NordkoreaGriff nach den Sternen

Kempinski will im höchsten Turm Nordkoreas ein Luxushotel eröffnen. Ein Gespräch mit Michael Henssler, der mit der Regierung verhandelt. von 

Das Ryugyong-Hotel in Pjöngjang ist über 300 Meter hoch.

Das Ryugyong-Hotel in Pjöngjang ist über 300 Meter hoch.  |  © Bobby Yip/Reuters

Das Ryugyong-Hotel in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang ist eine Legende. Fast zwei Jahrzehnte lang lag der 337 Meter hohe pyramidenförmige Bau brach, einst wollte die nordkoreanische Regierung hier das höchste Hotel der Welt errichten. 1987 hatten die Arbeiten begonnen, in den neunziger Jahren wurden sie aus Geldmangel abgebrochen. Nun wird das Gebäude fertiggestellt. 2013 soll es in Teilen eröffnet werden. Dann will die Luxushotelgruppe Kempinski hier über ihre chinesische Tochterfirma Key International Hotels ein Hotel betreiben. Michael Henssler ist Geschäftsführer des Unternehmens, dem mehr als 15 Kempinski-Hotels im asiatischen Raum unterstehen.

DIE ZEIT: Herr Henssler, Nordkorea hat als Reiseziel nicht den besten Ruf. Kein Tourist darf die von der Regierung vorgegebenen Routen verlassen, jeder Gruppe wird ein Aufpasser zugeteilt. Warum wollen Sie gerade dort ein Luxushotel eröffnen?

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Michael Henssler: Es steht in der Tradition von Kempinski, als Pionier neue Ziele zu öffnen. Wir waren auch der erste Hotelbetreiber, der nach Peking gegangen ist. Als wir dort vor zwanzig Jahren das erste Haus aufgemacht haben, lag das Gebäude noch an einer Sandstraße. Aber es hat sich gelohnt. Natürlich wollen wir in Pjöngjang Geld verdienen, und doch ist die Motivation keine rein kommerzielle. Was viele von uns antreibt, ist die Chance, an einem Wandel mitgearbeitet zu haben – auch wenn unser Beitrag nur ein winzig kleiner Mosaikstein ist.

ZEIT: So winzig ist der Beitrag gar nicht, wenn man die Maßstäbe des Bauwerks bedenkt.

Henssler: Das Hotel wird nie die zuerst vorgesehenen 3000 Zimmer haben, stattdessen plant man eine Mischnutzung. Wir fangen mit etwa 100 oder 150 Zimmern an und werden dann je nach Bedarf mit der Zeit ausbauen, maximal auf 350 Zimmer. In einem Flügel der Pyramide sind schon die Büros der ägyptischen Firma Orascom untergebracht, sie ist der Investor. Gemeinsam mit dem nordkoreanischen Staat wird sie den Komplex betreiben. Wir, das heißt Key International, verhandeln über einen Managementvertrag für das Hotel und die fünf drehbaren Restaurants in der Spitze.

ZEIT: Wann wollen Sie eröffnen?

Henssler: Wenn man mit einem ägyptischen Investor und der nordkoreanischen Regierung an einen Tisch kommt und versucht, über Zeitpläne zu sprechen, ist das schon gewagt. Umso mehr bei einem Projekt, wo der Rohbau und die Fassadeneinkleidung mehr als 20 Jahre gedauert haben und aktuell noch kein Vertrag unterzeichnet ist.

ZEIT: In welchem Zustand ist das Gebäude jetzt?

Henssler: Es ist ein Betonskelett, das seit zwei Jahren in eine Fassade eingekleidet wird. Dafür wirkt es erstaunlich aufgeräumt, aber teilweise noch etwas gespenstisch. Im Podium zum Beispiel befinden sich Säle, die einem von ihrer Größe her Angst machen könnten. Aber wenn Sie auf dem Dach des obersten Restaurants stehen und auf Pjöngjang hinuntersehen, ist das atemberaubend.

ZEIT: Und die Zimmer?

Henssler: Die sind nicht besonders groß. Wenn wir den Managementvertrag unterzeichnen, werden wir sie modern einrichten mit einem Touch an koreanischer Kultur. Eine Übernachtung wird dann voraussichtlich zwischen 200 und 250 Euro kosten...

ZEIT: ...was nach nordkoreanischem Standard mehreren Monatslöhnen entspricht. Auf welche Kunden hoffen Sie?

Henssler: Es werden bereits zwei Hotels in Pjöngjang international genutzt. Die laufen relativ gut. Es gibt Tourismus, vor allem Reisegruppen aus China, außerdem viele politische Delegationen. Auch von Privatleuten haben wir Anfragen bekommen. Viele würden sich das Land gerne mal anschauen. Schließlich ist Nordkorea ein vom Kommerz unbefleckter Ort, da gibt es keine Cola, keine Burger-Ketten.

ZEIT: Wie bringt man Angestellte dazu, in ein solches Land umzusiedeln?

Henssler: Wir haben schon Mitarbeiter, die gerne dort arbeiten würden. Einige davon kommen aus dem früheren Ostblock.

