Der Streit um die Berliner Gaslaternen spitzt sich zu. Um sie vor Abriss zu retten, bildete sich vergangenes Wochenende sogar eine Menschenkette. Offenbar schätzen die Freunde des Gaslichts ihre Sache inzwischen fast so aussichtslos ein wie den Kampf gegen Behördenwillkür im Falle von Menschenrechtsverletzungen. Und in der Tat scheint der Berliner Senat sein Elektrifizierungsprogramm gegen jeden Einspruch durchsetzen zu wollen; dass ein Teil des Volkes die Tradition lieber hat als die linksalternative Rechnerei mit Ökobilanzen, ist ihm egal. Der Fortschritt kann sich keine Sentimentalitäten erlauben – das ist das bolschewistische Argumentationsmuster, mit dem auch manche Berliner Medien gegen die Freunde des Gaslichts vorgehen. »Gestrigkeit« lautet der Hauptvorwurf. Indes ist es nun einmal das Wesen einer Tradition, von gestern zu stammen. Das gilt auch für die Idee der Demokratie (mehr als zweitausend Jahre alt) und die der Menschenrechte (mehr als zweihundert). So richtig befriedigend dürfte auch deren Ökobilanz nicht ausfallen. Bei der Erzeugung von Gaslicht gingen 96 Prozent der Energie als Wärme verloren, heißt es. Und wie viele Prozente gehen bei demokratischen Entscheidungsprozessen als Geschwätz verloren? Die effizienteste Form des Regierens besteht zweifellos darin, gar nicht mit den Leuten zu reden und von Amts wegen durchzugreifen.