Daimler-Chef Dieter Zetsche"Ich will das nicht schönreden"

Daimler-Chef Dieter Zetsche erklärt, warum er Kritik ernst nimmt und wie er Mercedes wieder an die Spitze führen will. von  und

DIE ZEIT: Herr Zetsche, Daimler hat in den vergangenen sechs Jahren den Gewinn fast verdoppelt. Trotzdem gelten Sie jetzt gleich nach Opel als Verlierer in der deutschen Autobranche.

Dieter Zetsche: Wir hatten 2011 ein absolutes Rekordjahr, und auch dieses Jahr liefern wir ein gutes Ergebnis ab. Allerdings gibt es zwei direkte Wettbewerber, die es derzeit noch besser machen…

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ZEIT:BMW und Audi.

Zetsche: Ich will das nicht schönreden, da kann Kritik nicht ausbleiben. Aber wir werden knapp acht Milliarden Euro Gewinn machen und noch einmal fünf Prozent mehr Autos verkaufen.

ZEIT: Trotzdem machen Sie alles zu Geld, was nichts mit Autos zu tun hat. Noch in diesem Jahr wollen Sie Ihre Anteile am Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS an den Staat verkaufen.

Zetsche: Wir konzentrieren uns wieder auf das Automobilgeschäft. Früher dachte man mal, Autos seien nicht genug, also sollte Daimler zum allgemeinen Technologiekonzern werden. Später zu einer Welt-AG, einem Autokonzern über alle Produktklassen hinweg. Richtig ist aber, hochwertige Autos und Nutzfahrzeuge sind immer noch unser bestes Geschäftsmodell. 

Dieter Zetsche

Dieter Zetsche ist seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Daimler AG.

ZEIT: Damit ist Daimler wieder da, wo das Unternehmen war, als Sie 1976 als junger Elektroingenieur in Stuttgart anfingen.

Zetsche: Deswegen ist das noch nicht falsch. Sie müssen bedenken: Nie war die Perspektive für unser Geschäft so gut. Wir gehen davon aus, dass die Autoindustrie bis Ende des Jahrzehnts jährlich 110 Millionen Autos statt heute 70 Millionen verkauft. Das sind unglaubliche Aussichten!

ZEIT: In China, Russland, den USA geht das Wirtschaftswachstum doch spürbar zurück.

Zetsche: Aber nicht die Autoverkäufe. Auf diesen Märkten werden wir künftig noch mehr absetzen. Denn Mercedes bringt viele neue Modelle heraus, wir haben die CO₂-Emissionen stark gesenkt, und beides hat sich schon in Europa ausgezahlt. Während der Markt 2012 um fast zehn Prozent geschrumpft ist, sind wir leicht gewachsen.

ZEIT: Ein neues Modell zu entwickeln dauert Jahre. Kann man sagen, jetzt kommen die wahren Zetsche-Autos auf den Markt?

Zetsche: So ist es – und ich möchte von dieser sehr guten Saat noch mehr Ernte sehen. Nehmen Sie unsere erfolgreichen neuen Modelle: die B-Klasse, die M-Klasse, die A-Klasse. Deren erste sechs Wochen waren sensationell.

ZEIT: Was heißt das?

Zetsche: Wir haben bereits fast 90.000 Bestellungen für die A-Klasse. Alle wollen zu den Ersten gehören, die mit dem Auto fahren.

ZEIT: Beim neuen VW Golf, den Sie mit der A-Klasse angreifen, sind es erst 40.000 Vorbestellungen.

Zetsche: Besonders erfreulich ist, dass in Deutschland schon jetzt über 40 Prozent der A-Klasse-Käufer von anderen Marken zu uns kommen. Das zeigt auch die harte Reaktion unserer Wettbewerber.

ZEIT: Hohe Rabatte?

Zetsche: Ich kann nur sagen, die A-Klasse wird definitiv ernst genommen.

Leserkommentare
  1. ein trauriges Bild. Was man in den letzten Jahren über die Qualität hört, ist alles andere als gut und anscheinend nicht besser als der Marktdurchschnitt, zu dem ich auch Marken wie Opel, Ford und VW zähle.

    Bin gespannt wie lange die Verkaufszahlen der neuen A-Klasse noch so gut sein werden. Das Auto hat nichts mehr, was es von den anderen in dieser Klasse unterscheidet.

    Die Kooperation mit Renault tut dem Image der Marke auch nicht wirklich gut, weil Renault sich für Premium hält es aber nicht ist.

