Wenn Orna Barbivai morgens zur Arbeit kommt, trägt sie Uniform. Sie sitzt dort, wo noch nie vorher eine Frau gesessen hat, im 5. Stock des Verteidigungsministeriums, mitten in Tel Aviv.

Barbivai ist Mitglied des Generalstabs. Sie leitet die Personalverwaltung. Sie muss die Armee so ausstatten, dass diese mit »allen ihren Herausforderungen am besten fertig wird«. Sie kümmert sich um die Einberufung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und um die Gefallenen, Verwundeten und Verschollenen sowie um deren Angehörige.

In jungen Jahren trug sie die Haare kurz, sie schminkte sich nicht, trug auch keinen Schmuck; nichts, was nach Frau aussah. Kollegen nannten sie Barbi. Heute steht auf ihrer Visitenkarte »Aluf« – hebräisch für General. Sie hat nicht auf der weiblichen Form insistiert, die gibt es in der Fachsprache nicht. Denn eigentlich war Orna Barbivai an diesem Platz nicht vorgesehen.

Der Flur zu ihrem Büro ist von Bildern ihrer Vorgänger gesäumt – alles Männer, die Israels Militärgeschichte geprägt haben. Ihre Beförderung zur Generalmajorin hat Verteidigungsminister Ehud Barak als »historischen Riesenschritt in Richtung Gleichberechtigung« bezeichnet. Sie selbst sieht das weniger dramatisch, seit 30 Jahren kennt sie ihre Kollegen. »Ich bin hier schließlich kein Gast.« Aber noch vor einigen Jahren hätte sie einen solchen Karrieresprung nicht für möglich gehalten. Und nun muss sie verteidigen, was sie erreicht hat – denn ihr Aufstieg fällt in eine Zeit, in der der Widerstand zunimmt.

Es gibt Religiöse, die keine Frauen beim Militär sehen wollen. Es gibt Männer, die halten Barbivais Beförderung für einen großen Fehler. Sie hätten an ihrer Stelle lieber einen erfahrenen Kampfsoldaten gesehen. Andere weisen abwertend darauf hin, dass sich ihr Job ja »nur« auf Personalfragen beschränke. Der Militärhistoriker Martin von Crefeld hält Frauen in modernen Armeen für eine »Farce«, denn »wo Frauen sind, wird nicht geschossen, und wo geschossen wird, sind so gut wie keine Frauen«.

Orna Barbivai tut, als könnte ihr das nichts anhaben. Erstens würde sie im Generalstab bei »allen Fragen mitreden, bei denen ich etwas zu sagen habe, einschließlich Iran«. Und zweitens brächten Frauen einen »anderen Blick« mit. Der könne bei der Beurteilung der Lage auf dem Kampffeld durchaus entscheidend sein.

Ihre erste Erneuerung im Amt war eine Art Frauenförderung. Sie besteht aus einer Getränkeecke in ihrem Büro. Dort brüht sie sich ihren Kräutertee selber. Die Pappbecher muss niemand spülen. Das ist ihr Beitrag im Kampf gegen das Image der Kaffeekocherinnen in der Armee.

Natürlich stimmt das so schon lange nicht mehr. Es ist ihr wichtig, darauf hinzuweisen. Barbivai rechnet vor, dass heute 92 Prozent der Tätigkeiten in der Armee für Frauen offen sind.