Innere SicherheitVerstanden?

Ein Paar aus Hoyerswerda ist auf der Flucht vor Neonazis – und fühlt sich von der Polizei nicht beschützt. Jetzt wacht die Politik auf. von 

Monique und Ronny. Das sind jetzt die bekanntesten Neonazi-Gegner in Sachsen – auch wenn die Öffentlichkeit kaum mehr kennt als diese beiden Vornamen: ein Paar auf der Flucht aus Hoyerswerda, untergetaucht aus Angst vor Rechtsextremisten. Zwei Menschen, die sich, wie sie sagen, in ihrer Heimatstadt nicht mehr sicher fühlen. Zwei Bürger vor einer Kamera des Mitteldeutschen Rundfunks , die erklären: Der Staat beschützt uns nicht.

Monique und Ronny, ihr Fall steht jetzt in der Öffentlichkeit für ein Versagen: Hoyerswerda kapituliert vor der Neonazi-Gewalt! Die Ausländer sind schon vertrieben – jetzt nimmt man sich neue Gegner vor? Hoyerswerda, was ist nur passiert?

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Der Aufruhr um diesen Fall ist gewaltig, er dürfte von einiger Wirkung sein. Die Frage ist, ob dieser Aufruhr womöglich eine Wende bedeutet – im Umgang der sächsischen Politik mit dem Problem, dass Rechtsextremisten ganze Orte tyrannisieren.

Monique und Ronny, beide 33, wohnten bislang in einem Hoyerswerdaer Plattenbau. Sie sind bekannt in der Stadt für ihr Engagement gegen Nazis. Ihr Leben veränderte sich am 17. Oktober, einem Mittwochabend, daheim.

Um 21 Uhr, erzählte Monique jetzt dem MDR , habe es bei ihr plötzlich Sturm geklingelt. Rechtsradikale vor der Haustür, sie seien ins Treppenhaus eingedrungen. Sie hätten begonnen, an die Wohnungstür zu hämmern. Zu brüllen: Kommt raus. Wir machen euch fertig. Vor der Kamera sagte Monique nun unter Tränen: Einer der Männer habe gedroht, sie zu vergewaltigen.

Man kann das Paar nicht weiter befragen, es will sich nicht mehr öffentlich äußern. Wie viele Nazis genau in dem Treppenhaus aufliefen, lässt sich so schwer rekonstruieren. Es waren wohl bis zu 20. Um 21.15 Uhr, das sagt die Polizei, wählte Monique den Notruf; man schickte eine Streife. Zwei Beamte, mit der Lage überfordert, riefen sogleich nach Verstärkung. Die traf ewig nicht ein. Die Belagerung vor der Wohnungstüre dauerte deshalb gut zwei Stunden. Erst kurz vor Mitternacht zogen die Nazis ab. Bis zum nächsten Morgen wachte ein Streifenwagen vor der Tür.

Am Tag darauf, sagten Monique und Ronny im MDR, habe die Polizei ihnen nahegelegt, vorerst an einen sicheren Ort zu ziehen. Eine Opferberatung vermittelte eine Wohnung auf dem Land. Ein Polizist fuhr das Paar dorthin – in seinem privaten Auto. Ronny sagte dazu: "Die Polizei hat darauf gedrängt, dass wir weggebracht werden. Dass hier Ruhe reinkommt. So waren die Worte." Er sagte auch: "Die konnten mir den Schutz nicht gewährleisten. Meine Freundin konnte nicht geschützt werden." Monique sagte: Sie habe sich zurückversetzt gefühlt ins Jahr 1991, in die dunklen Tage Hoyerswerdas, die Angriffe auf Asylbewerberheime. Als sie Kind war und nicht verstanden habe, dass die Angreifer nicht festgenommen wurden; und man stattdessen die Asylbewerber wegbrachte. "So ist es auch bei uns. Wir wurden einfach weggeschickt, das Problem einfach weggeschoben", sagte die junge Frau nun.

Den Satz, der dem Vorfall landesweites Aufsehen verschaffte, äußerte dann ein Polizeisprecher: "Es ist einfacher, zwei Personen von einem Ort zu einem anderen, sicheren Ort zu verbringen, als 30 Personen zu bewachen." Es klingt wie eine öffentliche Kapitulationserklärung. So sei es nicht gemeint gewesen, schob die Polizei nach: Man habe in diesem Moment nur die beste Lösung gesucht – zum Wohl des Paars.

Leserkommentare
    • 15thMD
    • 25. November 2012 22:48 Uhr

    Ich hasse Nazis auch. Dazu muss man glaube ich kein Linker sein.
    Und denken Sie mal ganz scharf nach, wer die Polizei in den betroffenen Ländern kontrolliert (Exekutive). CDU je als großer Koalitionspartner in den Ländern, CDU/CSU/FDP auf Bundesebene.

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    Was hat die Kontrolle der Polizei mit fehlendem Egagement der Linken zu tun? Wenn 30% der Menschen in Hoyerswerda links wählen, muss doch eigentlich ein ganz anderes Klima in der Stadt sein. Auch wenn die Rechte "zuschlägt", würde sich doch sofort die Linke vor die Opfer stellen. Was sind das für Linke in Hoywoy, wo bleibt deren Engagement? Wenn diese Linken echt wären, bräuchte es keine Polizei!

    • 15thMD
    • 25. November 2012 22:49 Uhr

    Vergleichen Sie mal die Zahl der Todesopfer auf beiden Seiten.

