DIE ZEIT: Herr Bispinck, wo verdiene ich als Berufsanfänger mit einem Studienabschluss besonders viel?

Reinhard Bispinck: Als promovierter Naturwissenschaftler in einem Großbetrieb. Am besten, Ihr Betrieb ist mit einem Betriebsrat versorgt und hat einen Tarifvertrag. Dann zahlt Ihnen ihr Arbeitgeber bis zu 20 Prozent mehr als in Firmen ohne Tarifvertrag.

ZEIT: Für junge Banker mit Akademikergrad sieht es noch rosiger aus, stellen Sie in Ihrer neu erschienenen Studie fest.

Bispinck: Banker verdienen top: 4.400 Euro brutto im Durchschnitt. Allerdings ist die öffentliche Debatte über Banker-Gehälter extrem verzerrt. Alle denken an die ganz großen Spitzenverdiener im Investmentbanking. Aber ein Großteil arbeitet in den verschiedenen, trotzdem noch sehr gut bezahlten Bankensparten.

ZEIT: Wie kommen die Einkommensunterschiede unter Akademikern zustande? Akademiker im Bereich Kultur, Sport und Unterhaltung verdienen im Monat durchschnittlich 2.600 Euro brutto.

Bispinck: Es gibt viele Gründe dafür. Westdeutsche verdienen meistens mehr als Ostdeutsche. Ihr Gehalt ist in der Regel höher, wenn ihr Betrieb die Ware oder Dienstleistung international verkauft und nicht nur regional. Es spielt eine Rolle, ob die Branche insgesamt eine hohe Wertschöpfung erzielt oder nicht. Auch ist wichtig, ob die Gesellschaft in Deutschland den Beruf wertschätzt oder eher nicht.

ZEIT: Was meinen Sie mit Wertschätzung?

Bispinck: Dass beispielsweise Ärzte heute meistens ein höheres Ansehen haben als Beschäftigte im Sozial- und Erziehungsdienst und sich das beim Gehalt niederschlägt. Das lässt sich aus unserer Statistik ablesen. Ich denke, dass die Wertschätzung etwa für technische und juristische Berufe höher ist als für soziale Berufe. Wie viel die Menschen leisten, also die tatsächliche Wertigkeit der Arbeit, bleibt meiner Meinung davon aber unberührt.

ZEIT: Ihre Studie legt nahe, dass die Arbeit mit Technologien höher bewertet wird als die Arbeit mit Menschen.

Bispinck: Unsere Daten bestätigen das. Wobei auch hier Ausnahmen die Regel bestätigen. Wenn Sie das Gehalt eines Bauingenieurs in den ersten Berufsjahren anschauen: So richtig viel verdient der im Vergleich auch nicht. Das liegt wohl unter anderem daran, dass es der Bauwirtschaft gerade ökonomisch nicht sonderlich gut geht. Die jeweilige ökonomische Lage der Branche spielt natürlich eine extrem große Rolle bei der Höhe des Gehalts.

ZEIT: Frauen mit Universitätsabschluss kommen in den ersten Berufsjahren beim Gehalt schlechter weg als Männer. Woran liegt das? Wählen sie die falschen Berufe?

Bispinck: Nein, nicht unbedingt. In anderen Studien haben wir die einzelnen Branchen untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen: Diese Unterschiede gibt es innerhalb der Berufsgruppen. Weitere Studien haben gezeigt, dass wir die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen nicht vollständig erklären können. Damit meine ich geringere Qualifikation, häufige Berufsunterbrechung bei Frauen oder niedrigere berufliche Position. Das Gehalt von Frauen ist bei gleicher Position trotzdem oft niedriger. Das heißt: Frauen verdienen weniger, weil sie Frauen sind.

ZEIT: Auch bei den verschiedenen Universitätsabschlüssen gibt es große Unterschiede. Die Bachelor- und Magisterabsolventen der Universit-ten verdienen durchschnittlich weniger als die Fachhochschulabgänger. Wie erklären Sie sich das?

Bispinck: Diese große Kluft hat mich auch überrascht. Diejenigen, die einen Master gemacht haben, verdienen durchschnittlich 1.000 Euro im Monat weniger als diejenigen mit Magister. Vermutlich liegt es daran, dass eher die geisteswissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Fachrichtungen mit Magisterabschluss studiert wurden. Diese werden im Durchschnitt geringer vergütet, wie die Studie zeigt. Bachelorabsolventen von der Uni verdienen mit 2.890 Euro im Monat ebenfalls weniger, gerade im Verhältnis zu Bachelorabsolventen von Fachhochschulen, die immerhin 3.300 Euro im Monat bekommen. Das ist ärgerlich für die Uni-Absolventen, weil die Ausbildungszeit ja dieselbe ist.

ZEIT: Woran könnte das liegen?

Bispinck: Ich kann nur spekulieren, dass dieser Abschluss nicht als vollwertig angesehen und weniger geschätzt wird. Das Fachhochschulstudium war schon immer kürzer, damit passt die Dauer des Bachelors eher zum klassischen Fachhochschulabschluss als zum Uni-Abschluss – aus Sicht der Unternehmer.