Fußball-AnleihenFan als Investor

Fußballanleihen versprechen hohe Renditen – aber auch das Risiko ist groß: Was zählt, ist auf dem Platz. von Malte Laub und Thomas Mersch

Der Hamburger Sport-Verein macht seine Fans zu Geld. Zum 125-jährigen Bestehen im September gab der Fußball-Bundesligist eine Anleihe heraus, Laufzeit sieben Jahre, sechs Prozent Zinsen. Keine 17 Tage dauerte es, da hatte der HSV den angepeilten Betrag, immerhin 12,5 Millionen Euro, bereits eingenommen. Es ist die höchste Summe, die in Deutschland mit einer Fananleihe bislang eingespielt wurde. Die Nachfrage ist so groß, dass der HSV seine Fananleihe nun sogar um 5 Millionen Euro aufstocken will: Seit Donnerstag, dem 15. November, können die Anhänger ihr Geld wieder beim Nordclub anlegen.

Fananleihen

Fananleihen sind die verzinste Schuldverschreibung eines Sportvereins. Zielgruppe für den Kauf sind vor allem die Anhänger des Clubs. Oft werden die Papiere zu Beträgen ausgegeben, die an vereinshistorisch wichtige Daten erinnern, manchmal sind sie künstlerisch gestaltet (Schmuckanleihen). Die Laufzeit beträgt meist zwischen fünf und sieben Jahren, die Zinssätze liegen zwischen 5 und 6,5 Prozent.

Mit den Fananleihen haben die deutschen Fußballvereine im Jahr 2004 ein neues Mittel entdeckt, an Geld zu kommen. Damals legte Hertha BSC Berlin als erster Club eine Fananleihe auf und nahm 6 Millionen Euro ein. Seit 2010 boomt das Geschäft. Insgesamt zehn deutsche Fußballvereine, darunter der 1. FC Nürnberg, St. Pauli und Schalke 04, haben von ihren Anhängern inzwischen mehr als 70 Millionen Euro zur Verfügung gestellt bekommen.

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Vielen Fans erscheinen die Anleihen als doppelt guter Deal: Sie bekommen höhere Zinsen als bei vielen anderen Geldanlagen – und tun ihrem Verein gleichzeitig etwas Gutes. »Liebe verzinst sich« – so bewarb der 1. FC Köln seine Anleihe. Und tatsächlich scheint es vor allem die Verbundenheit mit dem Club zu sein, die Fans dazu bringt, zu investieren: Bereits einige Tage vor Ablauf der Zeichnungsfrist am 31. Oktober hatte der Bundesligaabsteiger die geplante 10-Millionen-Euro-Marke trotz des mäßigen Saisonstarts erreicht.

Doch die Liebe eines Fans kann für sein Erspartes gefährlich werden. Zwar locken die Clubs mit bis zu 6,5 Prozent Zinsen im Jahr, aber im Fußballgeschäft ist vieles unvorhersehbar: Verschossene Elfmeter oder Kreuzbandrisse wichtiger Spieler können zu Misserfolgen führen – mit Folgen für den Anleger. »Die Risiken sind beträchtlich«, sagt Karlheinz Küting, Direktor des Centrums für Bilanzierung und Prüfung an der Universität des Saarlandes. »Ein Abstieg aus den Profiligen bedeutet oft den Verlust der Geschäftsgrundlage der Clubs und ist mit existenziellen Problemen für sie verbunden.« Zuschauer bleiben weg, die Ausschüttungen für die Fernsehrechte an den Spielen fallen niedriger aus, und auch die Sponsoren präsentieren sich am liebsten im Glanze der ersten Liga. Schlimmstenfalls fehlt den Vereinen dann das Geld, um die Fananleihe zurückzuzahlen.

»Im Falle einer Insolvenz des Clubs ist das in die Fananleihe investierte Geld in der Regel weg. Sicherheiten bei Fananleihen sind unüblich«, sagt Fabian Kirchmann, Vorstand der auf Finanzkommunikation spezialisierten Firma IR.on in Köln. Selbst wenn aus der Insolvenzmasse eines Clubs eine Rückzahlung möglich wäre, bekämen die Fans wohl nur einen Bruchteil ihres Einsatzes wieder. Sie stünden relativ weit hinten in der Gläubigerkette: So würden etwa Banken, die abgesicherte Kredite vergeben haben, im Falle einer Insolvenz vorgezogen.

Leserkommentare
    • tja123
    • 23. November 2012 16:21 Uhr

    Fragen sie mal Alemannia Aachen Fans nach deren Anleihen ...

    • vonDü
    • 24. November 2012 3:19 Uhr
    2. Kaufen

    würde ich nur bei Hoeneß.

    Der, und sein FC Bayern sind der einzige Verein, die über die Jahre erfolgreich und profitabel gewirtschaftet haben. Alle anderen Vereine sind bilanztechnisch gesehen höchst volatil. Es bedarf mehr Herz als Verstand, sein Geld darauf zu verwetten.

    Ein Umstand, der selbstverständlich Teil des Marketingkonzeptes ist. Da Fußball für viele Fans Kult ist, der Verein ein wichtiger Teil der Identität, bin ich sicher, dass selbst hoffnungslose Fälle, noch Unterstützung finden.

    Darauf wetten, dass die öffentliche Hand, bei leeren Kassen und Schuldenbremse, jedes Mal bereit ist, Gelder locker zu machen, würde ich auch nicht. Angesichts kommunaler Defizite in anderen, wichtigeren Bereichen, wächst der Widerstand gegen solche Rettungsaktionen.

    In einer Zeit, wo selbst der Haushalt eines drittklassigen Vereins die Millionengrenze übersteigt, stellt sich auch die Frage, ob Fananleihen wirklich dazu geeignet sind, substantielle wirtschaftliche Probleme eines Vereins zu lösen. Was sowieso nur gelingen kann, wenn es im Management UND auf dem Platz stimmt. Und gerade Letzteres ist ein zufallsabhängiger Unsicherheitsfaktor, den man bei anderen Investments nicht in gleichem Maße einkalkulieren muss.

    Für gläubige Fans geeignet, für Investoren und mögliche Gläubiger eher nicht.

    • Obscuro
    • 24. November 2012 8:50 Uhr

    Ich kann verstehen das Fans ihr Geld den Verein geben.
    Das Geld in Banken oder Versicherungen zu Investieren ist am ende doch genauso Risikoreich.
    Geld zu Sparen ist auch Sinnlos weil die Gefahr so hoch ist wie nie, das es Plötzlich wertlos ist.
    Wer sagt uns das es Morgen nicht Sondersteuern erhoben werden auf Geldrücklagen?
    Natürlich nur bis zu einer grenze von einer halben Million.Man will ja nicht die Reichen verärgern.;)

    Ich führe gerade einen erbitterten Erbstreit und komme deshalb auch zu dem Entschluss das es sich absolut nicht lohnt Werte zu vererben.
    Lieber alles vorher Verteilen dann gibt es keinen Streit.

    Ich gebe lieber heute das Geld für etwas aus was ich Liebe als mich Morgen zu wundern wieso es Wertlos ist.
    Wenn das für einige der Verein ist gut für ihn:)

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