ZeitungskriseDas Blatt wendet sich

Hierzulande gibt es die wohl besten Zeitungen der Welt. Aber keine Branche betreibt so viel Selbstdemontage. von 

Nein, es soll hier kein Katastrophenjournalismus stattfinden. An dieser Stelle wollen wir nicht jene Zeitungen beklagen, deren Einstellung in den letzten Tagen angekündigt worden ist oder deren Ende befürchtet wird. So bitter die Nachrichten über die Frankfurter Rundschau , die Financial Times Deutschland oder das Magazin Prinz auch sind – es geht nicht um einzelne Titel. Es geht um die Frage, ob die auf Papier gedruckten Zeitungen und Zeitschriften eine Zukunft haben und mit ihnen eine Form des Journalismus , der sich auch die ZEIT untrennbar verbunden fühlt.

Es soll aber auch nicht kleingeredet werden (verschweigen wäre ohnehin unmöglich), dass es etlichen Blättern längst nicht mehr so gut geht wie noch vor 20 Jahren. Die meisten haben an Auflage verloren, einige auch an Reputation; die Nutzung anderer Medien und konjunkturelle Dellen haben die Anzeigenerlöse schrumpfen lassen. Und über allem steht der einschneidende Strukturwandel durch die digitalen Medien, für viele ist dies die Ursache aller Übel und Schwierigkeiten der gedruckten Presse. Doch auch darüber soll nicht geklagt werden. Das hilft erstens nicht weiter, weil die Konkurrenz durch das Internet nicht rückgängig zu machen ist, und lenkt zweitens von der ungemütlichen Prüfung ab, ob ein Teil der Probleme nicht hausgemacht ist. An dieser Stelle allerdings ist ein Wutausbruch fällig.

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Wir sind keine Holzhändler, es geht um den Inhalt, nicht um die Form

Es gibt keine Branche in Deutschland, die sich so lustvoll und unheilvoll selbst beschädigt hat, wie es viele Verleger, Geschäftsführer und Journalisten der Printmedien getan haben. Sie begleiteten die Einführung ihrer Onlineangebote so manisch, als hätten sie permanent gekokst. Zu dieser Zeit hatten sie überwiegend Blätter, die reinste Gelddruckmaschinen waren; und sie waren Anteilseigner (und sind es trotz aller Schwierigkeiten immer noch) der in ihrer Vielfalt, Ernsthaftigkeit und Unabhängigkeit vielleicht besten Medienlandschaft der Welt. Nun überboten sie einander in der Lobpreisung des neuen Mediums. Was sie damit ihren bisher treuen und zahlenden Lesern auch vermittelten, war: Schön, dass ihr noch dabei seid, aber das Medium der Zukunft ist ein anderes, es ist das Internet . Entsprechend lieblos wurde plötzlich manche verdiente Regionalzeitung behandelt und mit Sparrunden entkernt; es entstand ein Berufsbild, in dem der Journalist kaum mehr ist als ein multimedialer Dienstleister, der den Input seiner Kunden moderiert. Der britische Unternehmer David Montgomery, der vor Jahren die Berliner Zeitung kaufte und der Redaktion zusetzte, wo es nur ging, brachte seine Verachtung für das gedruckte Wort auf die Formel, Zeitungen seien eine "sinnlose, egoistische Obsession mit toten Bäumen".

Es stimmt, dass das Internet vieles Überzeugende vermochte, eines allerdings in den meisten Fällen nicht – Geld zu verdienen. Denn die digitale Zeitung hat sich längst als kostenloses Medium etabliert ; und dort, wo sie ausnahmsweise schwarze Zahlen schreibt, da ist sie in Gänze von den Werbekunden abhängig. Neue Erlösquellen sprudelten also nicht, dafür erodierten allmählich die Auflagen. Bis zum vorigen Jahr brachten viele Titel allerdings Renditen, von denen Dax-Unternehmen nur träumen können und die wohlweislich nicht öffentlich gemacht wurden. In diesem Jahr sind Erlöse und Auflagen schlechter. Das liegt an der weiteren Verbreitung Sozialer Netzwerke wie Facebook und an digitalen Wunderdingen wie dem Smartphone. Es liegt aber auch an einem dramatischen Anzeigenrückgang im zweiten Halbjahr, von dem jedes Printmedium in Deutschland betroffen ist.

