Einkommen : Die neue Offenheit
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Volker Lux, Lehrer, 3000 Euro netto

Volker Lux, Lehrer

Volker Lux aus Hürth bei Köln ist Gymnasiallehrer für Sport und Geschichte, normalerweise verdient er netto etwa 3000 Euro. Derzeit bekommt er aber nur 2400 Euro, weil er für 2014 ein Sabbatjahr beantragt hat, der Rest wird vom Landesamt für Besoldung zurückgelegt. Gerade das Beamtentum ist ein Status, der eine gewisse materielle Leichtfüßigkeit ermöglicht. Lux genießt es, dieses Sicherheitsnetz zu haben. Dabei wollte er eigentlich Sportjournalist werden, aber als er mit Anfang zwanzig Vater wurde, wollte er nicht umherziehen, um eine der raren Stellen bei Zeitungen zu ergattern.

Volker Lux, 42, kann es sich dank seines sicheren Einkommens häufig leisten, Geldfragen aus dem Weg zu gehen. Bei Schullandheimfahrten zahlt er drauf, weil er es versäumt, das Geld von den Schülern einzutreiben. Auf seinen Kontostand guckt er nur zu Beginn des Monats, wenn er weiß, dass die Zahlen erfreulich sind. Er sagt, er wisse nicht, was er brutto verdiene, auch nicht, was er für die private Krankenversicherung bezahlt. Für die Tochter aus seiner geschiedenen Ehe zahlt er 450 Euro Unterhalt, für die Wohnung, die er sich mit seiner Freundin teilt, 350 Euro, dazu kommen Krankenkasse, Zeitschriftenabonnements, Autoversicherung. Unterm Strich sind rund 1000 Euro pro Monat übrig. Davon bleibt ihm nichts.

Lux reist gern, und er hat keine Lust, dabei aufs Geld zu achten. Mit seiner Freundin macht er Städtereisen, und vor zwei Jahren waren sie sogar in Kanada. Vier Wochen lang ist er mit Freundin und Tochter durchs Land gefahren, sie haben nichts ausgelassen, auch nicht den »Touri-Nepp rund um die Niagarafälle« mit der obligatorischen Bootstour. Die wollte Lux seiner Tochter auf jeden Fall bieten. Am Ende hat die Reise für Vater und Tochter 7000 Euro gekostet, Lux hat seinen Dispo weit überzogen, er bereue das nicht.

Er fährt einen Kleinwagen, sein Sofa stammt von Ikea, er träumt nicht von einem Coupé oder von Antiquitäten. Sein Luxus sind Bücher, CDs, Restaurantbesuche. Wenn er vom Kürzertreten spricht, geht es um die Zahl der Bücherkäufe, um die Frage, wie oft er mit seiner Freundin essen geht, normalerweise zweimal die Woche. Mal gibt er 18 Euro pro Person aus, oft werden es auch 30 Euro. An diesen Restaurantbesuchen versucht er auch zu sparen, es gelingt nicht immer. Selbst seine Tochter hat schon einmal gefragt: »Warum gehst du Fisch essen, wenn du kürzertreten musst?« Es war keine angenehme Frage. »Ich könnte es, wenn ich müsste«, denkt Lux über das Kürzertreten.

Einmal, als es nach der Kanada-Reise sehr knapp war, hat er eine Woche lang von 20 Euro gelebt, er wollte niemanden um Geld bitten. Er nahm es sportlich, die Tiefkühltruhe war noch voll, und vielleicht folgt Lux’ Verzicht der banalen Wahrheit, dass es am einfachsten ist, ganz oder gar nicht zu verzichten.

Er und sein Bruder besitzen ein Grundstück, das die Eltern ihnen überschrieben haben – er wisse nicht, was es wert ist. Der Bruder hat auf seinem Teil ein Haus gebaut. »Ein schönes Haus«, sagt Lux, »aber für mich steht das nicht zur Debatte.« Seine erste Ehe sei friedlich gescheitert, bei Freunden habe er halbe Rosenkriege um gemeinsamen Besitz erlebt. Also geht er großen Anschaffungen aus dem Weg. Seine Ersparnisse sind aufgebraucht, und um sich den Kleinwagen leisten zu können, der 6000 Euro gekostet hat, musste er einen Kredit aufnehmen. »Ich lebe auf der Linie null«, sagt er. »Das ist kein so gutes Gefühl.«

Eigentlich wäre es gut, wenn er noch Geld für das Sabbatjahr zurücklegt. Er wird die 2400 Euro zwar weiter bekommen, aber für eine Weltreise wird das nicht reichen. Es sieht so aus, als würde Volker Lux dafür einen neuen Kredit aufnehmen müssen. Er findet, dass es die Sache wert ist.

Kommentare

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Das Gerundiv - wo man es in der Mathematik bräuchte

Der Minuend (vom lat. Gerundiv "minuendum" - das zu Vermindernde) ist die Zahl, von der abgezogen wird, der Subtrahend (vom lat. Gerundiv "subtrahendum" - das Abzuziehende) ist die Zahl, die abgezogen wird.
Hoffentlich bringt es der Rentner R. H. seinem Nachhilfeschüler nicht falsch bei!

