Soziale GerechtigkeitSie kommen wieder

Beim nächsten Versuch müssen sich die Politiker mehr Mühe geben. von 

Im ersten Anlauf ist die Einführung von Studiengebühren in Deutschland gescheitert. Von sieben Gebührenländern sind nur Bayern und Niedersachsen übrig geblieben. Und ob die Gebühren dort die Landtagswahlkämpfe überstehen, ist fraglich. Der Kampf gegen die vermeintlich unsozialen Studiengebühren ist ein zu verlockendes Wahlkampfthema für SPD und Grüne, da denkt in der Union nicht nur Horst Seehofer daran, die für Politiker leidige Angelegenheit aus der Welt zu schaffen.

Doch die Wette gilt: Schon bald werden Studiengebühren wieder auf der Tagesordnung stehen. Die Länder haben zu wenig Geld, die Hochschulen auf Dauer so auszustatten, wie es für Spitzenforschung und gute Studienbedingungen nötig wäre. Da ist ein kleiner Obolus der Studenten hilfreich.

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Sozial gerecht wäre das auch. Wenn die Anwaltsgehilfin über ihre Steuern das Studium der Kinder ihres Chefs mitfinanziert, warum sollen sich dann die Hauptprofiteure des Studiums nicht an den Kosten beteiligen?

Allerdings müssen sich die Gebührenbefürworter beim nächsten Anlauf mehr Mühe geben. Erstens müssen sie die Bürger überzeugen. Zweitens sollten die Gebühren erst nach dem Studium fällig werden – und nur von jenen kassiert werden, die dann gut verdienen. Und drittens muss über Stipendien und Bafög sichergestellt werden, dass niemand vom Studium abgehalten wird, weil seine Eltern zu arm sind.

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Leserkommentare
    • Rudi01
    • 26. November 2012 8:58 Uhr

    ... dass man mit genau diesen Argumenten für alle (!) Arten von Bildungsangeboten, die ein zivilisierter Staat macht, Gebühren verlangen kann?

    JEDE Art von Bildung, vom Kindergarten bzw. Vorschule bis zum Abitur führt dazu, dass der Betreffende hinterher deutlich höhere Chancen auf ein besseres Einkommen hat.

    Nach meiner Meinung ist es TROTZDEM Aufgabe des Staates, also der Interessenvertretung von uns allen, diese Bildungsangebote zu finanzieren. Denn wir WOLLEN doch ausdrücklich, dass das hier ein zivilisiertes, kultiviertes Land ist, in dem jeder ohne Zukunftsangst leben kann.

    Ich möchte ganz ausdrücklich, dass die ungehobelten Rotzlöffel, die ich morgens im Bus ertragen muss, ein Maximum an Bildung erhalten. Nicht nur, wenn sie (oder ihre Familien es sich leisten können). Also mit _meinen_ Steuergeldern. Und nicht auf Pump.

    Ich möchte in einem Land leben, in dem Dummheit verpönt ist, und nicht (wie hier im Moment) bewusst kultiviert wird. In dem junge Leute etwas lernen, weil Bildung eine reale Chance ist, ein "gutes Leben" zu erreichen.

    Befürworter von Studiengebühren wollen genau diese Art von Staat zurückbauen; zurück zum Wilden Westen also, oder in die Zeit vor der Französischen Revolution. Weil es in einem solchen Staat den Top 5% am besten geht. Damals galt wirklich: wer hat, der hat, und wer kann, der kann. Infam ist es, das auch noch als "Freiheit" zu verkaufen.

    5 Leserempfehlungen
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    Die beste Lösung, aus den "ungehobelten Rotzlöffeln" vernünftige Erwachsene menschen zu machen, ist, das denke ich auch, ihnen eine faire Chance und eine passende Aufgabe zu geben. - Ich finde, der beste Weg zu fairer Bildung wäre, _jede_ Art von Berufsausbildung und auch möglichst viele sinnvolle Weiterbildungsangebote kostenlos zu machen. Die Investition lohnt sich!

    • Rudi01
    • 26. November 2012 9:07 Uhr

    Niemand wird im Berufsleben auf Dauer dafür bezahlt, dass er irgendein Zeugnis oder Diplom hochhalten kann.

    Zeugnisse oder Diplome sind nur der Nachweis, dass eine Person X bestimmte Fähigkeiten hat, die im Beruf Y gebraucht werden.

