EinkommenDie neue Offenheit

Über Geld wird nicht gern gesprochen. Dabei ließe sich viel dabei lernen, nicht nur fürs nächste Gehaltsgespräch. Wir haben acht Leute gefragt, was sie verdienen und wie sie ihr Geld ausgeben – von arm bis reich. von Friederike Gräff

Es war zu erwarten, dass es nicht einfach werden würde, Leute zu finden, die öffentlich über ihr Geld reden. Aber dass es so schwer werden würde, hatten wir nicht gedacht. Es dauerte fast ein halbes Jahr, bis sechs Arbeitnehmer und Selbstständige, ein Rentner und ein Hartz-IV-Empfänger bereit waren, hier Kassensturz zu machen. Über ihr Liebesleben oder ihre Krankheiten sprechen heute viele ohne Scheu – über Geld nicht. Das ist selbst unter guten Freunden nicht üblich. Warum eigentlich?

Ein Anwalt war bereit zu reden, aber seine Frau fand es nicht ratsam, wenn seine Mandanten, die er in Unterhaltsfragen berät, wüssten, was er verdient. Einem Werbefachmann bereitete es Sorge, dass in der Branche bekannt würde, welche Gehälter seine Firma zahlt. Einem Fondsmanager, den wir bereits interviewt hatten, fiel hinterher ein, dass sein Geschäftspartner dieses Gespräch für keine gute Idee halten würde.

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Keiner redet in Deutschland gerne über Geld, am wenigstens jene, das ergab unsere Recherche, die viel davon haben. Die Ärmeren machten bereitwilliger mit. Sie sind es ja gewohnt, auf dem Amt ihre finanzielle Lage auszubreiten.

Auch für alle anderen ist Geld ein großes Thema. Jeder denkt wahrscheinlich täglich mehrfach darüber danach. Und doch erfährt man über das Geld der anderen: fast nichts. Oder nur die Statistiken: Sparquoten, durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen (2922 Euro), solche Dinge. In den Wirtschaftsteilen der Zeitungen, die täglich eigens Geld-Seiten anbieten, steht praktisch nie, wie Menschen mit ihrem Geld zurechtkommen. Und wenn, dann werden Prominente befragt, die philosophieren ein wenig, nennen vielleicht eine Zahl. Kassensturz macht niemand öffentlich.

Niemand fragt den andern, was er verdient, aus Sorge, zu den weniger Geschätzten zu gehören

Vielleicht schweigen die Reichen nicht nur, weil sie negative Folgen für ihre Geschäfte befürchten, sondern auch Neid. Der Kampfbegriff »Sozialneid« ist mächtig genug, das Thema »Wer verdient eigentlich wie viel?« zu einem Tabu werden zu lassen. Und die nicht ganz so Reichen? Weite Teile der deutschen Mittelschicht werden bis heute noch dazu erzogen, Geld als notwendiges, aber nicht allzu interessantes Mittel zu betrachten, das man eben braucht. Niemand möchte sich als langweiliger Finanztest- Leser outen oder als Materialist erscheinen, also verschweigt man seinem Freund, dass man sich gefreut hat über die Gehaltserhöhung – die man selbstverständlich alleine mit seinem Chef verhandelt hat im Glauben, Einzelkämpfertum bringe ihn weiter, als sich mit seinen Kollegen auszutauschen. Niemand fragt den anderen, was er bekommt, auch aus Sorge, zu den weniger Geschätzten zu gehören.

Das Schweigen über Geld in Deutschland sei ein Erbe der Dezentralität, sagt Jochen Hörisch, Literatur- und Medienwissenschaftler, der in seinem Buch Kopf oder Zahl – Die Poesie des Geldes beschreibt, wie das Geld das christliche Abendmahl schon vor fünf Jahrhunderten als wichtigstes verbindendes Element abgelöst hat. Weil – anders als in Frankreich oder England – ein zentraler Hof fehlte, gab es keine Öffentlichkeit, vor der man seinen Reichtum hätte präsentieren können. Stattdessen hielten die Deutschen den Geist hoch und echauffierten sich über englische Pfeffersäcke und französische Frivolität. Dazu kam eine protestantische Kultur, die das öffentliche Zurschaustellen von Reichtum auch nicht unbedingt beförderte.

In den USA stehen mitunter die Gehälter gleich in den Stellenausschreibungen. Geld ist kein Tabu in einem Land, das glauben will, jeder könne zu Geld kommen, wenn er nur hart arbeite – und wo Geld als etwas uneingeschränkt Positives gesehen wird, nicht mit jener deutschen Schizophrenie, die Jochen Hörisch attestiert: mal fröhlich, mal melancholisch. Aber bei der Penetranz, mit der man in den USA über Geld und Verdienst als Statussymbol spricht, möchte man sich nicht unbedingt in dieses Land wünschen. Eher schon nach Schweden , wo man nahezu erwartbar alles besser macht als hierzulande. Dort kann man beim Finanzamt die Einsicht in die Steuererklärung des Nachbarn beantragen. Weil in Schweden ein großer Teil der Einkommensteuer direkt an die Kommunen geht, bestiehlt dort der Steuerlügner weniger den Staat, eher seine Nachbarn. Dort steht unter Zeitungsporträts nicht nur »verheiratet, zwei Kinder«, sondern auch das Einkommen. Und trotzdem sind die Schweden wahrscheinlich keine von Neid zerfressene Nation.

Wie soll man mit seinem Monatsgehalt oder seinem Ersparten umzugehen lernen, wenn einem nicht mal die eigenen Eltern, Geschwister oder Freunde erzählen, wie sie es machen? Wie sehr helfen einem Anlagetipps im Wirtschaftsteil , wenn man eigentlich die Grenze zwischen Geiz und Sparsamkeit ausloten möchte? Das Schweigen ist umso bedauerlicher, da heute – anders als noch vor 25 Jahren – ein falscher Rat der nicht ganz unparteiischen Bank dazu führen kann, dass man im Alter ohne oder mit viel zu wenig Geld dasteht. Die Fähigkeit, Geld zu vermehren oder wenigstens zu behalten, ist ganz offenbar sehr ungleich in der Bevölkerung verteilt – es häuft sich bei denen, die schon seit Generationen genug davon haben.

Es ist sicher kein Zufall, dass viele der schlecht bezahlten Sozialberufe von Frauen ausgeübt werden, denen man früh beigebracht hat, dass sie sich nicht für Geld zu interessieren hätten, sondern für Barmherzigkeit. Diese Sprachlosigkeit ist genauso unsinnig wie die Scham derjenigen Armen, die nicht zum Sozialamt gehen, um Wohngeld zu beantragen.

Der gender pay gap, der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen für dieselbe Leistung, ist etwas sehr Abstraktes – im Schnitt verdient zum Beispiel ein männlicher ausgelernter Arbeitnehmer 1728 Euro netto im Monat, eine Frau nur 1473 Euro. Wenn Frauen wissen und nicht nur ahnen, dass männliche Kollegen für den gleichen Job 20 oder 30 Prozent mehr bekommen, ist es wahrscheinlich, dass sie in der nächsten Gehaltsverhandlung das einfordern, was die Männer verdienen.

