WochenmarktTiramisu tröstet in der dunklen Jahreszeit

Aus Norditalien stammt das Rezept, mit dem sich über die frühen Winterabende hinwegsehen lässt. von Elisabeth Raether

Valeria Napoleone, die mit uns ihr Rezept für das beste Tiramisu teilt, hat nicht nur einen gesunden Appetit. Sie besitzt auch eine der größten Sammlungen von Werken weiblicher Künstler der Gegenwart. In ihrer Wohnung in London bekocht sie Kunstleute, die bei der Gelegenheit, so heißt es, durch die mit Werken zugestellte Wohnung streifen können. Man kann sich gut vorstellen, wie Napoleone beim italienischen Menü, bestehend aus in Milch gegartem Kaninchen und Hummersalat, in schönstes Prada gekleidet, ihren Gästen geduldig auseinandersetzt, wie schade es sei, dass Frauen im Kunstmarkt immer noch unterrepräsentiert sind. Man könnte sagen, dass sie so eine Art sanften Feminismus praktiziert.

Ihre Rezepte hat sie jetzt in einem Kochbuch versammelt: Valeria Napoleone’s Catalogue of Exquisite Recipes (Walther König Verlag). Es enthält die Rezepte ihrer norditalienischen Heimat, aber keine Fotos. Stattdessen sieht man in dem aufwendig gestalteten Band Collagen von Goshka Macuga, auf denen Pin-ups in Rhabarberkompott baden, und Nicole Eisenmans Dinnerpartys in Öl.

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Zunächst wird der Kaffee gekocht und in eine Schüssel gegeben. In einer anderen Schüssel werden die Eigelbe und der Zucker schaumig geschlagen, dann kommt der Mascarpone hinzu. Es wird weitergerührt, sodass alle Klümpchen sich auflösen.

Alle Wochenmarkt-Rezepte

Alle Wochenmarkt-Rezepte  |  © Miguel Medina/AFP/Getty Images

In eine rechteckige große Form wird etwas von der Mascarponemischung gegeben. Die Biskuits werden nacheinander in den Kaffee getunkt, bleiben dort aber nicht lange, sonst werden sie matschig. So werden sie vorsichtig nebeneinander auf den Mascarpone gelegt. Auf die Kekse gibt man wiederum eine Schicht Mascarpone, und so geht es weiter, bis das Tiramisu am Ende mindestens aus drei Lagen Biskuit besteht. Den Abschluss bildet wieder eine Schicht Mascarpone, die mit dem Kakaopulver bestäubt wird. Dazu verwendet man am besten ein kleines Sieb. Vier Stunden sollte das Tiramisu im Kühlschrank verbracht haben, bevor es gegessen wird. Perfekt ist es, wenn es einen ganzen Tag lang gekühlt wurde.

Tiramisu

Kaffee (am besten koffeinfrei)
120 g Zucker
3 Eigelb
500 g Mascarpone
1 große Packung Löffelbiskuits (geeignet sind besonders die von Pavesini oder Savoiardi)
ungesüßtes Kakaopulver

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Leserkommentare
  1. ... hat das alles mit "Wochenmarkt" zu tun?

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    die Löffelbisquit reif sind... 3:oP

  2. die Löffelbisquit reif sind... 3:oP

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Und was ..."
    • -simon-
    • 19. November 2012 17:08 Uhr

    in mein Tiramisu kommt auch noch Kaffeelikör und bisher meinten alle, es sei das bisher beste gewesen, das sie je gegessen haben.

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    • siar
    • 19. November 2012 18:06 Uhr

    Bei uns kommt Amaretto dazu. Tiramisu ohne Alkohol (in Maßen) kenne ich garnicht. Außerdem wird das Eiweiß leicht gesalzen, steif geschlagen und unter die Masse gehoben, dadurch wird das Tiramisu schön fluffig.

    • siar
    • 19. November 2012 18:06 Uhr

    Bei uns kommt Amaretto dazu. Tiramisu ohne Alkohol (in Maßen) kenne ich garnicht. Außerdem wird das Eiweiß leicht gesalzen, steif geschlagen und unter die Masse gehoben, dadurch wird das Tiramisu schön fluffig.

    3 Leserempfehlungen
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    ... so mache ich es auch, mit Amaretto und dem geschlagenem Eiweiß für Fluffigkeit - und es kommt bei Familie, Freunden und Kollegen immer wieder gut an. Hin und wieder gebe ich noch einen Hauch gemahlene Vanille dazu, aber das ist optional.