    • ribera
    • 24. November 2012 21:34 Uhr

    "Alleine im Jahr 2010 verkaufte der Konzern 143 Militärfahrzeugteile an Ägypten. Drei Militärlaster an Saudi Arabien. Und 58 Militär-LKW an Algerien."

    Und deswegen soll DB einer der größten Rüstungskonzerne sein?
    Ihre gesamte Aufzählung an Rüstungsgütern kostet vermutlich weniger, als der Systempreis von 5 F16.
    Ein bißchen vorher googeln kann da hilfreich sein
    Aber Hauptsache, man hat mal vom Leder gezogen.

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    ich sprach von Daimler und nicht DB. Daimler ist einer der größten Rüstungskonzerne der Welt. Das sollten Sie doch als Patriot wissen.
    Leider sind das beste Geschäftsmodell nicht die Autos sondern die Waffen.

    Lassen Sie das mal so stehen, sind Fakten.

  2. nennt man das nicht "verschreiben".
    Es ist vielmehr die heute in den Medien übliche Laxheit in den Details.
    Da wird nicht mehr gewusst oder gerechnet, man hat eine Meinung aber kein Wissen und kein Gefühl für das Thema.

    @ topic
    Wenn man Zetsche liest, könnte man glatt Angst bekommen vor diesem immer weiter Wachsen. Vielleicht sollten die Automobilhersteller sich mehr über Verkehrskonzepte Gedanken machen, statt die Welt stur mit Autos zuzuschütten.

    Antwort auf
  3. Leider ging die Version des Technologiekonzerns nicht auf, da der Zukaufzusammenschnitt nicht passte.

    Die Zusammenarbeit mit RENAULT macht Sinn und verwässert keineswegs die Marke - auch wenn manche humorvolle Menschen:
    http://www.youtube.com/wa...
    es anders sehen ... ;-) .
    Die Entscheidung sich auch den massentauglichen Fahrzeugklassen zu widmen, verhilft auch Menschen zu einem Mercedes, die es sich sonst es sich nicht leisten können. Mercedes gewinnt auch in den Stückzahlen, Einkaufsmengen u. Minderung Flottenverbrauch.

    Auch wenn sich nun auf Autos & LKWs fokusiert wird, sollte aber nicht vergessen werden, den Menschen in allen Mobilitätsketten (Ausnahme Züge und Flugzeuge) zu begleiten. Also auch Fahrräder, motorisierte Zwei- bis Vierräder und Mobilitätshilfen incl. Robotik. Das alles muss nicht über Nacht geschehen. Aber auch an dieser Version könnte gearbeitet werden. BOSCH z.B. entwickelte einen guten ebikemotor mit Leistungselektronik u. Batterie, den viele Hersteller verwenden und investierte in eMotoren für viele eMotorrollerhersteller. Als Premiumautohersteller auch mehr abzudecken, macht Sinn. Immer mehr Menschen leben zudem in Megacities, wo ein Autoeigentum weniger Sinn macht. Hier sind ebikes u. kleine eMobilitätshilfen in der Zukunft sicher gefragt. Es darf hier auch Premium sein.

    Bei den hohen Gewinnen hat Daimler das ... was viele nicht haben: Zeit. Zeit, um auch neue Wege zu gehen, ohne die alten Wege zu vernachlässigen.

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    ...damit die Versorgungskette für seine Kunden nicht unterbrochen wird.

    • mores
    • 24. November 2012 22:23 Uhr

    Während der Automobilkrise 2008 hat Daimler zwar enorme Staatshilfen kassiert, aber versäumt, seine überholte Produktpalette marktgerecht aufzurüsten und "Hutträger-Modelle" ins Firmenmuseum auszumustern!

    • schiff
    • 24. November 2012 22:27 Uhr

    zu 13. (ribera)

    Daimler hält über 20% der Aktion von EADS.
    Das ist auch ein Rüstungskonzern, der drittgrößte der Welt.