Gut möglich, dass sich gerade etwas ändert in Deutschland. Im Oktober 2009 hat das Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern eine weitverbreitete Klausel in Arbeitsverträgen für ungültig erklärt, die besagte, dass man Kollegen nicht verraten dürfe, was man verdient. Obwohl das Verbot fiel, wird weiter geschwiegen, sehr zur Freude der Arbeitgeber. Seit zwei, drei Jahren wird immerhin über die Höhe von Managergehältern diskutiert. Jochen Hörisch, der Professor von der Universität Mannheim, erzählt, dass das Sprechen über Geld bereits in den Uni-Fluren angekommen sei: Es ist interessanter geworden, seitdem eben nicht mehr alle Professoren gleich viel verdienen und derjenige, der genügend Drittmittel eintreibt, Gehaltszuschläge bekommt. Und Peer Steinbrück hat vorgeschlagen, die Nebeneinkünfte aller Bundestagsabgeordneten zu veröffentlichen . Der Vorschlag war schnell abgeschmettert, die Landtagsabgeordneten der Piraten und Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus wollen ihre Nebeneinkünfte nun freiwillig verraten (und Steinbrück tat es schließlich auch).

Geld ist ein Spiegel der Freuden, der Ängste, der Herkunft und der Hoffnungen. Viele Menschen definieren sich über die Höhe ihres Gehalts – Status und Selbstwert sind damit verbunden. Noch interessanter als die Frage, was einer verdient, ist die, wie jeder mit seinen begrenzten Mitteln haushält, wie er wirtschaftet. Auf diesen Seiten geben acht Frauen und Männer Auskunft darüber, wofür sie ihr Geld ausgeben, woran sie sparen, wo sie großzügig sind. Was ihnen wichtig ist im Leben. Vielleicht sind sie Pioniere und Pionierinnen einer neuen Offenheit, die längst überfällig ist. Einige baten darum, man möge ihren Namen anonymisieren. Und über die Summe, die sie auf der hohen Kante haben, wollten die meisten nicht sprechen.

Bemerkenswert ist, dass die meisten, vor allem jene aus den unteren Einkommensschichten, nicht nach oben, sondern nach unten gucken. Und dabei feststellen, dass es ihnen nicht schlecht geht. Vielleicht sind die Deutschen gar nicht so unzufrieden und neidisch, wie es immer heißt. Vielleicht verändert sich eine Gesellschaft ja nicht grundlegend, wenn alle über ihr Geld reden. Aber abends, in der Kneipe, würde es auf jeden Fall spannender. Niemand will jedes Mal über sein Liebesleben reden.

Volker Behrendt, Hausmeister

Volker Behrendt hat für die Reporterin eine Liste gemacht, auf kariertem DIN-A4-Papier. Oben steht sein Nettogehalt, 1570 Euro – darunter ein Strich und dann die Ausgaben. Er ist 50 Jahre alt, groß und dünn, in seinem Gesicht erkennt man die Spuren eines exzessiven Lebens. Er sitzt an einem Holztisch in einer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in Hamburg-Eilbek und bietet Pfefferminztee an.

Von den 1570 Euro, die er als Hausmeister eines Wohnblocks verdient, gehen 379 Euro für die Miete ab und 66,68 Euro für die Garage – in seiner Buchhaltung gibt es auch Nachkommastellen. Das Haushaltsgeld von 250 Euro stecken Behrendt und seine Frau in eine Blechdose. Das ist nicht viel. Er weiß aus dem Kopf, dass sein Mundwasser Listerine bei dem einen Supermarkt mit 3,33 Euro am günstigsten ist und dass es beim anderen um die Ecke auch nur zwei Cent mehr kostet. Er sieht nicht ein, wegen zwei Cent einen Umweg zu gehen. Aber eigentlich sei es eher seine Frau, die die Preise vergleicht, sagt er. Sie habe mehr Zeit dazu, sie war Zollbeamtin, bevor sie krank wurde und schließlich in vorzeitigen Ruhestand ging, und sei das Rechnen gewohnt. In der Blechdose sammeln sie auch die Quittungen. Warum? »Kontrolle«, sagt Behrendt. Neben »Haushalt« gibt es noch den Posten »Sparen«, in eine Lebensversicherung fließen 138,12 Euro. Dazu kommen 77 Euro Fahrgeld und 150 Euro für das Essen auf der Arbeit. Fürs Lottospielen, den Traum vom schnellen Geld, geben die Behrendts zwölf Euro im Monat aus. Es bleibt wenig übrig.

Das war einmal anders. Als Volker Behrendt noch in seinem erlernten Beruf arbeitete, als Klempner, verdiente er 3000 Mark netto, das war vor 20 Jahren viel Geld, mehr, als er zum Leben brauchte. Es lagen dann 10.000 Mark auf dem Girokonto, und er sagte sich: »Das ist ja richtig Asche, Alter, geil, was machst du nun?« Dann kaufte er sich nur ein paar Schallplatten, der Rest blieb auf dem Konto. Er hätte das Potenzial zum Verschwender, aber er lebt es nicht aus.

Behrendt hat viel Freude am Sparbuch der Haspa, der Hamburger Sparkasse. Er holt es aus einer Schublade, »dieses schöne kleine Büchlein«, sagt er, nur deswegen ist er noch bei der Hamburger Sparkasse, obwohl sie jeden Monat so hohe Kontoführungsgebühren verlangt und kaum Zinsen ausbezahlt. 6000 Euro sind da drauf. Wenn die Behrendts Geld davon abheben, dann für schöne Dinge, für einen Dänemark-Urlaub oder für die Couch im Wohnzimmer, 1500 Euro hat sie gekostet und ist ihr teuerster Besitz.

Volker Behrendts Vater war Kapitän zur See. Die Familie lebte gutbürgerlich, als der Vater plötzlich starb. Die Mutter blieb mit den vier Kindern im wohlhabenden Lokstedt, das Geld war knapp, knapper als bei seinen Freunden. Volker war mit den Söhnen von Ärzten, Steuerberatern und Lehrern unterwegs. Er bekam auch mal Streitigkeiten von deren Eltern mit, oft ging es da ums Geld. »Gruselig«, sagt Behrendt. Von da an sah er den unglücklichen Umgang seiner Mutter mit Geld in einem freundlicheren Licht.

Behrendt hat für seine Nichten und Neffen Versicherungen abgeschlossen, jeweils zur Geburt, und zahlt monatlich je zehn Euro ein. Sie sollen sich später mal eine gute Ausbildung leisten können. Für alle Nichten und Neffen gibt es mehrere Sparbücher, weil sich sämtliche Geschwister kümmern. Die anderen verdienen allerdings viel mehr als Volker Behrendt, weil sie in der Werbung sind oder bei der Lufthansa. »Ich bin das schwarze Schaf in der Familie, was das Finanzielle anbelangt.« Behrendt sagt das, als mache es ihm überhaupt nichts aus.

Die Angst vor Armut im Alter ist das Einzige, was ihn wirklich beunruhigt. Mit den 138,12 Euro, die er monatlich zuzahlt, wird er auf eine Rente von 1400 Euro kommen. »Aber was sind die in 18 Jahren noch wert?«, fragt er sich. »Ich will kein Sozialfall werden«, sagt er. »Obwohl ich wahrscheinlich trotzdem in die Richtung gehe.«

Michael Demandt, Bauingenieur

Sein Leben koste 10.000 Euro im Monat, sagt Michael Demandt. So viel gibt er zumindest jeden Monat aus: 6000 netto zahlt er sich als Geschäftsführer der eigenen Firma in Rendsburg, 4000 Euro bringen ihm Wohnungen, die ihm gehören. Den letzteren Betrag gibt er seinen drei Söhnen. Sein ältester Sohn Maximilian ist 20 Jahre alt, er hat gerade angefangen zu studieren. Die beiden jüngeren, Robert und Julius, 19 und 18, gehen noch zur Schule.

