Soziale GerechtigkeitSie kommen wieder

Beim nächsten Versuch müssen sich die Politiker mehr Mühe geben. von 

Im ersten Anlauf ist die Einführung von Studiengebühren in Deutschland gescheitert. Von sieben Gebührenländern sind nur Bayern und Niedersachsen übrig geblieben. Und ob die Gebühren dort die Landtagswahlkämpfe überstehen, ist fraglich. Der Kampf gegen die vermeintlich unsozialen Studiengebühren ist ein zu verlockendes Wahlkampfthema für SPD und Grüne, da denkt in der Union nicht nur Horst Seehofer daran, die für Politiker leidige Angelegenheit aus der Welt zu schaffen.

Doch die Wette gilt: Schon bald werden Studiengebühren wieder auf der Tagesordnung stehen. Die Länder haben zu wenig Geld, die Hochschulen auf Dauer so auszustatten, wie es für Spitzenforschung und gute Studienbedingungen nötig wäre. Da ist ein kleiner Obolus der Studenten hilfreich.

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Sozial gerecht wäre das auch. Wenn die Anwaltsgehilfin über ihre Steuern das Studium der Kinder ihres Chefs mitfinanziert, warum sollen sich dann die Hauptprofiteure des Studiums nicht an den Kosten beteiligen?

Allerdings müssen sich die Gebührenbefürworter beim nächsten Anlauf mehr Mühe geben. Erstens müssen sie die Bürger überzeugen. Zweitens sollten die Gebühren erst nach dem Studium fällig werden – und nur von jenen kassiert werden, die dann gut verdienen. Und drittens muss über Stipendien und Bafög sichergestellt werden, dass niemand vom Studium abgehalten wird, weil seine Eltern zu arm sind.

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Leserkommentare
  1. Die Nummer mit der Forschungsfinanzierung ist in der Tat ein roter Hering, der in Thomas Kerstans auch sonst recht inhaltsfreien Kommentar herumschwimmt: ohne Studiengebühren meint er, waere auch die Spitzenforschung nicht mehr haltbar. Davei wurden diese Gebühren nie zur Finanzierung von Forschung eingesetzt, das ist nunmal wirklich nicht der Sinn und Zweck von Studiengebühren. Recherchieren hilft.

    Ich habe noch gebührenfrei studiert und promoviert und würde dies auch den naechsten Generationen wünschen. Das macht das Studium ja noch lange nicht "umsonst": Miete, Lebenshaltungskosten, Buecher usw. sind ja alle auch noch zu bestreiten; von der langen Phase ohne Gehalt mal abgesehen.

    Um auf die Kinder der Anwaltsgehilfin zurückzukommen: die profitieren bestimmt davon, wenn Frau Schavan ihr Stipendienprogramm mal auf die Reihe bekommt, und eine Loesung vorlegt, die wirklich die sozialen Ungleichheiten beseitigt.

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  2. "Wer viel leisten kann, wird ja kein Problem haben, sein Studium zu bestehen und mit einem gut abgeschlossenen Studium ein gutes Gehalt bekommen. Er kann dann seine Studienbeitragskosten auch bezahlen."

    Das mag ja für unsereins Naturwissenschaftler noch gerade so stimmen, für die ebenso wichtigen Geistes- und Geschichtswissenschaften aber sicher nicht.

    Außerdem müssen Studiengebühren während des Studiums bezahlt werden, nicht danach. Ergebnis: massive Verschuldung.

    Letztlich sorgen Studiengebühren dafür, daß nicht kurzfristig Wirtschaftsrelevante Fachbereiche nicht mehr studiert werden - mit gravierenden langfristigen Folgen für die Gesellschaft.

    Abgesehen davon wird doch der Fleiß der Nichtstudenten nicht bestraft, wenn das Studium durch Steuern bezahlt wird. Wissenschaft führt zu Fortschritt, führt zu höherer Produktivität, führt zu mehr Wohlstand für alle.