Spätestens jetzt ist es an der Zeit, dass sich alle Beteiligten ehrlich machen. Der Gegensatz von Print und Online ist weitgehend aufgehoben, was und wie man liest, ist weitgehend eine Geschmacks- und Gewohnheitsfrage. Noch bezieht Online seinen Hauptreiz aus der unmittelbaren Wiedergabe von Ereignissen und den Partizipationsmöglichkeiten der Nutzer, Print aus dem entschleunigten, konzentrierten Abtauchen in die Lektüre, ohne dabei eine Spur zu hinterlassen.

Entscheidend ist die Frage: Wie kann hochklassiger, um profunde Analyse und Recherche bemühter Journalismus, wie kann die freie Berichterstattung aus aller Welt, wie die kritische Wächterfunktion künftig finanziert werden? Mit einer Kostenlos-Kultur geht es nicht. Sollten die Artikel aber zunehmend über digitale Medien , etwa das iPad, gegen Bezahlung gelesen werden, wäre das kein Unglück – selbst die überzeugtesten Printadepten sind keine Holzhändler, es geht um den Inhalt, nicht um die Form.

Allerdings ist das gedruckte Medium überhaupt nicht am Ende, es muss sich nur immer wieder öffnen für jene, die es erreichen will. Es darf sein Relevanzversprechen nicht brechen durch eine permanente Skandalisierung des politischen Lebens oder eine auf Dauer abstoßende Konformität der Meinungen. Es braucht Verleger, die Durststrecken aus Überzeugung durchhalten und die um die Grenze wissen zwischen notwendigem Kostenmanagement und einem Substanzverlust, der noch geschäftsschädigender ist als ein Anzeigenrückgang. Es braucht die Kooperation, nicht die Gegnerschaft zwischen Print und Online; beide bedingen einander.

Vor allem aber braucht es die Leserinnen und Leser, die in aller Regel wissen, was sie gutem Journalismus verdanken. Allerdings müssen sich die Blätter und ihre Macher diese Zuwendung im buchstäblichen Sinne auch verdienen. Wer für sich selbst keine Wertschätzung empfindet, kann sie auch nicht von anderen erwarten.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unterwww.zeit.de/audio

In der aktuellen Ausgabe der ZEIT sprechen die wichtigsten deutschen Medienmanager darüber, wie guter Journalismus überleben kann, und über ihre Erwartungen, Einsichten und Fehler. Die aktuelle Ausgabe finden Sie hier als E-Paper, App und in anderen digitalen Formaten .

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Leserkommentare
  1. ... ich muss doch sehr bitten, liebe Zeit Redaktion:

    „Hierzulande gibt es die wohl besten Zeitungen der Welt”

    Ist es für sie eine journalistische Bestleistung, wenn 9 von 10 Tageszeitungen als einzige Arbeitstätigkeit Artikel von einander abschreiben, oder DPA Pressemeldungen jeweils in den eigenen Jargon übersetzen??

    Schauen sie sich doch einfach nur mal an, wie wenig differenziert sich die Meldungen in deutschen Tageszeitungen gestalten:

    Europa ist toll (Wer die Kosten statt den Nutzen sieht, muss Rechtsradikal sein), Migranten sind eine Bereicherung (etwaige Zwischenfälle sind Einzelfälle, auch in der Masse!) und Deutschland braucht den Euro (Jaja, schon klar.).

    Wo ist die Auseinandersetzung, die Diskussion, der Diskurs? Alle singen sie das selbe Lied, und DAS macht sie auf dem Markt obsolet.

    3 Leserempfehlungen
  2. Wie kann hochklassiger, um profunde Analyse und Recherche bemühter Journalismus, wie kann die freie Berichterstattung aus aller Welt, wie die kritische Wächterfunktion künftig finanziert werden?

    Ja wenn es denn so wäre! In meinen Augen zeigen bei vielen Zeitungen meist erst die Leserbriefe und Kommentare, was was es bei einem Thema zu bedenken gibt.
    Der Eindruck hochklassiger um profunde Analysen und Recherche
    bemühter Journalisten relativiert sich immer mehr zu dem Eindruck, dass es sich dabei nur um eine Form der Selbstbeweihräucherung handelt.

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    Die Kommentarmöglichkeiten, die es mit dem Internet gibt, erkenne ich als großen Fortschritt an. Wenn ein Artikel die Inhalte mal nicht so wiederspiegelt, wie ich das gerne hätte, kann ich mich ja beteiligen oder auch sonst, mit dem was mir spontan dazu einfällt. Am Ende bin ich aber doch froh und dankbar, wenn das geschriebene Wort erst einmal da ist. Ohne dies würde es kaum Diskussionen geben. So gesehen sind selbst unfertige und schlecht geschriebene Artikel wertvoll. Jedenfalls sind die Bemühungen, die vorab getätigt werden, doch nicht nichts.

