Beruflicher Erfolg Das Zitat... und Ihr Gewinn
Romano Prodi sagt: Wenn man alles berechnet, gelingt nichts.
Früher hat jemand, der ein Geschäft gründen wollte, ein Geschäft gegründet. Heute schreibt er zwei Jahre lang an seinem Businessplan, läuft von Seminar zu Seminar und bläst das Projekt am Ende ab, weil die Erfolgschancen nur bei 80 und nicht bei 100 Prozent liegen. Früher hat jemand, der ein Zweitstudium beginnen wollte, ein Zweitstudium begonnen. Heute irrt er ein halbes Jahrzehnt lang durch die Studienberatung, recherchiert im Internet, chattet mit anderen Unschlüssigen, wägt Länder, Fächer, Hochschulen gegeneinander ab – bis die Glut seiner Begeisterung erloschen und das Projekt »Studium« gestorben ist.
Eine Bewerbung schreiben, eine Verhandlung führen, ein Team leiten, einen Traum verwirklichen – was früher einfach gemacht wurde, wird heute oft so lange und so akribisch vorbereitet, bis die Energie verpufft und der Start auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben ist. Wer alles berechnet, dem gelingt nichts, wie Romano Prodi sagt.
Ich glaube, viele Menschen machen sich etwas vor: Wer ein schlechtes Gewissen hat, weil er nicht handelt, der bereitet wenigstens sein Handeln vor – als würde ein Autofahrer tolle Ausflüge planen, aber die Garage niemals verlassen. Diese Absicherungsmentalität ist typisch für unsere Zeit: Aus lauter Angst, den falschen Weg einzuschlagen, treten die Menschen auf der Stelle. Tun birgt Risiken – Lassen ist ungefährlich.

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".
Das erinnert mich an Kafkas Parabel vom Türhüter: Jemand will eine Tür durchschreiten, doch vor ihr steht ein Türwächter, an dem er nicht vorbeizukommen meint. Und so denkt er sich immer neue Strategien und Argumente aus, um vom Türhüter eingelassen zu werden, ohne jeden Erfolg. Schließlich holt der Tod ihn ein, und in seinen letzten Atemzügen erfährt er vom Türwächter: Diese Tür war für ihn bestimmt – er hätte sie nur durchschreiten müssen.
Pläne in Ehren; sie geben Orientierung. Lernen in Ehren; es macht schlau. Training in Ehren; es macht fit. Aber vergessen Sie nie, was am Ende zählt: das Handeln. Es bringt nichts, vor den Türen zu stehen – Sie müssen sie auch durchschreiten! Große Pläne sind nämlich nur dann etwas wert, wenn sie zu großen Taten führen. Im Zweifel ist es besser, sich eine Route bei der Fahrt zu überlegen, als erst gar nicht aus der Garage zu kommen.
- Datum 09.12.2012 - 15:36 Uhr
- Serie Das Zitat und Ihr Gewinn
- Quelle DIE ZEIT, 8.11.2012 Nr. 46
- Kommentare 6
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dass Menschen früher tatkräftiger waren als heute? Warum zögern Menschen heute länger, anstatt einfach zu handeln?
Wir werden heute von allen Seiten mit Informationen bombardiert; das Internet ist immer und überall mit dabei, Informationen sind nur ein paar Klicks und Sekunden weit weg. Dieser ganze Informationsfluss lässt uns häufig einfach den "Wald vor lauter Bäumen" nicht mehr sehen und wir verlieren das Wesentliche allzu einfach aus den Augen. All diese Informationen müssen ausgewertet und abgewogen werden, je mehr Info desto mehr Planung brauchen wir, um sicher zu gehen, dass auch alle Information berücksichtigt wurden.
Die Technologie entwickelt sich schneller, als wir uns anpassen können und die Zeiten, in denen die gelegentliche E-mail die Arbeit erleichtern konnte, sind lange vorbei.
Schöne neue Welt.
Dass mehr Informationen verfügbar sind ist nur ein Teil der Wahrheit.
Ich denke, es ist heute einfach nicht mehr "schick", mutig zu sein, echte Risiken einzugehen.
Man erzieht zunehmend erfolgreich zur Anpassung - an alle möglichen Statistiken. Denn nur, wer der Norm entspricht, ist in Ordnung. Nur, wer immer brav ist, wird belohnt.
Sagt die Erziehung - um im Gegensatz zu früher wird dem auch geglaubt. Denn es wird gesteuert und gelenkt, Kinder und Jugendliche haben keinen Freiraum mehr. Die Chance, sich selber auszuprobieren, haben Kinder heute kaum noch. Es geht nicht mehr darum, brauchbare Ergebnisse vorzuweisen. Es geht um den vorgezeichneten Weg und den - Schein im doppelten Wortsinn.
Könnte sein, dass das, worauf sich die Kids heute vorbereiten (sollen), sich dem Ende zuneigt.
arg oft muss ich lesen, dass heutzutage dies nicht mehr oder heutzutage jenes allzuoft.. und so weiter und so fort.
Waren Menschen früher wirklich tatkräftiger als heute?
Gab es früher (was ist eigentlich 'früher'? das dritte Reich? Die 68er?) tatsächlich mehr Freiraum?
