HegemonieMacho, weiß, von gestern

Ob Mitt Romney oder Peer Steinbrück: Die Männer des Westens sind bedroht – von Frauen, Migranten und vom Rest der Welt. von  und

Ein Anhänger der US-amerikanischen Tea Party in Napa, Kalifornien (2011)

Ein Anhänger der US-amerikanischen Tea Party in Napa, Kalifornien (2011)   |  © Robert Galbraith/Reuters

Macht ist Kopfsache. Machtverlust auch.

Wie sich die weißen Amerikaner im Moment fühlen, die lieber Mitt Romney im Weißen Haus gesehen hätten, das hat schon vor einiger Zeit ein Film von Clint Eastwood ziemlich genau gezeigt. In Gran Torino geht es um den Veteranen Walt Kowalski, der in einer schäbigen Gegend von Detroit wohnt und gerade seine Frau verloren hat. Nun hat er nicht viel mehr im Leben, als Dosenbier zu trinken und sich über die Schlitzaugen in seinem Viertel zu ärgern. Kowalski hat bei einem der amerikanischsten Unternehmen gearbeitet, bei Ford, und nun muss er feststellen, dass niemand mehr amerikanische Autos fahren will. Sein ganzer Stolz ist ein Gran Torino, der die meiste Zeit behütet in der Garage steht.

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Walt fühlt sich überfremdet und erkennt sein Amerika nicht mehr. Doch Walt ändert sich, weil er sich ändern muss. Er lässt sich auf seine neuen Nachbarn ein und baut eine Beziehung zu ihnen auf – wenn auch knurrend. Kowalski wird sogar zum Beschützer dieser fremden Nachbarn, als diese von einer asiatischen Gang angegriffen werden. Clint Eastwood schildert all das äußerst sensibel, ohne falsches Pathos. Clint Eastwood, der Regisseur und Schauspieler, ist so, nicht aber Clint Eastwood, der politische Mensch.

Im Wahlkampf unterhielt er sich auf dem Parteitag der Republikaner mit einem Stuhl, der Stuhl symbolisierte Obama. Ihm sagte Eastwood Dinge wie »Dieses Land gehört uns«, all jene, die nicht ihre Arbeit machten, würde man nach Hause schicken. Dinge also, die der Film-Eastwood auch gesagt hat, bevor er lernte, seine neuen Nachbarn zu mögen.

Das ist das Problem des weißen Mannes – nicht nur in Amerika: Er kann sich nicht entscheiden, ob er die Migranten mögen soll, weil sie oft noch so patriarchalisch sind, wie er selbst sein möchte. Oder ob er sie ablehnen soll, weil sie Fremde sind. Das Weltbild des weißen Mannes ist labil, jede Sekunde kann es zusammenstürzen, er ist nicht überzeugt und überzeugt darum nicht. Machtverlust ist eine Sache des Kopfes.

Das ist der tiefere Grund für die Niederlage von Mitt Romney, das ist auch der Grund dafür, dass die Wiederwahl von Obama der Abwahl eines bestimmten Typus von weiß und männlich gleichkommt. Bei Obamas erster Wahl konnte man noch von einer Sondersituation sprechen, weil George W. Bush das Ansehen der Republikaner ruiniert hatte und der junge Mann aus Chicago so sehr nach Aufbruch und Hoffnungen aller Art klang.

Diesmal jedoch war der Präsident schon ergraut, die Wirtschaft in einer misslichen Lage – und trotzdem wurde er gewählt. Zum zweiten Mal in Folge verstießen die amerikanischen Wähler gegen eine Regel: dass sich Minderheiten nicht zu einer Mehrheit addieren. Sie tun es offenbar doch, und sie tun es womöglich von nun an immer wieder.

