Einkommen: Die neue Offenheit
Über Geld wird nicht gern gesprochen. Dabei ließe sich viel dabei lernen, nicht nur fürs nächste Gehaltsgespräch. Wir haben acht Leute gefragt, was sie verdienen und wie sie ihr Geld ausgeben – von arm bis reich.
Es war zu erwarten, dass es nicht einfach werden würde, Leute zu finden, die öffentlich über ihr Geld reden. Aber dass es so schwer werden würde, hatten wir nicht gedacht. Es dauerte fast ein halbes Jahr, bis sechs Arbeitnehmer und Selbstständige, ein Rentner und ein Hartz-IV-Empfänger bereit waren, hier Kassensturz zu machen. Über ihr Liebesleben oder ihre Krankheiten sprechen heute viele ohne Scheu – über Geld nicht. Das ist selbst unter guten Freunden nicht üblich. Warum eigentlich?
Ein Anwalt war bereit zu reden, aber seine Frau fand es nicht ratsam, wenn seine Mandanten, die er in Unterhaltsfragen berät, wüssten, was er verdient. Einem Werbefachmann bereitete es Sorge, dass in der Branche bekannt würde, welche Gehälter seine Firma zahlt. Einem Fondsmanager, den wir bereits interviewt hatten, fiel hinterher ein, dass sein Geschäftspartner dieses Gespräch für keine gute Idee halten würde.
Keiner redet in Deutschland gerne über Geld, am wenigstens jene, das ergab unsere Recherche, die viel davon haben. Die Ärmeren machten bereitwilliger mit. Sie sind es ja gewohnt, auf dem Amt ihre finanzielle Lage auszubreiten.
Auch für alle anderen ist Geld ein großes Thema. Jeder denkt wahrscheinlich täglich mehrfach darüber danach. Und doch erfährt man über das Geld der anderen: fast nichts. Oder nur die Statistiken: Sparquoten, durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen (2922 Euro), solche Dinge. In den Wirtschaftsteilen der Zeitungen, die täglich eigens Geld-Seiten anbieten, steht praktisch nie, wie Menschen mit ihrem Geld zurechtkommen. Und wenn, dann werden Prominente befragt, die philosophieren ein wenig, nennen vielleicht eine Zahl. Kassensturz macht niemand öffentlich.
Niemand fragt den andern, was er verdient, aus Sorge, zu den weniger Geschätzten zu gehören
Vielleicht schweigen die Reichen nicht nur, weil sie negative Folgen für ihre Geschäfte befürchten, sondern auch Neid. Der Kampfbegriff »Sozialneid« ist mächtig genug, das Thema »Wer verdient eigentlich wie viel?« zu einem Tabu werden zu lassen. Und die nicht ganz so Reichen? Weite Teile der deutschen Mittelschicht werden bis heute noch dazu erzogen, Geld als notwendiges, aber nicht allzu interessantes Mittel zu betrachten, das man eben braucht. Niemand möchte sich als langweiliger Finanztest-Leser outen oder als Materialist erscheinen, also verschweigt man seinem Freund, dass man sich gefreut hat über die Gehaltserhöhung – die man selbstverständlich alleine mit seinem Chef verhandelt hat im Glauben, Einzelkämpfertum bringe ihn weiter, als sich mit seinen Kollegen auszutauschen. Niemand fragt den anderen, was er bekommt, auch aus Sorge, zu den weniger Geschätzten zu gehören.
Das Schweigen über Geld in Deutschland sei ein Erbe der Dezentralität, sagt Jochen Hörisch, Literatur- und Medienwissenschaftler, der in seinem Buch Kopf oder Zahl – Die Poesie des Geldes beschreibt, wie das Geld das christliche Abendmahl schon vor fünf Jahrhunderten als wichtigstes verbindendes Element abgelöst hat. Weil – anders als in Frankreich oder England – ein zentraler Hof fehlte, gab es keine Öffentlichkeit, vor der man seinen Reichtum hätte präsentieren können. Stattdessen hielten die Deutschen den Geist hoch und echauffierten sich über englische Pfeffersäcke und französische Frivolität. Dazu kam eine protestantische Kultur, die das öffentliche Zurschaustellen von Reichtum auch nicht unbedingt beförderte.
In den USA stehen mitunter die Gehälter gleich in den Stellenausschreibungen. Geld ist kein Tabu in einem Land, das glauben will, jeder könne zu Geld kommen, wenn er nur hart arbeite – und wo Geld als etwas uneingeschränkt Positives gesehen wird, nicht mit jener deutschen Schizophrenie, die Jochen Hörisch attestiert: mal fröhlich, mal melancholisch. Aber bei der Penetranz, mit der man in den USA über Geld und Verdienst als Statussymbol spricht, möchte man sich nicht unbedingt in dieses Land wünschen. Eher schon nach Schweden, wo man nahezu erwartbar alles besser macht als hierzulande. Dort kann man beim Finanzamt die Einsicht in die Steuererklärung des Nachbarn beantragen. Weil in Schweden ein großer Teil der Einkommensteuer direkt an die Kommunen geht, bestiehlt dort der Steuerlügner weniger den Staat, eher seine Nachbarn. Dort steht unter Zeitungsporträts nicht nur »verheiratet, zwei Kinder«, sondern auch das Einkommen. Und trotzdem sind die Schweden wahrscheinlich keine von Neid zerfressene Nation.







