DoktorarbeitenWas machen Sie da eigentlich?

Doktoranden widmen sich ihrem Thema über Jahre. Wofür? Vier von ihnen erklären ihre Promotion. von 

Titel der Promotion:
Fuchs von Bimbach contra Wolf von Wolfsthal: Konflikte fränkischer Adelsfamilien im Kontext frühneuzeitlicher Rechtspraxis und intergenerationeller Auf- und Abstiegsprozesse

Was machen Sie da?
Am Beispiel der fränkischen Adelsfamilien Fuchs von Bimbach und Wolf von Wolfsthal untersuche ich, wie in der Frühen Neuzeit Konflikte ausgetragen wurden. Dafür habe ich den letzten Sommer auf alten Schlössern und in Archiven verbracht und dort Briefe, Rechnungsbücher und Lehnurkunden der Jahre 1650 bis 1720 untersucht. Ich lasse so einen Konflikt wieder auferstehen, der vor mehr als 300 Jahren ausgetragen wurde. In den privaten Korrespondenzen sind pikante Details über die Intrigen der beiden Familien ans Licht gekommen. Da ging es zum Teil richtig zur Sache: Die Familien, die unterschiedlichen Konfessionen angehörten – ein Grund für die Streitigkeiten –, haben sich gegenseitig immer wieder verklagt, bestochen, betrogen und gegeneinander intrigiert.

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Wie und wem kann das nützlich sein?
Jeder ist in Netzwerke eingebunden, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind, besagt eine Theorie von Verflechtung und Mikropolitik. Heute ist das nicht anders – Personen sind abhängig von anderen, dahinter stehen unter Umständen größere Zusammenhänge und Instanzen, die Entwicklungen steuern. Diese Steuerungsmechanismen versuche ich aufzudecken.

Andreas Flurschütz da Cruz, 30, Historiker, promoviert an der Universität Bamberg.

Leserkommentare
  1. Titel der Promotion:

    "Der Bauchnabelfussel im Wandel der Kultur; eine Kausalität zwischen Baumwolle und Filz"

    Was machen Sie da?

    "Durch intensive Nabelschau erforsche ich, wie aus T-Shirts Filz wird und welche Stoff- bzw. Bauchnabelstrukturen für die Entsethung der Bauchnabelfussel verantwortlich sind. Auch untersuche ich die Zusammenhänge zwischen individuellem Wechselverhalten, Körperhygiene und Fusselwachstum."

    Wie und wem kann das nützlich sein?

    "Da gibt es verschiedene Anwendungsbereiche. Die Textilindustrie erhofft sich Hinweise auf den Anspruch bei der Qualität der Stoffe in Abhängigkeit von der Hygiene des Konsumenten. Ebenso haben auch Parteien mit Regierungsaussicht an den Theorien zur Filzbildung bekundet."

    8 Leserempfehlungen
    • R_IP
    • 02. Dezember 2012 22:52 Uhr

    "Wozu braucht man überhaupt Teilchenphysik? Mir würde jetzt spontan nichts einfallen, wo mir dieses Wissen irgendwas nützt."

    Mir ganz spontan auch nicht, und das ist keine Ironie, wie bei Ihnen. Könnten Sie mir vielleicht erklären, wofür wir Teilchenphysiker wirklich brauchen?

    Aber vielleicht ist die Beantwortung dieser Frage ja auch gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist vielleicht, sich begreifbar zu machen, dass Leute wie Sie es sind, blinde Technokraten, die am liebsten sämtliche Forschungsetats allein in den (vermeintlichen) naturwissenschaftlich-technischen Fortschritt stecken wollen würden, moralisch und intellektuell bereits vollständig abgewirtschaftet haben. Deutschland! Schau auf diese Menschen! Und dann dreh dich bitte angewidert von ihnen ab!

