Hegemonie : Macho, weiß, von gestern
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Die Wiederwahl von Obama markiert eine historische Wende

Obama ist ein Schwarzer nur aus dem Blickwinkel eines Weißen, der sich selbst als rein ansieht und jede rassische Abweichung von sich selbst als farbig definiert. Tatsächlich ist Obama weder schwarz noch weiß, und er ist doch schwarz und weiß zugleich; er ist gläubiger Christ mit islamischen Vornamen: Barack, der Gesegnete; Hussein, der Sohn des vierten rechtgeleiteten Kalifen der Muslime. Als Jugendlicher wurde er »Barry« genannt; kurz vor seiner ersten Kandidatur holte er sich seinen ursprünglichen Namen zurück, mit der Konsequenz, fortan von vielen für einen Muslim gehalten zu werden. Ein Amerikaner des Gestern, der Immobilientycoon Donald Trump, forderte vergangenes Jahr Obama wochenlang dazu auf, seine Geburtsurkunde öffentlich zu machen. Keiner wisse, wo der Mann herkomme, wo er aufgewachsen sei. So jemand wie Obama – konnte er tatsächlich ein richtiger Amerikaner sein?

Später dann, bei seinem politischen Weg nach ganz oben hatte Barack Obama kein schwarzes Vorbild im Präsidentenamt, das er nachahmen, in das er sich hineinfallen lassen konnte – es war eher umgekehrt: Das Amerika der Minderheiten hat in ihm etwas gesehen, das ihn kompatibel für die eigene Lebensweise machte. Unpassend war und ist Obama hingegen in jedem Hinterzimmer-Washington der Lobbyisten, der gebogenen Krawatten auf zufriedenen Bäuchen, der Whiskey-und-Zigarren-Gemütlichkeit. Nicht, dass gegen diese Kultur etwas zu sagen wäre, die muss es sicher auch geben. Nur würde ein Obama mit Whiskey und Zigarre eben aussehen wie ein Schwarzer, der einen Weißen spielt. Andererseits: Als erster schwarzer Präsident der Vereinigten Staaten, darf er seine Macht nicht aggressiv zeigen. Nichts, was er sagt oder tut, durfte an die intellektuelle Aggression eines Malcolm X oder die Wut der Schwarzen erinnern, die besonders der politische Rap à la Public Enemy gegen das weiße Establishment freilegte: »Elvis was a hero to most / But he never meant – to me you see / Straight up racist that sucker was« (»Elvis war für die meisten ein Held / Für mich war er nichts / Der Wichser war bloß ein übler Rassist«). Man könnte Obama fast lieben für seine Ungeselligkeit.

Zuletzt wurde er oft als unzugänglich und introvertiert kritisiert. Nur, wie könnte er anders sein? Die erste Frau an der Spitze der Deutschen bekam lange dasselbe zu hören. Die Ersten können eben nicht die Lockersten sein, sie schlüpfen nicht in ihre Ämter wie in einen alten Pantoffel, sie tasten sich hinein. Das jedenfalls kann man auch von Obama lernen: Situationen auszuhalten, die sich jeder Art von Präpotenz verweigern, neue Verhaltensweisen zu erfinden, auch spontan, wo die alten nicht mehr funktionieren.

Männlichkeit bedeutet bei Obama, innen- wie außenpolitisch die Grenzen der eigenen Macht zu akzeptieren – die USA sind nicht mehr die Weltführer, sie wollen und müssen sich mehr auf sich selbst konzentrieren (Schulden, Arbeitslosigkeit, Abzug der Truppen). Es ist immer noch eine sehr selbstbewusste Macht, aber vielleicht wird sie in ihren besten Momenten etwas weiser, eine Macht, die sich bewusst ist, dass der pursuit of happiness nicht immer gut laufen muss. Eine Macht, die weiß, dass sie sich erneuern muss, weil sich die Umstände geändert haben. Ist das deprimierend? Oder eher interessant?

Als besonders schwierig könnten sich für den neuen weißen Mann die Anforderungen der Frauen erweisen, die ihn zugleich ganz sensibel und ungebrochen männlich haben möchten, das eine mehr am Tag, das andere vielleicht mehr in der Nacht. Die Männlichkeit, die beides in sich vereint, das ist der letzte unbekannte Kontinent, der noch erobert werden darf. Er ist bislang ziemlich unbewohnt, gerade auch Hispanics oder Afroamerikaner oder Türken bevölkern ihn nur spärlich.