    • Kauri
    • 24. November 2012 22:34 Uhr

    Ich bin beruflich und privat in der halben Welt herumgekommen. In dieser Zeit hatte ich was mit Autos zu tun. Wo ich auch hin kam - Mercedes war das Maß der Dinge! Mott: Oh Lord by me a Mercedes Benz....
    Gute Mechaniker in den 80er Jahren sagten mir: das ist typ. "daimlermäßig", wenn sie die Qualität unter der Oberfläche zur Kenntnis nahmen. Die hohen Preise für Mercedes-Oldtimer widerspiegeln diese Qualität. In Singapur ließen sich Brautpaare mit etwas Geld im Hintergrund nur im Mercedes zur Trauung fahren. In Texas schwörte ein alter Professor auf seinen 5-Zyl-Daimler-Diesel mit 300 k Meilen auf der Uhr! Und dann kam der Schrempp und beutete das Markenzeichen aus. Shareholdervalue wurde zum Leitbild. Weltgeltung durch massenhafte Fusionen nach dem Motto Hitler-Stalin-Pakt! Umsatz und Marktanteile vor Qualität. Und dann schaut man in die Foren, befragt Kunden: Daimler Qualität zum Teil zum Kotzen! Korrosion, Einspritzpumpen, Einspritzdüsen, Bremssysteme...
    Das alles war nicht mehr "daimlermäßig"! Daimler-Benz muß sich nur auf seine Tradition besinnen: Das Beste und nur das Beste - meinethalben zu einem satten Preisaufschlag. Dann bleiben auch, wie früher, die Gebrauchtwagenpreise stabil. Man muß nicht auf jeder Hochzeit tanzen - es reicht, wenn man bei den Wichtigen ist. Wer die Volumen-konkurrenz mit VW sucht, hat ohnehin verloren. Für mich ist Mercedes erst wieder Mercedes, wenn die Qualität ABSOLUT top ist! Schicki-Micki braucht es nicht! Wie Uhren aus Glashütte!

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    Das Interview ist absolut oberbrav, daß der Interviewer zu Herrn Zetsche nicht noch "Papi" sagt, fehlte gerade noch. Sie jedoch haben recht: Mercedes ist nicht mehr Mercedes. Leider. Ich habe den Stern mit der Muttermilch aufgesogen, Flosse, Stricher, 2 x 201er, 3 x 124er - nur ein Passat hat die Sterntradition durchbrochen. Und dann kam ein 210er - DAS Desaster schelchthin. Heute muß man nur mal gucken, um was für Preise man die 210er, 202er und 203er angeboten bekommt und vor allem: Wie die aussehen. Übergepinselt, notdürftig geflickt und zu Preisen, daß es einem schummrig wird. Selbst S-Klassen der Baureihe 220 kriegt man förmlich hinterhergeworfen. Nur: Kaputtgehen darf an diesen "Schnäppchen" wirklich rein gar nichts, sonst wird es exorbitant teuer. Da ist dann S-Klasse wieder S-Klasse. Solange Mercedes (vulgo: Herr Zetsche) nur die ganze Zeit von seinen Verkaufswundern spricht, von den Umsätzen und Gewinnen - nicht aber von der unbedingten Qualität - so lange fahre ich keinen neuen Mercedes mehr. Basta. Meine 3 Altbenze laufen prächtig. Und im Winter fahre ich halt ein VERbrauchs-Auto.

    ... d'accord!

    Wenn ich den Namen Schrempp höre, dann könnte ich vor Wut geradezu platzen!

    Stichworte: Chrysler, Fokker, Dornier, MBB, DOLORES, MTU, Tognum, etc.

    Absoluter Wahnsinn! Ein Wunder, dass Daimler und Stuttgart (Meine Heimatstadt!) das überlebt haben.

  4. Das Interview ist absolut oberbrav, daß der Interviewer zu Herrn Zetsche nicht noch "Papi" sagt, fehlte gerade noch. Sie jedoch haben recht: Mercedes ist nicht mehr Mercedes. Leider. Ich habe den Stern mit der Muttermilch aufgesogen, Flosse, Stricher, 2 x 201er, 3 x 124er - nur ein Passat hat die Sterntradition durchbrochen. Und dann kam ein 210er - DAS Desaster schelchthin. Heute muß man nur mal gucken, um was für Preise man die 210er, 202er und 203er angeboten bekommt und vor allem: Wie die aussehen. Übergepinselt, notdürftig geflickt und zu Preisen, daß es einem schummrig wird. Selbst S-Klassen der Baureihe 220 kriegt man förmlich hinterhergeworfen. Nur: Kaputtgehen darf an diesen "Schnäppchen" wirklich rein gar nichts, sonst wird es exorbitant teuer. Da ist dann S-Klasse wieder S-Klasse. Solange Mercedes (vulgo: Herr Zetsche) nur die ganze Zeit von seinen Verkaufswundern spricht, von den Umsätzen und Gewinnen - nicht aber von der unbedingten Qualität - so lange fahre ich keinen neuen Mercedes mehr. Basta. Meine 3 Altbenze laufen prächtig. Und im Winter fahre ich halt ein VERbrauchs-Auto.

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