Demandt ist 65 Jahre alt und geschieden, er lebt allein. Er sagt, es sei schwer für seine Söhne gewesen, als er und seine Frau sich vor acht Jahren trennten. Zum Führerschein hat Maximilian einen 3er BMW bekommen, Robert einen Audi 80, Julius einen Mercedes der E-Klasse. »Gebrauchtwagen, die waren nicht teuer.« Außerdem dürfen sie sich jederzeit das Mercedes-Cabrio des Vaters ausleihen, Benzin inklusive. »Neulich waren sie zum Fallschirmspringen auf Sylt. Das hat 220 Euro pro Nase gekostet. Da bin ich natürlich gerne behilflich.« Für ihn sind diese Ausgaben selbstverständlich.

Demandt ist Bauingenieur, er besitzt ein Wohnungsbauunternehmen, das 20 Millionen Umsatz im Jahr macht und 34 Angestellte beschäftigt. Er baut Wohnungen, die er vermietet, viele an soziale Träger. Darin leben die Alten und Kranken.

Die 6000 Euro, die ihm bleiben, nachdem die Söhne versorgt sind, verflüchtigen sich irgendwie, Monat für Monat – Demandt zahlt meistens bar, selten per Kreditkarte. Die Putzfrau, die einmal pro Woche in sein schlichtes Einfamilienhaus kommt, muss bezahlt werden, 200 Euro, der Gärtner – »was verdient der eigentlich?« –, und Demandt geht gern essen, jeden Monat für vielleicht 500 Euro. Dann noch tanken: 700. Wo genau der Rest bleibt? »Man verplempert auch Geld einfach so, für alles Mögliche.«

Schwer zu sagen, ob ihn das Geld glücklich macht, er ist ein nüchterner Typ. Einerseits kann er sich kaufen, was ihm gefällt, er besitzt drei Mercedes-Benz. Und Sorgen, dass es knapp werden könnte, bleiben ihm erspart. Andererseits scheint er kaum Freude am Geldausgeben zu haben. Sein Sakko hat 500 Euro gekostet, das erscheint ihm teuer. Er geht immer zum selben Herrenausstatter und nimmt dort mit, was er braucht, er achtet nicht auf den Preis. Nur einmal hat er 50 Hemden auf einen Schlag gekauft, weil sie reduziert waren und genau seine Größe hatten. Teure Urlaube macht er nicht. Es gab mal die Finca auf Mallorca, die er und ein Freund für 150.000 Euro gekauft und ausgebaut hatten. »Aber das hat sich nicht gelohnt, wir fuhren zu selten hin«, sagt er. Sie wurden die Finca nach ein paar Jahren wieder los, für fast den dreifachen Preis.

Er hat wohl einfach ein Händchen für Geld. Der Vater hatte ein Planungsbüro. Geldsorgen gab es in der Familie nie. Es war Wirtschaftswunderzeit. Nach der Lehre als Steinsetzer und dem Ingenieurstudium hatte Demandt schon 50.000 Mark gespart, verdient mit Nebenjobs, viel Geld in den siebziger Jahren. Damit gründete er die Firma. Seither sei er fleißig, sagt er. Früher hat er sechs Tage die Woche gearbeitet, von sieben Uhr morgens bis zehn Uhr abends. Erst jetzt, im Alter, hat er reduziert, aber es sind immer noch 50 Stunden pro Woche. Bis er 80 ist, will er so weitermachen. »Mein Vater ist 95 geworden. Ich muss ja auch noch auf meine Söhne warten.« Er will, dass die drei die Firma übernehmen. Was er aufgebaut hat, soll bewahrt werden.

Man weiß in Rendsburg, 25000 Einwohner, dass er wohlhabend ist. Er wird schon mal angesprochen, ob er nicht Bedürftige unterstützen will. Die Senioren, das Hospiz, die Jugendfeuerwehr. Er tut das gern. Wenn er Geburtstag hat, bittet er auch seine Gäste, zu spenden, statt ihm etwas zu schenken. Er rundet die Summe großzügig auf. 5000 Euro gibt er pro Jahr. Er könnte das auch alleine tun, aber es scheint, als helfe ihm das Gefühl, in einem Wettbewerb zu stehen. (Text: Friederike Milbradt)

Rudolf Hellwig, Rentner

Es ist kühl im Wohnzimmer des Reihenhauses in St. Ingbert im Saarland. Rudolf Hellwig mag das. »Man kann sich ja auch wärmer anziehen.« Er zupft an seinem Pullover, »der ist übrigens von meinem Sohn«, es ist eine teure Marke, Ralph Lauren, er selbst würde so was auf keinen Fall kaufen. Wenn er erzählt, dass der Enkelin zur Überraschung seiner Tochter die Aldi-Kleider besser gefallen haben als die Markensachen, klingt er sehr zufrieden.

Die Schrankwand im Wohnzimmer ist 40 Jahre alt, ungefähr so alt wie die Ehe von Rudolf Hellwig. Seine Frau würde lieber einmal etwas Neues kaufen, sagt er, aber er sei nicht bereit, Dinge wegzugeben, die noch funktionierten. »Ich denke, meine Frau hat im Laufe unserer Gemeinsamkeit erkannt, wie schön es ist, wenn man Geld im Rücken hat«, sagt er. Geld, das man nicht ausgegeben hat.

Hellwig war Sozialarbeiter bei der Bundesagentur für Arbeit, er ist jetzt 70 und bezieht 1600 Euro Rente. Dazu kommen 500 Euro Betriebsrente und der Verdienst aus einem 400-Euro-Job bei einem Autovermieter. Von diesen 2500 Euro gehen 500 Euro an die Krankenversicherung, 500 zahlt er in Lebens- und Bausparversicherungen für die drei Kinder und die vier Enkelkinder, 300 Euro Haushaltsgeld gehen an seine Frau, die auch eine Rente bekommt. 150 Euro, so schätzt er, zahlen sie für Strom und Wasser, 120 Euro für Telefon und die Grundsteuer für das Haus. Es bleibt also immer etwas übrig, 300 bis 400 Euro, die Hellwig spart, für sich oder seine Frau oder für die Kinder. Vor ein paar Jahren hat eine Tochter eine Wohnung gekauft, für die die Eltern 200 Euro pro Monat zahlen.

Anders als seine Frau spart er an Mitbringseln für Kinder und Enkel. Seine Kinder verdienen gut, besser, als er selbst es jemals getan hat. Er käme auch nie auf den Gedanken, sie bei den seltenen Gelegenheiten, an denen sie gemeinsam auswärts essen, einzuladen. Dafür besorgt er Brennholz, Verpackungsholz aus der Industrie, lädt es in den alten Kombi und karrt es heran für die Kamine der Kinder.

Freigiebig ist Rudolf Hellwig mit seiner Zeit, er arbeitet ehrenamtlich für den örtlichen Fußballverein, er hat 20 Jahre lang die Frauenmannschaft trainiert. Seit vier Jahren besucht er jeden Montag einen Bekannten im Pflegeheim. Für den Nachhilfeunterricht eines Fünftklässlers nimmt er acht Euro pro Stunde, »der Alte hat Geld genug«, das Kickbox-Training des Jungen hat er sich aus reinem Interesse angesehen.

Hellwigs Liebe zum Sparen scheint das Erbe seiner Mutter zu sein. Die Mutter war alleinerziehend und arbeitete als Sekretärin. Als Junge bekam er für den Schulausflug 30, 40 Pfennig von ihr, die er immer nach Hause zurückbrachte. Sie bestärkte ihn darin. Als Aldi in Bochum die erste Filiale eröffnete, fuhr Hellwig hin, um die Preise zu vergleichen, er sagt, sie hätten ihn »beeindruckt«.

