Einkommen : Die neue Offenheit
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Familie Rohrbacher (Name geändert), 2000 Euro netto

Familie Rohrbacher (Name geändert)

Der teuerste Besitz der Rohrbachers steht in der Scheune. Die meisten Leute haben keine Vorstellung davon, was für eine Kostbarkeit so ein Fendt ist. Pro PS rechne man 1000 Euro, sagt Ulrike Rohrbacher, die es mit Zahlen eigentlich nicht so hat. Aber diese kennt sie genau. Der Traktor hat 205 PS. 150.000 Euro haben sie und ihr Mann für den Traktor bezahlt, er war gebraucht.

Ulrike Rohrbacher, 41, gehört zu den Menschen, denen Besitz wenig bedeutet. Es geht ihr gegen den Strich, wenn die Leute sie für reich halten, nur weil die Familie einen Bauernhof besitzt. Der alte Hof im Ostalbkreis, den ihr Mann Klaus von seinen Eltern übernommen hat, ist groß. Sie haben viele Milchkühe und 20 Hektar Grund. Im Flur stehen schlammverkrustete Schuhe, es sieht nach Arbeit aus. Das Ehepaar hat sieben Kinder, die älteste Tochter ist 18. Eigentlich ist die Familie vermögend, trotzdem muss sie bescheiden leben.

Ihr wichtigstes Einkommen ist das Milchgeld, die Höhe schwankt. Ulrike Rohrbacher holt einen Ordner, im Sommer 2011 haben sie in einem Monat 3884 Euro von der Molkerei bekommen, in sehr guten Monaten können es auch mal 5000 Euro sein. Die Gewinnrechnung ist kompliziert, deshalb schickt Ulrike Rohrbacher nach dem Interview, als sie mit der Heuernte durch sind, noch eine Tabelle per E-Mail. Pro Monat erwirtschaftet der Betrieb rund 3300 Euro. Davon gehen 1800 Euro für Fixkosten ab und 1000 Euro für die Instandhaltung von Maschinen und Gebäuden. Damit das Geld ausreicht, hat Klaus Rohrbacher noch einen Zweitjob, da verdient er pro Monat etwa 1500 Euro netto. Man solle nichts Genaueres schreiben, weil es eine schwierige Branche sei, in der man sich gegenseitig die Butter vom Brot nehme. Wenn man von den Einnahmen die Lebenshaltungskosten der Familie abzieht, knapp 2000 Euro, bleibt nichts übrig.

Einmal pro Jahr verkaufen die Rohrbachers den Weizen, den sie nicht zum Verfüttern brauchen. »Da kriegt man pro Hektar vielleicht sieben Tonnen Ertrag«, sagt Klaus Rohrbacher und seufzt, »die Tonne bringt 170 Euro. Daher können wir uns nur leisten, was wir unbedingt brauchen.« Bei den Ausgaben ist der größte Posten Strom, Wasser und Heizung, 540 Euro im Monat, dazu kommen rund 500 Euro für Kleidung und Nahrung. Beim Bäcker zahlen sie fünf Euro für einen Sack Brot vom Vortag. Ulrike Rohrbacher schämt sich nicht dafür, dass sie von Resten lebt, sie findet es vernünftig. Der Bäcker backe so viel, dass einiges übrig bleibt, und wenn die Rohrbachers etwas davon verbrauchten, müsse es nicht weggeworfen werden. Kartoffeln, Zwiebeln, Salat und Beeren kommen aus ihrem eigenen Garten, sie heizen möglichst mit eigenem Holz, Honig tauschen sie bei Bekannten gegen Milch ein, Möbel und Kleider bekommen sie oft von Freunden geschenkt.

Eine große Ausgabe ist das Schulgeld für die Waldorfschule, in die alle sieben Kinder gehen. Klaus Rohrbacher war erst skeptisch – weniger wegen des Geldes als wegen des Rufes, es handele sich da um eine Dummenschule. Pro Monat kommen nun rund 360 Euro für Schule und Musikunterricht zusammen. Ulrike Rohrbacher war selbst auf einer Waldorfschule, Geld für Bildung hält sie auf keinen Fall für verschwendet. Das fand schon ihre Großmutter, Anteilseignerin eines schwäbischen Unternehmens, die den Urenkeln zur Geburt je ein Sparbuch schenkte, um Bildung in jeglicher Form zu finanzieren. Von der großzügigen Summe werden die Urenkel auch dann noch etwas haben, wenn sie studieren.

Obwohl das Geld bei den Rohrbachers immer knapp ist, spenden sie für ein Patenkind in Indonesien. Als Familie mit sieben gesunden Kindern erscheint es ihnen folgerichtig, einem Not leidenden Kind zu helfen.

Kommentare

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Das Gerundiv - wo man es in der Mathematik bräuchte

Der Minuend (vom lat. Gerundiv "minuendum" - das zu Vermindernde) ist die Zahl, von der abgezogen wird, der Subtrahend (vom lat. Gerundiv "subtrahendum" - das Abzuziehende) ist die Zahl, die abgezogen wird.
Hoffentlich bringt es der Rentner R. H. seinem Nachhilfeschüler nicht falsch bei!

