Azubi-Mangel : Bloß nicht alleinlassen

Deutsche Unternehmen werben immer häufiger Azubis im Ausland an. Aber es braucht Geduld, Geld und gute Ideen, damit sie nach Deutschland kommen – und bleiben.

Josef ist abgetaucht. Bis zu den Schultern steckt er in einem Erdloch, in einem fremden Land. Sein Freund Martin steht oben und lässt langsam ein Kabel hinunter, das die umliegenden Dörfer mit schnellem Internet versorgen soll. »Pomalu!«, ruft den beiden ihr Chef Henner Jordan zu. »Langsam!«

Jordan ist einer der beiden Geschäftsführer der WEA Wärme- und Energieanlagenbau GmbH in Sebnitz in der Sächsischen Schweiz. Josef Lupoměský und Martin Seibt sind seine tschechischen Azubis. Anfang September haben die 18-Jährigen ihre Elektroniker-Ausbildung begonnen. »Wir finden hier immer weniger geeignete Bewerber«, sagt Jordan. Weil die Grenze gleich um die Ecke liegt, fuhr er deshalb ins tschechische Varnsdorf und stellte in der Berufsfachschule sein Unternehmen vor. Wenig später kamen Josef und Martin nach Sebnitz.

Wie die WEA in Sebnitz, suchen inzwischen viele Unternehmen im Ausland nach Lehrlingen. Genaue Zahlen kennt noch niemand, aber überall gibt es erste Projekte: Im bayerischen Landkreis Deggendorf haben im vergangenen Jahr 42 Jugendliche aus Bulgarien ihre Ausbildung als Handwerker, Maschinenbauer oder Installateur begonnen. Die Handwerkskammer Cottbus hat gerade zehn jungen Polen Lehrstellen in der Lausitz vermittelt. In Erfurt kamen vor einigen Wochen 39 Tschechen und Ungarn an. Und die Industrie- und Handelskammer (IHK) Karlsruhe hat fünf spanische Jugendliche mit badischen Mittelständlern zusammengebracht.

»Immer öfter fragen uns Unternehmen, ob wir ihnen Lehrlinge aus anderen EU-Staaten vermitteln können«, sagt Beate Raabe, Sprecherin der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit. »Wir werden daher demnächst in Spanien, Portugal, Italien und Griechenland in Schulen und auf Messen für eine Ausbildung in Deutschland werben.«

Händeringend Bewerber gesucht

Denn deutsche Lehrlinge sind inzwischen Mangelware. Noch vor zehn Jahren herrschte überall Lehrstellenknappheit, jetzt sind mehr als 100.000 Ausbildungsplätze frei, wie die Bundesagentur für Arbeit gerade bekannt gegeben hat. Vor allem im Hotel- und Gastgewerbe werden händeringend Bewerber gesucht.

Gerade die ostdeutschen Bundesländer trifft der demografische Wandel hart. Die Schulabsolventenzahlen sinken seit Jahren deutlich. Hinzu kommt, dass die meisten Jugendlichen, das trifft auch auf den Westen zu, inzwischen lieber studieren, als eine Berufsausbildung zu machen. Die Studienanfängerquote ist innerhalb von vier Jahren von 37 auf 55 Prozent gestiegen.

Warum also nicht in den EU-Nachbarstaaten nach Lehrlingen suchen? Visa und Arbeitserlaubnis brauchen junge Polen, Tschechen und Ungarn seit dem Inkrafttreten der Arbeitnehmerfreizügigkeit nicht mehr. Doch ganz so einfach ist es nicht. Unternehmen müssen ihren ausländischen Lehrlingen Sprachkurse und Unterkunft bezahlen. Und sie müssen viel Geduld aufbringen, denn das Einleben in Deutschland fällt vielen schwer.

Das Einleben fällt in Deutschland schwer

Das hat Uwe Hartlich von der Elektrotechnik Oelsnitz/E. GmbH im Erzgebirge gerade erlebt. Im vergangenen August stellte er zwei Auszubildende aus Tschechien ein: »Mir wurde angekündigt, die beiden hätten acht Jahre lang Deutsch gelernt. Tatsächlich konnte einer ein bisschen Deutsch und der andere gar nicht.« Der Geschäftsführer bezahlte ihnen einen Sprachkurs. Sie hielten durch – allerdings müssen sie das erste Lehrjahr nun wiederholen, weil sie die Berufsschule verpasst haben. Eine große Hilfe sind die beiden ihrem Arbeitgeber noch nicht gewesen, die Ausbildungsvergütung musste Hartlich trotzdem zahlen. »Das waren die teuersten Lehrlinge, die ich je hatte«, sagt er. »So funktioniert das auf Dauer nicht.«

Auch bei der Handwerkskammer Chemnitz, die die beiden Lehrlinge an Uwe Hartlich vermittelt hat, sieht man das Austauschprojekt nicht nur positiv: Insgesamt sind von neun ausländischen Azubis, die Mitte 2011 angeworben wurden, nur noch drei übrig. »Vor allem die Sprache hat ihnen große Probleme bereitet«, sagt Kammer-Präsident Dietmar Mothes. In Zukunft soll es einen Intensivsprachkurs für die Azubis aus dem Ausland geben. Außerdem müssen die Bewerber ein Praktikum machen, damit die Betriebe sie besser einschätzen können.