Der Machtverlust des weißen Mannes wird noch oft von Häme begleitet werden, kein Wunder, er hat ja auch lange genug dominiert. Dennoch wäre es billig und auch etwas blöde, jetzt in einen Gegentriumph auszubrechen. Die Wiederwahl von Obama markiert eine historische Wende, die Jahre selbstverständlicher männlicher, weißer Dominanz gehen zu Ende, vieles ist da falsch gelaufen, einiges richtig, nun beginnt etwas Neues. Das gilt auch, um bei der Avantgarde des Gestern zu enden, für die Republikaner. Eigentlich spricht nichts dagegen, dass auch sie sich auf die neue Welt einstellen. Möglich, dass die Amerikaner 2016 wieder einen republikanischen Präsidenten wählen. Gut möglich, dass sein Name dann auf -o oder -ez enden wird. Oder dass er eine Frau ist.

Mitarbeit: Justus von Daniels

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Kommentare

146 Kommentare Seite 1 von 21 Kommentieren

Das Prinzip des weißen Machos wird nie die Macht verlieren

Ob der Macho nun weiß oder schwarz oder gelb ist?
Ob er zugewandert oder autochthon ist?
Was macht das für einen Unterschied?

Die Verlierer sind immer die gleichen: Männer, die dem Machthabenwollenprinzip nicht folgen, sondern versuchen, sie selbst zu sein. Frauen, die genauso sind. Migranten, die auch genauso sind.

k.

Na gut, dann eben nochmal „entpauschalisiert“: Also...

bei mir stellt sich ja mittlerweile eine Art resignierte Altersmilde ein, aber für einen männlichen „weißen“ Jugendlichen gab es in den 80er und 90er Jahren kaum eine größere Verhöhnung als zuerst unter dem Vorzeichen feministischer Ideale erzogen worden zu sein (als typisches deutsches Einzel- oder Zweizelkind war man der Wucht dieser „Erziehung“ ja auch volle Kanne ausgeliefert. Wenn es wenigstens zahlreich Geschwister gegeben hätte, die den elterlichen Fokus etwas entschärft und Freiräume für selbständige Entwicklungen gelassen hätten), um dann später, in der Pubertät mit ansehen zu müssen, daß nicht wenige Mädchen (die natürlich verbal immer noch die Fahne der eigenen Selbstbestimmtheit hochhielten) sich zu Jungs aus nicht-europäischen, patriarchalischen Familien hingezogen fühlten, deren Maskulinität (die von deutschen Müttern erzogenen deutschen Männern ja offenbar abgeht) u.a. darin ihren Ausdruck fand, daß sie es niemals toleriert hätten, wenn die eigene Schwester sich im Gegenzug mit einem deutschen Mann eingelassen hätte.

Obendrein begründete man uns dann noch die (zumindest nach außen hin) heilen und kinderreichen Familien der Nicht-Europäer damit, daß deren Männer offensichtlich die besseren Liebhaber/Ehemänner seien als die käsigen deutschen. Aber selbst wenn dem so wäre, dann wäre dies ja nur der Beweis dafür, daß die feministische Erziehung weißer Männer gescheitert ist und daß die traditionelle Knabenerziehung eben doch die besseren Männer hervorbringt, oder?

Was ist Verlierertum? Und was ist Siegertum?

Wenn "ein richtiges Leben im falschen" - also richtiges Handeln in einem falschen gesellschaftlichen Gefüge - nicht möglich ist, mögen Sie mit Ihrem Kommentar ja recht haben, Kassandra. Im Wettbewerb um gut bezahlte Jobs gibt es aber durchaus auch Mittelwege. Ich muss in diesem Rahmen nicht vergessen, wer ich bin. Ich kann ich selbst sein, wenn ich auch nicht überall authentisch handeln kann - oder wenn ich überhaupt nicht handeln kann, sondern mich ganz neu entscheiden muss.

Ab welcher erreichten Position bin ich ein "Sieger"? Nur auf der allerersten. Und ab welcher ein "Verlierer"? Auf jeder nachfolgenden?