Vgl. beispielsweise de.wikipedia.org/wiki/Subtraktion .

P.S.: Ich bin kein Lehrer, schon gar kein Mathelehrer.

Interessantes Thema schlecht umgesetzt

Leider hält auch dieser Artikel nicht, was er verspicht: Transparenz.
Ich will nicht mit der Aufzählung im Einzelnen ermüden. Um meine Ansicht zu untermauern genügt ein Blick in die Finanzen der Familie Rohrbacher (Name geändert). Dem Anschein nach bekommen sie allein für das Milchgeld mehr, als der Betrieb insgesamt erwirtschaftet. Ganz zu schweigen vom Kindergeld für sieben Kinder, welches für sich schon höher liegt als das angeblich zur Verfügung stehende Monatseinkommen.
Der Gipfel - und ausschlaggebend für das Anmelden und Schreiben dieses Kommentares - war jedoch der letzte Satz zu Rudolf Hellwig. So etwas ist irgendwie beschämend.

Ungutes Gefühl

Nach Lektüre dieses Artikels fühle ich mich unwohl. Ich frag mich, woran das liegt. Der Begriff "Voyeurismus" kommt mir in den Sinn, aber so ganz trifft es das nicht. Ich schaue nochmal in die Texte. Es gibt sehr viele Sätze wie den folgenden:

"Wenn er erzählt, dass der Enkelin zur Überraschung seiner Tochter die Aldi-Kleider besser gefallen haben als die Markensachen, klingt er sehr zufrieden."

So ein Satz wirkt auf den den ersten Blick neutral-beschreibend. Ist er aber nicht. "Klingt er sehr zufrieden" ist eine subjektive Wahrnehmung. Vielleicht ist es der Mix aus - oberflächlich betrachtete - nüchternen Zahlenangaben und lakonisch wirkendem Tonfall der bei mir ein Gefühl von Zurschaustellung auslöst. Ich merke, ich hätte die Porträtierten gerne "beschützt". Ich finde den Tonfall des Artikels kalt und nahezu verächtlich.
Werde weiter darüber nachdenken und bin gespannt, wie andere Leser das empfunden haben.

Auch ein ungutes Gefühl

Ich habe beim lesen dieses Artikels auch ein ungutes Gefühl bekommen. Für mich wirken die hier beschriebenen Menschen allesamt farb- und leblos, egal wieviel Geld sie haben oder angeblich nicht haben. Da sind mir Menschen aus Ländern, wie Russland oder aus Afrika und Lateinamerika bei weitem sympathischer. Die haben zum Teil fast nichts im Vergleich zu den deutschen Wohlstandsbürgern, sind jedoch soviel herzlicher, freundlicher, familiärer ja einfach lebendiger. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Trotzdem sehe ich manchmal vor meinem inneren Auge, ein kaltes, graues Land, voller kleiner Häuschen und Wohnungen, darin sitzt ein alter Mann oder eine alte Frau, ganz alleine und schaut Wetten dass.. ohne eine Miene zu verziehen. Ich finde wir müssen viel mehr junge und lebendige Menschen, aus lebendigen Ländern für dieses Land gewinnen, ansonsten wird es irgendwann nur ein riesiges, kaltes Altersheim sein.

Überflüssig und peinlich!

Vielleicht hätte man den Mantel des Schweigens über diesem Thema lassen sollen?! Viele Beiträge sind einfach nur peinlich. Warum werden offensichtlich in Partnerschaft oder Ehe lebende Menschen hier so dargestellt, als müssten sie allein mit ihren Einkommen wirtschaften? Wenn die Frau des Rentners einmal Beamtin war, dann erhält sie doch sicherlich Pension - und die ist bekanntermaßen nicht zu vernachlässigen!? Wie kann man einen Lehrer hier beispielhaft zeigen, der offensichtlich keine Idee von der Realität des Lebens außerhalb seiner kleinen Welt zu haben scheint? Warum bleibt bei 1.500 Euro netto für "Nebeneinkommen" (Wow!) und fast genauso viel Kindergeld plus Einnahmen aus der Landwirtschaft bei Familie Rohrbacher bei 2.000 Euro Fixkosten am Ende des Monats nichts übrig?
Das Thema ist zweifelsohne genau deshalb keinen Artikel wert - weil Leben und Einstellungen verschieden sind und sich nichts vergleichen lässt.

Zu kurz gedacht!

Ich weiss ja nicht in was für Verhältnissen sie Leben, aber bei mir reicht das Kindergeld bei weitem nicht einmal für die Kinderbetreuung in der städtischen KiTa.

Wenn Sie berücksichtigen dass Familie Rohrbacher Raten für die Landmaschinen zu zahlen hat, Betriebskosten für einen Hof, eventelle Kredite für Investitionen & Modernisierugnen von Produktionsanlagen...

Man sollte etwas weiter denken als vielleicht die eindimensionalen Finanzverhältnisse eines zur Miete lebenden, angestellten Singles zum Vergleich herzuziehen.