Titel der Promotion:
Fuchs von Bimbach contra Wolf von Wolfsthal: Konflikte fränkischer Adelsfamilien im Kontext frühneuzeitlicher Rechtspraxis und intergenerationeller Auf- und Abstiegsprozesse

Was machen Sie da?
Am Beispiel der fränkischen Adelsfamilien Fuchs von Bimbach und Wolf von Wolfsthal untersuche ich, wie in der Frühen Neuzeit Konflikte ausgetragen wurden. Dafür habe ich den letzten Sommer auf alten Schlössern und in Archiven verbracht und dort Briefe, Rechnungsbücher und Lehnurkunden der Jahre 1650 bis 1720 untersucht. Ich lasse so einen Konflikt wieder auferstehen, der vor mehr als 300 Jahren ausgetragen wurde. In den privaten Korrespondenzen sind pikante Details über die Intrigen der beiden Familien ans Licht gekommen. Da ging es zum Teil richtig zur Sache: Die Familien, die unterschiedlichen Konfessionen angehörten – ein Grund für die Streitigkeiten –, haben sich gegenseitig immer wieder verklagt, bestochen, betrogen und gegeneinander intrigiert.

Wie und wem kann das nützlich sein?
Jeder ist in Netzwerke eingebunden, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind, besagt eine Theorie von Verflechtung und Mikropolitik. Heute ist das nicht anders – Personen sind abhängig von anderen, dahinter stehen unter Umständen größere Zusammenhänge und Instanzen, die Entwicklungen steuern. Diese Steuerungsmechanismen versuche ich aufzudecken.

Andreas Flurschütz da Cruz, 30, Historiker, promoviert an der Universität Bamberg.

Benjamin Moldenhauer, der Soziologe

Titel der Promotion:
Drastische Ästhetik. Die Inszenierung von Adoleszenz, Sexualität und Gewalt im modernen Horrorfilm

Was machen Sie da?
Exemplarisch an zwölf Horrorfilmen von Psycho bis Saw beschreibe ich, auf welche Affekte und Emotionen das Genre beim Zuschauer zielt. Ich schaue mir die Filme an, beschreibe und deute, wie sie auf mich und andere wirken und wirken können. Das erste Sehen ist der Ausgangspunkt der Analyse: Es soll so unbeeinflusst wie möglich sein, ich mache mir auch keine Notizen. Dann versuche ich herauszufinden, an welchen Stellen mich der Film berührt, und untersuche diese Beobachtungen weiter, indem ich sie mit Wirkungstheorien aus der Filmwissenschaft beschreibe. Danach gehe ich ins Detail, schaue mir die Filme immer wieder an und beobachte unterschiedliche Dinge, etwa wie sich die Figuren entwickeln. Ich untersuche, mit wem man als Zuschauer mitfühlen soll und was das für das eigene Filmerleben bedeutet.

Wie und wem kann das nützlich sein?
Im filmwissenschaftlichen Diskurs klafft in der Beschäftigung mit dem Horror eine große Lücke. In den USA und England wurde das Genre zwar schon untersucht, aber in Deutschland werden die Filme nur nachlässig behandelt. Dabei haben sie für Jugendliche oft eine sehr große Bedeutung. Sie ahnen, dass die Welt viel schlimmer ist, als es ihnen ihre Eltern beigebracht haben. Horrorfilme können dazu dienen, dieser Ahnung nachzugehen.

Benjamin Moldenhauer, 32, Soziologe, promoviert an der Universität Bremen.

 Evelyn Schmidt, die Physikerin

Titel der Promotion:
Suche nach dem SM Higgs-Boson im Zerfallskanal HW + W −→+ v −− v mit Daten des ATLAS-Experiments am LHC

Was machen Sie da?
Ich erforsche, ganz allgemein gesagt, die elementaren Teilchen und ihre Wechselwirkungen. Dafür gibt es seit vielen Jahren ein theoretisches Modell mit präzisen Vorhersagen. Das sogenannte Higgs-Boson ist das letzte fehlende Teilchen in diesem Standardmodell der Teilchenphysik. Im Juli wurde am europäischen Kernforschungszentrum Cern die Entdeckung eines neuen neutralen Bosons mit einer Masse von rund 126 Gigaelektronenvolt bekannt gegeben – wahrscheinlich das Higgs-Teilchen. Meine Aufgabe ist es, genau zu untersuchen, ob die im Kernforschungszentrum gefundenen Ergebnisse auch zum Modell passen, ob es sich also wirklich um das Higgs-Teilchen handelt. Das mache ich, indem ich Ereignisse analysiere, die ein Teilchenbeschleuniger, der Protonen kollidieren lässt, erzeugt.

Wie und wem kann das nützlich sein?
Meine Doktorarbeit trägt dazu bei, ein neues Teilchen zu entdecken. Nun müssen weitere Studien folgen, um die Eigenschaften dieses Teilchens zu erkunden. Es geht also sprichwörtlich um die Frage, »was die Welt im Innersten zusammenhält«, also darum, aus welchen Bausteinen die Welt und das Universum um uns herum aufgebaut sind und welche Wechselwirkungsmechanismen damit verbunden sind.

Evelyn Schmidt, 30, Physikerin, promoviert an der Universität Freiburg.

Noha Abdel-Hady, die Islamwissenschaftlerin

Titel der Promotion:
Islamisch-feministische Theologie im Bereich des fiqh an-nisa’ (frauenbezogene Rechtswissenschaft) zwischen Ablehnung und Popularität

Was machen Sie da?
Ich untersuche, wie weibliche Gelehrte die islamische Jurisprudenz Ägyptens beeinflussen. Als Gelehrter gilt, wer islamische Theologie studiert hat und sich in allen wissenschaftlichen Disziplinen auskennt. Gerade schaue ich mir an, wann weibliche Gelehrte begonnen haben, theologische Rechtsgutachten zu erstellen – die spielen eine wichtige Rolle im Islam, denn sie regeln das zwischenmenschliche Leben. Bislang erstellten meist Männer die Rechtsgutachten, doch heutzutage tun dies immer mehr weibliche Gelehrte, vor allem, indem sie Fernsehen und Internet nutzen. Ich analysiere schriftliche Quellen und mündliche Rechtsgutachten, die weibliche Gelehrte in eigenen Sendungen auf arabischen Satellitenkanälen erteilen. Ich schaue mir an, welche Themen sie behandeln und inwieweit sich ihre Argumentationsmuster von der Sichtweise männlicher Gelehrter unterscheiden. Frauen argumentieren etwa viel praxisorientierter als Männer. Nächstes Jahr werde ich nach Ägypten reisen und dort fünf weibliche und fünf männliche Gelehrte interviewen.

Wie und wem kann das nützlich sein?
Ich decke auf, inwieweit sich die islamische Rechtsprechung und mit ihr die gesamte Gesellschaft verändert, wenn weibliche Gelehrte mehr und mehr dort eingreifen. Das ist nicht unwichtig: Es beeinflusst die ganze Gesellschaft in Ägypten.

Noha Abdel-Hady, 27, Islamwissenschaftlerin, promoviert an der Universität Hamburg.