BBC-KriseStörsender

Die BBC steckt in der größten Krise ihrer Geschichte – aber sie bleibt weltweites Ideal. von 

Das BBC-Gebäude in London

Das BBC-Gebäude in London  |  © Oli Scarff/Getty Images

Vergangenen Freitag zeigte die BBC einen Beitrag, der mit folgenden Worten begann: »Heute Abend entschuldigt sich dieses Programm.« Das Journal Newsnight hatte einem ungenannten Politiker fälschlicherweise vorgeworfen, in den siebziger und achtziger Jahren mehrere Jungen in Wales missbraucht zu haben. Dann schaltete der Moderator einen BBC-Kritiker dazu, der die Zuschauer daran erinnerte, dass Newsnight zuvor einen Bericht über den verstorbenen pädophilen BBC-Star Jimmy Savile zensiert hatte. »Hören Sie schon, wie sich unsere Pforten schließen?«, fragte der Moderator. »Ich kann gar nichts hören«, antwortete sein Interviewpartner, »der Ton funktioniert nicht.«

Nichts funktioniert beim ältesten und größten Sender der Welt. Seit Wochen verfolgen Mitarbeiter und Zuschauer entsetzt immer neue Berichte über sexuellen Missbrauch, journalistische Fehler und Rücktritte bei der BBC. Das Vertrauen ist erschüttert, Mitarbeiter bangen um die Zukunft der Anstalt. Es schlägt die Stunde derer, die die BBC altmodisch, aufgebläht und elitär finden und sie für ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit halten, in der es noch kein Privatfernsehen oder Internet gab. 3,6 Milliarden Pfund (4,5 Milliarden Euro) bekommt die BBC jährlich an Gebühren, wird vorgerechnet. Womit hat sie das verdient?

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Und doch braucht es die BBC. Sie ist ein Modell, das bis heute weltweit Maßstäbe setzt. Weil sie mächtig ist, hat sie mächtige Feinde: Der australische Medienmogul Rupert Murdoch will die Krise der BBC ausnutzen, um sie zu zerschlagen. Kürzlich twitterte er, der Premier möge diese »goldene Gelegenheit« ergreifen, den öffentlich-rechtlichen Sender neu zu organisieren.

Murdoch besitzt in Großbritannien den Bezahlsender Sky und jene Boulevardzeitung, die Mailboxen von Prominenten abgehört hat. Der Australier benutzt Medien, um seinen politischen Einfluss zu steigern: Er war bei verschiedenen britischen Premierministern ein gern gesehener Gast; in den USA besitzt er den rechtskonservativen Sender Fox News, das Sprachrohr der Republikaner. Murdoch steht für alles, wofür die BBC nicht steht.

Leserkommentare
  1. aber die Krise betrifft die ganze Gesellschaft: den National Health Service, die konservative Partei (Savile als jahrelanger Dauergast der Thatchers am Weihnachtstag), das Königshaus (Sir Jimmy, der "Mentor" von Prince Charles, der immer mal eben zur Queen auf einen Tee vorbeischaute), die Oberschicht genauso wie die Unterschicht (zum Begräbnis des ehemaligen Kohlekumpels vor einem Jahr säumten Zehntausende die Strassen von Leeds), beim Geheimdienst soll er natürlich auch gewesen sein. Ausgerechnet die BBC jetzt anzugreifen ist einfach ein Versuch der Murdoch-Leute, den Spiess umzudrehen

  2. Wenn die BBC so wichtig ist, wie die Queen, können wir auf das Traditionshaus ebenfalls gerne verzichten.

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