Es gibt einen sozialen und einen kaufmännischen Strang in Rudolf Hellwigs Charakter, deswegen hat er Sozialarbeit studiert und dann noch mit Betriebswirtschaft begonnen, aber das Abendstudium wurde zu aufwendig, und so ist er Sozialarbeiter geblieben. Geärgert hat er sich trotzdem über Kollegen, die nicht mit Geld umgehen konnten, die, wie er fand, immer nur nach mehr Geld schrien. Hellwig hat einmal, noch vor der Sarrazin-Debatte, versucht, vom Hartz-IV-Satz zu leben. Er sagt, dass es ihm keine Schwierigkeiten bereitet habe. Und doch habe er sich nie über Klienten geärgert, die mit dem Geld nicht auskamen. »Man muss es schließlich lernen.«

Rudolf Hellwig wirkt euphorisch, wenn er über Fleisch oder Wurst mit überschrittenem Haltbarkeitsdatum spricht, die er billig kauft, heute waren es zwei Kilo Käsewürstchen für die Hälfte. Auf ähnliche Weise begeistert es ihn, wenn er seinem Nachhilfeschüler beibringt, was ein Minuend ist. Das nämlich, was man abzieht.

Volker Lux, Lehrer

Volker Lux aus Hürth bei Köln ist Gymnasiallehrer für Sport und Geschichte, normalerweise verdient er netto etwa 3000 Euro. Derzeit bekommt er aber nur 2400 Euro, weil er für 2014 ein Sabbatjahr beantragt hat, der Rest wird vom Landesamt für Besoldung zurückgelegt. Gerade das Beamtentum ist ein Status, der eine gewisse materielle Leichtfüßigkeit ermöglicht. Lux genießt es, dieses Sicherheitsnetz zu haben. Dabei wollte er eigentlich Sportjournalist werden, aber als er mit Anfang zwanzig Vater wurde, wollte er nicht umherziehen, um eine der raren Stellen bei Zeitungen zu ergattern.

Volker Lux, 42, kann es sich dank seines sicheren Einkommens häufig leisten, Geldfragen aus dem Weg zu gehen. Bei Schullandheimfahrten zahlt er drauf, weil er es versäumt, das Geld von den Schülern einzutreiben. Auf seinen Kontostand guckt er nur zu Beginn des Monats, wenn er weiß, dass die Zahlen erfreulich sind. Er sagt, er wisse nicht, was er brutto verdiene, auch nicht, was er für die private Krankenversicherung bezahlt. Für die Tochter aus seiner geschiedenen Ehe zahlt er 450 Euro Unterhalt, für die Wohnung, die er sich mit seiner Freundin teilt, 350 Euro, dazu kommen Krankenkasse, Zeitschriftenabonnements, Autoversicherung. Unterm Strich sind rund 1000 Euro pro Monat übrig. Davon bleibt ihm nichts.

Lux reist gern, und er hat keine Lust, dabei aufs Geld zu achten. Mit seiner Freundin macht er Städtereisen, und vor zwei Jahren waren sie sogar in Kanada. Vier Wochen lang ist er mit Freundin und Tochter durchs Land gefahren, sie haben nichts ausgelassen, auch nicht den »Touri-Nepp rund um die Niagarafälle« mit der obligatorischen Bootstour. Die wollte Lux seiner Tochter auf jeden Fall bieten. Am Ende hat die Reise für Vater und Tochter 7000 Euro gekostet, Lux hat seinen Dispo weit überzogen, er bereue das nicht.

Er fährt einen Kleinwagen, sein Sofa stammt von Ikea, er träumt nicht von einem Coupé oder von Antiquitäten. Sein Luxus sind Bücher, CDs, Restaurantbesuche. Wenn er vom Kürzertreten spricht, geht es um die Zahl der Bücherkäufe, um die Frage, wie oft er mit seiner Freundin essen geht, normalerweise zweimal die Woche. Mal gibt er 18 Euro pro Person aus, oft werden es auch 30 Euro. An diesen Restaurantbesuchen versucht er auch zu sparen, es gelingt nicht immer. Selbst seine Tochter hat schon einmal gefragt: »Warum gehst du Fisch essen, wenn du kürzertreten musst?« Es war keine angenehme Frage. »Ich könnte es, wenn ich müsste«, denkt Lux über das Kürzertreten.

Einmal, als es nach der Kanada-Reise sehr knapp war, hat er eine Woche lang von 20 Euro gelebt, er wollte niemanden um Geld bitten. Er nahm es sportlich, die Tiefkühltruhe war noch voll, und vielleicht folgt Lux’ Verzicht der banalen Wahrheit, dass es am einfachsten ist, ganz oder gar nicht zu verzichten.

Er und sein Bruder besitzen ein Grundstück, das die Eltern ihnen überschrieben haben – er wisse nicht, was es wert ist. Der Bruder hat auf seinem Teil ein Haus gebaut. »Ein schönes Haus«, sagt Lux, »aber für mich steht das nicht zur Debatte.« Seine erste Ehe sei friedlich gescheitert, bei Freunden habe er halbe Rosenkriege um gemeinsamen Besitz erlebt. Also geht er großen Anschaffungen aus dem Weg. Seine Ersparnisse sind aufgebraucht, und um sich den Kleinwagen leisten zu können, der 6000 Euro gekostet hat, musste er einen Kredit aufnehmen. »Ich lebe auf der Linie null«, sagt er. »Das ist kein so gutes Gefühl.«

Eigentlich wäre es gut, wenn er noch Geld für das Sabbatjahr zurücklegt. Er wird die 2400 Euro zwar weiter bekommen, aber für eine Weltreise wird das nicht reichen. Es sieht so aus, als würde Volker Lux dafür einen neuen Kredit aufnehmen müssen. Er findet, dass es die Sache wert ist.

MarcPeters (Name geändert), Hartz-IV-Empfänger

Marc Peters hat Geld ausgegeben, das er gar nicht hatte, und als ihm welches in den Schoß fiel, war es schnell wieder weg. Nun hat er ein Pfändungsschutzkonto, das nicht ins Soll abrutschen kann. Erst an diesem Nachmittag hat er eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, dass er nicht mehr hat als jene Summe, die nicht gepfändet werden darf: Peters ist 49 Jahre alt und bekommt monatlich 670 Euro HartzIV, dazu 250 Euro Opferrente. In der Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, die ihn wieder in den Arbeitsmarkt bringen soll, verdient er pro Stunde 1,50 Euro, monatlich kommen damit noch einmal 180 Euro zusammen. Die Rente erhält Peters als Entschädigung für seine Haft in der DDR – erst saß er elf Monate wegen versuchter Republikflucht und dann noch einmal drei Jahre, weil er sich nicht an die Auflage hielt, in ein sächsisches Dorf zu ziehen, sondern zurück nach Ost-Berlin ging.

Als er 1995 seine 25000 Mark Haftentschädigung bekam, kaufte er sich für 600 Mark einen Hund, einen Staffordshire. Blacky nannte er ihn, aber Blacky war so ängstlich, dass man ihn nicht einmal vor dem Supermarkt anbinden konnte, und zu Hause zerfraß er die Couch. Also hat Peters ihn wieder verkauft, für den gleichen Preis. Das wundert einen, man vermutet bei ihm Verlustgeschäfte an jeder Ecke.