    • Psy03
    • 22. November 2012 12:46 Uhr

    sollte sich bei ihrer (meist) vorgefertigten Meinung und Hofberichterstattung etwas zurück halten.
    Oder bei einen Herrn die Lorenzo mit dem legendären Gutenbergbuch.

    Große Zeitungen brauchen ja keine Angst zu haben, man braucht Sie ja um die Meinungen der Regierung kund zu tun.

    Für alle anderen wirds schwierig.

    • nitric
    • 22. November 2012 13:21 Uhr

    Dann scheinen Sie ausschließlich Online-Zeitungen zu lesen.
    Interessante, gut recherchierte, ausführliche Berichterstattung lässt sich durchaus, aber meist immer noch in Printmedien finden.

    Den großen Vorteil der Online-Zeitungen sehe ich ebenfalls in der Beteiligung der Leser durch die Kommentarfunktion. Leider entwickelt sich dies aber oft zu einem großen Jammer-Forum, welches den Spaß am Lesen ein wenig eintrübt. Glücklicherweise finden sich aber immer wieder exzellente, auch lustige, ergänzende und informative Kommentare wieder.

    Ein zweiter großer Vorteil des Onlineangebotes ist der Link, durch den sich auf einfachste Art und Weise Zusatzinformationen erschließen lassen und man sich ohne große Recherche in ein Thema vertiefen kann.
    Die Vernetzung von Informationen durch den Link ist auch der Grund warum Wikipedia den großen gedruckten Lexika, wie Brockhaus und Co. davon läuft.

    Zitat ZEIT: "Wie kann hochklassiger, um profunde Analyse und Recherche bemühter Journalismus, wie kann die freie Berichterstattung aus aller Welt, wie die kritische Wächterfunktion künftig finanziert werden?"

    Am liebsten würde hiesige Presse noch Zwangsabgaben per Gesetz dafür eintreiben, dass man solche Wahlkampf- und Selbstbeweiräucherungsartikel liest. Passt dies nur zufällig zu Angela Merkels Selbstlob der gestrigen Parlamentsdebatte: "Diese Bundesregierung ist die erfolgreichste seit der Wiedervereinigung" ???

    Wie schlecht es um den "deutschen Journalismus" - viel treffender - kommerzielle private Lobbypresse - hierzulande bestellt ist, kann jeder selbst überprüfen: Die meisten Blogs werden bereits zensiert, wenn es politische Abweichungen von der erwünschten Redaktionsmeinung geht (...etwa, wenn man oben zitierte Merkelsche Aussage krirtisiert).

    bringt es auf den Punkt.

    Ich wollte nicht unbedingt jedem Ressort ein schlechtes Zeugnis ausstellen, aber der Politecke, zumal online, hängt bei den großen Blättern eine Doppelmoral und Agenda an, die zuweilen nicht mal mehr versteckt daherkommt.

    Was las ich zuletzt? Obama ein Held? "Deutschland würde Obama wählen!"-Schlagzeile. Steinbrück der Retter? "Unser" Guttenberg doch gar nicht so schlimm und vor allem, plötzlich, einsichtig? Das war ein Buch, geschrieben von und mit di Lorenzo. Und wenn sich davor ein Bundespräsident in den Vergünstigungen verstrickte, so erklärte uns dann Herr Joffe, dass dies alles nicht so schlimm sei oder einfach wieder nur "Neiddebatte", das Totschlagargument.

    Oder wie war das? "Mein Kopf gehört mir!"-Kampagne. Da priesen sich Blätter als die Retter an, die ansonsten dadurch bekannt wurden, weil sie mit "total buyout" eben genau die beschnitten, die sie zu schützen vorgeben. Beein-druck-end.

    Natürlich zittert der Blätterwald. Zu recht. Das Internet lässt ihn langsam aussehen und - da sollte man eigentlich ansetzen - übertrumpft ihn oft genug noch in der Neutralität oder zumindest dem Informationsgehalt.

    Die Deutungshoheit, die dadurch gesichert werden konnte, dass eben nicht jeder Zeitungen verlegen kann, ist in Gefahr. "Leistungsschutzrecht". Wer forciert dieses wohl? Genau die Branche, die Print schwinden sieht und nun eben im Internet auf das "Recht", die Meinung zu deuten, pocht, weil das alles ist, was sie hat.

