CountryDrei Akkorde für ein Halleluja
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Die Stadt hat über 700 Kirchen

In der Country Music Hall of Fame

In der Country Music Hall of Fame  |  © Jessica Braun

Und Nashville nie bloß mit Country. Tennessees herbe Hauptstadt besitzt Theater und Symphonieorchester. Die Belle Meade Plantation konserviert den Süden der mondänen Herrenhäuser und der Sklaverei. Wir wandern vom totbetonierten Ufer des Cumberland River zum Hügel des State Capitol mit seinen vaterlandsschwülstigen Kriegermalen. Unweit liegt das neue Museum for the Visual Arts. Wir wandeln durch John Constables englische Landschaften – fern von Europa eine Gegenwelt. Daheim heißt unsere Gegenwelt Amerika.

Nashvilles bürgerlicher Beiname lautet Athens of the South. Griechenlands Untergang wäre keine Katastrophe, denn im Centennial Park steht das Parthenon der Akropolis, 1897 in originaler Größe nachgebaut zum 100. Geburtstag des Staates Tennessee. Die absurde Replik wird bewohnt von der größten Indoor-Statue der Welt: Athene aus vergoldetem Beton, mit himmelblauen Glubschaugen. Für eine Jungfrau wirkt die Göttin ziemlich schwanger.

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Vor allem ist Nashville das Zentrum der Evangeliums-Industrie. Die Stadt hat über 700 Kirchen und markerschütternde Rundfunkprediger. Wer morgens auf 89,1 FM gerät, den erweckt der Donnerruf: Fliehe die Fleischeslust! Wenn du ein Mädchen ausführst, dann niemals allein! Geh mit ihr zum Football, wo 50.000 Menschen um euch sind! Bring sie heim, solange es hell ist! Und wenn du ihr zum Abschied einen Kuss gibst, dann züchtig, im Angesicht ihres Vaters und vor der Mündung seines Schießgewehrs!

Anreise

Zum Beispiel mit United Airlines von Berlin über Newark nach Nashville, Tennesse.

Unterkunft

Home2 Suites (1800 Division Street), Tel. 001-615/2542170, patent und nahe Downtown. DZ ca. 83 Euro.

Millennium Maxwell House (2025 Rosa L. Parks Boulevard), Tel. 001-615/2594343, geräumiges DZ ca. 141 Euro.

Musik

Die RCA Studio B-Tour startet täglich an der Country Music Hall of Fame. Das Johnny-Cash-Museum öffnet 2013 in 119 Third Avenue South nahe Broadway (www.johnnycash.com)

Auskunft

Tennessee Tourism, Horstheider Weg 106a, 33613 Bielefeld, Tel. 0521/9860415

Der Prediger heißt Adrian Rogers. Wir googeln und erfahren, dass Pastor Rogers’ fromme Sorge sich nicht auf Fleischeslust beschränkt. Er hat auch die Todesstrafe biblisch begründet und Präsident George W. Bush brieflich ersucht, härter gegen die Palästinenser vorzugehen. Außerdem starb er 2005, was ihn keineswegs hindert, radioaktiv weiter Spenden einzuwerben. Dies ist das Land, in dem die Countrymusik spielt. In diese aggressiv bigotte Welt sprach Johnny Cash: Nicht mal die Tiere töten ihresgleichen.

Durch ihr großes Herz überwindet Music City allen Fundamentalismus. Dieses Herz schlägt in Dutzenden Musikclubs, am lautesten im Ryman Auditorium. Bis 1974 beherbergte diese mother church of country music die Grand Ole Opry, dann baute der Mammon Opryland. Im Ryman erleben wir Kunst: die Verleihung der Americana Awards – an Guy Clark, an Bonnie Raitt, an den urbritischen Troubadour Richard Thompson, an junge Wurzelpfleger wie die Carolina Chocolate Drops und The Deep Dark Woods. Hier wird Country zu Americana, jenem Grenzgänger-Genre bodenständiger Sounds von Folk bis Soul, das Wahrheit jenseits kommerzieller Optimierung sucht. Country vertont privates Geschick, Americana schreitet musikalisch und thematisch weiter aus. Aber beide Genres mythisieren dieses allzu junge Land und schaffen ihm Geschichte.


Am letzten Nachmittag verlassen wir die Stadt. Wir wollen Country dort erleben, wo die Musik herkommt. Wir fahren zum Fish Fry & Hoedown nach Bethel. Don’t forget your dancin’ shoes, stand auf dem Plakat und No alcohol please. Wir rollen durch die grüne Hügelwelt gen Süden, vorbei an Pferdekoppeln und Villen mit Säulenfront. Ankunft in der Dämmerung. Abendnebel in den Wiesen. Ein Dutzend Häuser, eine weiße Kapelle am Wald. Eine leuchtende Scheune, darin Landvolk aller Generationen. Umtummelt von Kindern, erklimmt die uns völlig unbekannte Homer Dever Band die Bühne. Doch siehe da: Der Gitarrist ist Reggie Young, einst Elvis Presleys Begleiter und Session-Star Hunderter Country-Platten. Der Drummer Richie Albright hat Waylon Jennings betrommelt. Steel-Gitarrist Robby Turner bereiste mit den Highwaymen die Welt. Heute spielen sie für die Nachbarschaft. Der Tennessee Waltz schwingt auf. Die Paare finden sich. Alt walzt mit Jung, und die Cowgirl-Stiefel klickern rasend Step. Auch der Reporter wird zum Tanz geführt, durch Wanda, eine reizende Lady in den jungen Achtzigern.

Wanda, ich kann nicht tanzen.