Er ist in einem Heim in der DDR aufgewachsen, weil seine Mutter angeblich asozial war, also nahm man ihr das Kind weg. Er wäre gern Binnenschiffer geworden, aber weil seine Augen dafür zu schlecht waren, schickte man ihn in eine Lehre als Maschinenschlosser. Gearbeitet hat er aber nur in Gelegenheitsjobs. Im Herbst 1989 ging er in den Westen, jobbte in einer Siemens-Niederlassung in West-Berlin als Lagerist und verdiente gut. Gespart hat er nie. »Das hat man mir nie beigebracht«, sagt er.

Als er die Haftentschädigung bekam, war gerade die Beziehung mit seiner Freundin zerbrochen, und er hatte keine eigene Wohnung. Er ging auf Reisen, in die Schweiz, nach Tschechien, Holland und Frankreich. Es waren Mittelklasse-Unterkünfte für 70 Mark pro Nacht. Nach einem Jahr war das Geld so gut wie aufgebraucht. »Ich bin nicht damit in den Puff gegangen«, rechtfertigt er sich, ohne dass man danach gefragt hätte. Ein paar Tausend Euro hat er verliehen und nicht zurückbekommen. Von den letzten 5000 Mark hat er sich Gebrauchtmöbel gekauft.

So beiläufig, wie er die Entschädigung ausgab, hat sich Peters überschuldet. Er kaufte einen Fernseher und einen Videorekorder, als er schon kein Geld mehr hatte. Dazu kamen Schulden bei Vattenfall und zwei verlorene Kassetten aus der Videothek, mit all den Mahngebühren kosteten sie ihn 2000 Euro. Irgendwann hatte er Tausende Euro Schulden.

Es scheint, als sei die Wende zum Guten wie nebenbei gekommen: mit dem Einzug in die Einzimmerwohnung in Berlin-Tegel, die Peters nicht verlieren möchte. »Nichts Tolles«, sagt er, aber er mag die Lage zwischen zwei Seen. 295 Euro Miete zahlt er pro Monat, 35 Euro für Strom und, seit er einen alten Laptop für 150 Euro gekauft hat, 20 Euro fürs Internet. Für Lebensmittel gibt er 250 Euro aus, meist im Discounter, ab und zu gönnt er sich eine Scholle.

Neulich hat er einen Fernsehbericht über Aufstocker gesehen, Leute, die Geld beim Sozialamt beantragen müssen, obwohl sie arbeiten. »Ich kann mich da nicht beklagen«, sagt er, ihn lasse das Sozialamt in Ruhe, er müsse um nichts bitten.

Heute ist vieles vernünftig in den Finanzen von Marc Peters, manches ist nicht ganz so vernünftig, aber es bleibt eine Unvernünftigkeit im Rahmen. Als er einmal ins Krankenhaus musste und die Nachbarin nicht darum bitten wollte, seine Vögel zu versorgen, ließ er sich mit dem Taxi zur Wohnung fahren, um sie zu füttern.

Svetlana Sartison, Ärztin

Aus dem Klinkerhaus mit dem adretten Vorgarten in einem ruhigen Viertel am Rand Göttingens hört man Klaviermusik. Svetlana Sartison übt ein Stück, das ihr kleiner Sohn gerade lernt, sie will ihm dabei helfen. Das Wohnzimmer ist so aufgeräumt, dass man nicht glauben kann, dass hier zwei Kinder unterwegs sind. Sartison ist 36 Jahre alt. Sie trägt ein schwarzes T-Shirt und auffallend wenig Schmuck. Man könnte sich eine Ärztin anders vorstellen.

Svetlana Sartison ist Russlanddeutsche, 1994 kam sie nach Deutschland. Der Vater war Busfahrer, die Mutter machte Gelegenheitsarbeiten, sie waren arm. Svetlana Sartison sagt nicht, dass sie in ihrer Kindheit etwas Wesentliches vermisst hätte, sie sagt nur, dass »die Eltern uns absolut nichts geben konnten« – und dass sie gelernt habe, ihr Glück nicht auf Materielles zu bauen. Jetzt, da sie mehr Geld verdient, als ihre Eltern es jemals taten, bekommen ihre Kinder all das, was sie selbst nicht hatte: hochwertige Kleidung, teures Spielzeug, Musikunterricht.

Ihr Sohn Ilja ist sieben Jahre alt, für die Klavierstunden zahlt sie 150 Euro monatlich, das Schulgeld für die Waldorfschule liegt bei 500 Euro, die Waldorfkrippe für seine dreijährige Schwester Anastasia kostet 400 Euro monatlich. Eigentlich wäre das Schulgeld sogar höher, seitdem Svetlana Sartison wieder als Ärztin arbeitet, aber die Schule gewährt ihnen einen Nachlass. Doch auch diese 500 Euro können sich die Sartisons nur knapp leisten, erst recht seitdem sie das Haus abbezahlen müssen. 900 Euro sind das monatlich, immer wieder fallen Reparaturen an, dazu kommen die 150 Euro Bafög, die sie beide monatlich zurückzahlen, und rund 270 Euro Benzinkosten, 70 Euro für ihren Nissan und 200 Euro für den Audi, mit dem ihr Mann täglich zur Arbeit nach Kassel fahren muss. »Natürlich Gebrauchtwagen«, sagt Sartison.

Sie ist Assistenzärztin für Strahlentherapie und Radioonkologie an der Uni-Klinik Göttingen, ihr Mann, ebenfalls ein Russlanddeutscher, ist Wirtschaftsingenieur. Sie verdient auf ihrer 60-Prozent-Stelle 1500 Euro netto, er bringt 2200 heim. Die Deutschen, sagt sie, machten aus Geldfragen ein Staatsgeheimnis, während die Russen ihr Geld gern zeigten. In Russland sei man es jahrzehntelang gewohnt gewesen, dass die Leute, in einer Schlange stehend, den Lohn vor aller Augen ausbezahlt bekamen.

Als Svetlana Teenagerin war, hätte sie gerne Markenkleidung getragen, aber es war kein Geld dafür da, und sie behielt ihre Wünsche für sich. Es war auch kein Geld da, um den Bruder, der zart war, innerlich wie äußerlich, durch Bestechung vom Militär freizukaufen, und keines, um ihren Traum, Ärztin zu werden, zu finanzieren. Deshalb gingen die Eltern mit den Kindern nach Deutschland, als Svetlana 18 war. Ilja, ihr eigener Sohn, ist auch zart und ein wenig ängstlich, er scheint dem Onkel zu ähneln.

Das Einkaufen für die Kinder sei ihre »schwache Stelle«, sagt Svetlana Sartison. Nie käme es ihr in den Sinn, eine billige Puppe zu kaufen. Einiges besorgt sie auf dem Flohmarkt, sie hat Freude an Schnäppchen, darin gleicht sie ihrem Mann. »Wir sind schlimmer als die Schwaben.« Diskussionen über Geld bleiben nicht aus. Wenigstens bewahrt ihr Mann sie so vor deutlich höheren Ausgaben. Fürs Ausgehen zum Beispiel, fürs Essengehen oder fürs Kino. Für Theater interessiert sie sich sehr, aber seit über einem Jahr hat sie kein Stück mehr gesehen. Zuletzt in Urlaub gefahren sind sie vor fünf Jahren. Ihr Mann fragt sich, wo das Geld bleibt und warum sie, zwei Akademiker, am Ende des Monats mit ein paar Hundert Euro im Soll stehen. Seine Frau tröstet sich damit, dass sie fürs Ausgehen und Reisen ohnehin keine Zeit hätte. Doch wenn Krankenschwestern Svetlana Sartison fragen, was sie verdient, schämt sie sich, weil es ihr im Vergleich so viel erscheint.

