SchattenbankenDie dunkle Macht

Schattenbanken steuern 67 Billionen Dollar. Nun will man sie kontrollieren. von  und

Stephen Schwarzman ist klein von Statur, sein Händedruck weich, doch in New York zählt der 65-Jährige zu den größten und härtesten Finanziers, die es gibt. Schwarzman hat es zum mehrfachen Milliardär gebracht, er ließ auf seiner Geburtstagsfeier schon Rod Stewart auftreten, sorgt als Mäzen für Schlagzeilen. Von der Adresse 345 Park Avenue aus steuert er Blackstone, die Firma, die er 1985 mit 400.000 Dollar Startkapital gründete und die längst zu einem der größten Imperien der Finanzwelt geworden ist.

Über viele Jahre spezialisierte sich Blackstone darauf, Firmen zu kaufen, umzubauen und wieder loszuschlagen – meist mit der Hilfe und dem Geld von Banken. Inzwischen zählt die Firma zu den führenden Beratern bei Fusionen und Übernahmen, hilft bei Restrukturierungen und verleiht Geld. Aktuell verwaltet ihr Finanzierungsarm 55 Milliarden Dollar, verteilt über eine Reihe von Fonds und Finanzvehikeln. Blackstone arbeitet inzwischen ähnlich wie eine Bank. Bloß, dass Blackstone keine Bank ist. Und daher auch nicht wie eine Bank beaufsichtigt wird.

Anzeige

Es sind Firmen wie Blackstone, die Politikern und Finanzaufsehern weltweit derzeit große Sorge bereiten: Hedgefonds, Zweckgesellschaften, Brokerhäuser und andere Finanzunternehmen, deren Bedeutung stetig zunimmt und die nur lose kontrolliert werden. Als »Schattenbanken« werden sie bezeichnet, weil sich ihre Geschäfte weitgehend dem Licht der Öffentlichkeit entziehen. Diese Schattenbanken will sich die Staatengemeinschaft jetzt vornehmen. Am Sonntag vor einer Woche veröffentlichte der in Basel ansässige Finanzstabilitätsrat (FSB) – ein Zusammenschluss der Finanzaufsichtsbehörden der wichtigsten Staaten – Leitlinien für eine globale Regulierungsoffensive.

Die ist längst überfällig. Nach Daten des FSB beläuft sich das Anlagevermögen des Schattenbankensektors inzwischen auf weltweit 67 Billionen Dollar – also 67000 Milliarden Dollar! Damit hat sich sein Volumen binnen zehn Jahren fast verdreifacht. Rund ein Viertel aller globalen Finanztransaktionen laufen heute über Schattenbanken – und häufig genug, ohne dass die staatlichen Aufseher etwas davon mitbekommen.

Und je mehr die Vorschriften für die Banken verschärft werden, desto mehr Geschäfte wandern in die unregulierten Sektoren des Finanzwesens ab. Etwa weil die Banken aktiv Sparten dichtmachen oder verkaufen oder weil den Bankern selbst das Geschäft vor lauter Regularien zu mühselig wird. In den großen Investmenthäusern kündigen manchmal ganze Teams, um woanders unbehelligt weiterzocken zu können.

Zu viel Heimlichkeit ist aber hoch riskant. So können die Schattenbanken Entwicklungen an den Finanzmärkten gefährlich verstärken, etwa wenn sie in der Not massenweise Vermögenstitel verkaufen. Zudem sind viele Schattenbanken eng mit traditionellen Banken verbunden. Damit greifen Probleme im nicht regulierten schnell auf den regulierten Sektor über.

So refinanzieren sich viele europäische Banken bei Geldmarktfonds aus den USA. Ziehen diese Fonds ihr Kapital ab, sind auch die Banken und damit womöglich die Spareinlagen der Kunden in Gefahr. Viele Hedgefonds wiederum leihen sich zusätzlich zum Kapital ihrer Investoren Kredite von Banken. Wenn sie diese Kredite nicht mehr zurückzahlen können, geraten leicht wieder die Banken in die Bredouille. In der Finanzkrise trugen die Abschreibungen auf solche Kredite zu den Problemen vieler Banken bei.

