BetrugFalsches Spiel in Dubai

Österreichs Botschaft hat einen Betrüger als Anwalt vermittelt, der seine Klienten geschädigt haben soll. von Gerd Millmann

Der Salzburger Arzt Eugen Adelsmayr in Dubai im September 2011

Der Salzburger Arzt Eugen Adelsmayr in Dubai im September 2011  |  © AFP/Getty Images

Das Urteil im Mordprozess war vernichtend: schuldig! Der Salzburger Intensivmediziner Eugen Adelsmayr soll 2009 im Rashid-Hospital in Dubai einen querschnittsgelähmten Patienten durch unterlassene Hilfeleistung und eine hohe Dosis Morphium getötet haben. Im Oktober 2012 wurde er dafür in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) zu lebenslanger Haft verurteilt. Der 53-Jährige spricht von einer Verschwörung gegen ihn; und wer weiß, vielleicht wäre er noch immer ein unbescholtener Mediziner, hätte er nicht auf Anraten der österreichischen Vertretungsbehörden Mohammed Kawadri zu seinem Rechtsbeistand bestellt.

Der Syrer Kawadri hat seinem Mandanten vor Gericht mehr geschadet als geholfen, wie Adelsmayr in seinem Buch Von einem, der auszog (Seifert Verlag) erzählt. Noch schlimmer: Der vermeintliche Anwalt ist gar keiner, wie das Justizministerium der Emirate bestätigt. Sein Doktortitel, den er angeblich an einer bayerischen Universität erworben hat, ist erfunden. Er besitzt lediglich eine Lizenz als Sanitärhändler und verkauft unter anderem Toiletten.

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Als Adelsmayr davon erfuhr, entzog er Kawadri die Vollmacht. »Das war ein noch größerer Fehler, als ihn zu beauftragen«, sagt Ingvild Moritsch, eine Wiener Anwältin, die in den Arabischen Emiraten arbeitet und Kawadris Machenschaften aufdeckte. Nun hatte Adelsmayr einen neuen Gegner: Kawadri selbst, der über ein eng geknüpftes Netzwerk im Wüstenstaat verfügt. Sogar der Hauptbelastungszeuge gegen den Österreicher, ein syrischer Arzt, war ein Bekannter Kawadris. »Die Verurteilung war danach nur logisch«, sagt Moritsch. Adelsmayr blieb das Gefängnis erspart, weil er bei der Urteilsverkündung in Österreich weilte.

Doch der Arzt ist nicht das einzige Opfer des falschen Advokaten. Die lange Liste der Vorwürfe richtet sich nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen die österreichische Botschaft in Abu Dhabi und das Außenministerium in Wien. Vermittelt wurde Kawadri nach Aussagen mehrerer Betroffener von Gerhard Dedic, dem damaligen österreichischen Konsul in den Emiraten. In Gesprächsprotokollen, die der ZEIT vorliegen, bezeichnet Dedic Kawadri als »Anwalt« und empfiehlt seine Dienste auch in E-Mails. Das Verhältnis zwischen den beiden soll freundschaftlich gewesen sein.

Warum empfiehlt das österreichische Konsulat Landsleuten in Not einen Hochstapler? Weil man sich erst nach heftigen Beschwerden nach den Befähigungsnachweisen von Kawadri erkundigt habe, lautet eine Antwort des Außenministeriums. Und man habe Kawdari auch nie als »Vertrauensanwalt namhaft gemacht«. Trotzdem hat der Sanitärhändler Kawadri eine Vollmacht der Botschaft vom Juni 2010, die ihn als »Legal Advisor« ausweist; unterschrieben von Konsul Dedic. »Kawadri geht immer nach demselben Muster vor«, sagt Anwältin Moritsch: »Er lässt sich Vollmachten geben, deren Text auf Arabisch verfasst ist. Die Opfer glauben, es handele sich um reine Gerichtsvollmachten, dabei sind es aber Generalvollmachten.«

Leserkommentare
  1. der von der oesterreichischen Regierung geschuetzt wird und von Dr Lassman nach wie vor als -Legal Consultant- lt. Staatsanwaltschaft, ausgewiesen wird. Ein Klodeckelverkaeufer der mit einem Koffer voller Paesse von seinen Opfern herumlaeuft! Ein Hochstapler, der nachweisliche Kontakte zu einer Oesterreicherin hat, die eine Partnervermittlung der besonderen Art, ihr eigen nennt und deswegen schon in den Emiraten inhaftiert war! Der Betrueger, der mit Hilfe seiner oesterreichischen Lebensgefaehrtin M.P Europaer ueber den Tisch zog. Sein erstes Urteil wird am 22.11.2012 unter der Nummer 3578/2012 Appeal zu erwarten....

  2. Obwohl sich die Regierung nach wie vor in Stillschweigen huellt wird es in Folge AMTSHAFTUNG geben und somit Entschaedigung fuer die Opfer!! Da Kawadri in keiner offiziellen Liste als Anwalt oder Legal Consultant steht und die Zeugen/Opferliste schon immens lang ist wo bezeugt wird, dass Dedic und Kriechbaum den Kawadri als Anwalt empfohlen haben, halten deren Luegen nicht mehr lange stand! Vor allem aber sei gesagt!! Die Opfer geben nicht auf!!! Und wenn sie vielleicht auch jetzt noch nicht ueber die finanziellen Mitteln verfuegen (denn in vielen Faellen wurden die Leben der Opfer total zerstoert!), es kommt der Tag wo die Mitteln wieder da sind und die Taeter ihrer Strafe nicht mehr entgehen koennen!

