DoktorarbeitenWas machen Sie da eigentlich?

Doktoranden widmen sich ihrem Thema über Jahre. Wofür? Vier von ihnen erklären ihre Promotion. von 

Titel der Promotion:
Fuchs von Bimbach contra Wolf von Wolfsthal: Konflikte fränkischer Adelsfamilien im Kontext frühneuzeitlicher Rechtspraxis und intergenerationeller Auf- und Abstiegsprozesse

Was machen Sie da?
Am Beispiel der fränkischen Adelsfamilien Fuchs von Bimbach und Wolf von Wolfsthal untersuche ich, wie in der Frühen Neuzeit Konflikte ausgetragen wurden. Dafür habe ich den letzten Sommer auf alten Schlössern und in Archiven verbracht und dort Briefe, Rechnungsbücher und Lehnurkunden der Jahre 1650 bis 1720 untersucht. Ich lasse so einen Konflikt wieder auferstehen, der vor mehr als 300 Jahren ausgetragen wurde. In den privaten Korrespondenzen sind pikante Details über die Intrigen der beiden Familien ans Licht gekommen. Da ging es zum Teil richtig zur Sache: Die Familien, die unterschiedlichen Konfessionen angehörten – ein Grund für die Streitigkeiten –, haben sich gegenseitig immer wieder verklagt, bestochen, betrogen und gegeneinander intrigiert.

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Wie und wem kann das nützlich sein?
Jeder ist in Netzwerke eingebunden, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind, besagt eine Theorie von Verflechtung und Mikropolitik. Heute ist das nicht anders – Personen sind abhängig von anderen, dahinter stehen unter Umständen größere Zusammenhänge und Instanzen, die Entwicklungen steuern. Diese Steuerungsmechanismen versuche ich aufzudecken.

Andreas Flurschütz da Cruz, 30, Historiker, promoviert an der Universität Bamberg.

Leserkommentare
    • R_IP
    • 03. Dezember 2012 15:25 Uhr

    Dito, und zwar mit allem, was Sie in Ihrem Kommentar geschrieben haben. Die Arroganz der NaWis speist sich einerseits aus dem fragwürdigen Privileg, >harte< Wissenschaft zu betreiben. Trotzdem entgeht den eingefleischten Popperianern häufig, dass dessen kritischer Rationalismus, neben seinen positivistisch-verifikationistischen Anleihen (bspw. das sprachphilosophisch ungebrochene unkritische Vertrauen in Protokoll- und Basissätze, die Negierung sozialer Tatsachen als >gemachte< usw.), eine fallibilistische Philosophie ist, nach der es letztlich keine abschließende Wahrheitsbegründung geben kann. Akzeptiert man Poppers Methode, nähert man sich der Wahrheit zwar Stück für Stück an, jedoch ohne diese je ganz einzuholen. Trotzdem werden zu jedem diesbezüglichen Thema wie zur Zeit des Verifikationismus von der Fangemeinde Jubelgesänge angestimmt, als ob die jeweilige Theorie nun abschließend bewiesen wäre.

    Andererseits ist man der Meinung, die Inhalte der Geistes- und Sozialwissenschaften, wenn man sich schon dazu herablässt, diese zu diskutieren, ohne Weiteres einholen zu können. Ich finde das Konzept der oben beschriebenen Doktorarbeit ebenfalls höchst problematisch, aber deshalb kann man nicht gegen die Relevanz einer ganzen Wissenschaftsrichtung polemisieren.

    Liebe NaWis, ihr versteht von geistes- und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen, Theoriebildungen und Methoden genauso wenig wie wir von den eurigen (oder eben genauso viel). Also unterlasst bitte die Grabenkämpfe.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Horizonte"

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