  1. Was hat die Kontrolle der Polizei mit fehlendem Egagement der Linken zu tun? Wenn 30% der Menschen in Hoyerswerda links wählen, muss doch eigentlich ein ganz anderes Klima in der Stadt sein. Auch wenn die Rechte "zuschlägt", würde sich doch sofort die Linke vor die Opfer stellen. Was sind das für Linke in Hoywoy, wo bleibt deren Engagement? Wenn diese Linken echt wären, bräuchte es keine Polizei!

    Antwort auf "Nazihasser"
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    • 15thMD
    • 26. November 2012 0:05 Uhr

    Die Linke ist nicht die Antifa. Meiner Meinung nach muss sich jeder Bürger vor Menschen stellen, die Nazis bedrohen. Aber die Menschen scheinen mir eingeschüchtert zu sein, leider.

    Aber mal im Ernst, es ist nicht allein die Aufgabe von Links-Wählern Menschen vor Nazis zu schützen. Da ist sowohl jeder Bürger als auch eine aufmerksame Polizei gefragt.

    Mehr als 95% der Bürger wählen nicht Rechts. Wo sind die alle?

    • 15thMD
    • 26. November 2012 0:05 Uhr

    Die Linke ist nicht die Antifa. Meiner Meinung nach muss sich jeder Bürger vor Menschen stellen, die Nazis bedrohen. Aber die Menschen scheinen mir eingeschüchtert zu sein, leider.

    Aber mal im Ernst, es ist nicht allein die Aufgabe von Links-Wählern Menschen vor Nazis zu schützen. Da ist sowohl jeder Bürger als auch eine aufmerksame Polizei gefragt.

    Mehr als 95% der Bürger wählen nicht Rechts. Wo sind die alle?

  2. Die Nazis hätten ja dann alle in die neue Datei eingepflegt werden müssen. Das ist der Polizei dann scheinbar doch ein Zuviel an Arbeit.

    Statt dessen kann man den von Gewalt Betroffenen empfehlen, zu fliehen. Im beinahe naiven Glauben, das Problem damit vom Tisch zu bekommen.

    Schade, dass die Beamten nicht erkennen wie mit dieser Methode der Gewalt Vorschub geleistet wird. Sie bestätigt den Täter in seinem Verhalten, nimmt statt dessen das Opfer in die Pflicht.

    In einer Gesellschaft, in der sich der Begriff "Opfer" zum beleidigenden Ausdruck entwickelt hat, verwundert dieses Vorgehen dann aber doch wenig, ist es doch allgemein üblich und sicher nicht auf diesen Einzelfall beschränkt.

  3. Ein 'Nazi' kommt einfach so?
    Alle Parteien schließen ihre Buros, etc.
    'Nazi' wird man nicht einfach so!
    'Nazi' wird man als letzten Ausweg für das Leben,
    wenn man nichts anderes 'Sinnvolles' gefunden hat.

    Antwort auf "diese neonazis"
  4. http://www.verfassungsschutz.de/de/publikationen/verfassungsschutzberich...

    Um Ihnen einen weiteren Einwand zu sparen, mir ist bekannt, daß - bezogen auf rechtsextremistische Straftaten im Verhältnis zu den Einwohnerzahlen - der Osten klar führt und ich kenne auch die Mitte-Studien http://bit.ly/10VwOtp Aus der aktuellen, Seite 54:

    'Gleichwohl ist davor zu warnen, den Rechtsextremismus (wieder) als ostdeutsches Problem zu klassifizieren. Wie wir 2008 in einem Bundesländervergleich gezeigt haben (Decker & Brähler 2008), sind es bei näherer Betrachtung nicht die Differenzen zwischen ostdeutschen und westdeutschen Bundesländern, die auffallen. Vielmehr scheinen die sozioökonomischen Strukturmerkmale der Bundesländer entscheidend zu sein. Abwärtsdriftende Regionen gibt es zwar vor allem in Ostdeutschland, aber nicht nur dort. Stadtstaaten (Hamburg, Berlin) schneiden grundsätzlich besser ab als ländlich geprägte, weniger industrialisierte Flächenstaaten. Die Ausländerfeindlichkeit ist zudem nicht etwa da besonders hoch, wo sich unterschiedliche Bevölkerungsgruppen täglich begegnen, sondern dort, wo kaum Migranten wohnen. Was sich in der Gegenüberstellung von Ost und West jedenfalls zeigt, ist die Abkoppelung ganzer Regionen von der gesamtstaatlichen bzw. europäischen Entwicklung. Diese zurückgelassenen Regionen bringen für die Demokratie langfristig viel schwerwiegendere Probleme mit sich als »nur« hohe Arbeitslosenzahlen oder Verschuldungsraten.'

    Antwort auf "Wo kein Kläger..."
  5. 56. Hmnuja,

    Sie scheinen die aktuellen Ereignisse nicht ganz verstanden zu haben - laut MDR hat es die Polizei nicht mal für nötig gehalten, die Personalien der Nationalen Autonomen Hoyerswerda aufzunehmen. Insofern müßte (man beachte den Konjunktiv) auch intern gegen die Beamten ermittelt werden, was ich für sehr wenig wahrscheinlich halte.

    Aber schön, daß immerhin Sie noch so großes Vertrauen in unsere Freunde und Helfer zu haben scheinen. Sie sind sicher auch ohne mich in der Lage, sich in zweidrei Jahren über die betreffenden Ermittlungsergebnisse selbst zu informieren.

    Es räumt auch mögliche Mißverständnisse aus, daß Sie den MDR-Beitrag und die verlinkten Artikel der Journalisten von Zeit, Welt, FAZ, Spiegel und die der Betreiber von 'Endstation rechts' und vom Störungsmelder für das 'übliche Kampfgeschrei der ublichen, einschlägig bekannten (Berufs-)Akteure' und für 'Getöse' halten, danke dafür.

    Antwort auf "Wie offziell?"

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