    Bezahlt wird man ausschliesslich für das, was man jeden Tag _leistet_. Und diese Leistung ist eben etwas, was Person X selbst tut. Es ist eben _nicht_ so, dass da Universität Z, an der Frau X ihr Diplom erhalten hat, da etwas "mit leistet".

    Und weil wir wollen, dass möglichst viele Menschen möglichst hochwertige Arbeit leisten, deswegen sollten wir sie gebührenfrei ausbilden. Die Diplome sollten ausschliesslich diejenigen bekommen, die am besten geeignet sind. Und eben nicht die, bei denen die Brieftaschen der Eltern am besten gefüllt sind.

    Wobei selbstverständlich auch durchaus beides zusammen eintreten kann -- also nichts gegen leistungsfähige Chefarzt-Söhne und -Töcher! Aber eben: _leistungsfähige_. Und unabhängig vom Eltern-Konto.

  1. Die beste Lösung, aus den "ungehobelten Rotzlöffeln" vernünftige Erwachsene menschen zu machen, ist, das denke ich auch, ihnen eine faire Chance und eine passende Aufgabe zu geben. - Ich finde, der beste Weg zu fairer Bildung wäre, _jede_ Art von Berufsausbildung und auch möglichst viele sinnvolle Weiterbildungsangebote kostenlos zu machen. Die Investition lohnt sich!

    Eine Leserempfehlung
    • pekka
    • 26. November 2012 17:05 Uhr
    148. Nix ist!

    Wieso sollen die jetzigen Studenten alles stemmen?
    Eigene Ausbildung, Renten der Idioten, die sich jetzt weigern den Generationenvertrag zu erfüllen, Gleichzeitig bitte auch noch die Banken retten?
    SO geht das nicht!

    • Rudi01
    • 27. November 2012 14:53 Uhr

    "Soziale Gerechtigkeit: Wir brauchen die Studiengebühren!"

    So lautet die Überschrift auf den ZEIT-Hochschulseiten.

    Ich weiss nicht, wen der Autor des Beitrags, T. Kerstan, da meint, wenn wer von "wir" spricht.

    Gewiss nicht die unteren und mittleren Einkommensgruppen in Deutschland.

    Gewiss nicht die Anwaltsgehilfen und Supermarkt-Kassiererinnen, denen er sich mit Argumenten andient, die keine 10 Sekunden des Nachdenkens überdauern, von Steuern, die aus den Händen der Geringverdiener zu den Kindern der Begüterten fliessen.

    Vielleicht meint er die Bestverdienenden im Lande, die sowieso beliebig teure Bildungsangebote a la Stanford und Harvard für ihre Kinder leicht finanzieren können. Die ewigen Steuerquerulanten, denen kein Spitzensteuersatz niedrig genug sein kann.

    Wen Autor Kerstan mit "wir" meint: man weiss es nicht.

    Und dann lautet die zweite Überschrift:
    Sie kommen wieder: Beim nächsten Versuch müssen sich die Politiker mehr Mühe geben.

    Offensichtlich ist das Volk, "die da unten", wieder mal zu dumm, um zu erkennen, wer es gut mit ihm meint. Wie schön, dass es Journalisten gibt, die gern die Welt erklären.

    • AkcaD
    • 27. November 2012 17:50 Uhr

    heutzutage verdienen ist das ja auch kein Wunder. Hängt sicherlich auch mit dem inflationären Bildungsniveau eines Akademikers zusammen.

    Antwort auf "Richtig,..."
    • SKL06
    • 29. November 2012 11:53 Uhr

    Aus vielen Kommentaren zu Studiengebühren kann man schon sehr deutlich das Anspruchsdenken des typischen deutschen „Mittelstands-Kids“ erkennen: „Mir steht alles zu, und zwar umsonst, denn ich gehöre ja schließlich zur geistigen Elite des Landes. Alle, die anderer Meinung sind, werden verunglimpft und beschimpft. 500 Euro im Semester sind zwar nicht wirklich viel (das zahlen die Eltern von zwei Kleinkindern im Monat für den Kindergarten), aber das hindert mich nicht daran, Zeter und Mordio zu schreien, als ob es um Leben und Tod ginge“. Übrigens: Vielleicht mögen ja die Kinder der Anwaltsgehilfin studieren, aber die statistische Wahrscheinlichkeit dafür ist 15%, während die Anwaltskinder mit 85% Wahrscheinlichkeit an der Uni sind. Das ist übrigens in den USA anders, wo die Studiengebühren 10 mal so hoch sind. Vielleicht sollte die selbsternannte geistige Elite hierzulande einmal darüber nachdenken, warum die Unis in den USA auf den meisten Gebieten der Wissenschaft führend sind und warum sie dennoch mehr Unterschichtkinder aufnehmen als im weitgehend kostenlosen Deutschland.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Rudi01
    • 29. November 2012 18:18 Uhr

    Kinder von Geringverdienern sind unter den Studierenden unterrepräsentiert. Stimmt.

