Leihmutterschaft : Bauch zu vermieten
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Standesbeamte wollen sich wehren

Als Klassiker dagegen gilt unter Standesbeamten der Fall, dass Eltern, die es geschafft haben, mit ihrem Wunschkind einzureisen, es hier anmelden wollen. Legen sie dann beim Standesamt eine ukrainische oder indische Geburtsurkunde vor, sind sie schon verdächtig. Wehe, die Geburtsklinik ist bekannt für Leihmutterschaften. Oder in einer Kleinstadt kennt der Standesbeamte die Frau, die angeblich eine Schwangerschaft hinter sich hat. Im Frühjahr 2010 machte ein Ehepaar Schlagzeilen, dessen Zwillinge, von einer indischen Leihmutter ausgetragen, zwei Jahre lang nicht nach Deutschland einreisen durften. Der Albtraum endete schließlich mit der Ausstellung von Visa, einer "einmaligen Aktion aus humanitären Gründen". Die bislang einzige anerkannte Rechtsbeziehung zu einem Kind, das eine Leihmutter ausgetragen hat, ermöglicht die Adoption.

Die deutschen Standesbeamten möchten den Zwiespalt, den ihnen das Gesetz aufzwingt, nicht mehr akzeptieren. Wenn sie von einem Leihmutterbaby Wind bekommen, müssen sie eine Eintragung ins Personenstandsregister verweigern, gesetzestreu, aber knallhart. Drücken sie hingegen ein Auge zu, verstoßen sie selber gegen Gesetze. Während der Tagung im mittelhessischen Bad Salzschlirf forderte ihr Präsident Jürgen Rast sogar die Abschaffung des Leihmutterschaftverbots. Der Gesetzgeber wird sich ohnehin wohl mit dem Thema befassen müssen, wenn es, wie Rast hofft, einmal zu einer höchstrichterlichen Entscheidung in dieser Frage kommt.

Was eine völlige Liberalisierung der Leihmutterschaft für die soziale Konstruktion der Familie bedeuten könnte, kann man nur erahnen. Kalifornien erlässt soeben ein Gesetz, das gleichgeschlechtliche Paare bei den Leihmutterschaftsregelungen gleichstellt mit getrenntgeschlechtlichen Eltern. Das ist nicht zuletzt ein Erfolg des Center for Surrogate Parenting (CSP) in den USA, das seit 28 Jahren homosexuellen Paaren zur Elternschaft verhilft. Bekannteste CSP-Klienten sind Elton John und sein Partner David Furnish. Die beiden sehen übrigens gerade zum zweiten Mal Elternfreuden entgegen. Die Leihmutter ist dieselbe wie bei ihrem Sohn Zachary.

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Kommentare

113 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

Unverständnis

Man sollte mindestens das Ehe- und Lebenspartnerschaftsregister abschaffen.

Die Zeiten wo Ehe gleich Nachwuchs bedeutete sind vorbei.
Daher gibt es keinen Grund mehr diese Lebenskonstellation (sei es steuerlich) zu bevorzugen.
Alle Lebensmodelle (Partnerschaften, Monogamie, Polygamie, Singles, egal ob homo- oder hetero) haben ihre Berechtigung, solange diese einvernehmlich sind.
Statt konventionelle "Ehe" sollte man also lieber Kinder direkt fördern, damit wäre allen geholfen.

Schöne Neue Welt

So hieß das Buch ,das vor ca 50 Jahren veröffentlicht wurde.Da waren Fortpflanzung und SEX getrennt ,Kinder wurden in Retorten gezeugt und in Heimen grosszogen !
Dieses Buch ist immer noch lesenswert (ein sogenannter Klassiker ) -besonders das Vorwort !
Ansonsten :Macht so weiter , schafft Gesetze die Keiner braucht und sorgt dafür das nun wirklich jede Minderheit ihre Versuche am lebendem Kind durchführen kann !

Antwort auf: "Wer denkt an das Kindeswohl?"

