ZEIT: Bei Daimler arbeiten allein in Deutschland fast 170.000 Menschen, wie viele müssen gehen?

Zetsche: Wir sehen bisher keinen aktiven Personalabbau vor, denn wir wollen weiter wachsen.

ZEIT: Aber das vorhandene Personal muss mehr leisten, mehr Autos produzieren.

Zetsche: So kann man es ausdrücken. Wir haben ja schon kundgetan, dass wir statt bislang 40 Stunden pro Auto in der Montage auf 30 Stunden kommen wollen.

ZEIT: Dann müssen Sie ein Viertel mehr Autos verkaufen, wenn Sie die Belegschaft in der Fabrik halten wollen – trotz der Flaute in Europa.

Zetsche: Das Wachstum kommt nicht aus Europa.

ZEIT: Bis 2020 wollen Sie BMW und Audi wieder überholen. Dafür müssten Sie etwa 2,6 Millionen Mercedes und Smart absetzen, doppelt so viele wie heute. Wie soll das gehen?

Zetsche: Die ungefähre Größenordnung stimmt. Voraussetzung ist, dass China sich so entwickelt, wie es alle Auguren voraussagen. Das gilt auch für die Pläne unserer Wettbewerber.

ZEIT: Mercedes, Audi und BMW können die Europa-Flaute kompensieren. Ganz anders sieht es bei Herstellern wie Ford, Opel, Renault oder Peugeot in Europa aus. Werden alle überleben?

Zetsche: 2012 werden in Europa drei Millionen Autos weniger verkauft als 2007. Das ist für Hersteller, die im Wesentlichen nur hier ihr Geschäft haben, schwer zu verkraften. Allerdings hilft in unserer Branche oft der Staat. Peugeot hat gerade eine Bürgschaft von sieben Milliarden Euro erhalten.

ZEIT: Renault ist auch schwer getroffen. Sie helfen, indem Sie dort Motoren für die A-Klasse beziehen, der nächste Smart ist ein halber Renault...

Zetsche: ...der Einstiegsmotor für die A-Klasse ist ein Mercedes-Motor, der auf Basis eines Renault-Motors von uns mitentwickelt wurde. Wir garantieren die Mercedes-Qualität für alle Teile, die wir von Lieferanten bekommen, so auch für die Motoren der A-Klasse...

ZEIT: ...die bei Renault vom Band laufen.

Zetsche: ...und der neue Smart baut auf ein Konzept auf, von dem auch ein Renault-Fahrzeug abgeleitet wird. Also: Wir unterstützen Renault nicht, sondern wir arbeiten sehr gut zusammen. Zum beiderseitigen Vorteil.

ZEIT: Warum übernehmen Sie dann nicht auch den Renault-Motor in der Formel 1, mit dem Sebastian Vettel bei der WM in Führung liegt?

Zetsche: Der Mercedes-Motor gilt als der beste in der Formel 1.

ZEIT: Aber Ihre Piloten fahren hinterher.

Zetsche: Das liegt an anderen Teilen des Autos.

ZEIT: Ihr Formel-1-Engagement gerät zu einem PR-Fiasko. Die logische Konsequenz aus Ihrem Slogan »Das Beste oder nichts« hieße: nichts.

Zetsche: Sicher müssen wir schnell besser werden.

ZEIT: Niki Lauda soll jetzt als Chefaufseher für Ihr F1-Team helfen. Der verlangt angeblich 200 Millionen Euro mehr für den Etat.

Zetsche: Wir haben nicht vor, unser Budget zu erhöhen.

ZEIT: Übrigens, Ihr Vertrag läuft Ende nächsten Jahres aus. Kommenden Februar soll er um weitere drei Jahre verlängert werden!

Zetsche: Das ist Sache des Aufsichtsrats. Aber: Mir macht meine Aufgabe viel Spaß.