    Die Schulen und Hochschulen haben einen enormen zusätzlichen Finanzbedarf. Stimmt ebenfalls.

    Den Finanzbedarf kann man durch Steuererhöhungen decken. Einkommensproportional, nicht über Verbrauchssteuern. Von der Unterschicht nichts, von den Mittelschichtler nimmt man ein wenig, von den wirklichen Top-Einkommen deutlich mehr.

    Aber nicht mit der ZEIT, und nicht mit Kommentoren wie "SKL06"!

    Stattdessen soll es "sozial gerechter" sein, wenn man den Anwaltsgehilfinnen, Krankenpflegern und Supermarktkassiererinnen in die Tasche greift, wenn deren Kinder studieren sollen.

    Ich möchte gern auch gegenüber Vertretern anderer Meinungen freundlich bleiben, aber man müsste schon eine gewaltige Verknotung im Hirn haben, um dies auch nur entfernt mit logischem Denken in Verbindung zu bringen.

    Viel plausibler erscheint mir dies:

    Wahrscheinlich handelt es sich bei den Gebühren-Befürworter aber um ganz verständige Menschen, die einfach nur eine Absicht verfolgen: Kinder gutverdienender Eltern sollen unter sich bleiben, und die seit zwei Jahrzehnten wachsenden Einkommensunterschiede sind doch prima (wenn man oben ist).

    Dass dieses Land auf der Schussfahrt in den wirtschaftlichen und kulturellen Abgrund ist, ist doch egal, solange es "uns" gut geht.

    Und für wen 2 x 500 Euro im Jahr viel Geld sind: muss man den ernst nehmen? Nein! Dem kann man vielleicht noch weis machen, dass Gebühren sozial gerecht sind.

    • Rudi01
    • 29. November 2012 18:18 Uhr

    Kinder von Geringverdienern sind unter den Studierenden unterrepräsentiert. Stimmt.

    Die Schulen und Hochschulen haben einen enormen zusätzlichen Finanzbedarf. Stimmt ebenfalls.

    Den Finanzbedarf kann man durch Steuererhöhungen decken. Einkommensproportional, nicht über Verbrauchssteuern. Von der Unterschicht nichts, von den Mittelschichtler nimmt man ein wenig, von den wirklichen Top-Einkommen deutlich mehr.

    Aber nicht mit der ZEIT, und nicht mit Kommentoren wie "SKL06"!

    Stattdessen soll es "sozial gerechter" sein, wenn man den Anwaltsgehilfinnen, Krankenpflegern und Supermarktkassiererinnen in die Tasche greift, wenn deren Kinder studieren sollen.

    Ich möchte gern auch gegenüber Vertretern anderer Meinungen freundlich bleiben, aber man müsste schon eine gewaltige Verknotung im Hirn haben, um dies auch nur entfernt mit logischem Denken in Verbindung zu bringen.

    Viel plausibler erscheint mir dies:

    Wahrscheinlich handelt es sich bei den Gebühren-Befürworter aber um ganz verständige Menschen, die einfach nur eine Absicht verfolgen: Kinder gutverdienender Eltern sollen unter sich bleiben, und die seit zwei Jahrzehnten wachsenden Einkommensunterschiede sind doch prima (wenn man oben ist).

    Dass dieses Land auf der Schussfahrt in den wirtschaftlichen und kulturellen Abgrund ist, ist doch egal, solange es "uns" gut geht.

    Und für wen 2 x 500 Euro im Jahr viel Geld sind: muss man den ernst nehmen? Nein! Dem kann man vielleicht noch weis machen, dass Gebühren sozial gerecht sind.

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  • Schlagworte Studiengebühr | Universität | Hochschule | Chancengerechtigkeit
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