Familie Rohrbacher (Name geändert)

Der teuerste Besitz der Rohrbachers steht in der Scheune. Die meisten Leute haben keine Vorstellung davon, was für eine Kostbarkeit so ein Fendt ist. Pro PS rechne man 1000 Euro, sagt Ulrike Rohrbacher, die es mit Zahlen eigentlich nicht so hat. Aber diese kennt sie genau. Der Traktor hat 205 PS. 150.000 Euro haben sie und ihr Mann für den Traktor bezahlt, er war gebraucht.

Ulrike Rohrbacher, 41, gehört zu den Menschen, denen Besitz wenig bedeutet. Es geht ihr gegen den Strich, wenn die Leute sie für reich halten, nur weil die Familie einen Bauernhof besitzt. Der alte Hof im Ostalbkreis, den ihr Mann Klaus von seinen Eltern übernommen hat, ist groß. Sie haben viele Milchkühe und 20 Hektar Grund. Im Flur stehen schlammverkrustete Schuhe, es sieht nach Arbeit aus. Das Ehepaar hat sieben Kinder, die älteste Tochter ist 18. Eigentlich ist die Familie vermögend, trotzdem muss sie bescheiden leben.

Ihr wichtigstes Einkommen ist das Milchgeld, die Höhe schwankt. Ulrike Rohrbacher holt einen Ordner, im Sommer 2011 haben sie in einem Monat 3884 Euro von der Molkerei bekommen, in sehr guten Monaten können es auch mal 5000 Euro sein. Die Gewinnrechnung ist kompliziert, deshalb schickt Ulrike Rohrbacher nach dem Interview, als sie mit der Heuernte durch sind, noch eine Tabelle per E-Mail. Pro Monat erwirtschaftet der Betrieb rund 3300 Euro. Davon gehen 1800 Euro für Fixkosten ab und 1000 Euro für die Instandhaltung von Maschinen und Gebäuden. Damit das Geld ausreicht, hat Klaus Rohrbacher noch einen Zweitjob, da verdient er pro Monat etwa 1500 Euro netto. Man solle nichts Genaueres schreiben, weil es eine schwierige Branche sei, in der man sich gegenseitig die Butter vom Brot nehme. Wenn man von den Einnahmen die Lebenshaltungskosten der Familie abzieht, knapp 2000 Euro, bleibt nichts übrig.

Einmal pro Jahr verkaufen die Rohrbachers den Weizen, den sie nicht zum Verfüttern brauchen. »Da kriegt man pro Hektar vielleicht sieben Tonnen Ertrag«, sagt Klaus Rohrbacher und seufzt, »die Tonne bringt 170 Euro. Daher können wir uns nur leisten, was wir unbedingt brauchen.« Bei den Ausgaben ist der größte Posten Strom, Wasser und Heizung, 540 Euro im Monat, dazu kommen rund 500 Euro für Kleidung und Nahrung. Beim Bäcker zahlen sie fünf Euro für einen Sack Brot vom Vortag. Ulrike Rohrbacher schämt sich nicht dafür, dass sie von Resten lebt, sie findet es vernünftig. Der Bäcker backe so viel, dass einiges übrig bleibt, und wenn die Rohrbachers etwas davon verbrauchten, müsse es nicht weggeworfen werden. Kartoffeln, Zwiebeln, Salat und Beeren kommen aus ihrem eigenen Garten, sie heizen möglichst mit eigenem Holz, Honig tauschen sie bei Bekannten gegen Milch ein, Möbel und Kleider bekommen sie oft von Freunden geschenkt.

Eine große Ausgabe ist das Schulgeld für die Waldorfschule, in die alle sieben Kinder gehen. Klaus Rohrbacher war erst skeptisch – weniger wegen des Geldes als wegen des Rufes, es handele sich da um eine Dummenschule. Pro Monat kommen nun rund 360 Euro für Schule und Musikunterricht zusammen. Ulrike Rohrbacher war selbst auf einer Waldorfschule, Geld für Bildung hält sie auf keinen Fall für verschwendet. Das fand schon ihre Großmutter, Anteilseignerin eines schwäbischen Unternehmens, die den Urenkeln zur Geburt je ein Sparbuch schenkte, um Bildung in jeglicher Form zu finanzieren. Von der großzügigen Summe werden die Urenkel auch dann noch etwas haben, wenn sie studieren.

Obwohl das Geld bei den Rohrbachers immer knapp ist, spenden sie für ein Patenkind in Indonesien. Als Familie mit sieben gesunden Kindern erscheint es ihnen folgerichtig, einem Not leidenden Kind zu helfen.

Elisabeth Schönfeld (Name geändert), Altenpflegerin

Die Schafe hinterm Haus sind seit sieben Jahren ein Zuschussgeschäft. Sie waren einmal als Hobby gedacht, das sich selbst trägt, aber nach der Trennung von ihrem Freund ist niemand mehr da, der die Schafswurst auf dem Markt verkaufen könnte. Elisabeth Schönfeld hebt die Quittungen für das Heu und den Weizen auf, zusammengerechnet hat sie sie noch nie.

Buch führt sie stattdessen über das Spritgeld für ihren alten Opel-Kombi, denn dessen Kosten wurmen sie viel mehr. Sie ist gelernte Krankenschwester, arbeitet 30 Stunden pro Woche als Altenpflegerin, dafür bekommt sie 1134 Euro netto. Für unerwartete Ausgaben hat sie ein zweites Konto, auf das sie jeden Monat 150 Euro überweist. In den letzten Monaten hat sie sich häufig davon bedient. Dem vorigen Arbeitgeber hat sie unfreiwillig 5000 Euro geschenkt, Überstunden, deren Bezahlung sie lange nicht eingefordert hat, zu lange, am Ende war das Unternehmen insolvent. Es fällt ihr nicht immer leicht, Ansprüche zu stellen. Sie ist es gewohnt, mit wenig auszukommen, dabei findet sie nicht mal, dass sie zu wenig hat. Sie ist in der DDR aufgewachsen und war noch ein Kind, als die Familie in den Westen ging.

Elisabeth Schönfeld lebt in Engelschoff, einem kleinen Dorf in Niedersachsen, sie ist 54 Jahre alt. Sie hat drei Kinder. Ulrike, die Älteste, ist 29 Jahre alt, Camilla 22 und Valentin 19. Für Camilla und Valentin bekommt sie je 186 Euro Kindergeld, für Valentin, der das Downsyndrom hat, zusätzlich 225 Euro Pflegegeld. Nach Ulrike ist nun auch Camilla ausgezogen, sie macht eine Ausbildung als Physiotherapeutin. Ihre Mutter überweist ihr das Kindergeld, und sie übernimmt auch die Kosten für das Auto: die 73 Euro monatlich für die Versicherung und die Reparaturen. Trotzdem ist das Geld der Tochter knapp, sie hat mit dem Vater über einen Zuschuss gesprochen. »Ihr Vater ist Apfelbauer, er hat sein Leben lang statt Alimenten Äpfel und Möhren angeschleppt, nun hat sie ihm vorgerechnet, wie wenig ihr vom Bafög übrig bleibt.« Sie selbst hat an den Äpfeln und Möhren nichts auszusetzen. »Ich hätte sie sonst teuer im Laden kaufen müssen«, sagt sie – und dass sie gewusst habe, dass ihr damaliger Freund so gut wie mittellos war, schließlich hat sie jahrelang seine Bücher geführt. Die Tochter bekommt nun 50 Euro pro Monat von ihm.

