Soziale GerechtigkeitSie kommen wieder

Beim nächsten Versuch müssen sich die Politiker mehr Mühe geben. von 

Im ersten Anlauf ist die Einführung von Studiengebühren in Deutschland gescheitert. Von sieben Gebührenländern sind nur Bayern und Niedersachsen übrig geblieben. Und ob die Gebühren dort die Landtagswahlkämpfe überstehen, ist fraglich. Der Kampf gegen die vermeintlich unsozialen Studiengebühren ist ein zu verlockendes Wahlkampfthema für SPD und Grüne, da denkt in der Union nicht nur Horst Seehofer daran, die für Politiker leidige Angelegenheit aus der Welt zu schaffen.

Doch die Wette gilt: Schon bald werden Studiengebühren wieder auf der Tagesordnung stehen. Die Länder haben zu wenig Geld, die Hochschulen auf Dauer so auszustatten, wie es für Spitzenforschung und gute Studienbedingungen nötig wäre. Da ist ein kleiner Obolus der Studenten hilfreich.

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Sozial gerecht wäre das auch. Wenn die Anwaltsgehilfin über ihre Steuern das Studium der Kinder ihres Chefs mitfinanziert, warum sollen sich dann die Hauptprofiteure des Studiums nicht an den Kosten beteiligen?

Allerdings müssen sich die Gebührenbefürworter beim nächsten Anlauf mehr Mühe geben. Erstens müssen sie die Bürger überzeugen. Zweitens sollten die Gebühren erst nach dem Studium fällig werden – und nur von jenen kassiert werden, die dann gut verdienen. Und drittens muss über Stipendien und Bafög sichergestellt werden, dass niemand vom Studium abgehalten wird, weil seine Eltern zu arm sind.

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Leserkommentare
  1. Wer als Befürworter von Studiengebühren entgegen aller wissenschaftlich bewiesenen negativen Auswirkungen (Stichwort: Abschreckung für Kinder aus sozial schwachen Haushalten) öffentlich auftritt, sollte mit gutem Beispiel voran gehen und seinen "Obulus" für seine Studienzeiten bitte rückwirkend überweisen. Dieser wird sicherlich nicht zu gering aufallen....bei den langen Studienzeiten, die die vorherigen Generationen so an der Uni verbracht haben.

    Mal ganz davon abgesehen, dass die gesamte Gesellschaft von einem gut ausgebildeten Richter/Arzt/Ingenieur etc. profitiert ist es ausgerechnet die Generation, die so sehr vom kostenlosen Bildungssystem profitiert hat, die den jungen Leuten heute erzählen will, dass das ganze System ja sooooo sozial ungerecht ist?! Lächerlich!

    Ganz zu schweigen von dem grundlegenden Vertrag zwischen den Generationen: die Älteren schaffen die Voraussetzungen für Bildung und Arbeitsplätze für die Jüngeren. Dafür sichern die Jüngeren die Älteren vom Rentenalter bis zum Lebensende ab. Studiengebühren sind eine Abkehr von diesem Prinzip und damit ein Bruch des Generationenvertrags!

    Zahlen Sie in Zukunft bitte Ihre Rente, den Arztbesuch und die späteren Pflegekosten selbst, dann reden wir nochmal drüber, ob die Studierenden Studiengebühren zahlen sollen!

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  2. (Statt die Studenten während des Studiums mit Gebühren zu belasten, sollte man eher das Bafög als zinslosen oder inflationsbereinigten Kredit einführen. Das wäre in vielerlei Hinsicht sozial gerechter.)

    Das belastet nur diejenigen, die aus weniger wohlhabenden Familien stammen und deswegen BaföG benötigen und bekommen. Studiengebühren belasten auch diejenigen, die aus wohlhabenderen Familien stammen.

    Die Sorgen während des Studiums kann man sicher mindern, indem man die Rückzahlung auf die solventere Zeit nach dem Studiuem verlegt.

  3. - weil sich ein Studium, auch aufgrund der sehr langen Ausbildungsdauer, gegenüber nicht-akademischen Berufen oft gar nicht finanziell "lohnt". Die überproportionalen Gehälter bekommen nur Absolventen einiger ganz bestimmter Fächer. Vielleicht sollte einfach mehr Steuern bezahlen, wer sich über die Maße bedient?

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    (weil sich ein Studium, auch aufgrund der sehr langen Ausbildungsdauer, gegenüber nicht-akademischen Berufen oft gar nicht finanziell "lohnt".)

