ZeitgeistSteinbrück und Moral

Huch, der Mann redet für Geld. Einflussnahme droht anderswo. von 

»It couldn’t have happened to a nicer guy«, lautet ein ironisches amerikanisches Wort – auf platt Deutsch: »Geschieht ihm recht.« Wem? Dem Honorar-Redner Peer Steinbrück, dessen SPD seit 150 Jahren die Egalität im Banner trägt – die Umverteilung von oben nach unten. Der Mann hat über eine Million mit seinen Plaudereien verdient; mit Büchern und Aufsichtsratsmandat sollen es gar deren zwei gewesen sein. Wie kann so ein »Einkommensmillionär«, fragt die Stuttgarter Zeitung, die »notwendige Sensibilität für soziale Härten und soziale Gerechtigkeit« aufbringen?

Zurückgefragt: Wie kann das überhaupt ein Abgeordneter, der mit seinen Diäten in den Top-drei-Prozent der Einkommensskala siedelt? Noch schärfer: Wie können das die Lehrer, Gewerkschafter und Funktionäre, die mit sicherem Job im Rücken den Bundestag bevölkern? Dass »wohlhabend« überhaupt mit »unsensibel« gleichgesetzt wird, zeigt, wie breit sich das Egalitätsprinzip (wohinter der Neid grollt) im Bewusstsein gemacht hat. Gerecht ist, was gleich ist, freilich mit sagenhaften Ausnahmen. Sportler und Rockstars kassieren doppelstellige Millionen. Opernsänger, Dirigenten, Talkshow-Dompteure dürfen es auch, obwohl ihr Reichtum aus öffentlichen Quellen fließt.

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Talent oder auch nur Prominenz darf also nach Marktpreisen, nach Angebot und Nachfrage, bewertet werden. Warum nicht ein viel gesuchter Rhetoriker namens Steinbrück, der weder Baugenehmigungen noch Ämter zu vergeben hat? Der im grellen Licht der Öffentlichkeit redet und nicht im dunklen Tunnel des Lobbyismus, der von Verband oder Gewerkschaft direkt ins Herz der Demokratie führt? Noch heute wissen wir nicht, wie Franz Josef Strauß selig sein Vermögen angehäuft hat. Sozen dürfen nicht Millionäre sein? Dann gehen diese zu den Bürgerlichen. Oder überhaupt nicht in die Politik, und es gilt das Lambsdorff-Bonmot: »Der Bundestag ist mal voller, mal leerer, aber immer voller Lehrer.«

Die Moral von der Geschicht’ kann nur lauten: Mach dich klein, nicht wichtig. Hab keine Biografie jenseits der Einträge, die von der Kita-Union zum Kreisvorsitzenden führen. Fall nicht auf, bleib im Chor. Dann gibt es keine Versuchung – keinen Ruhm, kein Honorar, denn du hast ja nichts zu sagen. Solche Abgeordneten werden das Interesse an der Politik in schwindelnde Höhen jagen, im Wahlvolk wie im Pool potenzieller Kandidaten. »Gleich ist gerecht« gilt allein im totalitären Staat, aber nur als Mythos, verschafft er doch der Nomenklatura astronomische Privilegien.

In Wahrheit sollten wir uns über Politiker wie Steinbrück freuen. Lasst sie reden und über ihre Einkünfte offen Buch führen. Dann werden sich diese als Peanuts entpuppen im Vergleich zur Alimentierung öffentlich-rechtlicher Talkshow-Moderatoren und den sechsstelligen Honoraren für politische Ex-Größen. Den Gelegenheits-Moralisten in allen Parteien möchte man zurufen: Kümmert euch um die Lobbyisten, die mucksmäuschenstill Milliarden und Regulierungen bewegen. Fangt an mit einem Lobby-Register wie in Amerika, das in Deutschland nicht zustande kommt. Das hochnotpeinliche Verhör des Peer Steinbrück ist einfacher – eine wohlfeile Ersatzhandlung.

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Leserkommentare
  1. Es geht doch gar nicht darum, ob und wieviel Honorar Peer Steinbrück erhalten hat und ob er einen Teil davon spendet oder nicht; Er ist schlicht für die potenziellen SPD-Wähler der falsche Mann zur falschen Zeit mit der falschen Botschaft und der falschen Mentalität für Kanzler. Finanztechnisch ausgedrückt hat er für die SPD als Kanzlerkandidat einen negativen Marktwert. Es ist sehr angebracht dem aktuell übrig gebliebenen Kanzlerkandidaten Steinbrück, irgendwie herauskristallisiert aus dem Möchtegern-SPD-Dreigestirn, und natürlich der aktuellen SPD-Führung insgesamt mit großem Misstrauen zu begegnen, denn: Wer hats gemacht? Die SPD hats gemacht! Die Agenda 2010, unter anderem mit Harz4, Rentenkürzung auf 43% und Riesterrente, bedeutet erst einmal recht einseitig noch mehr Profit und Wachstum für Reiche und Ihre Vermögen und jede Menge Belastungen und Zumutungen wie massenhaft Leiharbeit, Lohndumping und Teilzeitjobs für Normalbürger und ganz besonders für Arme und sowieso schon Benachteiligte. Keine Partei hat seit langem die Interessen seines Wählerklientel so heuchlerisch und skrupellos verraten wie die SPD unter Schröder, Müntefering, Clement, Müller, Steinmeier, Steinbrück, Gabriel, Nahles u. a. Die SPD ist mit solchem Personal und ihrem weiter so gegen die Interessen des eigenen Wählerklientel einfach nicht wählbar. Die SPD vermag leider aktuell nicht wirklich eine glaubhafte und ernst zu nehmende Alternative zur CDU/CSU darzustellen!!!

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    Und warum hat Ihrer Meinung nach die jetzige Regierung versäumt, das gesamte Unrecht umzukehren?
    Weil man weiter den Erfolg für sich beanspruchen kann (weniger Arbeitslose durch Teilzeitarbeit, Leiharbeit und Minijobs, usw.) und immer mit dem Finger auf die bösen SPD-Buben zeigen kann..."die waren es". Übrigens das Kurzarbeitergeld und die Abwrackprämie waren nicht die Idee der Kanzlerin, auch wenn sie den folgenden "Aufschwung" für sich beansprucht.
    Aus welchen Grund hat sich wohl die jetzige Regierung nicht an die Rücknahme der Senkung des Spitzensteuersatzes durch Schröder & Co. gewagt?
    Übrigens bin ich nie ein Fan von Schröder, Clement, usw. gewesen.

  2. Und warum hat Ihrer Meinung nach die jetzige Regierung versäumt, das gesamte Unrecht umzukehren?
    Weil man weiter den Erfolg für sich beanspruchen kann (weniger Arbeitslose durch Teilzeitarbeit, Leiharbeit und Minijobs, usw.) und immer mit dem Finger auf die bösen SPD-Buben zeigen kann..."die waren es". Übrigens das Kurzarbeitergeld und die Abwrackprämie waren nicht die Idee der Kanzlerin, auch wenn sie den folgenden "Aufschwung" für sich beansprucht.
    Aus welchen Grund hat sich wohl die jetzige Regierung nicht an die Rücknahme der Senkung des Spitzensteuersatzes durch Schröder & Co. gewagt?
    Übrigens bin ich nie ein Fan von Schröder, Clement, usw. gewesen.

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