    Die Tatsache, daß dem Bildungs- und Forschungssektor nur ein lächerlich winziger Etat zugebilligt wird, dürfte uns in naher Zukunft gewaltig zur Last fallen. Gerade heute, vor einer nahenden Energiekrise mit dem Versiegen des Öls, mit (vermutlich) einer nahenden Klimakatastrophe, mit diversen ungelösten gesellschaftlichen und ethischen Fragestellungen, hat Wissenschaft die höchste Priorität. Da kann man nicht auf die Hälfte der klugen Köpfe verzichten, nur weil sie keine reichen Eltern haben.

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  3. Ich bin das jüngste Kind aus einer Arbeiterfamilie, und weil meine Geschwister ihre Ausbildung abgeschlossen hatten, stand mir BaföG nur am Anfang meines Studiums zur Verfügung. Wenn ich pro Semester 500 Euro hätte bezahlen müssen, hätte ich mir das mit dem Studium noch einmal überlegt.

    Jetzt bin ich promovierter Physiker und arbeite als Projektmanager bei einem Fraunhofer-Institut. Und ich bezahle ziemlich viel Steuern, aber das ist für mich in Ordnung - solange andere Arbeiterkinder dieselben Chancen erhalten, die ich einst bekam.

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    ...zahlt genauso viel Steuern wie Sie, Herr Hubbert.

    Er hat aber einen 5-stelligen Betrag aus eigener Tasche für seine Weiterbildungsmaßnahme aufwenden müssen. Gerecht ist doch etwas anderes.

  4. Wenn eine bereits eingeführte Gebühr wieder abgeschafft wird, dann zeigt das erst recht, was für ein erfolgloses Konstrukt sie war. Die Gebühren finanzieren nicht ihre eigene Verwaltung und die sozial gerechte Befreiung von Benachteiligten. Somit geht die gesamte Diskussion um die Vor- und Nachteile für Lehrstühle und Studenten an der Realität vorbei.
    Außerdem habe ich die subjektive Erfahrung gemacht, dass eine gute Personal- und Laborausstattung wenig mit der Qualität der Lehre zu tun hat. Qualität lässt sich durch gesellschaftliche Erwartungen an die Professoren und Absolventen besser gewährleisten als durch Freikäufe. Studenten sind keine Kunden oder Konsumenten, ihre Fähigkeiten werden zum Wohl der Allgemeinheit geprüft.
    Das erste Bachelor- und Masterstudium sollte gebührenfrei sein. Bei Weiterbildungen oder Zweitstudien kann über eine Gebühr nachgedacht werden.

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  5. Denke sie bitte mal an alle angehenden Meister. Da bekommt niemand etwas umsonst Bafög ja bekommt man ( Meister Bafög ) und die Hälfte muss man zurück zahlen. Aber wehe zehn Prozent sind Fehltage dann müsste das Geld wahrscheinlich zurück gezahlt werden. Und wenn sie das ganze noch im Abend Kurs machen und Tags überarbeiten und sie in Schicht Arbeiten haben eine sieben Tage Woche und das ca. drei Jahre lang. Davon redet niemand immer sind es nur die armen Studenten.

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    Ihre Antwort impliziert einen Zustand, der bis zu den 80er Jahren herrschte und bei dem ein Studienabschluss eine Jobgarantie war. Das gilt heute vielleicht für Meister in der richtigen Branche, jedoch nicht für Absolventen einer Universität.
    Ihre Klagen treffen genauso und verschärft auf Studenten zu, schließlich sind mindestens fünf statt drei Jahre gefordert, nach dreijährigem Abitur. BAFöG erfordert den Nachweis der Bedürftigkeit und anschließend regelmäßig den der Leistung. Studenten haben keinen berufsqualifizierenden Abschluss im Rücken und bei einem Nebenjob, der weder finanziell noch organisatorisch mit einer Festanstellung als Fachkraft zu vergleichen ist, kommen sie auch auf eine Sieben-Tage-Woche.

