Michael Demandt, Bauingenieur

Sein Leben koste 10.000 Euro im Monat, sagt Michael Demandt. So viel gibt er zumindest jeden Monat aus: 6000 netto zahlt er sich als Geschäftsführer der eigenen Firma in Rendsburg, 4000 Euro bringen ihm Wohnungen, die ihm gehören. Den letzteren Betrag gibt er seinen drei Söhnen. Sein ältester Sohn Maximilian ist 20 Jahre alt, er hat gerade angefangen zu studieren. Die beiden jüngeren, Robert und Julius, 19 und 18, gehen noch zur Schule.

Demandt ist 65 Jahre alt und geschieden, er lebt allein. Er sagt, es sei schwer für seine Söhne gewesen, als er und seine Frau sich vor acht Jahren trennten. Zum Führerschein hat Maximilian einen 3er BMW bekommen, Robert einen Audi 80, Julius einen Mercedes der E-Klasse. »Gebrauchtwagen, die waren nicht teuer.« Außerdem dürfen sie sich jederzeit das Mercedes-Cabrio des Vaters ausleihen, Benzin inklusive. »Neulich waren sie zum Fallschirmspringen auf Sylt. Das hat 220 Euro pro Nase gekostet. Da bin ich natürlich gerne behilflich.« Für ihn sind diese Ausgaben selbstverständlich.

Demandt ist Bauingenieur, er besitzt ein Wohnungsbauunternehmen, das 20 Millionen Umsatz im Jahr macht und 34 Angestellte beschäftigt. Er baut Wohnungen, die er vermietet, viele an soziale Träger. Darin leben die Alten und Kranken.

Die 6000 Euro, die ihm bleiben, nachdem die Söhne versorgt sind, verflüchtigen sich irgendwie, Monat für Monat – Demandt zahlt meistens bar, selten per Kreditkarte. Die Putzfrau, die einmal pro Woche in sein schlichtes Einfamilienhaus kommt, muss bezahlt werden, 200 Euro, der Gärtner – »was verdient der eigentlich?« –, und Demandt geht gern essen, jeden Monat für vielleicht 500 Euro. Dann noch tanken: 700. Wo genau der Rest bleibt? »Man verplempert auch Geld einfach so, für alles Mögliche.«

Schwer zu sagen, ob ihn das Geld glücklich macht, er ist ein nüchterner Typ. Einerseits kann er sich kaufen, was ihm gefällt, er besitzt drei Mercedes-Benz. Und Sorgen, dass es knapp werden könnte, bleiben ihm erspart. Andererseits scheint er kaum Freude am Geldausgeben zu haben. Sein Sakko hat 500 Euro gekostet, das erscheint ihm teuer. Er geht immer zum selben Herrenausstatter und nimmt dort mit, was er braucht, er achtet nicht auf den Preis. Nur einmal hat er 50 Hemden auf einen Schlag gekauft, weil sie reduziert waren und genau seine Größe hatten. Teure Urlaube macht er nicht. Es gab mal die Finca auf Mallorca, die er und ein Freund für 150.000 Euro gekauft und ausgebaut hatten. »Aber das hat sich nicht gelohnt, wir fuhren zu selten hin«, sagt er. Sie wurden die Finca nach ein paar Jahren wieder los, für fast den dreifachen Preis.

Er hat wohl einfach ein Händchen für Geld. Der Vater hatte ein Planungsbüro. Geldsorgen gab es in der Familie nie. Es war Wirtschaftswunderzeit. Nach der Lehre als Steinsetzer und dem Ingenieurstudium hatte Demandt schon 50.000 Mark gespart, verdient mit Nebenjobs, viel Geld in den siebziger Jahren. Damit gründete er die Firma. Seither sei er fleißig, sagt er. Früher hat er sechs Tage die Woche gearbeitet, von sieben Uhr morgens bis zehn Uhr abends. Erst jetzt, im Alter, hat er reduziert, aber es sind immer noch 50 Stunden pro Woche. Bis er 80 ist, will er so weitermachen. »Mein Vater ist 95 geworden. Ich muss ja auch noch auf meine Söhne warten.« Er will, dass die drei die Firma übernehmen. Was er aufgebaut hat, soll bewahrt werden.

Man weiß in Rendsburg, 25000 Einwohner, dass er wohlhabend ist. Er wird schon mal angesprochen, ob er nicht Bedürftige unterstützen will. Die Senioren, das Hospiz, die Jugendfeuerwehr. Er tut das gern. Wenn er Geburtstag hat, bittet er auch seine Gäste, zu spenden, statt ihm etwas zu schenken. Er rundet die Summe großzügig auf. 5000 Euro gibt er pro Jahr. Er könnte das auch alleine tun, aber es scheint, als helfe ihm das Gefühl, in einem Wettbewerb zu stehen. (Text: Friederike Milbradt)