Hillary Clinton : Time to say goodbye

Was wir verlieren, wenn Hillary Rodham Clinton die politische Bühne verlässt

Sie geht. Oder nicht? Hillary Rodham Clinton hat angekündigt, sie werde sich zurückziehen, die Außenministerin der Vereinigten Staaten von Amerika wird uns im Januar verlassen, mit dem Ende der ersten Amtszeit von Präsident Barack Obama, das ist angesagt. Aber nicht ganz sicher. Sie wird vielleicht zu überreden sein, noch ein wenig zu bleiben. Nur bis die Nachfolge geklärt ist. Wenn Hillary Clinton von der politischen Bühne verschwindet, dann gehe sie, heißt es, nur um wiederzukommen, bei der nächsten Präsidentschaftswahl im Jahre 2016 ein glorreiches Comeback zu feiern, eine Möglichkeit, der sie schon widersprochen hat. Würde sie aber kandidieren, könnte Hillary Clinton, im Jahre 2016, die erste Präsidentin einer Weltmacht werden. Eine Frau von 69 Jahren im Weißen Haus!

Es gibt fast nichts, was wir Hillary Clinton nicht zutrauen würden. Andersherum gesagt: Es ist ein wenig so, als trauten wir uns nicht, ohne Hillary Clinton zu sein. Sie loszulassen. Seit Wochen lassen wir sie verschwinden, zaubern sie wieder hervor, spielen alle das alte Kinderspiel »Weg – da«, von dem der Psychologe Jacques Lacan sagte, es sei ein Training für den Abschied von der Illusion einer Allgegenwart von Mama.

Hillary Clinton, das kann man so emphatisch sagen, ist unsere Sehnsucht und unsere Hoffnung. »Hillary ist wir und wir sind Hillary«, so hat es Meryl Streep vor einigen Monaten in einer beifallumtosten Rede vor dem Forum der Stiftung Women in the World in New York gesagt, und es ist wahr, auf eine fast quälende Weise. Hillary Clinton, Anwältin, die arrivierte Politikerin, die für zwei Amtszeiten ihres Mannes Bill Clinton die First Lady der Nation war, dann Senatorin von New York, nun seit vier Jahren Secretary of State ist, hat mehr erreicht, als Frauen je für Frauen erträumt hatten. Man muss sie bewundern! Es gibt heute auf der Welt nur drei Politikerinnen, die wie Clinton diese Sichtbarkeit von Weiblichkeit erreicht haben, nur Angela Merkel und Christine Lagarde und eben »Hillary«, wie Streep sagte. Man muss stolz auf sie sein.

»Hillary« – das sagen viele, so als könne man ihr nahe sein. Ausgerechnet dieser Frau, die man in Amerika »die berühmteste unbekannte Figur des öffentlichen Lebens« nennt. »Hillary« ist ein Missverständnis, in dem sich eine Sehnsucht ausdrückt, nach einer mit Wärmeausstrahlung. Es ist eine kleine Anbiederung, der Versuch, sich an ihren Erfolg ein wenig anzuschließen. Da ist auch Herablassung spürbar. Wer würde es wagen, Obama einfach Barack zu nennen?

Barack Obama hat definiert, wie weit der schwarze Sohn einer alleinerziehenden Mutter in Amerika kommen kann. In Hillary Clinton zeigt sich, was eine Frau in der sogenannten freien Welt in den letzten 50 Jahren erreichen konnte, wie weit ihre Träume sie trugen, und auch, wo die Grenzen sind, nämlich in ihr selbst und in Umständen, die es, als sie sich 2008 um die Präsidentschaftskandidatur bewarb, dann doch wahrscheinlicher machten, dass ein völliger Newcomer ins Weiße Haus einzieht, eher als sie, die erfahrene Politikerin, eher ein Schwarzer als eine Frau. Es ist eine Geschichte von Erfolgen und Schmerzen.

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