    Neutralität? Gerne! Wo?

    Oder sogenannte "Studien" von delikaten Lobby-Organisationen wie etwa der sogenannten "Bertelsmann-Stiftung" - eine Art deutsche Ausgabe eines neoliberalen Bilderbergervereins, besetzt mit marktradikalen Exponenten (etwa Vertretern des INSM) unter der Regide des Millarden-Erbenkreises um Berufswitwe Liz Mohn - zieren Die Titelseiten sogenannter "Qualitätsblätter und werden den Lesern vermeintlich politisch neutral als bare Münze verkauft. Dabei handelt es sich beim genannten, immer wiederkehrenden Beispiel um einen einen jeder Neutralitätsverpflichtung widerlaufenden Exclusivclub, der sich die Privatisierung der Politik zum Ziel gesetzt hat und hierbei in enger Symbiose mit entsprechenden politischen Vertretern agiert, wodurch er unmittelbaren Zugang zu Projekten erhält (Bsp: Bertelmann arbeitete z. B. direkt an der HartzIV-Gesetzgebung mit).

    ...ff...

    ...ff...

    Die ob dieser Umstände unverständlicherweise steuerbegünstigte, antidemokratische Lobby-Organisation übt unabhängig jeder Regierungskonstellation viel Macht und Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung und offiziell vorherrschende Meinungsbild in Deutschland aus - etwa durch regelmäßig gezielt initiierte Honorarstudien, deren Ergebnis in einer Art Automatismus durch gesinnungsgleiche Medienoligopole (etwa Springer) sowie einer erschreckend großen Schar von Journalisten 1:1 übernommen, multipliziert und instrumentalisiert werden. Dadurch wird privaten Lobbyorganisationen mit Hilfe der Presse regelmäßig Gelegenheit gegeben, ganze gesellschaftliche Debatten in ihrem Sinne zu lenken.

    Unter Qualitätsjournalismus stelle ich mir etwas anderes vor. Den Anspruch erfûllen mittlerweile zahlreiche Blogs im Internet weit besser - der sogenannte "Qualitätsjournalismus klärt ja meist noch nicht mal über die Hintergründe solcher in Deutschland gängigen Manipulationsketten auf, sondern beteiligt sich rege daran.

    • xpeten
    • 22. November 2012 17:34 Uhr

    aber sicher eine sich bis in Details der Berichterstaatung schleichende Abhängigkeit von bestimmten Werbekunden.

    • rommmel
    • 22. November 2012 11:50 Uhr

    ......" es geht um den Inhalt,.."

    und dieser müßte viel besser werden, kritischer und objektiver!
    nach innen und außen !
    Aber , wie zum beispiel in den foren gestrichen wird, das ist schon nicht mehr die alte "Zeit" !
    vor über 20 jahren bin ich deswegen in leipzig auch auf die straße gegangen ,um auch solche zeitungen lesen zu dürfen.
    Und heute?
    wird man schnell in den foren für eine andere meinung gestrichen!
    es kann doch nicht sein ,daß beiträge zensiert werden, welche selbst einmal in der zeit gestanden haben u.s.w.
    würde mir auch gern wieder die zeitung kaufen?

    Eine Leserempfehlung
  3. Mit Lust, manchmal auch Frust, bemühe ich mich, die "unhandliche" ZEIT seit 40 Jahren Woche für Woche durchzuarbeiten.
    Dazu kommt der SPIEGEL und seit einigen Jahren die FAS und natürlich die aktuelle Tageszeitung und Freitags die SZ mit Magazin.
    Und zusätzlich noch das Internet.
    In Gesprächen mit jungen Leuten komme ich mir oft wie ein Dinosaurier vor.
    Die Jungen nutzen nämlich nur noch das Netz.
    Und die werden auch nicht mehr zu Papierlesern.
    Die geben kein Geld für ein Produkt aus, das sie abends in die Tonne werfen.
    Im Netz "kostet doch alles nichts!"
    Nachrichten, Bildrechte, Doktorarbeiten.
    Völlig gedankenlos wird das alles konsumiert.
    Ohne schlechtes Gewissen.

