Liebe im Schattendasein

Die Frage: Klaus, 50, hat lange im Ausland gearbeitet und dachte, er hätte mit seiner Kollegin Dagmar einen ruhenden Pol in seinem Leben gefunden. 14 Jahre lang ist es gut gegangen. Sie hängen beide an der Vorstellung, zusammen alt zu werden.

Dann hat Klaus während eines Auslandsprojekts die 38-jährige Jennifer kennengelernt. Anfangs dachten beide, es sei nur ein Gelegenheitsflirt. Inzwischen sind anderthalb Jahre vergangen, und Klaus und Jennifer können nicht voneinander lassen, sich aber auch nicht zueinander bekennen. Klaus schläft schlecht und fürchtet, seine Gesundheit zu ruinieren, wenn er keine Lösung findet. Er will an Jennifer festhalten und wünscht sich doch, er hätte sie nie kennengelernt.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Klaus ist ein Beleg für die These, dass der Prozess des Erwachsenwerdens erst mit dem Tod endet. So ganz im Reinen ist er mit sich und dem Altwerden nicht; da ist die Liebe zu einer Jüngeren ein probates wie riskantes Gegengift.

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Nun bringt Klaus, unruhig und gehetzt, ein Problem jeden Tag zur Wiedervorlage, dessen Unlösbarkeit er im Grunde längst begriffen hat: Es ist nicht möglich, den Kuchen aufzuessen und ihn zu behalten. Seine Schlaflosigkeit und die Sorgen um seine Gesundheit zeigen, dass er nicht auf das Gefühl verzichten kann, in einer Beziehung aufgehoben zu sein.

Dreiecksverhältnisse und heimliche Lieben führen entweder ins Beziehungsdrama, oder sie machen einsam.