Vorstellungsgespräch : Das Zitat... und Ihr Gewinn

Johann Wolfgang von Goethe sagt: Wenn du eine weise Antwort verlangst, musst du vernünftig fragen.

»Haben Sie noch Fragen?«, will der Personalchef am Ende des Vorstellungsgespräches vom Bewerber wissen. Dieser grübelt so angestrengt, dass man meint, es rattern zu hören. Und dann, weil ihm partout nichts Gescheites einfallen mag, fragt er den Personalchef: »Wann soll ich Ihnen die Quittungen für die Anreise einreichen? Und wie lange dauert es, bis ich Nachricht von Ihnen bekomme?«

Die Fragen, die jemand stellt, sind ein Hinweis darauf, was in seinem Kopf passiert – oder nicht passiert! Wenn der Bewerber zum Unternehmen, der offenen Stelle, ja zu seiner eigenen Zukunft keine einzige Frage hat, abgesehen von Formalitäten, dann fehlt es ihm offenbar an Neugier, an Fantasie, an Interesse. Glaubt er gar nicht, dass er den Job bekommen könnte? Oder herrscht in seinem Kopf allgemein Ebbe, nicht nur wenn es darum geht, Fragen zu stellen?

Mit der Qualität der Frage steigt der Wert der Antwort, wusste schon Goethe. Wer als Bewerber vernünftig fragt, kann wichtige Informationen über das Unternehmen erhalten – und dabei zugleich eine Kostprobe seiner Qualitäten geben. Überlegen Sie sich schon im Vorfeld: Was interessiert Sie an der Firma? Worüber werden die Unternehmensvertreter mit Vorliebe sprechen? Welche Fragen könnten Sie stellen, die zugleich Ihr recherchiertes Wissen aufblitzen lassen? Zum Beispiel: »Vor zwei Jahren haben Sie Ihre Strategie ja internationaler ausgerichtet. Wie hat sich das auf diese Stelle ausgewirkt?«

Kreativität ist gefragt

Oder Sie nehmen Bezug auf das, was im Vorstellungsgespräch gesagt wurde. Etwa so: »Sie haben vorhin gesagt, an diesem Arbeitsplatz sei man stark auf die Kooperation der anderen Abteilungen angewiesen. Können Sie einmal beschreiben, wie diese Kooperation aussieht?« Solche Fragen machen Sie nicht nur schlauer, sondern lassen Sie auch schlau erscheinen. Das Gespräch bekommt auf diese Weise am Ende noch einmal einen Impuls, statt abzuflachen.

Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher. In seinem aktuellen Ratgeber Sei einzig, nicht artig! fordert er den Leser auf, nichts mehr nur für andere zu tun, sondern alles für sich selbst.

Was ist die beste Abschlussfrage, die Sie dem Personaler stellen können? »Angenommen, Sie heuern mich an und ich mache meine Arbeit richtig gut – woran genau würden Sie das merken?«

Diese hypothetische Frage sorgt dafür, dass Ihr Gegenüber Sie schon am Arbeitsplatz sitzen und vorzügliche Leistungen bringen sieht, und diese Gedanken werden seine Entscheidung (unbewusst) zu Ihren Gunsten beeinflussen. Gleichzeitig erfahren Sie, woran Ihre Arbeit gemessen wird. Gut möglich, dass Sie dieses Wissen bald brauchen werden. Wer gute Fragen stellt, kann nur gewinnen. Auch einen neuen Arbeitsplatz.

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Vorsicht mit den Fragen!

Das Wichtigste an den Fragen ist, sie nur Leuten zu stellen, die sie auch beantworten können. Bei Personalern ein dünnes Eis. Mein schlechtestes Vorstellungsgespräch habe ich mit interessierten Fragen an eine teilzeitarbeitende Diplombetriebswirtin abgeschossen, die weder von meiner Ausbildung noch von meinem potenziellen (juristischen) Einsatzgebiet irgendeine Ahnung hatte.

Fragen???

Der Artikel von Martin Wehrle ist aus meiner Sicht doch sehr beschränkt.

Zu einer erfolgreichen Bewerbung gehört die Vorbereitung darauf, mit welchem Unternehmen ich es zu tun habe. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass ich auch genügend Ansatzpunkte für Fragen habe. Das Bewerbungsgespräch wird zusätzliche Themenpunkte bieten, mein Interesse mit Fragen zu ergänzen.

Wenn ich meine Neugierde auf einen potenziellen Arbeitgeber nicht rüberbringen kann, dann ist zumindest bei höherwertigen Arbeitsplätzen die Ablehnung vorprogrammiert.

Wer mich so arg auf schlau gemacht fragt

"Sie haben ja schon vor 2 Jahren ....", als hätte er die ganze Zeit nichts anderes zu tun gehabt als sich über meine letzten 2 Jahre Gedanken zu machen, [...]
Die hypothetische Nummer "Wenn ich erstmal bei Ihnen bin..." die führt im Zweifel zu einen weiteren Häkchen bei "reichlich von sich eingenommen"

Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au