Liebeskolumne Darf sie sagen, dass er ein Rechthaber ist?

Wie vertragen sich Liebe und Rechthaberei?

Wie vertragen sich Liebe und Rechthaberei?

Frage: Petra und Daniel sind seit fünf Jahren zusammen. Auch diesmal feiern sie den Tag, an dem aus dem Flirt Ernst wurde. Und weil es fünf Jahre sind, gehen sie nicht nur in ein besonders angesagtes Restaurant – sie halten auch Rückschau.

Petra will, dass sie sich etwas voneinander wünschen, für die Zukunft. Daniel soll anfangen. Aber ihm fällt nichts ein. »Du sollst so bleiben, wie du bist«, sagt er zärtlich. Petra hingegen weiß ganz genau, was sie sich von Daniel wünscht: Er soll nicht immer so rechthaberisch sein. Prompt entspinnt sich ein Streit, ob Daniel wirklich rechthaberisch ist oder einfach nur rational.

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Die Stimmung leidet. Bis Petra flüstert: »O. k., o. k., lassen wir das, ich nehme alles zurück, bleib auch du so, wie du bist!«

Liebeskolumne
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Es trägt nicht viel zur Stimmungsaufhellung bei, Petra klarzumachen, dass zum Aufspüren eines Rechthabers eine Rechthaberin nötig ist. Rechthaben ist so befriedigend, weil es uns die Sicherheit verschafft, dass wir unsere Umwelt unter Kontrolle haben. Es ist nicht leicht, auf das sieghafte Gefühl zu verzichten, besser Bescheid zu wissen.

In der Liebe ist die Rechthaberei harmlos, solange es um Informationen geht, die sich durch Aufrufen von Wikipedia klären lassen. Problematisch wird sie, sobald ein Partner auch im Urteil über den Charakter seines Gegenübers den Rechthaber spielt. Hier wird der Streit rasch uferlos. Die Partner erreichen das Gegenteil dessen, was sie sich wünschen.

Die Liebeskolumne

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch Partnerschaft und Babykrise ist im Gütersloher Verlag erschienen.

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de

 
Leser-Kommentare
  1. Der Vorwurf der Rechthaberei bedeutet, dass es der betreffenden Person nicht um den Sachinhalt geht, sondern nur darum, im Wettstreit der Argumente recht zu behalten. Es handelt sich letztlich um ein Nicht-ernst-nehmen des Partners. Wie Herr Schmidbauer den Fall schildert, er deutet dies in seiner Antwort ja auch an, ist Petra nicht davor gefeit, sich auf diese Argumentenwettstreite einzulassen. Mich beschleicht der Verdacht, im Beispiel musste sie ja auch, wie der erste Satz der Antwort zeigt, wohl auch berechtigt, klein begeben, dass Petras eigentliches Problem ist, dass sie beim argumentativen Wettstreiten zumeist den Kürzeren zieht. Ihr eigentlicher Wunsch ist also nicht, dass Daniel nicht immer so rechthaberisch sein soll, sondern nicht immer recht haben soll. Dies ihm einzugestehen, dass er sich zurücknehmen soll, weil sie mit seinen argumentativen Fähigkeiten nicht mithalten kann, ist sie eben aber zu stolz. Sie sollte daran arbeiten, ihm und sich dies einzugestehn.

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