Soziale GerechtigkeitSie kommen wieder

Beim nächsten Versuch müssen sich die Politiker mehr Mühe geben. von 

Im ersten Anlauf ist die Einführung von Studiengebühren in Deutschland gescheitert. Von sieben Gebührenländern sind nur Bayern und Niedersachsen übrig geblieben. Und ob die Gebühren dort die Landtagswahlkämpfe überstehen, ist fraglich. Der Kampf gegen die vermeintlich unsozialen Studiengebühren ist ein zu verlockendes Wahlkampfthema für SPD und Grüne, da denkt in der Union nicht nur Horst Seehofer daran, die für Politiker leidige Angelegenheit aus der Welt zu schaffen.

Doch die Wette gilt: Schon bald werden Studiengebühren wieder auf der Tagesordnung stehen. Die Länder haben zu wenig Geld, die Hochschulen auf Dauer so auszustatten, wie es für Spitzenforschung und gute Studienbedingungen nötig wäre. Da ist ein kleiner Obolus der Studenten hilfreich.

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Sozial gerecht wäre das auch. Wenn die Anwaltsgehilfin über ihre Steuern das Studium der Kinder ihres Chefs mitfinanziert, warum sollen sich dann die Hauptprofiteure des Studiums nicht an den Kosten beteiligen?

Allerdings müssen sich die Gebührenbefürworter beim nächsten Anlauf mehr Mühe geben. Erstens müssen sie die Bürger überzeugen. Zweitens sollten die Gebühren erst nach dem Studium fällig werden – und nur von jenen kassiert werden, die dann gut verdienen. Und drittens muss über Stipendien und Bafög sichergestellt werden, dass niemand vom Studium abgehalten wird, weil seine Eltern zu arm sind.

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Leserkommentare
  1. 57. Irrtum!

    Die meisten Menschen wären, wenn sie es entscheiden könnten, vermutlich nicht bereit, Vorstandsvorsitzenden die Summen zu bezahlen, die diese bekommen - weil das schlicht unwirtschaftlich ist!
    Ich schätze, Krankenschwestern würden mindestens das Doppelte verdienen, wenn es nach dem Fairnessgefühl in der Bevölkerung ginge.
    Was die Vorstandsvorsitzenden betrifft - für das gleiche Gehalt könnte man oft 20 hochqualifizierte "Normalangestellte" anstellen inklusive jemandem, der sie regelmäßig weiterbildet...
    Anstatt 20 Hochqualifizierten in der Wirtschaft könnte man auch 40 bescheidenere Uniforscher bezahlen und von deren freier Forschung profitieren...
    Die Vorstandsvorsitzenden bezahlt man zwangsweise mit, wenn man bestimmte Produkte haben möchte. Von freiwillig kann da wohl keine Rede sein.
    Ich bezweifle auch sehr, dass sich die Firmen mit diesen Großverdienern einen Gefallen tun. Wer ist der bessere Chef, der, den die Sache interessiert und dem seine Mitarbeiter am Herzen liegen oder der, der fürs Geld gekommen ist und weiterzieht, wenn einer mehr bietet?
    - Einem Studenten ein kostenloses Studium zu finanzieren, halte ich auch unter Kostengesichtspunkten für eine äußerst lohnende Investition. Die Wahrscheinlichkeit, dass er irgendwann etwas leistet, das alle voran bringt, ist gut - auch wenn das nicht in jedem Fall so sein muss. Jemandem Geld hinterherzuwerfen, der sowieso schon genug hat, ist nicht effizient. Die Wahrscheinlichkeit, dass er mehr dafür leistet, ist gering.

  2. 58. Soso...

    " Es ist nur gerecht, dass Studenten, die i.d.R. entweder aus Gutverdiener-Haushalten kommen oder später selbst einmal Gutverdienerhaushalte bilden, wenigstens einen Beitrag zu den Kosten ihrer Studiums beitragen."

    Bin mal gespannt, was meine Eltern davon halten, dass sie als Tischler bzw. Buchhalterin zu den Besserverdienern gehören? Dass nur Arztkinder auch Ärzte werden, ist ein ziemlich überholtes Klischee. Und von der Aussicht später mal zu den Besserverdienern zu gehören, könnte ich ja im hier und jetzt wohl kaum Studiengebühren bezahlen, gell?