Früher war sogar die Zukunft besser. (Frei nach K.Valentin).
Ich kann diese Allgemeinplätze im Gegensatz zu 'früher' immer weniger ertragen.
Tja, das mit dem früher ist immer so eine Sache, aber schauen Sie mal auf die 68er Jahre. Dort wurden Freiräume geschaffen, von denen ein man heute nur noch träumen darf.
Es war vieles leichter, Löhne warne gerecht, Arbeit gab es zu Hauf. Freiheit war auch die Freiheit, nicht erreichbar zu sein und unkontrolliert sein Leben zu gestalten. Es gab keine "Kariereplanung" sondern nur das Leben, keine "Berater", die einem ein unpassendes Lebensmodell aufschwatzen wollte.
Von daher war früher nicht alles besser, aber der Raum für den Menschen war schon um etliches grösser als heute. ( Vielleicht waren auch nur die Gitter des goldenen Käfigs weiter auseinander. )
Tja, das mit dem früher ist immer so eine Sache, aber schauen Sie mal auf die 68er Jahre. Dort wurden Freiräume geschaffen, von denen ein man heute nur noch träumen darf.
Es war vieles leichter, Löhne warne gerecht, Arbeit gab es zu Hauf. Freiheit war auch die Freiheit, nicht erreichbar zu sein und unkontrolliert sein Leben zu gestalten. Es gab keine "Kariereplanung" sondern nur das Leben, keine "Berater", die einem ein unpassendes Lebensmodell aufschwatzen wollte.
Von daher war früher nicht alles besser, aber der Raum für den Menschen war schon um etliches grösser als heute. ( Vielleicht waren auch nur die Gitter des goldenen Käfigs weiter auseinander. )
Tja, das mit dem früher ist immer so eine Sache, aber schauen Sie mal auf die 68er Jahre. Dort wurden Freiräume geschaffen, von denen ein man heute nur noch träumen darf.
Es war vieles leichter, Löhne warne gerecht, Arbeit gab es zu Hauf. Freiheit war auch die Freiheit, nicht erreichbar zu sein und unkontrolliert sein Leben zu gestalten. Es gab keine "Kariereplanung" sondern nur das Leben, keine "Berater", die einem ein unpassendes Lebensmodell aufschwatzen wollte.
Von daher war früher nicht alles besser, aber der Raum für den Menschen war schon um etliches grösser als heute. ( Vielleicht waren auch nur die Gitter des goldenen Käfigs weiter auseinander. )
ohne Buisnessplan keine Finanzierung und man möchte annehmen Herr Wehrle musste sich in D noch nie als Existenzgründer bei Banken nackig machen. Und nein viele haben mMn nicht das nötige Kleingeld im Hintergrund, um Sachen gegen den Baum zu fahren oder selbst zu finanzieren.
Bewerbung: Die muss ausgefeilt sein um nicht schon beim ersten HR Mitarbeiter durchzufallen, wenn alles nicht so ist, wie es die meist dort tätige Bürofachkraft im Seminar gelernt hat.
Risiken: Das eingehen der durch den Autor geforderten Risiken, ist in D einfach nicht mehr möglich, da beim Scheitern der Abstieg auf Hartz IV vorprogrammiert ist.
Denn Leute die sich selbstständig machen und es nicht schaffen, fallen in D in die Rubrik Versager und sind damit für den dt. Arbeitsmarkt wertlos. Oder wenn in D jemand eine Auszeit vom Job nimmt (vlt. auch nur weil er die Schnauze nach 20 Jahren voll hat und Abstand braucht) wird ebenso als Versager eingestuft, es sei denn er massiert seine Bewerbung so, dass es wieder in das Denkschema eines Personalers passt und der Bewerbungsexperten aka Headhunter passt.
Die Aussagen des Autor würden hier in Canada passen, aber in D sind sie mMn, aufgrund der Rahmenbedingungen vollkommen fehl am Platz, da sie oftmals den sozialen Todesstoß zur Folge hätte, was man sich wenn man dort Familie hat wirklich reiflich überlegen sollte.
Die Märkte sind heute offener, dynamischer und übersättigter. Dabei wird nicht der Kuchen größer, sondern die Zahl derer, die im Verdrängungswettbewerb ein Stück davon abhaben wollen.
ein Grund, warum Menschen versuchen Chancen zu optimieren, und sich nicht selten in der Optimierung verlieren.
Prodi und andere Politiker haben natürlich leicht reden. Deren Vorhaben müssen zwangsfinanziert werden, wenns schiefgeht haftet der Steuerzahler noch für die Kosten der Fehler. Wofür und womit haften Prodi & Co.?
Mit ihrem Vermögen bis zum wirtschaftlichen Absturz ?
Früher (1960, 70, 80er) waren die Menschen nicht tatkräftiger. Sie hatten jedoch sowohl mit Studium oder Berufsausbildung, als auch als Selbständige weit bessere Perspektiven.
Diese Perspektiven werden heute durch eine gesundbetende Wirtschafts- und Staatpropaganda ersetzt. Als Motivation für Normalbürger mehr Risiko zu gehen, eher untauglich.
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