Der größte Posten in Elisabeth Schönfelds Haushalt sind Lebensmittel, sie kauft sie im Dorfladen, nicht im Supermarkt, auch wenn sie so sparen könnte. Sie ist keine jener Mütter, die sich eigene Wünsche versagen. Nebenberuflich vertritt sie eine amerikanische Firma, die Kosmetik, Vitaminpräparate und Reinigungsmittel herstellt. Elisabeth Schönfeld wird sehr lebhaft, wenn sie über deren Qualität spricht, und erzählt, dass sie sich die Gesichtspflegeprodukte der Firma kauft – für immerhin rund 400 Euro pro Jahr, ein Vorzugspreis.

Vor ein paar Jahren hat sie nach der Trennung für 48.000 Euro das Haus nebst Grundstück erworben, dazu noch eine Obstwiese. Sie hatte so viel Erspartes, dass sie pro Monat nur 168 Euro für den Kredit zahlen muss. »Land ist die beste Geldanlage«, sagt sie. Warum sie das findet, kann sie schwer erklären, es muss an den bäuerlichen Vorfahren mütterlicherseits liegen.

Die Obstwiese liegt an der Oste und wird im Winter überspült. Eigentlich müsste man Masten einrammen, um das Land zu sichern, doch das würde wohl mehrere tausend Euro kosten. Es ist einer der wenigen Momente, in denen es Elisabeth Schönfeld wurmt, nicht mehr Geld zu haben, bei den kommunalen Stellen um Hilfe betteln will sie auch nicht.

Die Eier ihrer Hühner verschenkt sie sogar. Noch. Sie hat sich vorgenommen, sie zu verkaufen. Ganz gewiss klingt das nicht.

Auf Wunsch eines Protagonisten wurde ein Name in diesem Text am 28. Februar 2013 nachträglich geändert. Die Redaktion

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Leserkommentare
    • JerryM
    • 15. November 2012 18:18 Uhr

    Der Minuend (vom lat. Gerundiv "minuendum" - das zu Vermindernde) ist die Zahl, von der abgezogen wird, der Subtrahend (vom lat. Gerundiv "subtrahendum" - das Abzuziehende) ist die Zahl, die abgezogen wird.
    Hoffentlich bringt es der Rentner R. H. seinem Nachhilfeschüler nicht falsch bei!

    Vgl. beispielsweise de.wikipedia.org/wiki/Subtraktion .

    P.S.: Ich bin kein Lehrer, schon gar kein Mathelehrer.

  1. Leider hält auch dieser Artikel nicht, was er verspicht: Transparenz.
    Ich will nicht mit der Aufzählung im Einzelnen ermüden. Um meine Ansicht zu untermauern genügt ein Blick in die Finanzen der Familie Rohrbacher (Name geändert). Dem Anschein nach bekommen sie allein für das Milchgeld mehr, als der Betrieb insgesamt erwirtschaftet. Ganz zu schweigen vom Kindergeld für sieben Kinder, welches für sich schon höher liegt als das angeblich zur Verfügung stehende Monatseinkommen.
    Der Gipfel - und ausschlaggebend für das Anmelden und Schreiben dieses Kommentares - war jedoch der letzte Satz zu Rudolf Hellwig. So etwas ist irgendwie beschämend.

    • Hagmar
    • 16. November 2012 18:28 Uhr

    Nach Lektüre dieses Artikels fühle ich mich unwohl. Ich frag mich, woran das liegt. Der Begriff "Voyeurismus" kommt mir in den Sinn, aber so ganz trifft es das nicht. Ich schaue nochmal in die Texte. Es gibt sehr viele Sätze wie den folgenden:

    "Wenn er erzählt, dass der Enkelin zur Überraschung seiner Tochter die Aldi-Kleider besser gefallen haben als die Markensachen, klingt er sehr zufrieden."

    So ein Satz wirkt auf den den ersten Blick neutral-beschreibend. Ist er aber nicht. "Klingt er sehr zufrieden" ist eine subjektive Wahrnehmung. Vielleicht ist es der Mix aus - oberflächlich betrachtete - nüchternen Zahlenangaben und lakonisch wirkendem Tonfall der bei mir ein Gefühl von Zurschaustellung auslöst. Ich merke, ich hätte die Porträtierten gerne "beschützt". Ich finde den Tonfall des Artikels kalt und nahezu verächtlich.
    Werde weiter darüber nachdenken und bin gespannt, wie andere Leser das empfunden haben.

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    • gee81
    • 21. November 2012 17:26 Uhr

    Ich habe beim lesen dieses Artikels auch ein ungutes Gefühl bekommen. Für mich wirken die hier beschriebenen Menschen allesamt farb- und leblos, egal wieviel Geld sie haben oder angeblich nicht haben. Da sind mir Menschen aus Ländern, wie Russland oder aus Afrika und Lateinamerika bei weitem sympathischer. Die haben zum Teil fast nichts im Vergleich zu den deutschen Wohlstandsbürgern, sind jedoch soviel herzlicher, freundlicher, familiärer ja einfach lebendiger. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Trotzdem sehe ich manchmal vor meinem inneren Auge, ein kaltes, graues Land, voller kleiner Häuschen und Wohnungen, darin sitzt ein alter Mann oder eine alte Frau, ganz alleine und schaut Wetten dass.. ohne eine Miene zu verziehen. Ich finde wir müssen viel mehr junge und lebendige Menschen, aus lebendigen Ländern für dieses Land gewinnen, ansonsten wird es irgendwann nur ein riesiges, kaltes Altersheim sein.

  2. Vielleicht hätte man den Mantel des Schweigens über diesem Thema lassen sollen?! Viele Beiträge sind einfach nur peinlich. Warum werden offensichtlich in Partnerschaft oder Ehe lebende Menschen hier so dargestellt, als müssten sie allein mit ihren Einkommen wirtschaften? Wenn die Frau des Rentners einmal Beamtin war, dann erhält sie doch sicherlich Pension - und die ist bekanntermaßen nicht zu vernachlässigen!? Wie kann man einen Lehrer hier beispielhaft zeigen, der offensichtlich keine Idee von der Realität des Lebens außerhalb seiner kleinen Welt zu haben scheint? Warum bleibt bei 1.500 Euro netto für "Nebeneinkommen" (Wow!) und fast genauso viel Kindergeld plus Einnahmen aus der Landwirtschaft bei Familie Rohrbacher bei 2.000 Euro Fixkosten am Ende des Monats nichts übrig?
    Das Thema ist zweifelsohne genau deshalb keinen Artikel wert - weil Leben und Einstellungen verschieden sind und sich nichts vergleichen lässt.

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    • brchak
    • 28. November 2012 13:15 Uhr

    Ich weiss ja nicht in was für Verhältnissen sie Leben, aber bei mir reicht das Kindergeld bei weitem nicht einmal für die Kinderbetreuung in der städtischen KiTa.

    Wenn Sie berücksichtigen dass Familie Rohrbacher Raten für die Landmaschinen zu zahlen hat, Betriebskosten für einen Hof, eventelle Kredite für Investitionen & Modernisierugnen von Produktionsanlagen...

    Man sollte etwas weiter denken als vielleicht die eindimensionalen Finanzverhältnisse eines zur Miete lebenden, angestellten Singles zum Vergleich herzuziehen.