Im vergangenen Mai veröffentlichte die amerikanische Zensus-Behörde Zahlen, die belegten, dass erstmals in der Geschichte der USA weniger Babys mit weißer Hautfarbe auf die Welt kamen als solche von ethnischen Minderheiten. Die Statistiker sprachen von einem Wendepunkt: 400 Jahre nachdem die ersten englischen Pilgerväter auf der Mayflower den Atlantik überquerten, sich von der englischen Kirche lossagten und ihre autonome Gemeinde in Neuengland gründeten, zeichnet sich ab, dass die White Anglo-Saxon Protestants von 2042 an nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung stellen werden. Deshalb verlieren die Republikaner schon jetzt rein demografisch bei den Wählern in jedem Jahr 1,7 Prozentpunkte gegenüber den Demokraten. Demografie und Demoskopie marschieren im Gleichschritt.

Die politischen Vertreter einer Mehrheit, die auf dem besten Weg ist, zur Minderheit zu werden, sind also nicht klug beraten, wenn sie sich außerdem noch gegen Schwule und Lesben, gegen großstädtische, emanzipierte Frauen und gegen Arme wenden. So, wie Mitt Romney es getan hat. Und um auch ganz sicher zu sein, dass sich die Hispanics und die Afroamerikaner bei ihm so wenig wohlfühlen wie die Frauen, nominierte er als möglichen Vizepräsidenten Paul Ryan, einen Mann genau wie er selbst, nur ein bisschen jünger.

Leserkommentare
  1. Am Ende ist der von Eastwood dargestellte Mann, einer von jenen, die einen "Gran Torino" herzustellen wußten, tot.
    Als einer von jenen, die "Amerika" anziehend für die ganze Welt gemacht haben, stirbt er, als er seine Werte verteidigt und in einer Auseinandersetzung zwischen Migranten Partei ergreift.
    Das gehört dazu.
    Was solche Charaktere mit Obama, Romney (googeln: "romney dog", im Film hat Eastwood einen Hund) oder Steinbrück zu tun haben...

    Eine Leserempfehlung
  2. 10. ungenau

    1. Keiner kann Praesident in den USA werden wenn er nicht in den USA geboren ist, das ist der Grund warum die Geburtsurkunde so wichtig ist.

    2. Glaeubiger Christ, Obama? Na, dann gehen sie mal auf die Suedseite von Chicago, in der Farrakhan, der uebrigens ein Nachbar von Obama auf der South Michigan Avenue war, mit Obama gewonnen hat.

    3. Gran Torino: da geht es nicht um das Aussterben des weissen Mannes, sondern um eine genaue Darstellung der Umstaende in Minnesota, wo mehr Somalis und Hmong wohnen als in den Heimatlaendern. Es wurde nur fuer den Film nach Detroit verlegt. Das Buch spielt jedoch in Minnesota.

    Sicher werden sich viele freuen, dass Obama wieder gewaehlt wurde, die 47 %. Fuer alle anderen, besonders Kleinunternehmer wird diese Wiederwahl den Todesstoss bedeuten.

  3. Die wichtigste Aussage war wohl, dass nicht der weiße Mann, sondern ein Habitus ausstirbt - endlich, würde ich anfügen, denn die Welt hat genug unter dem weißen Mann alter Machart gelitten.

    Wenn es nur darum gehen würde, ob der weiße Mann an sich ausstirbt, dann wären es der Worte zu viele gewesen. Denn das dies geschehen wird, ist klar und unabwendbar. Allerdings ereilt ihn durch seine geringere Geburtenrate nur etwas früher dieses Schicksal. So wie es den weißen Mann eigentlich nie gab, sondern immer schon eine Durchmischung war, so wird sich durch die Globalisierung, besonders die Mobilität, die Mischung aller Menschenrassen und Völker in rasantem Tempo fortsetzen. Theoretisch würde die Mehrheit der Menschen in ein-, zwei Jahrhunderten gebräunte Mischlinge sein.

    DAS ist auch eine der Ursachen des "Versagens" von Leuten wie Mitt Romney - was hier als weiß und konform angesehen wird, ist immer nur ein fiktiver Urzustand, der keinerlei Fremdanteile duldet. Aber selbst die Erzweißen sind dazu gar nicht in der Lage, spätestens in kulturellen Fragen oder eigenen Besitzwünschen.

