ZEIT: Sie selbst sind 59 Jahre alt und damit kaum älter als der durchschnittliche Mercedes-Käufer in Deutschland. Werden die Käufer jetzt jünger?

Zetsche: Die A-Klasse-Käufer sind deutlich jünger. Aber generell hat die Verjüngung Grenzen: Je jünger die Kunden sind, umso mehr zählt der Preis.

ZEIT: Mercedes steht wie kaum eine Marke für das Motto »nutzen statt besitzen«. Ihre Modelle laufen als Dienstwagen, Taxis, Mietwagen, Zehntausende Ihrer Mitarbeiter erwerben jedes Jahr einen Neuwagen zum Sonderpreis und reichen ihn nach einiger Zeit ohne Verlust weiter. Wie viele neue Mercedes werden noch privat erworben?

Zetsche: Was Sie beschreiben, gilt so nur für Deutschland. Und wir haben das vor zweieinhalb Jahren als Problem ausgemacht und verändert. Wir hatten früher viele Autos über Autovermietungen und über Mitarbeiter in den Markt gegeben. Das war gut für den Marktanteil, aber nicht für den Werterhalt der Gebrauchtwagen. Heute verkaufen wir weniger Autos an Autovermieter.

ZEIT: Deshalb bekommt man bei Sixt jetzt so oft einen BMW?

Zetsche: Einige Wettbewerber haben diese Lücke sicherlich gefüllt. Mit Autovermietern können wir aber kein Geld verdienen. Stattdessen stecken wir jetzt viel Energie ins Geschäft mit gewerblichen Kunden und in den normalen Handel, und die A-Klasse ist dafür wichtig. Den Vorgänger haben zum Beispiel viele unserer Mitarbeiter gekauft. Die neue A-Klasse geht erst mal nach draußen an die externen Kunden.

ZEIT: Zugleich richten Sie sich mit dem Mietservice Car2go darauf ein, dass viele junge Menschen kein eigenes Auto wollen. Ihre Konkurrenten haben die Idee mit den Car2go-Smarts flugs kopiert.

Zetsche: Bis auf den Cent pro Mietminute.

ZEIT: Durch solche Systeme könnte doch mancher darauf kommen, sein Auto abzuschaffen.

Zetsche: Es mag welche geben, die so reagieren, noch mehr jedoch kaufen sich erst recht einen eigenen Smart. Die Nutzen-statt-besitzen-Fraktion in den großen Städten nimmt aber zu, und da müssen wir ein Angebot machen.

ZEIT: Verdienen Sie mit Car2go Geld?

Zetsche: In Hamburg und Wien hatten wir erste Monate mit positivem Ergebnis – das kann langfristig ein rentables Milliardengeschäft werden.

ZEIT: Wir treffen Sie in einer Zeit, in der die weltwirtschaftliche Lage unsicher ist. Konzerne wie Siemens verkünden harte Sparprogramme mit Stellenstreichungen. Von Ihren Sparplänen kennt man bisher nur den Namen: »Fit for Leadership« . Was kommt auf die Mercedes-Mitarbeiter zu?

Zetsche: Fest steht: Wir wollen bis Ende 2014 mit den Kosten um etwa zwei Milliarden Euro nach unten.

ZEIT: Zwei Milliarden Einsparungen allein bei der Pkw-Sparte. Da müssen Sie jemandem wehtun.

Zetsche: Es wird immer so dargestellt, als ob Wachstum etwas für Sonnenkönige sei und Einsparungen etwas für brutalere Menschen. Beides ist Management – beides gehört zu meinem Job.

ZEIT: Wie sieht diesmal Ihre brutalere Seite aus?

Zetsche: Ich will Effizienz schaffen. Der Mensch hat seit Adam und Eva den Antrieb, mehr mit weniger zu schaffen...