    Im Übrigen bin ich dafür, dass die Advokaten des "ein Maurer muss doch von seinem schmalen Gehalt nicht auch noch die faulen Studenten finanzieren" auch konsequent auf sämtliche auf akademischer Bildung beruhender Infrastruktur verzichten. Also keine Arztbesuche mehr, Straßen sowieso nicht (wer plant die wohl???) und die Kids des Maurers können auch daheim unterrichtet werden.

    Antwort auf "Argumentatin haltbar"
  3. Das Fachspezifische ist auch in der Tat nicht das Wichtigste. Das Wichtigste sind die Kulturtechniken, von denen ich schrieb. Auf diesen Kulturtechniken baut alles Weitere auf. Und immer mehr Menschen haben sie nicht! Ein Jahr Praxis - meinetwegen.

    #Selektiert wird an den Unis genug...#
    Nein, es studieren so viele wie noch nie. Das ist natürlich nur möglich, weil die Voraussetzungen dafür stetig sinken. Nun gibt es zwar sehr nachgefragte Fächer wie Medizin, doch auch dort ist der NC nicht aussagekräftig genug.

    #Ihr Verfahren fragt doch letzten Endes genau das ab, was ein NC auch aussagt.#
    Dabei gehen Sie davon aus, dass die Schulen ein konstant hohes Bildungsniveau gewährleisten. Das tun sie jedoch nicht. Sie senken es kontinuierlich herab.

    Es gibt jedoch Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer - durch dieses System gefallen sind, die keine Allgemeine Hochschulreife, dafür aber ein bestimmtes intellektuelles Rüstzeug mitbringen, das sicher nicht allen, aber vielen Abiturienten fehlt.

    In einem solchen Eignungstest hätten diese Menschen die Chance, das derzeitige System Lügen zu strafen.

    Antwort auf "Verbesserungsvorschlag"
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    Ich selbst studiere Psychologie im 3. Semester - dort wurden unglaublich viele zugelassen - aber mehr als die Hälfte ist bereits weg. Doppelte Abiturjahrgänge tragen ihren Teil ebenso dazu bei.
    Und ob die, die nun übrig geblieben sind auch wirklich geeignet für das Fach sind, bleibt immernoch offen .
    Sicherlich sind die genannten Kulturtechniken wichtig - jemand der keine Substanz aus Texten ziehen kann, ist aber auch spätestens nach 2 Semestern weg. Rechtschreibung sollte sicherlich nicht unter aller deutschen Schönheit liegen - aber durchaus haben auch Menschen mit LRS ihre Daseinsberechtigung. Die Frage bleibt doch dennoch offen - wie selektiert man so, dass geeignete Studenten übrig bleiben? Lediglich nach Kulturtechniken zu fragen, bringt niemanden weiter - ich verspreche Ihnen, bei der Ausbildung die ich genieße, hoffe ich, niemals selbst zum Psychologen gehen zu müssen.

  4. Bei Medizinern, Ingenieuren oder Chemikern ist "1 Jahr Praxis" ja noch irgendwie denkbar, aber wie sieht das Praxisjahr eines Orientalisten, Philosophen oder auch einfach eines Physikers aus?
    Die meisten Physiker werden Lehrer, Softwareentwickler oder machen etwas völlig Anderes, was ist da jetzt das Relevante?

    Antwort auf "Verbesserungsvorschlag"
  5. Ich selbst studiere Psychologie im 3. Semester - dort wurden unglaublich viele zugelassen - aber mehr als die Hälfte ist bereits weg. Doppelte Abiturjahrgänge tragen ihren Teil ebenso dazu bei.
    Und ob die, die nun übrig geblieben sind auch wirklich geeignet für das Fach sind, bleibt immernoch offen .
    Sicherlich sind die genannten Kulturtechniken wichtig - jemand der keine Substanz aus Texten ziehen kann, ist aber auch spätestens nach 2 Semestern weg. Rechtschreibung sollte sicherlich nicht unter aller deutschen Schönheit liegen - aber durchaus haben auch Menschen mit LRS ihre Daseinsberechtigung. Die Frage bleibt doch dennoch offen - wie selektiert man so, dass geeignete Studenten übrig bleiben? Lediglich nach Kulturtechniken zu fragen, bringt niemanden weiter - ich verspreche Ihnen, bei der Ausbildung die ich genieße, hoffe ich, niemals selbst zum Psychologen gehen zu müssen.

