilft uns beiden, denn oft "sieht man den Balken im eigenen Auge nicht!"
    Das erfordert aber, dass man sein Gegenüber als als Mensch akzeptiert und nicht als Feindbild dämonisiert, um seine Gemeinde zusammen zu halten.

    • sibeur
    • 18. November 2012 0:19 Uhr
    35. ......

    Ich bin absolut gegen jegliche Religiöse Fanatiker. Am schlimmsten sind die muslimische Fanatiker, weil der Fanatismus dort stärker ausgeprägt ist. Aber jeder Art religiösen Fanatiker lehne ich ab.

    Im Studium habe ich jedoch schon im ersten Semester gelernt, dass man alles hinterfragen dürfen muss. Selbst Traditionen die man 1000 Jahre bewahrt hatte, sollten hinterfragt werden dürfen. Wieso wird eigentlich die Demokratie nicht hinterfragt? In der Theorie hört sich die Demokratie als ziemlich fair an. Das tut aber auch der Kommunismus. Kommunismus wird jedoch als Utopie wahr genommen. Ein System, was nicht für die Natur des Menschen geeignet ist. Das stimmt vermutlich auch. Ist das bei Demokratie aber wirklich anders? Ist Demokratie nicht ebenfalls eine Utopie. Ein System was der Natur des Menschen widerspricht. Vielleicht gibt es ein viel besseres System. Ein System, was viel besser zu unserer Natur passt. Ein viel zivilisierteres System. Das wird man nie erfahren, falls man Demokratie weiterhin als das nonplusultra ansieht. Millionen Menschen kaufen aber die Bildzeitung. Dort bilden sie sich weiter. Und alle 4 Jahre gehen diese Leute wählen und beeinflussen so die Zukunft eines ganzen Landes. Die Zukunft eines Landes wird von Menschen beeinflusst, welche nichts außer Dsds kennen. Das kann nur eine suboptimale Lösung sein. Ich hoffe, es gibt bessere.

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    vereinfachung von komplexität. das heisst holonistisch betrachtet, ein gutes system sollte die eigenschaft besitzen -seine ganzheit zu bewahren -seine teilheit zu bewahren -die fähigkeit zur entwicklung in emergentere entwicklungen -und die selbstauflösung und die wiedereinbindung in andere systeme. der mensch, egal in welchem system, ist hier meist nur reagierend und nicht agierend, im rahmen seines anerzogenen systemglaubens. im endeffekt bestimmt die allumfassende physik und kybernetik, wann änderungen wieder ins haus stehen. im momentan entwickelten bewusstseinsstand des menschen wird die demokratie als ein guter kompromiss gesehen.

  3. jeder Coleur ist ein Abschaum der menschlichen Intelligenz.
    Ob es Religiosität links oder rechts, Islamismus ist immer
    gegen Telleranz dem anderen gegenüber.
    Es ist ja Mittelalter, in dem manche Familien ihre Kinder
    erziehen - es ist greulich und abscheulich!!

  4. die USA bauen auf "gottesfürchtige Einwanderer" auch auf. Eine bedauerliche Entwicklung, in Europa denkt man mitunter, dass diese Menschen zu früh ausgewandert sind. Sie haben Feuerbach und Kant einfach nicht mitbekommen.

    Und da liegt die Krux! Die kriegen wir anscheinend aus diesen Köpfen nie mehr raus.

    Leider!

  5. Liebe Frau Coen, habe ich das richtig verstanden?

    1) Sie haben diese "Reportage" in den USA unternommen, ohne sich als "deutsche Journalistin" zu erkennen zu geben?

    2) Sie haben sich Ihren jeweiligen Gespraechspartnern gegenueber nicht als Journalistin vorgestellt, und ihnen nicht die Wahl gelassen, womoeglich nicht mit der Presse zu reden?

    3) Sie haben die Uni / Leitung, bzw. auch Ihre Gespraechspartnern hinterher, nicht darueber aufgeklaert, dass Sie "undercover" Aussagen gesammelt haben, um ihnen die Moeglichkeit zu geben, das Gesagte zu ergaenzen, vielleicht auch zu berichtigen?

    Einen entsprechenden Hinweis habe ich in jedenfalls in Ihrer Geschichte nicht gefunden.

