AltersvorsorgeAugenblick, verweile!

Wer sich heute nicht um sein Rente kümmert, wird es später bereuen. von 

Eine jüngere Kollegin aus einem der Wirtschaft nicht besonders zugetanen Ressort dieser Zeitung bemerkte vor Kurzem, das Wort »Altersvorsorge« mache ihr schlechte Laune, mehr noch, es bereite ihr Angst. Eigentlich wolle sie damit nichts zu tun haben. Als etwas älterer Kollege machte mich diese Aussage fassungslos, zeugte sie doch von einer gewissen Wurstigkeit dem eigenen Schicksal, aber auch den gesellschaftlichen Verhältnissen gegenüber. Andererseits sprach die Kollegin für einen offenbar wachsenden Teil der deutschen Bevölkerung. Eine Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie ergab kürzlich, dass die Befragten nur noch 185 Euro im Monat fürs Alter zurücklegen, was so wenig ist wie nie seit Anfang des Jahrtausends. Ihre späten Jahre scheinen die Leute in diesem Land nicht sehr zu kümmern.

Woran nur liegt das? Seit Langem wird uns eingebläut, dass die staatliche Rente nicht ausreicht – die meisten haben das wohl verstanden. Aber offensichtlich ist für viele der heutige Konsum wichtiger als der von morgen. Oder anders: Der Mensch lebt im Augenblick, obwohl er das später möglicherweise bereut.

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Dabei gibt es noch einen anderen Aspekt als nur den der individuellen Vorsorge: Ich postuliere hier mal, dass jenen, die sich wenig Gedanken über das Alter machen, auch die das Alter betreffenden Entwicklungen in der Gesellschaft insgesamt relativ egal sind. Dass in Deutschland über Altersvorsorge nachgedacht werden muss, hat ja auch damit zu tun, dass es immer mehr Ältere und immer weniger Jüngere gibt, dass ununterbrochene Erwerbsbiografien zunehmend selten sind, dass die Arbeitsverhältnisse schwieriger werden. Wer sich dem Thema von dieser Seite nähert, landet sehr schnell auch bei Niedriglöhnen, prekärer Arbeit und Altersarmut.

Damit wird aus dem Umgang mit dem eigenen Schicksal die Auseinandersetzung mit harten sozialen Problemen. Oder will man wirklich nur darauf bauen, dass im Alter die Allgemeinheit schon irgendwie für einen sorgen wird?

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Leserkommentare
  1. ... sollen die Leute denn mehr zurücklegen, wenn vielleicht gar nicht mehr da ist, auch keine Aussichten auf ein erfülltes Leben? Woran mag das wohl liegen?

    Und wer, wenn nicht Ihre Generation, ist denn verantwortlich für diese Entwicklung? Für die Tatsache, daß unser Gesamtsystem einzig und allein vom Konsum lebt? Daß die Propagierung von immer neuen und immer kurzlebigeren, aber immer teureren Konsumartikeln und Kommunikationsgimmicks immer fordernder wird? Und daß Nachhaltigkeit weder cool noch sinnvoll zu sein scheint?

    Und wer wundert sich jetzt noch über das Lamento Ihrer jungen Kollegin?

  2. ...dürften die Gründe sein. Auf der einen Seite hat eine zunehmende Anzahl Bürger in unserem Land kein Geld mehr "übrig" für eine zusätzliche Altersvorsorge, auf der anderen Seite stehen diejenigen, die durch vorgeschriebene Betriebsrente, Pension und/oder relativ hohe gesetzliche Rentenansprüche ohnehin eine gefühlt ausreichende Mindestrente haben und ihr weiteres Vermögen lieber selbst verwalten als dieses - besonders angesichts der aktuellen Weltwirtschaftslage - in eine kapitalgedeckte Altersvorsorge zu investieren.

    MfG, parkwaechter

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  • Schlagworte Altersvorsorge | Rente
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