    Dann sind offensichtlich die Ausbildungszeiten zu lang oder ein Studium ist oft nicht sehr nützlich. Der Verdienst ist ja oft (wenn auch nicht immer) ein Gradmesser dafür, wie sehr bestimmte Qualifikationen von der Gesellschaft nachgefragt werden. Wenn sich aber ein Studium oft finanziell nicht mehr lohnt, heißt das ja, dass viele Menschen im Studium Qualifikationen erwerben, die von Gesellschaft gar nicht gebraucht und deswegen nicht finanziell honoriert werden. Dann entfällt aber die Begründung, die Allgemeinheit sollte für dieses Studium bezahlen, weil es ihr nütze.

    (Vielleicht sollte einfach mehr Steuern bezahlen, wer sich über die Maße bedient?)

    Warum sollte der Arzt, der im Studium offensichtlich eine Qualifikation erworben hat, die für die Allgemeinheit wertvoll ist und der dafür mit einem hohen Gehalt honoriert wird, mehr bezahlen als derjenige, die im Studium keine für andere Menschen nützlichen Qualifikationen erworben hat und sich jetzt für wenig Geld als Taxifahrer durchschlägt?

    • lezteul
    • 24. November 2012 18:42 Uhr

    ... denn Absolventen, die Ihr Studium erfolgreich abgeschlossen haben finden in der Regel auch einen Arbeitsplatz (oder schaffen sogar welche indem sie sich selbständig machen). Langfristig betrachtet verdienen sie mehr und zahlen dementsprechend mehr Steuern. Warum man sie noch mit zusätzlichen Gebühren belasten soll leuchtet mir nicht ein!

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    (Langfristig betrachtet verdienen sie mehr und zahlen dementsprechend mehr Steuern. Warum man sie noch mit zusätzlichen Gebühren belasten soll leuchtet mir nicht ein!)

    Weil Akademiker nicht mehr Steuern bezahlen als Nicht-Akademiker mit dem selben Gehalt.

  4. (weil sich ein Studium, auch aufgrund der sehr langen Ausbildungsdauer, gegenüber nicht-akademischen Berufen oft gar nicht finanziell "lohnt".)

    Dann sind offensichtlich die Ausbildungszeiten zu lang oder ein Studium ist oft nicht sehr nützlich. Der Verdienst ist ja oft (wenn auch nicht immer) ein Gradmesser dafür, wie sehr bestimmte Qualifikationen von der Gesellschaft nachgefragt werden. Wenn sich aber ein Studium oft finanziell nicht mehr lohnt, heißt das ja, dass viele Menschen im Studium Qualifikationen erwerben, die von Gesellschaft gar nicht gebraucht und deswegen nicht finanziell honoriert werden. Dann entfällt aber die Begründung, die Allgemeinheit sollte für dieses Studium bezahlen, weil es ihr nütze.

    (Vielleicht sollte einfach mehr Steuern bezahlen, wer sich über die Maße bedient?)

    Warum sollte der Arzt, der im Studium offensichtlich eine Qualifikation erworben hat, die für die Allgemeinheit wertvoll ist und der dafür mit einem hohen Gehalt honoriert wird, mehr bezahlen als derjenige, die im Studium keine für andere Menschen nützlichen Qualifikationen erworben hat und sich jetzt für wenig Geld als Taxifahrer durchschlägt?

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    - Das findet ja wohl offensichtlich nicht statt, jedenfalls nicht mit der Gehaltsverteilung. Warum verdienen Krankenschwestern - und Pfleger oder Erzieher und Erzieherinnen so schlecht, obwohl sie extrem hart arbeiten? - Natürlich haben Ärzte ein gutes Gehalt verdient - aber innerhalb der Ärzteschaft gibt es auch gravierende Unterschiede - ist das gerecht? Am schlechtesten verdienen da tendenziell Allgemeinmediziner und z.B. Kinderärzte, am besten Zahnärzte, Radiologen und manche Chefärzte. Ich würde sagen, Zahnärzte und Radiologen haben es vergleichsweise bequem, für einen Arzt... In diesem Bereich gibt es definitiv auch Leute, die sich bedienen - bei den Kollegen, die genauso hart arbeiten. Das meine ich mit "bedienen".
    Was jemand leistet, hängt einfach nicht allein vom Beruf ab. Es gibt keinen Beruf, der nicht gebraucht wird, und es gibt keinen, den jeder machen könnte oder wollte. Jeder Beruf hat seine guten und schlechten Seiten.
    Wenn man jemandem allein aufgrund seiner Berufswahl ein überproportionales Gehalt zuspricht - wo ist dann der Anreiz, noch mehr leisten zu wollen?
    Jeder sollte den Beruf ergreifen, für den er am besten geeignet ist, finde ich. Von der Bezahlung muss man leben können, und wer besondere Erfolge zu verzeichnen hat, sollte dafür belohnt werden.
    Eine Freiheit der Berufswahl gibt es nur ohne finanzielle Hürden.

  5. (Langfristig betrachtet verdienen sie mehr und zahlen dementsprechend mehr Steuern. Warum man sie noch mit zusätzlichen Gebühren belasten soll leuchtet mir nicht ein!)

    Weil Akademiker nicht mehr Steuern bezahlen als Nicht-Akademiker mit dem selben Gehalt.

  6. Es gibt so viele Punkt an denen man sparen könnte, warum an der Zukunft des Landes? Diese liegt nunmal in der Forschung. Studiengebühren führen dazu, dass der Student sich nichtmehr 100% auf sein Studium konzentrieren kann, nebenbei arbeiten muss, etc. Bei mir z.B. führen die Gebühren dazu, dass ich meinen Bachlor in 8 statt 6 Semestern mache und das ist für Deutschland nicht lokrativ. Ich bin kein Einzelfall und somit sind Studiengebühren auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht tragbar. Studiengebühren sind ungerecht, weil sie mich dafür benachteiligen, dass ich in Niedersachsen wohne und weil sie reichen Studenten einen Vorteil bringen. Dieser Artikel zeigt, dass Sie keine Vorstellung haben wie der Unialltag aussieht. Vielleicht sollten Sie sich dann lieber auf ein anderes Thema konzentrieren, weil mit solchen Artikeln fühl ich mich ganz schön auf den Arm genommen. Ich arbeite hart für mein Studium, jede Woche mehr als 40 Stunden und auch am Wochenende und dann wollen Sie etwas von "vermeintlich ungerecht" erzählen, dann können Sie ja gern meine Gebühren bezahlen.

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    (Es gibt so viele Punkt an denen man sparen könnte, warum an der Zukunft des Landes?)

    Ich habe nirgends etwas von Sparen gelesen. Es geht darum, wie man MEHRausgaben für bessere Studien- und Forschungsbedingungen finanziert. Und da ist es nicht zu viel verlangt, dass diejenigen, die von diesen besseren Bedingungen profitieren würden und dank ihres teuren Studiums einmal i. d. R. gute Arbeitsplätze haben werden, diese Mehrausgaben finanzieren. Es ist doch absurd, dass ausgerechnet ein Teil der "Elite" des Landes sich derart vor Verantwortung drücken will.

    Für "die Zukunft unseres Landes" in einer wettbewerbintensiven Welt ist es übrigens wichtiger, dass nicht zuviele Menschen den Anschluss an notwendige Bildungsstandards verlieren. Das betrifft aber nicht die Studienberechtigten sondern die 20%, die die Schule ohne ausreichende Kompetenzen verlassen. Auf die sollte sich der Staat konzentrieren.

    Deswegen ist es grotesk, wenn Grün-Rot in BaWü Studiengebühren streicht und das mit Kürzungen der Lehrerstellen auch bei den Bildungsschwachen finanziert. Deswegen ist es grotesk, wenn Rot-Grün in NRW unter dem Vorwand der "Sozialprävention" Schulden zur Streichung der Studiengebühren aufnimmt, statt Prävention dort zu üben, wo sie notwendig wäre: Bei den Bildungsverlierern.

    Der Staat kann aber nicht überall mehr Geld ausgeben. Deswegen sollten Mehrausgaben bei Hochschulen von den Profiteuren finanziert werden. Das ist gerecht.

    ...auf ein Stipendium bewerben. Dann ist volle Konzentration auf Ihr Studium möglich.

    (Ich weiß, ein adequates Stipendiensystem gibt es in Deutschland derzeit nicht. Eine der dringenden Aufgaben für die Zukunft).

    • T-K
    • 24. November 2012 18:54 Uhr

    Hat eigentlich die Anwaltsgehilfin Gebühren für den Besuch ihrer Berufsschule gezahlt? Werden Berufsschulen nicht auch durch Finanzmittel des Landes und der Gemeinden gezahlt? Also von allen Steuerzahlern? Auch von den Akademikern die nie eine solche Berufsschule besucht haben? Was soll also dieses Argument die Anwaltsgehilfin zahlt das Studium der Kinder ihres Chefs? Der „Chef“ zahl genauso für die Ausbildung der Kinder seiner Mitarbeiterin.
    Und ohne den „Hauptprofiteure des Studiums“ hätte sie auch keinen Arbeitsplatz als Anwaltsgehilfen. Also profitiert sie doch auch davon.

    Desweiteren fordern merkwürdigerweise immer die Personen Gebühren die während ihres Studiums NICHTS bezahlt haben.
    Sozial gerecht wäre es vielleicht wenn alle Akademiker sagen wir mal ab 1960 nachträglich für ihrere durchschnittlichen 15 Semester Studiengebühren zahlen! Mal sehen ob diese Personen dann noch für Studiengebühren sind!!!

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  • Schlagworte Studiengebühr | Universität | Hochschule | Chancengerechtigkeit
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