Leserkommentare
    • Schawn1
    • 22. November 2012 12:00 Uhr

    Am Beispiel von Frau Kim A Chim no Eul, Ehefrau, Mutter und Germanistin, wird ein außergewöhnlicher Einblick in den Alltag zwischen Beruf und Familie in dem isolierten Land gewährt: http://www.atkearney361gr...

    3 Leserempfehlungen
  1. "Viele würden sich das Land gerne mal anschauen. Schließlich ist Nordkorea ein vom Kommerz unbefleckter Ort, da gibt es keine Cola, keine Burger-Ketten."

    ...und unbefleckt von flächendeckender Ernährung, Zugang zu medizinischer Versorgung und freiheitlicher Demokratie! Toll, so ein Katastrophen/Mittelaltertourismus in ein Land in dem die Unterjochung einer ganzen Bevölkerung Staatsräson ist.

    "Wir haben schon Mitarbeiter, die gerne dort arbeiten würden. Einige davon kommen aus dem früheren Ostblock."

    Na dann ist das doch kein Problem! Die ehemaligen Ostblöckler haben ja kein Problem mit Unterdrückung, die kennen das ja so!

    "Was sicher schwierig wird, ist, Wärme, Gastfreundlichkeit, Herzlichkeit [mit den nordkoreanischen Mitarbeitern] zu erarbeiten. Dort hinzugehen und zu sagen: Lächel mal, sei nett, hab Spaß."

    Das sind aber auch Spielverderber die ollen unterjochten Koreaner! Jetzt vergesst halt mal für eine Minute, dass euer gottgleicher Herrscher in Eselsmilch badet und eure Lebensmittelhilfslieferungen in pompösen Festen verspeist! Stattdessen erfreut euch, dass ihr jetzt für zwielichte europäische Geschäftsleute bei Kempinski für einen Hungerlohn ein Dauergrinsen ausetzen dürft.

    Vielen Dank Hotel Kempinski für diese Pionierleistung in Sachen Demokratisierung und Wandel!

    6 Leserempfehlungen
  2. "Kempinski-Chef Reto Wittwer wurde mit den Worten zitiert, wenn Nordkorea sich öffne, werde das Hotel zu einer Gelddruckmaschine."

    Ein absurdes Projekt, eine absurde Staatsphilosophie, ein absurdes Regime. Aber immerhin kann man damit Geld verdienen.
    Da dürfen wir ja froh sein.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    werde das Hotel zu einer Gelddruckmaschine!

    Wow ! Und in der Zwischenzeit werden Miese gemacht, oder wie ? Kempinski-Chef Reto Wittwer sollte sich vor Augen führen, daß Nordkorea die Buchhaltung abgeschafft hat, weil es nichts mehr zu verwalten gibt ! Wie wäre es mit einem Kempinsky Hotel in Somalia, direkt am Horn von Afrika ? "Steak Wellington" mit Aussicht auf Piratenüberfälle und Schnellbootrennen mit der internationalen Schutztruppe, das wär doch was !
    Die übersättigte Schickeria würde sich prügeln um die besten Plätze !

  3. werde das Hotel zu einer Gelddruckmaschine!

    Wow ! Und in der Zwischenzeit werden Miese gemacht, oder wie ? Kempinski-Chef Reto Wittwer sollte sich vor Augen führen, daß Nordkorea die Buchhaltung abgeschafft hat, weil es nichts mehr zu verwalten gibt ! Wie wäre es mit einem Kempinsky Hotel in Somalia, direkt am Horn von Afrika ? "Steak Wellington" mit Aussicht auf Piratenüberfälle und Schnellbootrennen mit der internationalen Schutztruppe, das wär doch was !
    Die übersättigte Schickeria würde sich prügeln um die besten Plätze !

    Antwort auf "Ad absurdum"
    • 可为
    • 23. November 2012 10:04 Uhr

    langsam die billigen Arbeitskräfte weniger werden, und auch weil Un weiß wie es im Westen aussieht ist eine Öffnung Nordkoreas in naher Zukunft nicht unwahrscheinlich, und wenn dann die Manager und Goldgräber die dort allesamt mit der Regierung verhandeln wollen auftauchen könnte man sich mit dem Hotel eine goldene Nase verdienen...

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    gibt es bereits.

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    • 可为
    • 23. November 2012 14:49 Uhr

    im chinesischen Fernsehen mitbekommen, dass man sich mit russischen Wirtschaftsleuten in Peking getroffen hat. Da bahnt sich sowieso etwas an...

    • 可为
    • 23. November 2012 14:49 Uhr

    im chinesischen Fernsehen mitbekommen, dass man sich mit russischen Wirtschaftsleuten in Peking getroffen hat. Da bahnt sich sowieso etwas an...

  5. Aber einen moeglichen Flop hat Kempinski sicher einkalkuliert. Wieso: "viele Leute moechten sich gerne mal Nordkorea ansehen." Da gibt's nichts zu sehen, es sei denn, man will die letzte kommunistische Diktatur in Reinkultur vor Ort betrachten. Leicht morbide sowas aber verstaendlich.

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