    Eine Leserempfehlung
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    • DerDude
    • 22. November 2012 12:22 Uhr

    dass diese Dienstleistungen umsonst sind? Das der Markt im Internet aus Zeitungssicht so undankbar ist, liegt nicht nur an uns Konsumenten, es ist ein Wechselspiel aus Angebot und Nachfrage. Man kann diesen Satz nur unterstreichen, und hoffentlich bleibt er hängen: "Sie begleiteten die Einführung ihrer Onlineangebote so manisch, als hätten sie permanent gekokst."
    Die Verleger haben zu Beginn den Fehler begangen ihr Produkt zu Dumpingpreisen zu verscherbeln, und jetzt können sie es nicht mehr reparieren. Ist der Preis einmal versaut, gibt es keinen einfachen Weg mehr zurück; das gilt nicht nur für das Zeitungsgeschäft, es ist eine kapitalistische Binsenweisheit. Man muss daher schon auch von einem eklatanten Mangel an Weitsicht seitens der damals wohl allzu sehr dotcomblasengeblendeten Verleger sprechen.
    Immer nur auf die Nutzer zu prügeln, die angeblich im Internet für nichts bezahlen wollen, hilft uns nicht weiter. Auch im Internet gelten nur die Regeln die Kapitalismus, das ist alles.

    Wenn man sich den Journalismus anschaut werden (immer mehr?) Meinungen verbreitet die der Leser am besten adaptieren soll. Man spricht nicht umsonst von der 4. Gewalt. Nun kann man aber auf das Internet zurückgreifen ich muss mir nicht mehr für 10DM bzw 10€ Zeitungen kaufen um mir ein breiteres Bild zu verschaffen. Dazu kann ich zu Themen im Internet suchen und auf verschiedene Quellen zurückgreifen.
    Auch werden manche Meldungen im Netz schon diskutiert, bevor die Print am Kiosk liegt.

    Und kostenlos ist zwar die Seite, allerdings finden sich 8 Tracker auf diese Seite, und vier geschaltete Anzeigen.

    "Völlig gedankenlos wird das alles konsumiert.
    Ohne schlechtes Gewissen."

    Das ist eine schlichte Verdrehung der Realität. Warum soll irgend jemand ein schlechtes Gewissen haben, wenn er etwas konsumiert, was kostenlos angeboten wird? Wer nicht will, dass sein Angebot kostenlos konsumiert wird, soll es eben nicht kostenlos anbieten, Punkt, aus.

    Man stelle sich vor, die Macher der Karnevalsumzüge in Köln und anderswo würden würden beim Publikum ein schlechtes Gewissen wegen der in die Menge geworfenen Bonbons einfordern - und damit implizit eine Bezahlung erwarten. Noch extremer ist das Beispiel des ÖR-Rundfunks, der das Medium Internet eigenmächtig entert und dann - tatsächliche Nutzung hin oder her - von jedem Compuer- oder Smartphone-Besitzer qua Privileg Zwangsgebühren eintreibt. Nicht wenige Besitzer "geistigen Eigentums" schielen neidvoll auf dieses Modell und bringen es immer wieder ins Spiel - Deckname "Kulturflatrate", angepriesen als Valium für's Gewissen. Was passiert, wenn so etwas eingeführt wird, kann man sich leicht ausmalen: Besitzer einschlägiger Geräte werden schon bald vierstellige Summen pro Jahr für den Internetzugang abdrücken müssen. Schließlich will jeder Anbieter etwas abhaben, und von denen gibt es Myriaden. Das Argumentationsmuster kennen wir längst: Jeder "Künstler" muss(!) von seinen Werken leben können. Da ist es schon wieder, das schlechte Gewissen ...

    Nein, es geht nicht um die bösen Raubmordkopierer, sondern um völlig legale Angebote.

    Wenn einer ein schlechtes Gewissen haben sollte, dann sind es die Medien selbst, denn die haben die "Jungen" (zumindest die, die sich überhaupt für irgendwas interessieren) zu dem gemacht, was sie sind.
    "Das Internet" insgesamt ist zur Zeit die einzige Quelle in der, wenn man weiß wo man suchen muss, noch differenzierte Berichterstattungen und Meinungen zu finden sind. Ein Großteil der von Ihnen genannten Medien (die ZEIT+Faz zumindest partiell mal ausgenommen) liefert doch nur noch Woche für Woche den selben Einheitsbrei, dpa-Meldungen unreflektiert abgedruckt, weit entfernt von ehrlicher, unvoreingenommener Auseinandersetzung der Journalisten mit jeglichen Themen.
    Davon ganz abgesehen haben "die Jungen" (Studenten, Auszubildender oder wer?) wohl kaum das Geld, um sich diverse Zeitungen und Magazine zu kaufen, und das ist auch nicht ihre Schuld.

