Wochenmarkt : Tiramisu tröstet in der dunklen Jahreszeit

Aus Norditalien stammt das Rezept, mit dem sich über die frühen Winterabende hinwegsehen lässt.

Valeria Napoleone, die mit uns ihr Rezept für das beste Tiramisu teilt, hat nicht nur einen gesunden Appetit. Sie besitzt auch eine der größten Sammlungen von Werken weiblicher Künstler der Gegenwart. In ihrer Wohnung in London bekocht sie Kunstleute, die bei der Gelegenheit, so heißt es, durch die mit Werken zugestellte Wohnung streifen können. Man kann sich gut vorstellen, wie Napoleone beim italienischen Menü, bestehend aus in Milch gegartem Kaninchen und Hummersalat, in schönstes Prada gekleidet, ihren Gästen geduldig auseinandersetzt, wie schade es sei, dass Frauen im Kunstmarkt immer noch unterrepräsentiert sind. Man könnte sagen, dass sie so eine Art sanften Feminismus praktiziert.

Ihre Rezepte hat sie jetzt in einem Kochbuch versammelt: Valeria Napoleone’s Catalogue of Exquisite Recipes (Walther König Verlag). Es enthält die Rezepte ihrer norditalienischen Heimat, aber keine Fotos. Stattdessen sieht man in dem aufwendig gestalteten Band Collagen von Goshka Macuga, auf denen Pin-ups in Rhabarberkompott baden, und Nicole Eisenmans Dinnerpartys in Öl.

Zunächst wird der Kaffee gekocht und in eine Schüssel gegeben. In einer anderen Schüssel werden die Eigelbe und der Zucker schaumig geschlagen, dann kommt der Mascarpone hinzu. Es wird weitergerührt, sodass alle Klümpchen sich auflösen.

Alle Wochenmarkt-Rezepte © Miguel Medina/AFP/Getty Images

In eine rechteckige große Form wird etwas von der Mascarponemischung gegeben. Die Biskuits werden nacheinander in den Kaffee getunkt, bleiben dort aber nicht lange, sonst werden sie matschig. So werden sie vorsichtig nebeneinander auf den Mascarpone gelegt. Auf die Kekse gibt man wiederum eine Schicht Mascarpone, und so geht es weiter, bis das Tiramisu am Ende mindestens aus drei Lagen Biskuit besteht. Den Abschluss bildet wieder eine Schicht Mascarpone, die mit dem Kakaopulver bestäubt wird. Dazu verwendet man am besten ein kleines Sieb. Vier Stunden sollte das Tiramisu im Kühlschrank verbracht haben, bevor es gegessen wird. Perfekt ist es, wenn es einen ganzen Tag lang gekühlt wurde.

Tiramisu

Kaffee (am besten koffeinfrei)
120 g Zucker
3 Eigelb
500 g Mascarpone
1 große Packung Löffelbiskuits (geeignet sind besonders die von Pavesini oder Savoiardi)
ungesüßtes Kakaopulver

Kommentare

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Die halbe Wahrheit

Wenn es um diese Dinge geht und um das Exportieren von Besonderheiten gibt es in jedem Land großartige Künstler, die imstande sind das Unverkäufliche zum Verkaufsschlager zu machen und das Alltägliche zum Sonntäglichen. In diesem Falle wiederholt sich die Geschichte. Es gibt zahllose Rezepte, die zum Tiramisu führen. Was mich seinerzeit, als ich es zu meinem Erstaunen erfuhr nicht sonderlich beeindruckte. Denn genau bei Tiramisu kommt es auf Vieles und Nichts an. Frisch müssen die Grundzutaten sein und das Gleichgewicht zwischne weich und schwammig sowie bitter und süsslich muss auf eine morböse Art und Weise hinbekommen werden. Das können zum Beispiel erfahrene und selbstbewusste Hausfrauen besser als Sterneköche oder Lifestyle-Abenteurer. Lassen sich sich überzeugen von einem, der die Gastronomie mit der Muttermilch in Neapel verabreicht bekam. Snob muss man außerdem sein, um wirklich Tiramisu verstehen und genießen zu können. Eine der langweilsten Nachspeisen, die es weltweit gibt. Was halten Sie von Habsburgischen Nachspeisen vergangene Woche in Graz im Landhaus Keller und man träumt..........

Am besten mit "lady finger"

Es gibt keine Löffelbiskuits von "Pavesini" oder von "Savoiardi". Savoiardi ist der italienische Begriff für Löffelbiskuit; viele italienische Hausfrauen produzieren die Savoiardi selbst, andere kaufen sie von den verschiedenen Firmen, die dieses Gebäck herstellen. Eine dieser Firmen ist die Firma Pavesi, deren Savoiardi sich "Pavesini" nennen. Da Valeria Napoleone dies alles nicht zu wissen scheint, hätte sie wohl besser den englischen Ausdruck "Lady finger" für die Löffelbiskuits verwendet.