  3. 1000.- für Maschinen und Gebäude. Das wird kaum reichen, solange ein Schlepper, der 150.000,- gekostet hat, in der Scheune steht. Der kostet über den Daumennagel gepeilt alleine mehr als 1000.-. Monatlich. Die Familie hält überschlägig etwa 20 Milchkühe, was mit mit der angegebenen landwirtschaftlichen Nutzfläche etwa korrespondiert. Dieser Betriebsumfang als Haupterwerb reicht heute nur dann für die Familie, wenn die Milch als Käse oder als Vorzugsmilch im Direktverkauf den Hof verlässt und Sonderkulturen, respective Gemüse auf dem Portfolio zu finden sind. Zu fragen an der Stelle wäre, wozu ein derart gewaltiger Schlepper für so einen kleinen Betrieb. Das passt nicht zusammen. Die Informationen stiften aus meiner Sicht mehr Verwirrung, als dass sie erhellen.

  4. ich habe mal gehört, dass durchschnittliche Rentner 900 EUR bekommen, dann gibt es viele Millionen mit geringfügigen Beschäftigungen, Hausfrauen, Hausmänner, Arbeitslose... und das Tarifeinkommen endet irgendwo bei 3.500 netto....
    Wie kann da ein so hoher Durchschnitt bei raus kommen?
    Wer verdient so viel?

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    in Vollzeit: 2200€ netto, Ehefrau 400€-Job, 3* Kindergeld und fertig. Das ist keine Hexerei.

    • fennek
    • 20. November 2012 20:56 Uhr

    Ganz einfach: Die wenigen sehr hohen Einkommen ziehen den Durchschnitt massiv hoch. Aussagekräftiger ist der Median, also das Einkommen an dem 50% der Haushalte darüber oder darunter liegen.

    Abgesehen davon sind Einverdienermehrpersonenhaushalte mittlerweile stark in der Minderheit. Davon zeugen auch die gewählten Beispiele.

    Ich nehme ausserdem an, Herr Hellwig weiss was ein Minuend ist - im offensichtlichen Gegensatz zum Autor, so gemein kann nicht mal ein Journalist sein...

    • bumelux
    • 20. November 2012 8:02 Uhr

    verdient also "nur" 2400 Euro, weil er ein Sabbatjahr beantragt hat...
    Er macht also ein ganzes Jahr frei und bekommt in dieser Zeit auch 2400 Euro pro Monat!!!!

    Schon die Möglichkeit des Sabbatjahrs ist nicht Lux, sondern Luxus. Und dann soviel Kohle dazu.
    Natürlich, ein Lehrer für Sport! und Geschichte mit ? Wochenstunden muss sich auch mal ordentlich vom ganzen Stress erholen, den ein Beamter eben so hat.

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    Ich arbeite -im Zeitaufwand- deutlich mehr als der Lehrer und verdiene nicht mehr.

    Trotzdem gönne ich ihm sein Sabbatical (das in vielmehr Branchen möglich sein sollte) und dem Ingenieur seine 10.000.
    (Weil ich mich für das was ich mache entschieden habe und mir fürs Zeit-Kommentare schreiben nun auch keiner was bezahlen muss)

    Nur am Länderausgleich und an der Familienunterstützung sollten wir arbeiten.

    Ich frage mich, ob wir wirklich so missgünstig sind, wie die Foren den Anschein machen?

    ... für Kommentar Nr. 9.
    "Über ihr Liebesleben oder ihre Krankheiten sprechen heute viele ohne Scheu – über Geld nicht. Warum eigentlich?"
    Weil umgehend irgendwelche Polemiker daherkommen, die eine Neid-, Ungerechtigkeits- oder Sonstwiedebatte vom Zaun brechen oder die gegen einzelne Berufsgruppen, deren angebliche Faulheit oder deren angeblich zu hohe Gehälter (besonders im Verhältnis zu ihrem eigenen ) wettern.
    Weil es zu viele Leute gibt, die die Menschen nicht einfach so lassen können in ihrem Sein, wie sie sind.
    Ich glaube im Übrigen, dass das nicht für das reale Leben da draußen gilt. Aber hier in diesem Forum ist das schon eklatant.

    • Ascag
    • 20. November 2012 10:00 Uhr

    "verdient also "nur" 2400 Euro, weil er ein Sabbatjahr beantragt hat...
    Er macht also ein ganzes Jahr frei und bekommt in dieser Zeit auch 2400 Euro pro Monat!!!!"

    Warum so aggressiv? Es ist ja nicht so, daß der Lehrer hier etwas geschenkt bekommt.

    Was hier passiert nennt man auch: Sparen. Er verdient 600 Euro pro Monat weniger, die zurückgelegt werden, und ihm dann im Sabbatjahr ausgezahlt werden. Es wird zwar im Artikel nicht erwähnt, aber ich vermute daß er 4 Jahre lang weniger verdienen wird, und im 5. dann das Sabbatjahr machen wird, was mit 4*600 genau auf die 2400 Euro im Monat rausläuft. Wo ist also das Problem?

    Ich bin Freiberufler, und mache das genauso. Nur daß ich mir mein Geld für die freie Zeit selbst zurücklege. Ich mache durchaus mal mehrere Monate frei um neue Dinge zu erleben, und in der Zeit lebe ich von meinem Rücklagenkonto. Ich sehe nicht ein, das als "Luxus" zu bezeichnen, ganz im Gegenteil: Die freie Zeit habe ich mir erarbeitet. Und anstatt das Geld für sinnlose Dinge wie ein teures Auto rauszupulvern gebe ich es lieber für Freiheit aus.

  5. Die Idee des Artikels an sich finde ich eigentlich gar nicht so schlecht.

    Warum sollte es nicht möglich sein, offen über sein eigenes Einkommen zu reden? Teilweise wird das sogar richtig stigmatisiert. Ich muss da an eine Szene bei meinen Eltern denken, als mich beide nach Ende der Ausbildung gefragt hatten wieviel ich denn verdienen würde. Bereitwillig gab ich den beiden gerne Auskunft, als ich aber meine in Teilzeit arbeitende Mutter fragte, was sie den so eig in TZ verdienen würde, wurde ich regelrecht angefahren, dass mich das überhaupt nichts angehen würde. Meine darauffolgende Irritation ist sicherlich nachvollziebar.

    Dabei finde ich es durchaus wichtig schon sehr früh zu lernen, wie man mit Geld umgeht, da es doch einen durchaus prägenden Anteil des Lebens innehat.
    Ein guter Ansatz wäre es dann doch, das bereits in der Schule mit in den Lehrplan aufzunehmen und Kinder den Umgang zu vermitteln. Das wäre mal eine bildungstechnische Maßnahme, die ich sehr begrüßen würde und vielleicht würde sich das Ganze dann auch langfristig auf das Bewusstsein der allgemeinen Öffentlichkeit auswirken und enttabuisieren.

    Auch wenn es den meisten Arbeitgebern nicht gefallen dürfte, dass der Bewerber plötzlich sehr realistische Gehaltsvorstellungen an Tag legen kann. ^^

    Zu den Bsp: Interessant zu lesen, aber leider nicht ausführlich genug. Das Gesamteinkommen der kompletten Familie (Bsp. Ehepartner vom Rentner) hätte dabei durchaus in die Aufstellung zum Lebensunterhalt gehört. MMn

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    • Erkos
    • 20. November 2012 11:21 Uhr

    Ihr Vorschlag, den Umgang mit Geld bereits in der Schule zu lehren, war schon mal Realität. Wir hatten in der Grundschule, organisiert über unsere Klassenlehrerin das "Schulsparen". Man bekam ein Spar-Büchlein und hat dann so 10 Pfennige etwa in der Woche eingezahlt. Mann, was war ich stolz, als da zum ersten mal 1 Mark drauf war! Später wurde das Ganze zur Sparkasse transferiert und dort konnte man weiter "Schülersparen" praktizieren. Ich hab davon auf jeden Fall profitiert.

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