... ganz einfach! Die sozialen Eltern, die das Kind "bestellt" haben! Diese Kinder sind absolute Wunschkinder!
Und das gilt nicht für jeden leiblichen Abkömmling, der eben mal "passiert" ist! Besonders schlimm ist es doch, wenn leibliche Abkömmlinge wissen, dass sie ein Unfall waren. Und wer fragt nach dem Wohl dieser Kinder? Wenn sie Glück haben, geht alles gut, dann freuen sich die Eltern oder die Mutter im nachhinein, wenn sie Pech haben, werden sie mißhandelt, verwahrlosen oder werden zu Krüppeln geschüttelt.
Für ein Kind ist es wichtig erwünscht, ersehnt und geliebt zu sein. Egal, ob leiblicher Abkömmling, Adoptivkind, Kind aus Samen-, Eizell- oder Embryonenspende oder eben von einer Leihmutter ausgetragen.
Die Fruchtbarkeit unserer Gesellschaft nimmt ab, der Kinderwunsch bleibt. Es besteht keine Notwendigkeit, individuelle Reproduktionsprobleme als gottgewollt hinzunehmen, wenn es dafür Lösungen gibt.

Bestellt und nicht abgeholt...

Und was passiert, wenn die Kinderlein dann doch etwas schwierig sind? Gibt es dann eine Umtauschgarantie?
Hören Sie mal, uns sind intelligente und pflegeleichte Kinder versprochen worden... Nehmen Sie die mal zurück...
Letztendlich ist die Bindung zu einem leiblichen Kind immer etwas höher.

In Deutschland gibt es bei Adoptionen für die möglichen Eltern sehr große Hürden zu überwinden.

Ja zur Leihmutterschaft

Man sollte die Leihmutterschaft rechtlich anerkennen. Dass so eine Konstruktion nicht in die Gedankenwelt von Kirchen und anderen Normträgern Deutschlands passt, ist absolut kein Grund, sie zu verbieten.

Kinder sind noch nie gefragt worden, ob sie geboren werden wollen und von wem, das war vorher nicht so und ist auch mit der Leihmutterschaft nicht anders. Wichtig ist vielmehr, dass Familien entstehen, die so einigermaßen glücklich sind. (Und man sollte auch hier nicht mehr vorschreiben, als die Natur normalerweise liefert - auch die Natur liefert nicht jedes Kind in einer wohlhabende, gebildete Mittelschichtfamilie ab, in der Weihnachtslieder gesungen werden und die bei uns als Norm gilt.) Wenn Leihmutterschaft zu einigermaßen glücklichen Familien führt, dann muss man sie erlauben.

Härten des Lebens

"Es widert mich an, wie Frauenkörper der allgemeinen Nutzung preisgegeben werden sollen und gleichzeitig kein Gedanke an den weiblichen MENSCHEN darin verschwendet wird."

Es gibt viele Härten im Leben generell, auch im Leben von Männern übrigens. Es gibt immer viele Härten, wenn es um Familie, Kindern, Erziehung und Fortpflanzung geht. Die Härten der Leihmutterschaft ist nur eine davon. Die Leihmutter tut dies freiwillig und sogar gegen finanzielle Kompensation. Ich ignoriere dies nicht, aber man muss dies auch nicht ins Unermessliche erhöhen. Und das Ergebnis ist schließlich kein Auto, sondern menschliches Leben. Ich finde das deshalb voll in Ordnung.

Nicht das Paradies als Maßstab nehmen

"Das mit der Freiwilligkeit ist so eine Sache, wenn man nichts zu fressen hat."

Und wer nichts zu Fressen hat, für den ist die Leihmutterschaft möglicherweise erheblich menschenwürdiger als die Alternativen.

Soll man sie verbieten, weil sie vielleicht nicht so schön ist, wie ein Mittelstandsleben in Freiburg im Breisgau? Man kann nicht das Paradies, nicht einmal die Bedingungen in Deutschland am Anfang des 21. Jahrhunderts überall zum Maßstab der eigenen Empörung nehmen.

Zynische Argumentation und bösartige Unterstellen vergiften

"Schön, dann sollte man wohl dafür sorgen,...dass es genügend Frauen gibt, die in einer sozialen Notlage sind, damit sich die Familien des gehobenen Mittelstandes ihren Kinderwunsch erfüllen können?"

Es ist solche zynische Argumentation, die den Gegnern einen böswilligen Charakter unterstellt, die die Debatte vergiftet. Denn natürlich hat das oben Unterstellte niemand gesagt, noch gemeint. Richtig gewendet hieße es: je weniger soziale Notlage es gäbe, desto mehr wird eine Leihmutter verlangen - wenn sie mehr verlangen will! - und desto freiwilliger wäre das Arrangement. Das wäre anzustreben. Solange die Welt nicht so paradiesisch ist, müssen wir aber das Beste aus der Situation machen, *wie sie ist*.

Es gilt eben auch: wer so handelt, als wären die Umstände schon paradiesisch, obwohl sie es nicht sind, kann viel Unglück erzeugen.