Vgl. beispielsweise de.wikipedia.org/wiki/Subtraktion .

P.S.: Ich bin kein Lehrer, schon gar kein Mathelehrer.

Interessantes Thema schlecht umgesetzt

Leider hält auch dieser Artikel nicht, was er verspicht: Transparenz.
Ich will nicht mit der Aufzählung im Einzelnen ermüden. Um meine Ansicht zu untermauern genügt ein Blick in die Finanzen der Familie Rohrbacher (Name geändert). Dem Anschein nach bekommen sie allein für das Milchgeld mehr, als der Betrieb insgesamt erwirtschaftet. Ganz zu schweigen vom Kindergeld für sieben Kinder, welches für sich schon höher liegt als das angeblich zur Verfügung stehende Monatseinkommen.
Der Gipfel - und ausschlaggebend für das Anmelden und Schreiben dieses Kommentares - war jedoch der letzte Satz zu Rudolf Hellwig. So etwas ist irgendwie beschämend.

Ungutes Gefühl

Nach Lektüre dieses Artikels fühle ich mich unwohl. Ich frag mich, woran das liegt. Der Begriff "Voyeurismus" kommt mir in den Sinn, aber so ganz trifft es das nicht. Ich schaue nochmal in die Texte. Es gibt sehr viele Sätze wie den folgenden:

"Wenn er erzählt, dass der Enkelin zur Überraschung seiner Tochter die Aldi-Kleider besser gefallen haben als die Markensachen, klingt er sehr zufrieden."

So ein Satz wirkt auf den den ersten Blick neutral-beschreibend. Ist er aber nicht. "Klingt er sehr zufrieden" ist eine subjektive Wahrnehmung. Vielleicht ist es der Mix aus - oberflächlich betrachtete - nüchternen Zahlenangaben und lakonisch wirkendem Tonfall der bei mir ein Gefühl von Zurschaustellung auslöst. Ich merke, ich hätte die Porträtierten gerne "beschützt". Ich finde den Tonfall des Artikels kalt und nahezu verächtlich.
Werde weiter darüber nachdenken und bin gespannt, wie andere Leser das empfunden haben.

Auch ein ungutes Gefühl

Ich habe beim lesen dieses Artikels auch ein ungutes Gefühl bekommen. Für mich wirken die hier beschriebenen Menschen allesamt farb- und leblos, egal wieviel Geld sie haben oder angeblich nicht haben. Da sind mir Menschen aus Ländern, wie Russland oder aus Afrika und Lateinamerika bei weitem sympathischer. Die haben zum Teil fast nichts im Vergleich zu den deutschen Wohlstandsbürgern, sind jedoch soviel herzlicher, freundlicher, familiärer ja einfach lebendiger. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Trotzdem sehe ich manchmal vor meinem inneren Auge, ein kaltes, graues Land, voller kleiner Häuschen und Wohnungen, darin sitzt ein alter Mann oder eine alte Frau, ganz alleine und schaut Wetten dass.. ohne eine Miene zu verziehen. Ich finde wir müssen viel mehr junge und lebendige Menschen, aus lebendigen Ländern für dieses Land gewinnen, ansonsten wird es irgendwann nur ein riesiges, kaltes Altersheim sein.

Überflüssig und peinlich!

Vielleicht hätte man den Mantel des Schweigens über diesem Thema lassen sollen?! Viele Beiträge sind einfach nur peinlich. Warum werden offensichtlich in Partnerschaft oder Ehe lebende Menschen hier so dargestellt, als müssten sie allein mit ihren Einkommen wirtschaften? Wenn die Frau des Rentners einmal Beamtin war, dann erhält sie doch sicherlich Pension - und die ist bekanntermaßen nicht zu vernachlässigen!? Wie kann man einen Lehrer hier beispielhaft zeigen, der offensichtlich keine Idee von der Realität des Lebens außerhalb seiner kleinen Welt zu haben scheint? Warum bleibt bei 1.500 Euro netto für "Nebeneinkommen" (Wow!) und fast genauso viel Kindergeld plus Einnahmen aus der Landwirtschaft bei Familie Rohrbacher bei 2.000 Euro Fixkosten am Ende des Monats nichts übrig?
Das Thema ist zweifelsohne genau deshalb keinen Artikel wert - weil Leben und Einstellungen verschieden sind und sich nichts vergleichen lässt.

Zu kurz gedacht!

Ich weiss ja nicht in was für Verhältnissen sie Leben, aber bei mir reicht das Kindergeld bei weitem nicht einmal für die Kinderbetreuung in der städtischen KiTa.

Wenn Sie berücksichtigen dass Familie Rohrbacher Raten für die Landmaschinen zu zahlen hat, Betriebskosten für einen Hof, eventelle Kredite für Investitionen & Modernisierugnen von Produktionsanlagen...

Man sollte etwas weiter denken als vielleicht die eindimensionalen Finanzverhältnisse eines zur Miete lebenden, angestellten Singles zum Vergleich herzuziehen.