    Wer sagt, dass die Online-Konsumenten alleine Schuld sind?
    Wenn sie widerrechtlich Bilder und anderes geistiges Eigentum herunterladen, ja.
    Und wie da der Kapitalismus gelten sollte! Anbieten und kaufen.
    Oder heißt Kapitalismus Anbieten und nehmen?

    Eben nicht Verdrehung der Tatsachen.
    Bilder werden nicht kostenlos angeboten und auch für Geschriebenes gibt es ein Copyright.

    Dass die Zeitungsanbieter Fehler gemacht haben, steht allerdings außer Frage.
    Da stimme ich zu.

    "Davon ganz abgesehen" hören die Jungen nicht bei Studenten und Auszubildenden auf.
    35jährige sind auch jung, oder?

  4. Herr Lorenzo wie vergleicht man Zeitungen und legt fest, wer die besten sind?
    Ihr Artikel liest sich für mich so, als hätten die Zeitungen die Regie über den Markt. Wenn sie von Selbstdemontage sprechen, so klingt das, als könnte alles besser werden, wenn die Selbstdemontage aufhörte und die Energie in Montage flösse.
    Mein Eindruck ist, dass die Demontage durch das Abziehen von Interesse geschieht. Ich denke, wir widmen heute Zeitungsberichten anders unsere Aufmerksamkeit als früher.
    Die Zeit ist farbig illustriert und wirbt mit Weinprämien. Ich stelle mir Zeit Leser vor, wie sie die Illustrationen geniessen, begleitet von einem Glas Wein.

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    Derselbe deutsche Fokus, hier auf ZEIT-ONLINE, erklärte zuletzt, dass berichte über Haiti (das ist dort, wo Sandy nicht nur den Strom abstellte, sondern auch die Cholera vorantrieb) "nicht klicken". Gibt's eben keine.

    Wenn man dann, ein paar Tage später, davon liest, dass der Chef den deutschen Journalismus als Ganzes als wunderbar und sogar führend ansieht, dann muss man sich nicht fragen, wo genau die Schieflage anfängt. Meist am Kopf.

    Und wenn, immer noch deutsche Zeitungen, dann US-Wahlkampf auf die 16 Bundesländer ausdehnen und den Deutschen erklären, welcher Präsident zu wählen sei, dann ist das natürlich ungemein fortschrittlich und ehrlich. Deutscher Journalismus eben. Ganz neutral.

    Dass mir da niemand die Frage stellt, wie sehr ein Verleger eigentlich bestimmt, was die Leser denken sollen. Als wenn man bei den zwei Kandidaten mehr als eine Wahl zwischen schlecht und anders schlecht gehabt hätte. Business-Parteien.

    Oder nehmen wir doch Berichte zur eigenen Politik. Da gibt es quasi keine Vergangenheit bei Kanzlerkandidaten oder eben amtierenden Kanzlerinnen. Dafür gibt es immer ganz viele Streits bei den Piraten, sogar wenn die nicht streiten.

    Dass man kein Interesse daran hat, Dinge wie das sog. "Leistungsschutzrecht" in Gefahr zu bringen, wenn Außenseiterparteien Stimmen gewinnen, das leuchtet schon ein.

    Schade ist eben, dass man nicht über den eigenen Schatten springt und wirklich mal Objektives liefert. Das würde Größe zeigen. Diese Größe kaufte ich gerne.

  5. Sehr geehrter Herr Lorenzo,
    Ich wäre gerne bereit, das E-Paper der ZEIT zu beziehen. Leider gibt es dieses nur für den Preis von 2,99€ bzw. als Abonnent der Printausgabe für 0,50€. Ich als Student würde für ein E-Paper-Only-Abonnement also 60ct mehr bezahlen als für die Druckausgabe, wobei mir die gedruckte Zeitung einfach zu unhandlich ist. Warum gibt es kein Angebot der E-Paper-Variante für Studenten? Sie schneiden sich damit in's eigene Fleisch.
    Und noch ein Hinweis: Ihr Link auf die Premium-Angebote führt in's Leere.
    Grüße

    Eine Leserempfehlung
  6. Wenn Sie schreiben hier gäbe es die besten Zeitungen der Welt, erheben Sie Allwissenheits-Anspruch.

    Ich habe per Zufall arabische Fernsehsender entdeckt, die mir eine völlig andere Sicht der Dinge aufzeigen und die für mich ebenso nachvollziehbar sind.

    Allerdings erlaube ich mir für keine Version Partei zu ergreifen, dazu habe ich am eigenen Körper zuviel Wahrheit erfahren!

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