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Azubi-Coaching gegen Azubi-Mangel

Das Projekt Azubi-Coaching –begonnen in Bayern- „verbindet und verknüpft“ Jugendliche und Unternehmen und zeigt den Jugendlichen. Es entsteht eine konstruktive, nachhaltige Symbiose. Kirstin Wolf, Initiatorin Azubi-Coaching, (www.purple-consulting.de) hat herausgefunden, dass in den Schulen bei den Jungen nicht herausgefiltert wird, welche Präferenzen sie haben, in welche Richtung ihre berufliche Zukunft gehen könnte-soll. Ich weiß als junger Mensch auch nicht, welche Voraussetzungen ich für ein potentielles Unternehmen erfüllen muss und wie komme ich an die vielschichtigen speziellen Informationen.

Und hier genau setzt das Azubi-Coaching an: Es befähigt die jungen Menschen, ihre Präferenz herauszufinden. Parallel dazu wird den jungen Menschen durch Unternehmen der verschiedenen Branchen dargestellt, welches Anforderungsprofil erwartet wird. Gemeinsames Ziel ist es, frühzeitig aktiv und nachhaltig dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Eine Begleitung dieses Prozesses durch die Medien rundet das Zusammenspiel ab.

Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Es wird keine wertvolle Zeit in der Berufswahl vergeudet, weil der junge Mensch sich von Anfang an klar auf seine Präferenzen orientiert. Unternehmen gelingt es, gute Azubis zu rekrutieren. Gerade in Zeiten des Azubi-Mangels ist eine nachhaltige Strategie in den Unternehmen erforderlich.
Ein wirklich tolles empfehlenswertes Projekt, Gruß Grossigell!

Die Statistik der Jugendlichen ohne

Lehrstelle beinhaltet nach meiner Kenntnis nur die aktuellen Schulabgänger.

Es gibt jedoch ein Heer weiterer junger Leute die gern eine Lehrstelle hätten. Diese ggf. zu fördern, das halte ich für sinnvoller als die Anwerbungen im Ausland.

Natürlich gibt es in dem Bereich Förderung. Aber wenn diese zu einem Leben am Existenzminimum führt, muss man sich nicht wundern das das nichts wird.

Gefördertes Bewerbungstraining bringt eben nicht die geforderte Qualfinkation.

Die deutsche Wirtschaft

hat jahrelang nicht genug ausgebildet - jetzt fehlen angeblich Lehrlinge. Früher standen die in Massen auf den Straßen - aber ausgebildet wurde nicht, lieber ließ man diese Jugendlichen in allerlei Maßnahmen stecken - das kostete nur Geld vom Staat.
Liebe Leute - schon der gesunde Menschenverstand sagt einem, daß man, wenn man nicht permanent ausbildet, irgendwann nicht genug Fachkräfte findet; man kann sich doch nicht immer nur auf die anderen verlassen. Jetzt holt man sich die Lehrlinge aus dem Ausland - ich wage aber zu bezweifeln, daß so viele kommen werden, daß die deutsche Wirtschaft zufrieden ist. Schon bei Öffnung der Grenzen im letzten Sommer hat sich gezeigt, daß die erwartete oder befürchtete Masseneinwanderung ausblieb, denn jeder halbwegs vernünftige Arbeitssuchende ist in andere Länder gegangen und nicht nach Deutschland. Solange die Arbeitsbedingungen hier in Deutschland sich an Lohndumping und prekären Arbeitsverhältnissen orientieren, solange wird man es schwer haben, auf Dauer Arbeitswillige zu finden. Und ich finde das völlig verständlich - frühere gewerkschaftlich erkämpfte soziale Rechte auf normale Löhne und dauerhafte Arbeitsplätze sind über Jahre ausgehebelt worden - und da muß man sich nicht wundern, wenn die Menschen, soweit das möglich ist, woanders hingehen.

In der tat

Zum Arbeiten ist seit dem Ende des Wirtschaftswunders niemand mehr nach Deutschland gekommen.

Die Deutschen müssen sich langsam mal von der Chimäre verabschieden, ihr eigenes Land wäre zum Arbeiten für Ausländer attraktiv. OK, zur Zeit gibt es in Europa nicht viele Alternativen, deswegen bin ich (als Deutscher) auch wieder hier. Aber man wird hier nicht gut behandelt, die Bezahlung ist mäßig, und Arbeitsplatzsicherheit hat Deutschland auch nicht mehr zu bieten. Und: Es klingt abgedroschen, ist aber sowas von wahr: Überall anders arbeitet man, um zu leben, in Deutschland lebt man, um zu arbeiten. Man erwartet vom Arbeitenden, daß er sein Privatleben den Bedürfnissen der Arbeit unterordnet. In der Mittagspause wird immer noch von der Arbeit geredet. Deutsche können nicht abschalten. Wer versucht, die Atmosphäre etwas aufzulockern, dem wird unterstellt, er würde die Arbeit nicht ernst genug nehmen.

Man darf nicht vergessen: Diejenigen, die mal im angelsächsischen Ausland waren, hatten mit einer Willkommenskultur zu tun! In Deutschland gehen viele Arbeitgeber aber davon aus, man müsse unendlich dankbar sein für jedes Arbeitsverhältnis, und sei es noch so entwürdigend.

Kurz und gut: Zur Zeit, während der Finanzkrise, versuchen vielleicht Einige europäische Nachbarn aus Verzweiflung ihr Glück in Deutschland. Falls es aber wieder bergauf geht, werden auch Polen und Tschechen dorthin weiterziehen, wo es schön ist. Vielleicht würde ich als Deutscher es auch wieder probieren.

genau

Meine Tochter wollte nach Deutschland.Sie hat Wirtschaft studiert. Ich riet ihr, da wir in Spanien leben nach Südamerika zu gehen. Innerhalb drei Monaten fand sie dort eine Arbeit in der Wirtschaftsbranche. Europa geht dem Ende zu. Hier ist es egal ob wir in Griechenland, Frankreich Deutschland ode Spanien leben...die Devise Auswandern so schnell wie möglich[...]

Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au