WochenmarktJetzt werden die Äpfel gepflückt

von Elisabeth Raether

Einen Brei aus Kartoffeln und Äpfeln Himmel und Erde zu nennen – das klingt wie die Idee von hoch motivierten Branding-Experten eines internationalen Lebensmittelkonzerns. Erde steht für Kartoffeln, denn sie wachsen im Boden, und Himmel steht für Äpfel, denn sie wachsen schließlich am Baum. Leuchtet jedem sofort ein.

Tatsächlich ist Himmel und Erde ein Hunderte Jahre altes rheinländisches Rezept, das jetzt von reisemüden Großstädtern wiederentdeckt wird. Sie treffen sich zum Beispiel in Hamburg beim Stylisten Christoph Himmel (er heißt wirklich Himmel), der alle paar Wochen zur »Speisegesellschaft« in sein Studio einlädt und für die Leute kocht, die sich vorher auf seiner Internetseite angemeldet haben. Es gibt auch Labskaus, ein weiteres Breigericht der deutschen Küche. Unser Kollege Wolfram Siebeck würde wohl »Plumpsküche« dazu sagen. Der Brei war lange ein Essen für arme Leute – die sich nämlich keinen Backofen fürs Brot leisten konnten. Heute bestellen schon Kinder ihr Sushi auf Japanisch. Warum also nicht den Brei wiederentdecken? Zumal Äpfel und Kartoffeln zusammen prima schmecken, vor allem wenn es eine gebratene Blutwurst dazu gibt.

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Man schält zunächst die Kartoffeln – die »Speisegesellschaft« schlägt die mehligkochende Sorte Ackersegen vor – und kocht sie gar. Für die Zubereitung des Apfelmuses eignen sich die großen, sauren Boskoop-Äpfel. Sie werden geschält, entkernt und in kleine Stücke geschnitten. In einem Topf erhitzt man den Apfelsaft, dessen Qualität so sein sollte, dass man ihn auch gern trinken würde. In dem Saft werden die Äpfel weich, aber nicht zu weich gekocht.

Alle Wochenmarkt-Rezepte

Alle Wochenmarkt-Rezepte  |  © Miguel Medina/AFP/Getty Images

Die Kartoffeln zerstampft man, wenn sie gar sind, zusammen mit der Butter und der Milch zu einem groben Brei. Jetzt werden die Apfelstücke hinzugefügt, und das Ganze wird durchgemischt. Mit Salz und Pfeffer schmeckt man am Schluss ab. Es wäre jetzt der Moment gekommen, die zuvor leicht mit Mehl bestäubten Blutwurstscheiben in einer Pfanne anzubraten.

Himmel und Erde

1 kg Kartoffeln (mehligkochend)
1 kg Äpfel
1 Glas Apfelsaft
½ Liter warme Milch
125 g Butter
Salz und Pfeffer

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Leserkommentare
  1. Das ist richtig, aber an rheinisches Himmel un Ääd gehört in der Regel gar keine Flönz, sondern Blutwurst.
    Trotzdem wäre ich vorsichtig damit, Abweichungen vom eigenen Familienrezept "Postrheinländern" zuzuschreiben, die Standardisierung der Küche über größere Regionen ist eine relativ neue Idee.

    Ich kenne die Variante mit der kross gebratenen Blutwurst (was ich äußerst empfehlenswert finde), mit gedünsteten Zwiebeln und Apfelkompott oben über das Gericht gegeben.

  2. Ich empfehle allen Rheinländern, Postrheinländern, Zugereisten, Eingeborenen und Durchgereisten, dieses Gericht (Ich nenne es halt mal so, großzügig, wie ich bin) einfach bei der EU als g.g.A. (Geschützte geographische Angabe) bzw. g. t. S (garantiert traditionelle Spezialität) eintragen zu lassen. Dann weiß endgültig jeder, wie man es zubereitet, was reinkommt und was nicht, wo es herkommt und wo man es nur richtig zubereiten kann.

    Haben die Italiener mit ihrer Pizza Napolitana und Schwaben mit ihren schwäbischen Maultaschen ja auch geschafft, oder?

  3. dass es Menschen gibt, die nichts wissen aber trotzdem was meinen.

    Antwort auf "Wie schön..."
    • Tobia.s
    • 12. November 2012 9:19 Uhr

    @Pressword: Lieber nicht, die Vielfalt finde ich gerade großartig. ^^

    @Fleischwolf: Warum bin ich da nicht selber drauf gekommen? Welches Gericht profitiert am Ende nicht von ein paar Zwiebeln? Dankeschön dafür!

  4. ... wie aus dem entsprechenden Artikel in der kölschen Wikipedia hervorgeht:
    "Flönz iss en kölsche Woosch.

    Et iss jet ähnlishet wie de Blotwoosch unn weed och uss Bloot unn Würfelscher vumm Suuspäck jemaat. Äwwer Flönz weed jekoch unn Blotwoosch jeräuschat. Unn deswäjje sinn de Flönz wabbelisch unn dä Blotwoosch bleev och in dä Pann stief wie enn Kummelejoonskääz.

    Fröher em nüngzehnte Johrhungert woore Flönz de billishste Wooschstätzja, alsuh allet möschlishe nit nur Blotwoosch. Dat wor dat wat mer för da Hungk jekäuf hätt, ärm Lück och för sich selvs. Nohm Adam Wrede hätt mer in de Metzjereije mänchmol jehürt: För zwei Jrosche Flönz för der Hungk, ävver kein Fleischwoosch derbei, die iß minge Vatter nit."

    Mit dä Zick hätt ma Flönz för de billje Blotwoosch jesaat. Unn hück weejß kuhm ejner watt dä Ungerschied iss zwesche Flönz und Blotwoosch.

    Flönz ka_ma esse als Kölsche Kaviar oda jebroode met Himmel unn Ääd. Dazu drenk ma en Kölsch, nomaal.

  5. Himmel un Ääd => Heimweh!
    .
    Alternativ kann/muss ich in Wien die österreichische Variante, nämlich "Blunzngröstl" genießen. Das kommt der Sache relativ nahe.
    .
    Das kölsche Wikipedia birgt folgendes Rezept:
    .
    http://ksh.wikipedia.org/...
    .
    Das erinnert mich an einen Betriebsausflug unter dem Motto "Himmel un Ääd".
    Die Besichtigung des Planetariums/Sternwarte Bochum und des Bergbau-Museums .
    Zu Essen gab es danach aber à la carte.

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  • Schlagworte Brot | Essen | Glas | Qualität | Sushi | Hamburg
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