Sweetheart, sagt Wanda, jeder tanzt. So ist das Leben. Pass einfach auf, dass ich nicht falle.

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Leserkommentare
  1. Johnny Cash war in Landsberg, nicht in Landshut.

  2. ich habe immerhin knapp acht Jahre meines Lebens dort verbracht und bin auch unweigerlich- wenn auch erst langsam- mit Country-Music in Berührung gekommen.
    Jedoch ist keine Betrachtung der Country-Musik komplett, ohne einen Blick auf die aktuellen Stars der Szene zu werfen.
    In neuerer Zeit ist zB Alan Jackson zu erwähnen, der in seinem Lied "Gone Country" einen Kommentar zur Musikszene abgibt:"...the folk scene is dead..." aber es gibt Country-Sänger da draussen, mit "...some of that stuff don't sound much different than Dylan..." und auch feststellt: "I hear down there it's changed you see
    They're not as backward as they used to be".

    Gerade deswegen ist auch der schwarze Country-Sänger Darius Rucker hörenswert, der früher Frontmann bei Hootie & the Blowfish war. Und selbst der Großmeister des Pop/Souls, Lionel Richie hat sein letztes Album "Tuskeegee" zusammen mit den aktuellen Country-Superstars seine größten Hits im Country-Stil neu aufgenommen und beweist eindrucksvoll, dass R&B und Country die selben Wurzeln haben.

    Wer sich mit der aktuellen Country-Szene beschäftigt, kommt nicht an Namen wie z.B. Lady Antebellum, Kenny Chesney, Brad Paisley oder Blake Shelton vorbei.
    Letzterer ist zur Zeit der absolute Superstar, der dieses Jahr einen CMA-Award nach dem anderen abgeräumt hat. Einfach honigsüß ist seine Liebeserklärung in „Honey Bee“, dass auch gleichzeitig eine Hommage ist an das Duett „Lousiana Woman, Mississippi Man“ von Conway Twitty & Loretta Lynn.

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    Aber Nashville nennt sich nicht umsonst ganz allgemein MUSIC CiTY USA, weil dort eben auch viele andere Musikgenres lebendig sind. Wer es schafft, am 4. Juli in Nashville zu sein, bekommt am Riverfront Park eines der größten Feuerwerke im Land zu sehen, untermalt mit klassischer Live-Musik, vorgetragen vom Nashviller Symphonieorchester, das nun im Schermerhorn Symphony Center seine neue Heimat gefunden hat. Sogar das independent Record Label „Ca$hville Records“ für Rap ist in der Stadt vertreten.

    Live Musik der unterschiedlichsten Art findet man in Nashville auch in den Parks der Stadt in den Sommermonaten, wie zB im Centenniel Park, bei den Big Band Dances wo samstags abends zu Livemusik Tanzstunden gegeben werden, oder bei den "Brown Bag Lunch Concerts" donnerstags in der Mittagspause. Am schönsten sind dabei die Konzerte Freitag abends im Spätsommer, die im „Red Caboose Park“ stattfinden- einfach nur die Decke mitnehmen und die Musik im Gras sitzend genießen.

    Musik ist viel aber nicht alles Nashville. Wer Burger & Fries nicht mehr sehen kann, dem sei ein Besuch bei „Chappy’s on Church“ an Herz gelegt. Der Koch hatte sich in Nashville niedergelassen, nachdem Hurricane Katrina sein Restaurant mit kreolischer Küche („Cajun“) in New Orleans zerlegt hatte.

    Bleibt noch anzumerken, dass Nashville auch für seine Forschung zB an der Vanderbilt Universität weltberühmt ist, die immerhin zwei Nobelpreisträger für Medizin hervorbrachte: Earl W. Sutherland Jr. und Stanley Cohen.

  3. Aber Nashville nennt sich nicht umsonst ganz allgemein MUSIC CiTY USA, weil dort eben auch viele andere Musikgenres lebendig sind. Wer es schafft, am 4. Juli in Nashville zu sein, bekommt am Riverfront Park eines der größten Feuerwerke im Land zu sehen, untermalt mit klassischer Live-Musik, vorgetragen vom Nashviller Symphonieorchester, das nun im Schermerhorn Symphony Center seine neue Heimat gefunden hat. Sogar das independent Record Label „Ca$hville Records“ für Rap ist in der Stadt vertreten.

    Live Musik der unterschiedlichsten Art findet man in Nashville auch in den Parks der Stadt in den Sommermonaten, wie zB im Centenniel Park, bei den Big Band Dances wo samstags abends zu Livemusik Tanzstunden gegeben werden, oder bei den "Brown Bag Lunch Concerts" donnerstags in der Mittagspause. Am schönsten sind dabei die Konzerte Freitag abends im Spätsommer, die im „Red Caboose Park“ stattfinden- einfach nur die Decke mitnehmen und die Musik im Gras sitzend genießen.

    Musik ist viel aber nicht alles Nashville. Wer Burger & Fries nicht mehr sehen kann, dem sei ein Besuch bei „Chappy’s on Church“ an Herz gelegt. Der Koch hatte sich in Nashville niedergelassen, nachdem Hurricane Katrina sein Restaurant mit kreolischer Küche („Cajun“) in New Orleans zerlegt hatte.

    Bleibt noch anzumerken, dass Nashville auch für seine Forschung zB an der Vanderbilt Universität weltberühmt ist, die immerhin zwei Nobelpreisträger für Medizin hervorbrachte: Earl W. Sutherland Jr. und Stanley Cohen.

    Antwort auf "Ich liebe Nashville-"

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