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    • Dirac
    • 03. Dezember 2012 16:21 Uhr

    Wenn Sie das nächste mal im Krankenhaus sind, dann denken Sie sich ohne Teilchenphysik erstmal sämtliche Röntgen-Geräte weg.
    Danach können Sie auch sämtliche Strahlentherapien bei der Krebsbekämpfung vergessen, Radiopharmazeutika etc...

    Von Elektronenmikroskopen haben Sie vielleicht auch schon gehört?
    Auch die Dinger, die ihr Blut beim Arzt analysieren basieren auf Prinzipien der Kern- und Teilchenphysik.

    Einige Rauchmelder basieren auf einem Prinzip mit Alphateilchen.

    Mit Plasmaphysik (was man durchaus noch zur Kern- und Teilchenforschung zählen kann) werden heute extrem glatte Oberflächen erstellt.

    Und das alles war jetzt nur, was mir spontan eingefallen ist.

    • cafbad
    • 03. Dezember 2012 17:19 Uhr

    Gilt den immer noch der angebliche Gegensatz zwischen Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften? Gibt es immer noch Leute, die meinen, eine davon sei "echte" Wissenschaft und die anderen nicht?
    Wie langweilig ...
    Ich dachte immer, bei Wissenschaft ginge es um das Streben nach Erkenntnis, was ja zunächst mal gar nichts über die Methode sagt, mit deren Hilfe Erkenntnis erreicht wird.

    3 Leserempfehlungen
  2. ..., die ihren Doktortitel redlich verdient haben. Solche Menschen bringen uns weiter und verbessern unser Leben im Alltag - abgesehen von dem nutzlosen Physiker, der irgendwelche sinnlosen Teilchen nachweisen will. Wozu braucht man überhaupt Teilchenphysik? Mir würde jetzt spontan nichts einfallen, wo mir dieses Wissen irgendwas nützt. Und weil das so ist, ist es auch total sinnlos. Die Auseinandersetzung mit der Wirkung von Horrorfilmen auf ihre Zuschauer dagegen ist von Grundlegender Bedeutung - wer wollte nicht schonmal von jemand anderem erzählt bekommen, wie er sich beim Anschauen eines solchen Filmes fühlt? Man selbst merkt das ja immer gar nicht so richtig...

    PS: Deutschland! Schau auf diese Menschen! Sie sind die Grundlage unseres andauernden wirtschaftlichen Aufschwungs, der geringen Arbeitslosenzahlen und der nahezu ausgeglichenen Gerechtigkeit in diesem Lande!

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    Dazu ein kleines Zitat unter Missachtung jeglicher Zitierregeln: Prof: "..., also kann ich das in meinem Garten einsetzen?" Doktorand "Hm, naja, eher nicht. Dafür gibt es erstmal keine Anwendung, das ist ein rein theoretisches Problem" (Physikprof, Mathedoktor)

    Zum Artikel: Ich steh Doktorarbeiten aller Fächer wirklich wohlmeinend gegenüber, aber bei dieser Kürze kann doch niemand verstehen, wozu die Arbeiten gut sind. Das mit den Horrorfilmen liest sich, als wär die Arbeit völlig banal: Eine (! völlig unempirisch) Person schaut sich 10 Horrorfilme 100 mal an und schreibt auf, was sie dabei fühlt. Ich hoffe doch, da steckt mehr dahinter. Nur was? Im Artikel stehts nicht.

  3. "Die Auseinandersetzung mit der Wirkung von Horrorfilmen auf ihre Zuschauer dagegen ist von Grundlegender Bedeutung - wer wollte nicht schonmal von jemand anderem erzählt bekommen, wie er sich beim Anschauen eines solchen Filmes fühlt? Man selbst merkt das ja immer gar nicht so richtig..."

    Die Auseinandersetzung mit der Wirkung der Gravitation ist ebenfalls von grundlegender Bedeutung. Wer wollte nicht schon mal von jemand anderem erzählt bekommen, dass Gegenstände, nachdem man sie losgelassen hat, zu Boden fallen? Man selbst merkt das ja immer gar nicht so richtig...

