Titel der Promotion:
Islamisch-feministische Theologie im Bereich des fiqh an-nisa’ (frauenbezogene Rechtswissenschaft) zwischen Ablehnung und Popularität

Was machen Sie da?
Ich untersuche, wie weibliche Gelehrte die islamische Jurisprudenz Ägyptens beeinflussen. Als Gelehrter gilt, wer islamische Theologie studiert hat und sich in allen wissenschaftlichen Disziplinen auskennt. Gerade schaue ich mir an, wann weibliche Gelehrte begonnen haben, theologische Rechtsgutachten zu erstellen – die spielen eine wichtige Rolle im Islam, denn sie regeln das zwischenmenschliche Leben. Bislang erstellten meist Männer die Rechtsgutachten, doch heutzutage tun dies immer mehr weibliche Gelehrte, vor allem, indem sie Fernsehen und Internet nutzen. Ich analysiere schriftliche Quellen und mündliche Rechtsgutachten, die weibliche Gelehrte in eigenen Sendungen auf arabischen Satellitenkanälen erteilen. Ich schaue mir an, welche Themen sie behandeln und inwieweit sich ihre Argumentationsmuster von der Sichtweise männlicher Gelehrter unterscheiden. Frauen argumentieren etwa viel praxisorientierter als Männer. Nächstes Jahr werde ich nach Ägypten reisen und dort fünf weibliche und fünf männliche Gelehrte interviewen.

Wie und wem kann das nützlich sein?
Ich decke auf, inwieweit sich die islamische Rechtsprechung und mit ihr die gesamte Gesellschaft verändert, wenn weibliche Gelehrte mehr und mehr dort eingreifen. Das ist nicht unwichtig: Es beeinflusst die ganze Gesellschaft in Ägypten.

Noha Abdel-Hady, 27, Islamwissenschaftlerin, promoviert an der Universität Hamburg.