    • Acaloth
    • 25. November 2012 21:07 Uhr
    12. .....

    Man könnte auch mit höherer Geburtenraten gegenwirken....anstatt so zu tun als wäre das ganze gott gegeben.

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    ....ohne die frauen zu entrechten? wohl kaum durch den alten habitus.

    • ludna
    • 25. November 2012 21:13 Uhr

    wohne im Reihenhaus.

    Soll ich mich gleich erschiessen oder darf ich bis morgen warten ?

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    • edgar
    • 25. November 2012 21:58 Uhr

    Doch verraten Sie mir vorher bitte noch, wie man an eine Schusswaffe kommt !

    "Männlich, weiss, heterosexuell
    wohne im Reihenhaus.
    Soll ich mich gleich erschiessen oder darf ich bis morgen warten ?"

    Wenn Sie Ihre Socken nicht herumliegen lassen, wissen, wie man die Waschmaschine anstellt und nicht nur den Müll rausbringen, sondern auch bügeln und das Bad putzen, dürfen Sie bis morgen warten. :-P

    • edgar
    • 25. November 2012 21:17 Uhr

    "Und ganz zweifellos haben solche Männer immer noch - und auch künftig- zumindest größte Attrakvität bei der Partnerwahl seitens der Damenwelt."

    Oder ist da doch eher der Wunsch, die Hoffnung Vater des Gedankens ?

    Antwort auf "Wahl und Partnerwahl"
    • Obscuro
    • 25. November 2012 21:23 Uhr

    "Der böse Heterosexuelle weiße Mann verschwindet endlich und wird ersetzt von? Muslimischen Machos wie Mursi, Erdogan und Kollegen wie Putin, Obama?"

    Genau darüber habe ich mit einen Kumpel gesprochen und die Antwort kommt ihrer Ziemlich nahe.
    Er meinte: "Jeder der Frauen die Gleichberechtigung zugesteht hat es nicht besser Verdient."
    Und nein er ist kein zurückgebliebener der nie ein Uni von innen gesehen hat. Ja er gehört einer Minderheit an, noch zumindest.^^

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    • FreeLeo
    • 25. November 2012 23:17 Uhr

    der grammatikalisch derart unbeholfen (nett gesagt, oder?) mit der deutschen Sprache umgeht, kennt jemanden, der eine Uni von innen gesehen hat? Niedlich! Und dann noch jemanden, der einen derart klugen Satz sagt?! Wenn er auch dreimal gelesen werden muß, da die Kommata fehlen und Groß-und Kleinschreibung auch unbekannt ist. Aber wahrscheinlich haben Sie ein Kindheitstrauma von Ihrer Lehrerin,oder? Die zumindest studiert hat...
    Und Gleichberechtigung ist nichts, was überhebliche Möchtegerns zugestehen dürfen...

  4. Der "weiße Mann" und das Elend. Als würde er nicht in allen von uns stecken - kennen wir ihn nicht ganz genau? Soziologen wissen die Antwort. Und die richtige Frage dazu: "Sind sie im Schnitt besser [intelligenter][schöner][erfolgreicher][beliebiges positiv besetztes Attribut] als ihre [Kommilitonen][Kollegen][Nachbarn][Mitmenschen]" Auf einer Skala von 0-100 mit 0=am Schlechtesten liegt das Elend im Schnitt bei ca. 60-70. Und dieses Elend ist dem weißen Mann exklusiv. Spitzenwert aller Ethnien dieses Planeten, es kann nur einen geben. Angeboren? Anerzogen? Müßig?

    In den elenden Jahrtausenden dunkler, grässlicher Wälder haben die blonden Frauen aus der Nivea-Werbung ihre trostlose Wahl treffen müssen. Immer und immer wieder. Und jetzt haben wir den Salat. Angeborenes Streben nach hierarchischer Stellung durch Wettkampf lautet die Diagnose der Experten für den Homos Sapiens - das große Elende transformiert hier allerdings in pathologische Kernkompetenzen.

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