Eigentlich ist dieses Ding wohl nicht gedacht für Fahrten von A nach B. Es ist ein Spaßmobil. Man fährt damit, um zu fahren, und will am liebsten nie ankommen. Aber es taugt auch für den Weg zur Arbeit, vor allem wenn dieser vom Leuchtturm am Falkensteiner Ufer bis in die Hamburger City auf Radwegen an der Elbe entlangführt.

ICE, der Name des Herstellers, steht für Inspired Cycle Engineering. Inspiriert, aber auch entspannt sitze ich in diesem Hochgeschwindigkeitsdreirad und fühle mich wie in einem Lounge-Chair auf Rollen. Die Hände liegen locker an den Lenkergriffen, die Daumen an den Schalthebeln. Nichts drückt, knickt, scheuert.

Sicher, ich sitze viel tiefer als auf einem normalen Fahrrad, genauer gesagt: auf Augenhöhe mit Hunden. Aber ich muss nicht erst den Kopf anheben wie auf einem Rennrad oder Mountainbike, um die Welt zu erfahren. In diesem Liegerad hat man ständig Panoramasicht, in Kurven fährt es wie auf Schienen, gemütlicher radeln geht kaum.

Das Ding ist so windschnittig, wie es aussieht, und wirklich verdammt schnell. An Freizeitradlern schieße ich lässig vorbei. Steigungen, wie es sie am Geesthang gibt, sind kein Problem, einfach runterschalten und ein bisschen Tretbootfahren. Bergab fühlt man sich wie bei einem Seifenkistenrennen und fängt an zu juchzen.

Die Spurbreite beträgt 70 Zentimeter, damit komme ich auf Radwegen gut durch. Bei der Überquerung des Fischmarkts wünschte ich mir wegen des Kopfsteinpflasters eine Federung, die es bei dieser Rennmaschine aus Gewichtsgründen aber nicht gibt. Ampelstopps hingegen sind ungewohnt entspannend. Man döst ein wenig im Liegestuhl, bevor es weitergeht.

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Für die Rückfahrt wähle ich die Elbchaussee. Im Straßenverkehr ist man auf Auspuffhöhe unterwegs, jeder Golf kommt einem da vor wie ein Truck.

Die Autofahrer scheinen Respekt oder Mitleid zu haben, jedenfalls umfahren sie mich mit großer Vorsicht. Übersehen wird man nicht so schnell. Überhaupt: Das ICE Vtx fällt auf. Am meisten freuen sich die Kinder. Von Älteren hörte ich Sätze wie "Guckma, der ist in seinem Bett unterwegs" und "Aaah, ein Tieflieger!"

Zum Abschluss drehe ich eine rasante Runde durch die Sülldorfer Feldmark. Obwohl ich frühzeitig abbremse und die Reiterin mich kommen sieht, scheut ihr Pferd so sehr, dass sie runterrutscht.

Technische Daten

Rahmen: Chrom-Molybdän
Reifengröße: 20 Zoll (vorn) 28 Zoll (hinten)
Gewicht: 15 kg
Schaltung: 20-Gang-Kettenschaltung
Bodenfreiheit: 7 cm
Sitzhöhe: 18 cm
Bremsen: hydraulisch
Basispreis: 3490 Euro

Rüdiger Jungbluth ist Redakteur im Wirtschaftsressort der ZEIT