  3. Herr Kawadri wurde mir von einem Bekannten empfohlen und nicht wie im Artikel geschildert von den österreichischen Vertretungsbehörden. Steht alles detailliert in meinen Buch.
    MfG, Eugen Adelsmayr

  4. Sie haben leider keinen Namen fuer Kawadri in ihrem Buch verwendet und auch nicht die Tatsache erwaehnt dass er sagt - sie seien schuldig!

    • lascy
    • 16. November 2012 6:25 Uhr

    Die Darstellung ist etwas verkürzt, Kawadri hat allerdings den Konsul Dedic unmittelbar von seiner Beauftragung informiert. Konsul Dedic war damit von Anfang an eingebunden. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits Beschwerden über Kawadri, Konsul Dedic hat Dr. Adelsmayer nicht gewarnt. Das Endergebnis des Verfahren gegen Dr. Adelsmayer ist hinlänglich bekannt und könnte ganz anders aussehen wenn der Sanitärhändler Kawadri seine Finger nicht im Spiel gehabt hätte.

    • lascy
    • 16. November 2012 6:37 Uhr

    Ingvild Moritsch:1/6

    Ich bin die Hauptbeschwerdeführerin im Skandal um die österreichische Botschaft in Abu Dhabi rund um die Bestellung des Sanitärhändlers Kawadri als Vertrauens-und Rechtsanwalt der Botschaft.

    Ich arbeite ehrenamtlich für den HDA, eine NGO mit Sitz in D. Zu unserem Entsetzen wurde Dr. Adelsmayr ebenfalls vom Sanitärhändler anwaltschaftlich vertreten. Wir veranlassten, dass die "Anwaltsvollmacht", in Wahrheit eine Generalvollmacht, sofort von Dr. Adelsmayr widerrufen wurde. Wir haben die Anwälte wie auch Dr. Adelsmayr angewiesen, dass sämtliche Dokumente bei den Dubai Health Authorities überprüft werden müssen, da es immer wieder zu groben Unregelmäßigkeiten bei Verfahren gekommen ist.

    So wurde der manipulierte Bericht entdeckt!

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    Kawadri hat mich nur einmal zu einer Einvernahme bei der Dubai Health Authority begleitet lange bevor die Sache polizeianhaengig war. Danach habe ich mich von ihm getrennt, noch bevor ich wusste dass er kein Anwalt war, und habe mich dann an die von der Botschaft empfohlene Kanzlei Reumann gewandt.
    Ihre Behauptungen, dass sie meine Anwaeltin "angewiesen" haetten Dokumente der DHA zu ueberpruefen" ist geradezu laecherlich.
    Moeglich,aber nicht beweisbar, dass Kawadri mir geschadet hat. Das rechtfertigt aber nicht mit reinen Spekulationen meinen Fall fuer ihren Kampf gegen ihn zu instrumentalisieren.

    • lascy
    • 16. November 2012 6:38 Uhr

    Ingvild Moritsch:
    2/6

    Wie im Buch nachzulesen ist, hat das unprofessionelle Auftreten des Herrn Kawadri dem Fall nachhaltig geschadet. Wie es scheint hat Dr. Adelsmayr Kawadri das "Mandat" in der Folge entzogen.

    Was aber Kawadri so gefährlich macht, ist der mögliche Parteiverrat, den wir in vielen Fällen dokumentiert haben. Des Weiteren halten wir zahlreiche Fehlübersetzungen Kawadris in Evidenz. Die Gerichte in den VAE erkennen nur Schriftstücke auf Arabisch an, wobei der Inhalt der arabischen Übersetzung, der vom dt Text erheblich abweichen kann, zählt.

    Wie konnte aber Kawadri das Vertrauen der Opfer gewinnen? Er hat Bestellungsurkunden verschiedener Vertretungsbehörden gefälscht, wobei bis heute keine Strafanzeige gegen ihn eröffnet wurde.

    • lascy
    • 16. November 2012 6:39 Uhr

    Ingvild Moritsch:
    3/6

    Kawadri wurde als Vertrauensanwalt und Rechtsanwalt der österreichischen Botschaft empfohlen und bestellt und seine Dienste für die Republik stets hoch gelobt. Trotz unserer Beschwerden wurde Kawadri nicht auf seine Zulassung überprüft.

    Ich habe im Frühjahr 2009 bereits festgestellt, dass Kawadri kein Anwalt oder Legal Consultant ist und habe dies beim dt. Konsulat wie auch auf der ÖB mündlich angezeigt.

    Dr. Adelsmayr bekam die Empfehlung durch einen Deutschen, der von Kawadri "vertreten" wurde. Konsul Dedic war mehrmalig mit Kawadri im Büro dieses Deutschen, der durch das gemeinsame Auftreten unseres Konsuls mit dem "Vertrauensanwalt" Kawadri überzeugt war, dass Kawadri ein Rechtsanwalt sein musste.

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