    Original soll wohl Marsalawein ins Tiramisu, aber ich mag die sanfte marzipanige Note, die ihm der Amaretto verleiht, lieber.

    • Conte
    • 19. November 2012 18:50 Uhr

    Wenn es um diese Dinge geht und um das Exportieren von Besonderheiten gibt es in jedem Land großartige Künstler, die imstande sind das Unverkäufliche zum Verkaufsschlager zu machen und das Alltägliche zum Sonntäglichen. In diesem Falle wiederholt sich die Geschichte. Es gibt zahllose Rezepte, die zum Tiramisu führen. Was mich seinerzeit, als ich es zu meinem Erstaunen erfuhr nicht sonderlich beeindruckte. Denn genau bei Tiramisu kommt es auf Vieles und Nichts an. Frisch müssen die Grundzutaten sein und das Gleichgewicht zwischne weich und schwammig sowie bitter und süsslich muss auf eine morböse Art und Weise hinbekommen werden. Das können zum Beispiel erfahrene und selbstbewusste Hausfrauen besser als Sterneköche oder Lifestyle-Abenteurer. Lassen sich sich überzeugen von einem, der die Gastronomie mit der Muttermilch in Neapel verabreicht bekam. Snob muss man außerdem sein, um wirklich Tiramisu verstehen und genießen zu können. Eine der langweilsten Nachspeisen, die es weltweit gibt. Was halten Sie von Habsburgischen Nachspeisen vergangene Woche in Graz im Landhaus Keller und man träumt..........

    • Tiroler
    • 19. November 2012 19:42 Uhr

    Es gibt keine Löffelbiskuits von "Pavesini" oder von "Savoiardi". Savoiardi ist der italienische Begriff für Löffelbiskuit; viele italienische Hausfrauen produzieren die Savoiardi selbst, andere kaufen sie von den verschiedenen Firmen, die dieses Gebäck herstellen. Eine dieser Firmen ist die Firma Pavesi, deren Savoiardi sich "Pavesini" nennen. Da Valeria Napoleone dies alles nicht zu wissen scheint, hätte sie wohl besser den englischen Ausdruck "Lady finger" für die Löffelbiskuits verwendet.

    2 Leserempfehlungen
    • Conte
    • 19. November 2012 19:50 Uhr

    Den Tiroler fragen. Der mag nicht zu Italien gehören wollen, aber weiss es am besten wie man es italienisch mag und macht. Das bringt Wohlstand, nach Südtirol!

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    • Tiroler
    • 19. November 2012 22:36 Uhr

    Es bringt mir zwar leider keinen Wohlstand, aber ich verrate dennoch gerne weitere Details zum Thema Tiramiù. Erfunden wurde das Rezept Ende der 60er-Jahre des vorigen Jahrhunderts von einem Koch namens Roberto Linguanotto im Restaurant "Alle Beccherie" in Treviso. Linguanotto hatte vorher in Deutschland gearbeitet und dort vor allem die bayerische Creme schätzen gelernt. Sein neues Rezept nannte er in der venezianischen Sprache "tiramesù", später wurde es zu "tiramisù" italienisiert. Als solches scheint es seit 1980 in italienischen Kochbüchern auf. Ein früherer Ursprung der Süßspeise ist sehr unwahrscheinlich, da die hygienischen Risiken früher zu groß gewesen wären. Immerhin werden rohe Eier (Salmonellengefahr) und der leicht verderbliche Mascarpone verwendet, den es früher nur in der Lombardei gab. Lediglich die Löffelbiskuits aus Savoien hatten schon früh Verbreitung gefunden.

  3. 8. Genau

    ... so mache ich es auch, mit Amaretto und dem geschlagenem Eiweiß für Fluffigkeit - und es kommt bei Familie, Freunden und Kollegen immer wieder gut an. Hin und wieder gebe ich noch einen Hauch gemahlene Vanille dazu, aber das ist optional.

    Original soll wohl Marsalawein ins Tiramisu, aber ich mag die sanfte marzipanige Note, die ihm der Amaretto verleiht, lieber.

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    Antwort auf "Amaretto"

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  • Serie Wochenmarkt
  • Schlagworte Feminismus | Kaffee | Kunstmarkt | Prada | Band | Heimat
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