    Man muss kein Freund der Evangelikalen sein, um das journalistisch - nach US-Massstaeben zumindest - sehr unprofessionell zu finden. Anregung: mal ein, zwei Semester Journalismus studieren, am besten in einer Evangelikalen-Hochburg ;-)

    Moeglicher Nebeneffekt: das mechanistische Menschenbild, das sich in dem Artikel offenbart, und das schlecht mit professsionellem Journalismus zu vereinbaren ist, koennte einem dabei leicht abhanden kommen.

    Haben Sie mal darueber nachgedacht, warum die Uni Ihnen mitgeteilt hat, es seien speziell Journalisten aus Deutschland, mit denen man schlechte Erfahrungen gemacht habe?

    Sie zitieren das Magazin New Yorker als Kronzeuge. Eine solches Vorgehen, wie es aus Ihrem Artikel ersichtlich wird, gilt dort als absolut unakzeptabel.

    Gluecklicherweise.

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    Ich glaube in Europa nennt man das investigativer Journalismus, der sich dann anbietet, wenn sich eine Institution weigert Informationen zu geben, obwohl ein oeffentliches Interesse besteht. Also warum sollte man sich dann an Regeln halten. Nach deutschen Regeln waere diese Uni unter Umstaenden als verfassungsfeindliche Instituition zu betrachten. Zum Teil werden die Besucher solcher Schulen/Unis, sofern es sich um den Muslimischen Glauben handelt, ja auch von den Sicherheitsorganen beobachtet und das zurecht. Warum sollte die bei diesen Fundamentalchristen anders sein.

  6. Was unterscheidet diese Menschen die aus dem College als Politiker rauskommen, von jenen Politiker den Ahmadinedschad um sich scharrt?

    "»Ohne Gott kollabiert das ganze System«, sagt Farris. »So, wie wir es schon heute da draußen sehen.« Eine Arbeitslosenquote von 7,8 Prozent; 46 Millionen Amerikaner, die von Lebensmittelkarten leben; sinkende Löhne – für Farris ist bewiesen, dass Amerika fast verloren ist."

    Und wo ist das am schlimmsten? Im Hinterland, die Amerikaner würde jene Rednecks nennen, denn da lebt man noch getreu dem Motto wer nichts weiß, der glaubt.

    Und als wären die Diskriminierungen gegen Homosexuelle und Abtreibungsbefürworter nicht schon schlimm genug, wettern die Kreationisten-Clowns auch noch alle Nase lang gegen Latinos, Iren, Italiener, Asiaten und Afroamerikaner.

    Was kommt wohl dabei raus, wenn jemand, der nur die Bibel gelesen hat, ein Kind unterrichtne soll?
    Der christliche Fundamentalismus nimmt in den USA stark zu, so stark, das man in manchen Gegenden als Atheist bangen muss, wie damals in Salem verbrannt zu werden, nur weil man weiß warum die Sonne untergeht.

    "Du musst den Feind gut kennen, um ihn zu besiegen."

    Leute die freiheitliche Humanisten wie Kant, Nietzsche und Locke als "Feind" bezeichnen, die Menschen aufforderten zu denken, sind die größten geistigen Brandstifter die eine Nation haben kann.

  7. "natuerlich kann man den so vorgegebenen christlichen stoff an dieser uni verurteilen, aber an einer deutschen standart-schule und -uni sind die inhalte und rahmenparameter auch vorbestimmt und keiner hinterfragt was und wie dort eigentlich vermittelt wird und von wem vorgegeben wurde." Und als erstes wuerden Sie Ihren Kindern beibringen, auf Grossschreibung und jegliche Zeichensetzung zu verzichten? Aber zur Sache, man mag darueber diskutieren, inwiefern der Politik- und Wirtschaftsunterricht in der Schule durch die herrschende Politik vorgegeben ist, aber der Rest basiert auf wissenschaftlicher Erkenntnis und an Unis gibt es gar keine Vorgaben, da kann ich als Professor erzaehlen und lehren was ich will. Man vertraut darauf das ich den wissenschaftlichen Stand des Wissens lehre, bzw. was ich dafuer halte. Allerdings muss ich, um in diese Situation zu kommen, mindestens 15 Jahre hartes Lernen und sehr gut abgeschnittene Pruefungen nachweisen. Also es kann sich nicht jeder einfach selbst hinstellen und von sich behaupten, er wisse wie es am besten geht und loslegen. Das machen aber diese verquasten Christen.

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