SchattenbankenDie dunkle Macht
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Deutschland und Frankreich sind treibende Kräfte

Über derlei Kanäle könnten auch deutsche Institute in Mitleidenschaft gezogen werden. Insgesamt ist das hiesige Schattenbankensystem mit einem Nettovermögen von geschätzt 1,3 Billionen Euro relativ klein, für einen Großteil des Volumens sind zudem Investmentfonds mit vergleichsweise harmlosen Geschäften verantwortlich. Allerdings sind die deutschen Geldhäuser über vielfältige Beziehungen mit ausländischen Schattenbanken verwoben. Die damit einhergehenden Risiken seien als »bedeutsam einzustufen«, schreibt die Bundesbank in ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht.

Deshalb ist eine globale Regulierung so wichtig. Sie umzusetzen ist allerdings alles andere als einfach. Die Schwierigkeiten fangen schon bei der Frage an, was genau kontrolliert werden soll. Denn nicht jede schwach regulierte Transaktion ist per se gefährlich. Verzockt ein Hedgefonds das Geld seiner Anleger, dann ist das für die Anleger schlimm, aber für das Finanzsystem insgesamt nicht weiter tragisch. Wenn er – wie bei der Schieflage der Anlagegesellschaft LTCM in den neunziger Jahren – seine Investments mit Bankkrediten hoch gehebelt hat, kann eine Pleite allerdings eine Volkswirtschaft gefährden.

In den internationalen Gremien hat man sich deshalb in einem ersten Schritt darauf verständigt, zunächst das Augenmerk auf Finanzunternehmen zu legen, die bankähnlichen Geschäften nachgehen – etwa indem sie sich selbst kurzfristig Geld borgen und es langfristig anlegen. Damit sind sie besonders anfällig für Krisen, denn wenn die Gelder schlagartig abgezogen werden, droht ihnen der Kollaps. Für solche Unternehmen sollen in Zukunft besondere Sicherheitsstandards gelten.

Betroffen wären davon etwa Geldmarktfonds, die ihren Anlegern die volle Rückzahlung des Investments versprechen – unabhängig von den Verhältnissen am Markt. In einer Krise kann das zu einem schlagartigen Abzug von Mitteln führen, wenn die Anleger dem Versprechen nicht mehr glauben. Dann muss möglicherweise der Staat einspringen, um Schlimmeres zu verhindern. Deshalb ist unter anderem vorgesehen, dass die Fonds, statt vollmundige Versprechen zu geben, den Wert der Einlagen kontinuierlich an die Marktlage anpassen müssen. Das soll abrupte Korrekturen vermeiden. Dagegen wehren sich viele der besonders in den USA verbreiteten Fonds, die mit der Rückzahlungsgarantie Kunden anlocken.

Geplant ist auch, die als gefährlich identifizierten Schattenbanken dazu zu zwingen, so viel Kapital vorzuhalten, dass sie Verluste im Notfall verkraften und ihre Verschuldung begrenzen können. Bei der besonders umstrittenen Gruppe der Hedgefonds würde die letztere Regel aber nur einen Teil treffen, da nicht alle ihren Einsatz mit Krediten hebeln. Allerdings wird die Branche zusätzlich dadurch kürzer gehalten, dass die Banken neuerdings besondere Vorsichtsmaßnahmen treffen müssen, wenn sie Hedgefonds Kredite gewähren.

Bis zum nächsten Gipfel der G-20-Staaten im russischen St. Petersburg soll der Stabilitätsrat nun ein detailliertes Regulierungskonzept ausarbeiten. In Deutschland – beteiligt an den Verhandlungen sind Bundesfinanzministerium, Bundesbank und die Finanzaufsicht BaFin – stellt man sich bereits auf eine harte Auseinandersetzung ein.

Deutschland ist, zusammen mit Frankreich und Italien, eine treibende Kraft bei der Schattenbankregulierung. Seit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm 2007 die Kontrolle von Hedgefonds auf die internationale Agenda gesetzt hat, haben die Deutschen das Thema vorangetrieben. Jetzt machen sie sich für möglichst harte und umfassende Vorschriften stark.

Dagegen haben die angelsächsischen Länder derzeit andere Prioritäten. Sie setzen auf Wirtschaftswachstum – und fürchten, dass allzu strenge Regeln für die Schattenbanken die Konjunktur belasten. Schließlich spielen die Kapitalmärkte in den USA und Großbritannien eine wichtigere Rolle bei der Finanzierung der Wirtschaft. In Kontinentaleuropa finanzieren vor allem die klassischen Banken die Unternehmen, weshalb die Deutschen bei der Bankenregulierung Ausnahmen für ihre Sparkassen durchgesetzt haben. Die Vorschläge aus Basel seien noch »sehr unspezifisch«, sagt der zuständige Bundesbankvorstand Andreas Dombret.

Bis Januar kann nun die Finanzbranche zu den geplanten Regeln Stellung nehmen. Im September dann, in St. Petersburg, will der Rat seine endgültigen Empfehlungen vorlegen. Diese müssen dann noch beschlossen und umgesetzt werden. Das wird aller Voraussicht nach noch einige Zeit in Anspruch nehmen – im Fall der Banken vergingen von den ersten Entwürfen bis zur Verabschiedung der neuen Regeln fast drei Jahre.