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    • cafbad
    • 03. Dezember 2012 15:15 Uhr

    "Na wenn diese wissenschaftliche Vorgehensweise mal nicht zu hochgradig repräsentativen Ergebnissen führt!"

    Nein. Tut sie nicht. Und? Das will die Methode ja gar nicht.

    Sie werden es nicht glauben, aber es gibt wissenschaftliche Methoden jenseits der repräsentativen Erhebung. Da geht es zum Beispiel darum, sich erst einmal ein Bild von möglichen Wirkmechanismen zu machen, bevor man diese breiter empirisch überprüft.
    Qualitative Vorarbeit --> quantitative Bestätigung bzw. Falsifikation.

    Und das Ganze nennt man dann .... richtig: Wissenschaft.

    Vielleicht überprüfen Sie mal Ihr Wissenschaftsverständnis?

    2 Leserempfehlungen
    • R_IP
    • 03. Dezember 2012 15:25 Uhr

    Dito, und zwar mit allem, was Sie in Ihrem Kommentar geschrieben haben. Die Arroganz der NaWis speist sich einerseits aus dem fragwürdigen Privileg, >harte< Wissenschaft zu betreiben. Trotzdem entgeht den eingefleischten Popperianern häufig, dass dessen kritischer Rationalismus, neben seinen positivistisch-verifikationistischen Anleihen (bspw. das sprachphilosophisch ungebrochene unkritische Vertrauen in Protokoll- und Basissätze, die Negierung sozialer Tatsachen als >gemachte< usw.), eine fallibilistische Philosophie ist, nach der es letztlich keine abschließende Wahrheitsbegründung geben kann. Akzeptiert man Poppers Methode, nähert man sich der Wahrheit zwar Stück für Stück an, jedoch ohne diese je ganz einzuholen. Trotzdem werden zu jedem diesbezüglichen Thema wie zur Zeit des Verifikationismus von der Fangemeinde Jubelgesänge angestimmt, als ob die jeweilige Theorie nun abschließend bewiesen wäre.

    Andererseits ist man der Meinung, die Inhalte der Geistes- und Sozialwissenschaften, wenn man sich schon dazu herablässt, diese zu diskutieren, ohne Weiteres einholen zu können. Ich finde das Konzept der oben beschriebenen Doktorarbeit ebenfalls höchst problematisch, aber deshalb kann man nicht gegen die Relevanz einer ganzen Wissenschaftsrichtung polemisieren.

    Liebe NaWis, ihr versteht von geistes- und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen, Theoriebildungen und Methoden genauso wenig wie wir von den eurigen (oder eben genauso viel). Also unterlasst bitte die Grabenkämpfe.

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    Antwort auf "Horizonte"
    • cafbad
    • 03. Dezember 2012 15:49 Uhr

    "Nur hat qualitative Wissenschaft mMn nichts damit zu tun, dass man quasi sich selbst beobachtet."

    Doch hat sie. Das hat nichts mit Meinung zu tun. Lesen Sie Lehrbücher über qualitative Methoden, wo Sie Introspektion als qualitative Methode finden werden.

    Einer wissenschaftlichen Methode ohne Angabe von Argumenten die Berechtigung abzusprechen, ist wirklich nicht gerade vom Geist der Erkenntnis durchdrungen.
    Introspektion hat ihre Tradition, ihre Vor- und ihre Nachteile - die sollten Sie schon diskutieren bevor Sie sie in Bausch und Bogen aus dem Kanon wissenschaftlicher Methoden streichen. Ein schlichtes "meiner Meinung nach ist aber xy besser" taugt ja nun eher nicht als Argument. Erst recht wenn man gar nicht weiß, warum genau diese Methode und nicht etwa eine andere gewählt wurde.

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