Der schottische Separatismus schlug Wurzeln, als in den dreißiger Jahren eine romantische Betörung durch die nationale Selbstbesinnung Deutschlands die keltischen Randländer auf den Britischen Inseln ergriff. In den siebziger Jahren, das erste »schottische« Nordseeöl wurde an Land gepumpt, passte eine neue Generation die nationale Bewegung dem geänderten Zeitgeist an – friedensbewegt, sozialdemokratisch und fortschrittsorientiert. 1999 schuf die Regierung Blair ein schottisches Parlament. Seit 2007 regiert die Scottish National Party (SNP) in Edinburgh, seit 2011 mit absoluter Mehrheit.

Heute ist die SNP vor allem ein Machtinstrument ihres Ministerpräsidenten Alex Salmond. Er richtete einen Wohlfahrtsstaat skandinavischen Zuschnitts ein, der zukünftige Ölreichtum soll ihn finanzieren. Einstweilen verfällt allerdings die Infrastruktur, es fehlt Geld. Schottland darf keine eigenen Steuern erheben, und die Zahlungen, die es von Großbritannien erhält, nutzt es kaum für langfristige Investitionen.

Hätte Salmond 2011 die in seinem Wahlprogramm versprochene Volksabstimmung über eine Abspaltung Schottlands abgehalten, wäre sie vermutlich erfolgreich gewesen. In London waren die Tories an die Macht gekommen, die in Schottland als englische Partei gelten; nur eines von 59 schottischen Unterhausmandaten hatten sie gewonnen. Doch Umfragen prophezeiten Salmond nur 38 Prozent Zustimmung, er wartete ab.

Nun zwingt Premierminister David Cameron ihn, das Plebiszit spätestens 2014 in die Wege zu leiten. Seither schrumpft die Begeisterung. Wohl auch, weil Kommissionspräsident Manuel Barroso und Ratspräsident Hermann von Rompuy kürzlich Salmonds kühner Behauptung widersprachen, ein eigenständiges Schottland werde mit Kusshand in die EU aufgenommen. Bei jüngsten Umfragen waren weniger als 30 Prozent für eine Abspaltung vom Königreich.

Reiner Luyken