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Leserkommentare
  1. um diese Schattenbanken wieder tatsächlich in den Schatten zu stellen - nämlich die erneute Regulierung der Finanzmärkte. Das wird aber nicht geschehen, da sollte man sich keinen Hoffnungen hingeben - da die Schattenbanken selber kein Interesse daran haben; Zocken wäre nämlich dann verboten.
    Wann werden die Banken und auch die Schattenbanken endlich begreifen, daß der Mensch das Maß aller Dinge sein muß - und nicht der Profit? Nutzt es einem Hedgefonds-Manager, wenn er Milliarden verdient, aber rings um ihn herum das Land zusammenbricht, sich die Zahl der Obdachlosen verdoppelt und verdreifacht, an jeder Straßenecke Bettler auftauchen und die Kriminalität sich vervielfacht?
    Nun ja, er wird vermutlich in seine gated community fahren und sich mit Gleichgesinnten amüsieren - außerhalb wird er auf gepanzerte Autos und Bodyguards nicht verzichten können.

    6 Leserempfehlungen
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    Wenn allein in Deutschland, bei einem BIP von ungefähr 300 Mia €, Schattenbanken mit Nettovermögen von geschätzt 1,3 Billionen Euro existieren, wird deutlich sichtbar, dass jene Schattenbanken Wetten anbieten auf Werte, die weder vorhanden noch überhaupt erreichbar sind. Man kann ja als normaler Mensch nur auf etwas wetten, was es auch tatsächlich gibt. Mehr als 3/4 des Werts dieser Fonds steht aber ein Wert von rein gar nichts gegenüber.
    Das bedeutet: Das Einlösen der Versprechen dieser Fonds, die eigentlich Kettenbriefen gleichen, ist nur möglich über eine Geldentwertung (vulgo: Inflation) um deutlich über 75%.
    Werden diese Fonds nicht schleunigst an die Leine gelegt, besser sogar: enteignet und verboten, folgt unweigerlich eine Inflation, in der der Euro nur noch 25 Cents wert ist.

  2. "Diese Schattenbanken will sich die Staatengemeinschaft jetzt vornehmen".

    Und ich dachte schon, wir haben November und nicht den ersten April.
    Ich bin ja gespannt welcher "Zahnlose Tiger" diesmal von der Leine gelassen wird.

    "Und je mehr die Vorschriften für die Banken verschärft werden, desto mehr Geschäfte wandern in die unregulierten Sektoren des Finanzwesens ab."

    Der war gut - wo sind eigentlich die regulierten Sektoren ?

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  3. sind auch wieder nur ein weiterer Beweis dafür, dass wir das Geldsystem grundlegend durch Abschaffung des Zinsgeldes zum Vollgeldsystem (einfach googeln, lesen und staunen) hin ändern müssen. Die Regeln die es bedürfte, den egomanischen Ge-/Missbrauch des Kapitalismus zu verhindern gehen in kein Gesetzbuch. Anstand und Gerechtigkeit vermag er nicht widerzuspiegeln, geschweige denn umzusetzen.

    5 Leserempfehlungen
    • Mithra
    • 30. November 2012 16:31 Uhr

    Es ist immer wieder beruhigend, in einem (nicht als Meinung gekennzeichneten) Artikel gefühlige Vokabeln wie "Zocken" zu lesen. Das bedeutet, dass das beschrieben Problem eigentlich gar nicht besonders bedeutend ist, und deswegen durch passende empörungsgeladene Begriffe aufgeblasen werden muss.

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    • goldi53
    • 30. November 2012 17:02 Uhr

    Das Thema ist ganz einfach zu lösen: Jede Transaktion muss nachweisbar mit mindestens 50% Eigenkapital hinterlegt werden, dann hört die "Zockerei" von selber auf.

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  4. Am Mittwoch auf ARTE ein interessanter Beitrag : 740 Park Avenue. Da wurde das ganze Dilemma deutlich - und auch die Unfähigkeit der Einflussnahme durch Regierungen. Man kann also nur hoffen, dass das Beispiel Argentinien und der Versuch der US-Justiz den/die verantwortlichen Hedgefonds auszubremsen, Erfolg hat.Und Obama muss man Glück wünschen,beim Versuch den Extrem-Reichen endlich die Eier zu quetschen m.a.W. Hedgefonds und Schattenbanken gehören genauso kontrolliert wie die Großbanken, egal ob privat oder landeseigen.

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  5. Irgendwie scheint mir das Problem zu sein, dass man die Maerkte vor sich selbst schuetzen will. Das beste Mittel dazu waeren wohl Versicherungen, z.B.: jedes Wertpapier mit garantiertem Rueckgabepreis muss diesen Rueckgabepreis auch bei Bankrott der ausgebenden Organisation (egal ob Bank, Schattenbank, Unternehmen, oder Staat) garantieren. Das klappt nur ueber eine Versicherung. Versicherer sind aber geuebt darin auch extrem schwierig zu kalkulierende Risiken zu kalkulieren. Wenn eine Schattenbank mit einem grossen Hebel arbeitet, wird die Versicherung entsprechend teuer (entweder fuer die Schattenbank oder im Schadensfall fuer den Versicherer).

    • bigbull
    • 01. Dezember 2012 18:23 Uhr

    Solche Institute müssen nicht kontrolliert werden.
    Sie sind zu schließen.
    Die Ähnlichkeit mit terroistischen Vereinigungen sind
    gegeben.
    Bandenkriminalität,wo sie auftritt,ist mit sämtlichen
    rechtsstaatlichen Mitteln zu bekämpfen.
    Der Schaden die solch dubiose und egoistische Täter
    über die Menscheit versprühen,nur damit diese Typen
    sich wohlfeil gestalten dürfen,ist nicht hinnehmbar.

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