Titel der Promotion:
Drastische Ästhetik. Die Inszenierung von Adoleszenz, Sexualität und Gewalt im modernen Horrorfilm

Was machen Sie da?
Exemplarisch an zwölf Horrorfilmen von Psycho bis Saw beschreibe ich, auf welche Affekte und Emotionen das Genre beim Zuschauer zielt. Ich schaue mir die Filme an, beschreibe und deute, wie sie auf mich und andere wirken und wirken können. Das erste Sehen ist der Ausgangspunkt der Analyse: Es soll so unbeeinflusst wie möglich sein, ich mache mir auch keine Notizen. Dann versuche ich herauszufinden, an welchen Stellen mich der Film berührt, und untersuche diese Beobachtungen weiter, indem ich sie mit Wirkungstheorien aus der Filmwissenschaft beschreibe. Danach gehe ich ins Detail, schaue mir die Filme immer wieder an und beobachte unterschiedliche Dinge, etwa wie sich die Figuren entwickeln. Ich untersuche, mit wem man als Zuschauer mitfühlen soll und was das für das eigene Filmerleben bedeutet.

Wie und wem kann das nützlich sein?
Im filmwissenschaftlichen Diskurs klafft in der Beschäftigung mit dem Horror eine große Lücke. In den USA und England wurde das Genre zwar schon untersucht, aber in Deutschland werden die Filme nur nachlässig behandelt. Dabei haben sie für Jugendliche oft eine sehr große Bedeutung. Sie ahnen, dass die Welt viel schlimmer ist, als es ihnen ihre Eltern beigebracht haben. Horrorfilme können dazu dienen, dieser Ahnung nachzugehen.

Benjamin Moldenhauer, 32, Soziologe, promoviert an der Universität Bremen.