USA : Sandy hilft auch nicht
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Politik der unspektakulären kleinen Schritte

Doch das brisanteste Umweltthema Amerikas ist das Fracking. Dabei werden Sand, Chemikalien und Wasser wie mit einem Hochdruckreiniger in den Untergrund eingespritzt, um so an Öl- und Gasvorräte heranzukommen, die in winzigen Gesteinsporen eingeschlossen sind. Die neuen Fördermethoden haben es ermöglicht, heimische Schiefergasvorkommen in großem Umfang zu erschließen. Das hat zu einem nie da gewesenen US-Erdgasboom geführt. Bald dürften die USA Russland als größten Erdgas-Förderer ablösen.

Fracking ist aber höchst umstritten. Viele Umweltschützer und Bürgerbewegungen warnen vor dem toxischen Chemiemix, der dabei zum Einsatz kommt. Experten bringen das Verfahren mit verseuchtem Grundwasser und sogar Erdbeben in Verbindung. Fracking-Gegner wollen deshalb zumindest ein Moratorium, bis die Risiken geklärt sind – und hoffen nun, dass sich der Präsident der Sache annimmt. Doch es sei unwahrscheinlich, dass Obama ihren Wünsche erhöre, sagt Michael Webber, Dozent für Energiepolitik an der University of Texas in Austin. »Schiefergas und die Jobs, die durch den Boom geschaffen wurden, gehören zu den wenigen Lichtblicken der US-Wirtschaft – warum sollte Obama ausgerechnet dagegen angehen?«

Fracking gehe weiter, sagt auch Philip Verleger, ein unabhängiger Energiespezialist. Er prognostiziert einen neuen Industrieboom in den USA dank der Schiefergasvorkommen. Kein Präsident könne sich leisten, diese Renaissance abzuwürgen. »Fracking wird vielleicht durch neue Umweltauflagen verlangsamt, aber einen Bann halte ich für ausgeschlossen.«

Statt eines Neustarts in Sachen Energie und Umwelt erwartet Energiepolitikbeobachter Michael Webber eine Fortsetzung von Obamas Politik der unspektakulären kleinen Schritte. In vielen Punkten habe Obama Initiativen seines Vorgängers George W. Bush fortgeführt und ausgebaut, etwa die Förderung von Energiesparlampen und strengere Abgasverordnungen für Autos. »Unter Obama zeichnet sich erstmals seit den sechziger Jahren ein positiver Trend für Amerikas Energiebilanz ab.« Bis vor Kurzem ist der Bedarf stetig gestiegen, während gleichzeitig die Produktion kontinuierlich sank – jetzt ist es erstmals wieder andersherum.

Zwar kann sich der Präsident diesen Erfolg nur bedingt zuschreiben. Zur steigenden Produktion trugen vor allem neue Technologien und ein anhaltend hoher internationaler Ölpreis bei, der die teuren heimischen Energiequellen wettbewerbsfähig macht – während die sinkende Nachfrage sich zum großen Teil auf die Rezession zurückführen lässt. Doch Obamas Maßnahmen dürften die Entwicklung verstärken. Zu seinen größten Umwelterfolgen zählt Webber vor allem die schärferen Vorgaben für den Spritverbrauch. Bis 2016 sollen Pkw im Schnitt weniger als sieben Liter auf 100 Kilometern verbrauchen; damit würden die Autos ein Drittel weniger schlucken. Obamas Sieg über die Autolobby sei von der breiteren Öffentlichkeit fast gar nicht wahrgenommen worden, meint Webber. »Dabei wird das zu einer spürbaren Reduzierung der CO₂-Ausstoßes führen.«

Ausgerechnet die größte Herausforderung für Obama, die fiskalpolitische Einigung mit den Republikanern, könnte nebenbei den wichtigsten Fortschritt seiner Umweltagenda bringen. Eine CO₂-Steuer könnte Teil des von beiden Parteien dringend benötigten »Großen Kompromisses« werden – wenn Obama verspräche, mit den Einnahmen aus der neuen Steuer das Haushaltsloch zu stopfen.

Die Einführung einer CO₂-Steuer hätte womöglich sogar Auswirkungen über die USA hinaus. Bisher haben sich China und Indien in Sachen Klimaschutz zurückgehalten – mit dem Hinweis auf die Untätigkeit der USA.

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Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

unspektakuläre kleine Schritte sind ok

wenn man nicht auf der anderen Seite so kräfig in die Umwelt reintritt.
Ansonsten ist das nur Schönfärberei, so ähnlich wie "ein sich abzeichnender positiver Trend in der Energiebilanz".
Man würde es bei einem anderen als Obama als nicht zwingend relevant für die Umweltfragen bezeichnen, ob der Energieträgerbedarf sinkt und die Produktion steigt.

Interessenvertretung?

"hoffen Umweltschützer auf eine Wende..."
"ein Moment, auf den Umweltschützer lange gewartet hatten..."

Seltsam, das liest sich, als wären "Umweltschützer" eine Gruppierung, die nichts anderes als ihre eigenen Interessen vertritt. Als würde die Verheerung gigantischer Landstriche, ganz zu schweigen von den langfristigen Folgen, niemanden anders betreffen als diese kleine Gruppe.

"Sandy" als Beispiel zu bemühen ist denkbar ungeeignet

um eine Umstrukturierung der Energieversorgung zu begründen.

Da helfen auch schöne Bilder von abgesoffenen Uferzonen die unterhalb die mittleren HW Niveaus besiedelt worden sind nicht weiter. (Ähnlich "hilfreich" wie die Dürrediskussion, die nämlich nur von den tatsächlichen Verantwortlichkeiten ablenkte)

Dazu kam ja auch auflandiger Wind und auflausfendes Hochwasser was dann vom Sturm überlagert worden ist.

Genau deshalb wird man argumentieren das es garnichts zu verändern gäbe!

Obwohl man mindestens die Küstenbewohner an einen anstehende Umsiedlung gewöhnen müsste, wie hier in Europa von Belgien bis Dänemark.
Denn an beiden Küsten gibt es durch Sedimentkompaktion und Tektonik bedingt erhebliche Subsidenzbewegungen die nur sehr begrenzt durch höhere Deiche ausgleichbar sind. Jede zusätzliche positive Veränderung am lokalen Mittelwasser wird das Problem noch beschleunigen! Und das ist auch durch "Umweltschutzmaßnahmen" nicht wirksam zu moderieren, aber sowieso egal, da die USA eh sehr großzügig mit den eigenen Resourcen umgehen. Aber die müssen auf dem Müll ja auch leben.

MfG KM