  6. Sehr richtig. Als ich vor kurzem einen Bericht über überfüllte Hörsäle und fehlende Seminarplätze in Köln sah, erinnerte mich das an meine Studienzeit in Köln vor einigen Jahrzehnten. Alles wie immer.
    Wenn unsere Regierungen etwas an der Ausstattung der Unis ändern wollten, jedenfalls wenn damit die bessere Ausstattung im Interesse aller Studierenden gemeint ist, müssten sie mehr Steuern für den Bildungsbereich einsetzen und nicht die Studierenden mit Gebühren belasten. Zu Zeiten voller Kassen hat es die Länder auch nicht daran gehindert, die Ausstattung der Unis zu vernachlässigen.

    Antwort auf "Steuern"
  7. ...zahlt genauso viel Steuern wie Sie, Herr Hubbert.

    Er hat aber einen 5-stelligen Betrag aus eigener Tasche für seine Weiterbildungsmaßnahme aufwenden müssen. Gerecht ist doch etwas anderes.

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    Da sehe ich dann eher das Problem bei den Kosten der Meisterausbildung, und nicht bei den mangelnden Studiengebühren.

  8. Ich beantrage hiermit, dass meine Fortbildungskosten, mit denen ich mich beruflich höher qualifiziere, voll vom Steuerzahler übernommen werden !!!

    Wir reden bei Studiengebühren von monatlichen Belastungen unter 100 €.
    Der Löwenanteil der Kosten, die der Betrieb einer Hochschule mit sich bringt ( Gehälter von Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern, Lehrmittel, Unterhaltskosten der Gebäude ...) wird doch vom Steuerzahler bezahlt.
    Ich sehe nicht ein, dass ausschließlich Steuergelder die Berufsausbildung an Universitäten finanzieren, während die allgemeinbildenden Schulen langsam verrotten.
    Für meine 2 Kinder zahle im Jahr ca. 800€ für Lehrmittel, Bücher, Kopiergeld, Klassenfahrten usw., ohne dass die sichere Aussicht auf einen hochdotierten Job besteht.

    Was ist mit Studienabbrechern und Spaßstudierenden ?
    Ich hatte mir damals bei Einführung der Studiengebühren erhofft, dass an den Hochschulen nur noch Studenten lernen, die hochmotiviert ein festes Ziel vor Augen haben.

    Was ist mit Hochschulabsolventen, die nach ihrem Abschluss ins Ausland gehen ?

    Ein Medizinstudium in Regelstudienzeit kostet den deutschen Steuerzahler ca. 180.000€. Davon würde der Student in 13 Semestern mit Studiengebühren gerade mal 6.500€ (3,6%) tragen.

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    "Ein Medizinstudium in Regelstudienzeit kostet den deutschen Steuerzahler ca. 180.000€."

    Ich weiß nicht, woher die Zahl kommt. Sie kann aber richtig sein, wenn die Forschungskosten der Universitätsmedizin auf die Studenten umgelegt werden. Das würde also bedeuten, dass Universitätskliniken nur der Ausbildung von Ärzten dienen. Oder mit anderen Worten: Gesundheit ist kein Gemeinwohl, sondern die Handelsware der Ärzte. Ich hoffe, dass diese Ansicht nicht allzu verbreitet ist.

    https://www.destatis.de/D...

    Seite 42 listet die Kosten der Studiengänge auf.

    Themenferne Randbemerkung:
    Als Kassenpatient wird man nur in den seltensten Fällen in den Nutzen innovativer neuer Verfahren kommen. Der Job der Mehrheit der Ärzte ist im übrigen nicht das Gemeinwohl, sondern meistens die Linderung Beschwerden, Schmerzen und Zustände, die auf unseren Wohlstand zurückzuführen ist.

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  • Schlagworte Studiengebühr | Universität | Hochschule | Chancengerechtigkeit
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