Bin ich etwa kein Verlierer, wenn mein oberstes Ziel im Leben nur aus Machthabenwollen besteht? Manchmal geraten persönliche Ansprüche auf "Macht" und Ansprüche der gleichen Personen auf "Respekt" hoffnungslos durcheinander - vor allem wenn sie gar nicht wissen, wie sie selbst eigentlich sein wollen. Dann wird der Anspruch auf "Respekt" unersättlich, und jede Kränkung dieses Anspruchs wie unter einem Vergrößerungsglas. Zufriedenheit - auch nur vorübergehend - ist damit ausgeschlossen.

Es gibt auf allen Seiten Menschen, die sich vor allem über ihre Hautfarbe definieren - sei es, weil sie sie mit "Macht" assoziiert wird, weil sie mit "zukünftiger Macht" verbunden wird, oder mit irgend etwas anderem. Ich weiß im Moment nicht, ob es ein größeres Verlierertum gibt.

Der weisse Mann ist out - der Mann ist in

Nachdenklich stimmende Gedanken hat der Autor zum "Ende des weissen Mannes." Und wie so oft ist Krise nicht nur Gefahr sondern auch Chance. Die Rollen, wie ein Mann oder ein Frau zu sein hat, haben sich zunehmend aufgelöst. Angst macht sich breit- Handlungslähmung und/oder übertrieben zur Schau getragene Selbstsicherheit folgen nicht selten als reflexartige Reaktionen. Fragend wird nach Orientierung gesucht. Was ist ein echter Mann, was heißt Mann sein, Frau sein - unabhängig von festen Rollenmustern? Ich meine: zunächst doch Mensch sein. Dann eigenständige und einzigartige Persönlichkeit sein. Das sind ja die gemeinsamen Nenner von Mann und Frau. Als Menschen aufeinander angewiesen, als Individuen sich begegnend. Erst dann Geschlecht, jeder mit eigenen (Team-)Aufgaben, einander ergänzend, ermutigend und stützend. Männer, wartet nicht zu lange, um Euren Platz in der Gesellschaft als leidenschaftliche Abenteurer, Väter, Ehemänner, und Freunde auf Augenhöhe mit anderen einzunehmen! Und Ihr starken Frauen? Machts den Männern dabei doch nicht zu schwer! Wir können dabei doch nur gewinnen.

Inge Westermann, Oldenburg

Hab gerade eine Antwort erhalten.

"Der böse Heterosexuelle weiße Mann verschwindet endlich und wird ersetzt von? Muslimischen Machos wie Mursi, Erdogan und Kollegen wie Putin, Obama?"

Genau darüber habe ich mit einen Kumpel gesprochen und die Antwort kommt ihrer Ziemlich nahe.
Er meinte: "Jeder der Frauen die Gleichberechtigung zugesteht hat es nicht besser Verdient."
Und nein er ist kein zurückgebliebener der nie ein Uni von innen gesehen hat. Ja er gehört einer Minderheit an, noch zumindest.^^

Jeder

der grammatikalisch derart unbeholfen (nett gesagt, oder?) mit der deutschen Sprache umgeht, kennt jemanden, der eine Uni von innen gesehen hat? Niedlich! Und dann noch jemanden, der einen derart klugen Satz sagt?! Wenn er auch dreimal gelesen werden muß, da die Kommata fehlen und Groß-und Kleinschreibung auch unbekannt ist. Aber wahrscheinlich haben Sie ein Kindheitstrauma von Ihrer Lehrerin,oder? Die zumindest studiert hat...
Und Gleichberechtigung ist nichts, was überhebliche Möchtegerns zugestehen dürfen...

Wahl und Partnerwahl

"...... Er ist in etwa so alt wie Joschka Fischer und Gerhard Schröder, er ist wie sie ein Macho alter Schule, dominant, eitel, amüsant, etwas autoritär, laut, basta. Der Unterschied ist nur: In Schröders und Fischers großer Zeit, vor zehn Jahren, da kam so was noch ganz gut an, auch bei Frauen....."

Hm, vielleicht, aber nur vielleicht, kommen solche Männer nicht mehr so gut bei Wählerinnen an. Aber es sind m.E. doch "Vermutungen" und Wunschdenken dabei. Könnte ja durchaus sein, dass auch Inhalte, Stil und Charakter von Kandidaten und sogar ein bisschen das Wahlprogramm das Wahlverhalten beeinflußen.

Und ganz zweifellos haben solche Männer immer noch - und auch künftig- zumindest größte Attrakvität bei der Partnerwahl seitens der Damenwelt. Und das ist ja schon mal etwas..