Die Zeichen stehen auf Krise. Nach Jahren des Booms stagniert die Wirtschaft. Die Rohstoffpreise steigen in schwindelerregende Höhen. Die Eckpfeiler der Finanzwirtschaft geraten ins Wanken. Umweltaktivisten propagieren düstere Untergangsszenarien. Politiker üben sich in hektischem Krisenmanagement.

Was klingt wie eine Beschreibung der Gegenwart, galt ebenso für die frühen siebziger Jahre. Die Situation vor vier Jahrzehnten ähnelte der unseren auf frappierende Weise. Das macht es reizvoll, sich erneut mit jener Studie zu beschäftigen, mit der der Club of Rome die damalige Stimmung auf den Punkt brachte: Die Grenzen des Wachstums wurde gleichsam zur Chiffre einer Zeitenwende. Die Studie beruhte auf einer Computersimulation und warnte vor sich erschöpfenden Vorräten und explodierenden Preisen für Rohstoffe und Energie.

Die Studie war das erste handfeste Produkt des Club of Rome, der 1968 als elitäres Diskussionsforum gegründet worden war. Die über die ganze Welt verteilten Mitglieder – handverlesen, vorzugsweise männlich und sämtlich in einflussreichen Positionen – sicherten der Studie globale Beachtung. Und doch löste sie zunächst vor allem Ratlosigkeit aus. Leser und Rezensenten waren unsicher, was sie von der überraschenden »Weltuntergangs-Vision aus dem Computer« (Der Spiegel) halten sollten.

Ein Jahr später flimmerten Bilder gespenstisch leerer Autobahnen über die Bildschirme. Am 17. Oktober 1973 war der Ölpreis von rund drei US-Dollar pro Barrel (159 Liter) auf über fünf Dollar und dann im Laufe eines Jahres auf mehr als zwölf Dollar gestiegen. In der Bundesrepublik Deutschland wurden an vier Sonntagen im November und Dezember 1973 private Autofahrten untersagt. Die steigenden Kosten für die Ölimporte führten bald zu einem Anstieg von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit.

Die eigentlichen Ursachen der Krise, der Jom-Kippur-Krieg zwischen Syrien, Ägypten und Israel sowie die Preispolitik des Opec-Kartells, hatten die Forscher natürlich nicht vorhersehen können. Aber eben durch jene erste Ölkrise (der 1979 noch eine zweite folgen sollte) gewann die Studie fast über Nacht prophetische Qualität. Das im Computer simulierte Szenario schien mit beängstigender Geschwindigkeit Realität zu werden. Die Grenzen des Wachstums wurde in 35 Sprachen übersetzt und insgesamt neun Millionen Mal verkauft.

Dabei war die Studie eine Billiglösung gewesen, ihr Autor ein Experte zweiter Wahl. Ursprünglich hatte der Club of Rome den türkischen Ökonomen und Zukunftsforscher Hasan Ozbekhan mit der Durchführung des Projekts beauftragen wollen. Dessen aufwendiges Konzept stieß im Exekutivkomitee des Clubs jedoch auf Zweifel, auch die Stiftung Volkswagenwerk in Hannover als angefragte Geldgeberin zeigte sich zunächst reserviert. Um Geld zu sparen und möglichst schnell Resultate vorweisen zu können, beschloss man, den Auftrag an das Team von Dennis Meadows vom Massachusetts Institute of Technology zu vergeben. Das MIT war damals schließlich eine der ersten Adressen auf dem Gebiet der Modellierung. MIT-Computerpionier Jay W. Forrester, der »Vater der Systemdynamik«, hatte den jungen Dennis Meadows als Projektleiter vorgeschlagen. Meadows versprach, nur wenige Monate für die Untersuchung zu brauchen. Das Kuratorium der Stiftung war skeptisch und fasziniert zugleich. Die neuartige Methode der computergestützten Simulation schien vielversprechend, der Bewerber aber noch unerfahren. So bewilligte die Stiftung zunächst nur 200.000 Mark für eine Voruntersuchung. Erst als diese vorlag, gab das Kuratorium »einmalig und letztmalig« 775.000 Mark für die eigentliche Studie frei. Nach fünfzehn Monaten Arbeit lag das Ergebnis vor.

Der Preis für die Eile wie für die computertaugliche Aufbereitung der Daten in den Frühzeiten der kybernetischen Modellierung waren drastische Vereinfachungen. Das Weltmodell der Meadows-Studie verhielt sich zur Realität etwa so wie eine Modelleisenbahnanlage zum Betrieb der Deutschen Bahn. Freimütig erklärten die Autoren, ihre Prognosen besäßen »im Sinne einer exakten Voraussage [...] keinen Aussagewert«. Schon gar nicht ging es um eine Vorhersage der Preisentwicklung, denn die hängt bei Rohstoffen von einem kaum zu durchdringenden Gewirr von Faktoren ab. Aber just der gewaltige Anstieg der Ressourcenpreise galt seit der Ölkrise als Beweis für die Richtigkeit der Prognose.