Leserkommentare
  1. um diese Schattenbanken wieder tatsächlich in den Schatten zu stellen - nämlich die erneute Regulierung der Finanzmärkte. Das wird aber nicht geschehen, da sollte man sich keinen Hoffnungen hingeben - da die Schattenbanken selber kein Interesse daran haben; Zocken wäre nämlich dann verboten.
    Wann werden die Banken und auch die Schattenbanken endlich begreifen, daß der Mensch das Maß aller Dinge sein muß - und nicht der Profit? Nutzt es einem Hedgefonds-Manager, wenn er Milliarden verdient, aber rings um ihn herum das Land zusammenbricht, sich die Zahl der Obdachlosen verdoppelt und verdreifacht, an jeder Straßenecke Bettler auftauchen und die Kriminalität sich vervielfacht?
    Nun ja, er wird vermutlich in seine gated community fahren und sich mit Gleichgesinnten amüsieren - außerhalb wird er auf gepanzerte Autos und Bodyguards nicht verzichten können.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn allein in Deutschland, bei einem BIP von ungefähr 300 Mia €, Schattenbanken mit Nettovermögen von geschätzt 1,3 Billionen Euro existieren, wird deutlich sichtbar, dass jene Schattenbanken Wetten anbieten auf Werte, die weder vorhanden noch überhaupt erreichbar sind. Man kann ja als normaler Mensch nur auf etwas wetten, was es auch tatsächlich gibt. Mehr als 3/4 des Werts dieser Fonds steht aber ein Wert von rein gar nichts gegenüber.
    Das bedeutet: Das Einlösen der Versprechen dieser Fonds, die eigentlich Kettenbriefen gleichen, ist nur möglich über eine Geldentwertung (vulgo: Inflation) um deutlich über 75%.
    Werden diese Fonds nicht schleunigst an die Leine gelegt, besser sogar: enteignet und verboten, folgt unweigerlich eine Inflation, in der der Euro nur noch 25 Cents wert ist.

  2. "Diese Schattenbanken will sich die Staatengemeinschaft jetzt vornehmen".

    Und ich dachte schon, wir haben November und nicht den ersten April.
    Ich bin ja gespannt welcher "Zahnlose Tiger" diesmal von der Leine gelassen wird.

    "Und je mehr die Vorschriften für die Banken verschärft werden, desto mehr Geschäfte wandern in die unregulierten Sektoren des Finanzwesens ab."

    Der war gut - wo sind eigentlich die regulierten Sektoren ?

  3. sind auch wieder nur ein weiterer Beweis dafür, dass wir das Geldsystem grundlegend durch Abschaffung des Zinsgeldes zum Vollgeldsystem (einfach googeln, lesen und staunen) hin ändern müssen. Die Regeln die es bedürfte, den egomanischen Ge-/Missbrauch des Kapitalismus zu verhindern gehen in kein Gesetzbuch. Anstand und Gerechtigkeit vermag er nicht widerzuspiegeln, geschweige denn umzusetzen.

    • Mithra
    • 30. November 2012 16:31 Uhr

    Es ist immer wieder beruhigend, in einem (nicht als Meinung gekennzeichneten) Artikel gefühlige Vokabeln wie "Zocken" zu lesen. Das bedeutet, dass das beschrieben Problem eigentlich gar nicht besonders bedeutend ist, und deswegen durch passende empörungsgeladene Begriffe aufgeblasen werden muss.

    • goldi53
    • 30. November 2012 17:02 Uhr

    Das Thema ist ganz einfach zu lösen: Jede Transaktion muss nachweisbar mit mindestens 50% Eigenkapital hinterlegt werden, dann hört die "Zockerei" von selber auf.

  4. Am Mittwoch auf ARTE ein interessanter Beitrag : 740 Park Avenue. Da wurde das ganze Dilemma deutlich - und auch die Unfähigkeit der Einflussnahme durch Regierungen. Man kann also nur hoffen, dass das Beispiel Argentinien und der Versuch der US-Justiz den/die verantwortlichen Hedgefonds auszubremsen, Erfolg hat.Und Obama muss man Glück wünschen,beim Versuch den Extrem-Reichen endlich die Eier zu quetschen m.a.W. Hedgefonds und Schattenbanken gehören genauso kontrolliert wie die Großbanken, egal ob privat oder landeseigen.

  5. Irgendwie scheint mir das Problem zu sein, dass man die Maerkte vor sich selbst schuetzen will. Das beste Mittel dazu waeren wohl Versicherungen, z.B.: jedes Wertpapier mit garantiertem Rueckgabepreis muss diesen Rueckgabepreis auch bei Bankrott der ausgebenden Organisation (egal ob Bank, Schattenbank, Unternehmen, oder Staat) garantieren. Das klappt nur ueber eine Versicherung. Versicherer sind aber geuebt darin auch extrem schwierig zu kalkulierende Risiken zu kalkulieren. Wenn eine Schattenbank mit einem grossen Hebel arbeitet, wird die Versicherung entsprechend teuer (entweder fuer die Schattenbank oder im Schadensfall fuer den Versicherer).

    • bigbull
    • 01. Dezember 2012 18:23 Uhr

    Solche Institute müssen nicht kontrolliert werden.
    Sie sind zu schließen.
    Die Ähnlichkeit mit terroistischen Vereinigungen sind
    gegeben.
    Bandenkriminalität,wo sie auftritt,ist mit sämtlichen
    rechtsstaatlichen Mitteln zu bekämpfen.
    Der Schaden die solch dubiose und egoistische Täter
    über die Menscheit versprühen,nur damit diese Typen
    sich wohlfeil gestalten dürfen,ist nicht hinnehmbar.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service