    Antwort auf "Das Niveau singt"
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    ...Eingangsthema zurückzukommen: Ein, für meine Begriffe, probates Selektionsmittel könnte auch darin bestehen, die Hürden so hoch zu hängen, daß nur die wirklich motivierten Studenten Interesse am Fach behalten.

    Wenn ich für etwas brenne, bin ich bereit, dafür etwas zu investieren - Arbeit und Geld (und wenn letzteres nicht da ist, bewerbe ich mich um ein Stipendium). Und wenn ich dieses Interesse und diese Energie nicht aufbringe: wie kann ich dann Unterstützung von der Allgemeinheit verlangen?

  6. ...Eingangsthema zurückzukommen: Ein, für meine Begriffe, probates Selektionsmittel könnte auch darin bestehen, die Hürden so hoch zu hängen, daß nur die wirklich motivierten Studenten Interesse am Fach behalten.

    Wenn ich für etwas brenne, bin ich bereit, dafür etwas zu investieren - Arbeit und Geld (und wenn letzteres nicht da ist, bewerbe ich mich um ein Stipendium). Und wenn ich dieses Interesse und diese Energie nicht aufbringe: wie kann ich dann Unterstützung von der Allgemeinheit verlangen?

    Antwort auf "Aber...."
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    "Ein, für meine Begriffe, probates Selektionsmittel könnte auch darin bestehen, die Hürden so hoch zu hängen, daß nur die wirklich motivierten Studenten Interesse am Fach behalten."

    Das klingt erstmal logisch. Die Frage ist nur, ob die Hürden, die es derzeit gibt, nämlich zumeist der NC, noch sinnvoll sind. Wenn jemand nicht so gut Aufsätze schreiben kann oder keine Begabung für Kunst oder Musik hat, sagt das absolut gar nichts über seine/ihre Befähigung aus, Mathematik oder Ingenieurwissenschaften zu studieren.
    Mal ganz davon abgesehen, dass die Zulassungsgrenzen bei einzelnen Studienfächern (berüchtigtes Beispiel: Medizin) einfach irrsinnig sind.
    Ein sinnvolleres Auswahlverfahren wären dann, meiner Ansicht nach, Aufnahmetests, die sowohl allgemeine Fähigkeiten (wie logisches Denken) als auch fachspezifische Fähigkeiten bzw. fachspezifisches Wissen testen.

  7. "Wofür zahlen wir denn bitte jedes Jahr horrende Steuern?"

    ... frage ich mich auch!

    Antwort auf "Steuern"
  8. "Ein, für meine Begriffe, probates Selektionsmittel könnte auch darin bestehen, die Hürden so hoch zu hängen, daß nur die wirklich motivierten Studenten Interesse am Fach behalten."

    Das klingt erstmal logisch. Die Frage ist nur, ob die Hürden, die es derzeit gibt, nämlich zumeist der NC, noch sinnvoll sind. Wenn jemand nicht so gut Aufsätze schreiben kann oder keine Begabung für Kunst oder Musik hat, sagt das absolut gar nichts über seine/ihre Befähigung aus, Mathematik oder Ingenieurwissenschaften zu studieren.
    Mal ganz davon abgesehen, dass die Zulassungsgrenzen bei einzelnen Studienfächern (berüchtigtes Beispiel: Medizin) einfach irrsinnig sind.
    Ein sinnvolleres Auswahlverfahren wären dann, meiner Ansicht nach, Aufnahmetests, die sowohl allgemeine Fähigkeiten (wie logisches Denken) als auch fachspezifische Fähigkeiten bzw. fachspezifisches Wissen testen.

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    ... Mathe und den Ings haben Sie aber gar keine Probleme mit dem NC.

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  • Schlagworte Studiengebühr | Universität | Hochschule | Chancengerechtigkeit
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