...eidgenössisch "steueroptimierten" Einkünften wahlweise ihre Luxuswohnungen am Lago maggiore oder im Berliner Grunewald finanzieren, gerne auch mit ihren Abgeordnetengehältern? Fragte man Schäuble, bekäme man nicht unbedint eine Antwort.
Es wäre schön gewesen vom Studenten zu lesen, der 670 Euro BAföG bekommt und in München 400 Euro Miete zahlt.
Ich könnte was schreiben vom Studenten, der 1000€ im Monat verdient und im Ruhrgebiet 200€ Wohnheimmiete bezahlt. Würde aber wohl nicht in Ihr Weltbild passen, also lasse ich es lieber ;-)
Ich könnte was schreiben vom Studenten, der 1000€ im Monat verdient und im Ruhrgebiet 200€ Wohnheimmiete bezahlt. Würde aber wohl nicht in Ihr Weltbild passen, also lasse ich es lieber ;-)
die Krankenschwestern sollten nicht viel weniger verdienen, als die Ärztin angibt, in Vollzeit auch mehr - falsche Steuerklasse?
"Eine Altenpflegerin mit gerade mal 34,- mehr als ein Harzer..."
Ich nehme an, mit "Harzer" meinen Sie den porträtierten Hartz IV-Empfänger. Der ist nun leider untypisch und unglücklich ausgewählt - wenn Sie den Text aufmerksam gelesen haben, sehen Sie, dass der 250,- Euro Opferrente zusätzlich zu Hartz IV bekommt und auch noch in einem 1-Euro-Job arbeitet und dafür einen Aufschlag bekommt.
Ein normaler Hartz IV-Empfänger würde dagegen die 295,- Miete für die Einzimmerwohnung bekommen sowie - man korrigiere mich - 374,- Euro für den Lebensunterhalt = 669,-Euro im Monat.
Dass das Gehalt von Altenpfleger(inne)n und Krankenpfleger(inne)n im Verhältnis zu der Arbeit, die sie leisten, skandalös niedrig ist, ist eine andere Sache.
Ich wundere mich doch sehr über die Zahlen, 1570 Euro als Hausmeister, netto? Wenn dem so ist wird der gute Herr viel Glück gehabt haben, in der Regel dürfte ein solches Gehalt für einen Hausmeister fast als utopisch bezeichnet werden. Ich weiß nicht, wie das durschnittliche Gehalt eines Lehrers normalerweise ausfällt, aber 3.000 netto scheint mir eher ein Glücksgriff zu sein, auch wenn ein solcher Schnitt sehr wünschenswert wäre!
Alles in allem gefällt die Idee des Artikels, ich würde mir aber wünschen hier zahlen zu finden, die eher dem Durchschnitt entsprechend.
Wo liegt denn ihr Durchschnittseinkommen?
Das würde mich ml interessieren. Woran sollen wir uns bei diesem Artikel orientieren?
Ich fand den Artikel gut, ich fand es gut zu sehen, was andere mit ihrem Geld machen. Allein darum ging es und nicht, ob einer zu viel oder zu wenig verdient. Wie geben sie ihr Geld aus.
Also ehrlich, ich halt mich da wirklich zurück.
Wo liegt denn ihr Durchschnittseinkommen?
Das würde mich ml interessieren. Woran sollen wir uns bei diesem Artikel orientieren?
Ich fand den Artikel gut, ich fand es gut zu sehen, was andere mit ihrem Geld machen. Allein darum ging es und nicht, ob einer zu viel oder zu wenig verdient. Wie geben sie ihr Geld aus.
Also ehrlich, ich halt mich da wirklich zurück.
Ich könnte was schreiben vom Studenten, der 1000€ im Monat verdient und im Ruhrgebiet 200€ Wohnheimmiete bezahlt. Würde aber wohl nicht in Ihr Weltbild passen, also lasse ich es lieber ;-)
Hallo Michael Demandt, wollen Sie mich adoptieren? Erben will ich nichts, aber einen so lockeren Vater hätte ich gerne gehabt! Ich finde es toll, wenn man was in de Täsch hat und bei Gelgenheit auch mal herausholt.
aus Einkommen zweier Personen (oder mehreren) Personen errechnen kann.
z.B. Zwei gutverdienende Ärzte mit zwei Kindern:
Nettogehalt pro Person 3000Euro
Kindergeld: 2x184 Euro
gesamt: 6368Euro
(Beispielrechnung)
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren