Soziale GerechtigkeitSie kommen wieder

Beim nächsten Versuch müssen sich die Politiker mehr Mühe geben. von 

Im ersten Anlauf ist die Einführung von Studiengebühren in Deutschland gescheitert. Von sieben Gebührenländern sind nur Bayern und Niedersachsen übrig geblieben. Und ob die Gebühren dort die Landtagswahlkämpfe überstehen, ist fraglich. Der Kampf gegen die vermeintlich unsozialen Studiengebühren ist ein zu verlockendes Wahlkampfthema für SPD und Grüne, da denkt in der Union nicht nur Horst Seehofer daran, die für Politiker leidige Angelegenheit aus der Welt zu schaffen.

Doch die Wette gilt: Schon bald werden Studiengebühren wieder auf der Tagesordnung stehen. Die Länder haben zu wenig Geld, die Hochschulen auf Dauer so auszustatten, wie es für Spitzenforschung und gute Studienbedingungen nötig wäre. Da ist ein kleiner Obolus der Studenten hilfreich.

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Sozial gerecht wäre das auch. Wenn die Anwaltsgehilfin über ihre Steuern das Studium der Kinder ihres Chefs mitfinanziert, warum sollen sich dann die Hauptprofiteure des Studiums nicht an den Kosten beteiligen?

Allerdings müssen sich die Gebührenbefürworter beim nächsten Anlauf mehr Mühe geben. Erstens müssen sie die Bürger überzeugen. Zweitens sollten die Gebühren erst nach dem Studium fällig werden – und nur von jenen kassiert werden, die dann gut verdienen. Und drittens muss über Stipendien und Bafög sichergestellt werden, dass niemand vom Studium abgehalten wird, weil seine Eltern zu arm sind.

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Leserkommentare
  1. daß sich Akademiker durch höhere Steuerbelastung an der Finanzierung des Uni-Systems beteiligen.

    • AkcaD
    • 24. November 2012 21:10 Uhr

    denn man wird doch langfristig als Akademiker mehr Steuern bezahlen als beispielsweise ein normaler Handwerker, oder? Ich meine es rentiert sich doch für den Staat meinen Finanzierungsanteil zu übernehmen, um nachher dann mehr Steuern einzufahren, als wenn ich mich gegen das Studium entscheide und dem Staat dann weniger Steuern einbringe.

    Eine Leserempfehlung
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    ...Handwerker in ihren 45 Berufsjahren mehr Steuern zahlen, als viele Akademiker (aufgrund der erheblich längeren Ausbildungszeiten).

    • AkcaD
    • 27. November 2012 17:50 Uhr

    heutzutage verdienen ist das ja auch kein Wunder. Hängt sicherlich auch mit dem inflationären Bildungsniveau eines Akademikers zusammen.

    • Gwerke
    • 24. November 2012 21:12 Uhr

    Dazu: "Sind Sie wirklich der Ansicht, daß es Pflicht der Allgemeinheit (zu der der bildungsferne Steuerzahler zählen) ist, Ihnen den Weg zu einem besseren Leben zu ebnen? Sollte dieses nicht zunächst einmal Ihre ureigene Investition sein?"

    In China gab es mal vor nicht allzu langer Zeit eine "Kulturrevolution". Damals in den 60ern des letzten Jahrhunderts des letzten Jahrtausends wurde eine ganze Generation Akademiker abgeschlachtet und Schulen verbrannt.

    Die Revolution entließ ihre Kinder. Sie nähen heute unter miesesten Bedingungen unsere Hemden und schürfen Kohle unter Bedingungen wie Mitte des 19.Jhd im Ruhrpott.

    Das kommt davon, wenn die Gesellschaft ihre "feinen Leute" nicht pflegt. Richter, Ärzte, Lehrer, Wissenschaftler heute schon mit einer 60 Stunden Woche und 5000€ Brutto im Monat und befristetem Arbeitsvertrag.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Sie fragen..."
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    ...ist der Vergleich ja wohl wirklich nicht. Und es ist auch grotesk, wenn sie behaupten, daß die Arbeitsbedingungen im heutigen China ein Folge der Kulturrevolution sind.

  2. ...Handwerker in ihren 45 Berufsjahren mehr Steuern zahlen, als viele Akademiker (aufgrund der erheblich längeren Ausbildungszeiten).

    Antwort auf "Richtig,..."
  3. ...ist der Vergleich ja wohl wirklich nicht. Und es ist auch grotesk, wenn sie behaupten, daß die Arbeitsbedingungen im heutigen China ein Folge der Kulturrevolution sind.

    Antwort auf "Kulturrevolution"
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    • Gwerke
    • 25. November 2012 18:38 Uhr

    Dazu: "Und es ist auch grotesk, wenn sie behaupten, daß die Arbeitsbedingungen im heutigen China ein Folge der Kulturrevolution sind."

    Grotesk ist die Behauptung keineswegs. Die Kinder der Kulturrevolution waren Analphabethen und unfähig, sich zu organisieren. Aktive und passive Gewalt haben sie gelernt. Das ist die beste Grundlage ihrer heutigen Situation.

    Ansonsten sieht unsere Gesellschaft schon heut, wohin ihr Futterneid geht. Uns fehlt kein Nachwuchs an Ärzten. Sie gehen dort hin, wo sie geachtet und bezahlt werden - für ein ausführliches Patientengespräch als Hausarzt oder die komplizierte Operation als Facharzt in der Klinik.

    Spricht Ihr Arzt noch Ihre Sprache? Ich spreche die Sprache des Arztes, weil ich - leider - Akademiker bin.

  4. Gegenvorschlag:

    Man schafft den Abiturschnitt als Zulassungskriterium ab und führt dafür an jeder Universität Zulassungsprüfungen ein, bei denen grundlegende Kulturtechniken überprüft werden, die die Schule nicht (mehr?) lehrt: Fehlerfreie Rechtschreibung, die Lage, Zusammenhänge in Texten zu verstehen, und natürlich ein Grundwissen, das für das jeweilige Fach relevant ist. Bei Nicht-Muttersprachlern müssen natürlich entsprechende Sonderregelungen gelten.

    Ich prophezeie eine Durchfallquote, die so hoch ist, dass die Leute in Seminaren nicht mehr auf dem Boden sitzen müssen.

    2 Leserempfehlungen
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    #fehlerfreie Rechtschreibung, die Fähigkeit, Zusammenhänge in Texten zu verstehen, und natürlich ein Grundwissen, das für das jeweilige Fach relevant ist.#

    Und wo bitte sollen das die Schüler in ihrem Turboabi noch fachspezifische Informationen lernen? Es müssen sicherlich ganz andere Regelungen getroffen werden - eine andere Zusatzqualifikation ist sicherlich sinnvoll - aber nicht im Hinblick auf weitere, sinnfreie Selektion.
    Selektiert wird an Uni's genug und der Druck ist nun wirklich alles andere als gerechtfertigt.
    Jeder der studieren möchte, sollte diese Gelegenheit nutzen, doch wäre zuvor vielleicht einfach ein Voraussetzung, dass man 1 Jahr Praxis in dem für das Studium relevanten Bezugsfeld vorweisen kann.
    Ihr Verfahren fragt doch letzten Endes genau das ab, was ein NC auch aussagt.

  5. #fehlerfreie Rechtschreibung, die Fähigkeit, Zusammenhänge in Texten zu verstehen, und natürlich ein Grundwissen, das für das jeweilige Fach relevant ist.#

  6. Und wo bitte sollen das die Schüler in ihrem Turboabi noch fachspezifische Informationen lernen? Es müssen sicherlich ganz andere Regelungen getroffen werden - eine andere Zusatzqualifikation ist sicherlich sinnvoll - aber nicht im Hinblick auf weitere, sinnfreie Selektion.
    Selektiert wird an Uni's genug und der Druck ist nun wirklich alles andere als gerechtfertigt.
    Jeder der studieren möchte, sollte diese Gelegenheit nutzen, doch wäre zuvor vielleicht einfach ein Voraussetzung, dass man 1 Jahr Praxis in dem für das Studium relevanten Bezugsfeld vorweisen kann.
    Ihr Verfahren fragt doch letzten Endes genau das ab, was ein NC auch aussagt.

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    Das Fachspezifische ist auch in der Tat nicht das Wichtigste. Das Wichtigste sind die Kulturtechniken, von denen ich schrieb. Auf diesen Kulturtechniken baut alles Weitere auf. Und immer mehr Menschen haben sie nicht! Ein Jahr Praxis - meinetwegen.

    #Selektiert wird an den Unis genug...#
    Nein, es studieren so viele wie noch nie. Das ist natürlich nur möglich, weil die Voraussetzungen dafür stetig sinken. Nun gibt es zwar sehr nachgefragte Fächer wie Medizin, doch auch dort ist der NC nicht aussagekräftig genug.

    #Ihr Verfahren fragt doch letzten Endes genau das ab, was ein NC auch aussagt.#
    Dabei gehen Sie davon aus, dass die Schulen ein konstant hohes Bildungsniveau gewährleisten. Das tun sie jedoch nicht. Sie senken es kontinuierlich herab.

    Es gibt jedoch Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer - durch dieses System gefallen sind, die keine Allgemeine Hochschulreife, dafür aber ein bestimmtes intellektuelles Rüstzeug mitbringen, das sicher nicht allen, aber vielen Abiturienten fehlt.

    In einem solchen Eignungstest hätten diese Menschen die Chance, das derzeitige System Lügen zu strafen.

    Bei Medizinern, Ingenieuren oder Chemikern ist "1 Jahr Praxis" ja noch irgendwie denkbar, aber wie sieht das Praxisjahr eines Orientalisten, Philosophen oder auch einfach eines Physikers aus?
    Die meisten Physiker werden Lehrer, Softwareentwickler oder machen etwas völlig Anderes, was ist da jetzt das Relevante?

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  • Schlagworte Studiengebühr | Universität | Hochschule | Chancengerechtigkeit
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