LiebeskolumneWieso kommt er von seiner Liebschaft nicht los?

von Wolfgang Schmidbauer

Schatten eines sich küssenden Paares

Liebe im Schattendasein  |  © Miss X / photocase.com

Die Frage: Klaus, 50, hat lange im Ausland gearbeitet und dachte, er hätte mit seiner Kollegin Dagmar einen ruhenden Pol in seinem Leben gefunden. 14 Jahre lang ist es gut gegangen. Sie hängen beide an der Vorstellung, zusammen alt zu werden.

Dann hat Klaus während eines Auslandsprojekts die 38-jährige Jennifer kennengelernt. Anfangs dachten beide, es sei nur ein Gelegenheitsflirt. Inzwischen sind anderthalb Jahre vergangen, und Klaus und Jennifer können nicht voneinander lassen, sich aber auch nicht zueinander bekennen. Klaus schläft schlecht und fürchtet, seine Gesundheit zu ruinieren, wenn er keine Lösung findet. Er will an Jennifer festhalten und wünscht sich doch, er hätte sie nie kennengelernt.

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Klaus ist ein Beleg für die These, dass der Prozess des Erwachsenwerdens erst mit dem Tod endet. So ganz im Reinen ist er mit sich und dem Altwerden nicht; da ist die Liebe zu einer Jüngeren ein probates wie riskantes Gegengift.

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Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer  |  © Neophoto/Photocase

Nun bringt Klaus, unruhig und gehetzt, ein Problem jeden Tag zur Wiedervorlage, dessen Unlösbarkeit er im Grunde längst begriffen hat: Es ist nicht möglich, den Kuchen aufzuessen und ihn zu behalten. Seine Schlaflosigkeit und die Sorgen um seine Gesundheit zeigen, dass er nicht auf das Gefühl verzichten kann, in einer Beziehung aufgehoben zu sein.

Dreiecksverhältnisse und heimliche Lieben führen entweder ins Beziehungsdrama, oder sie machen einsam.

Die Liebeskolumne

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch Kassandras Schleier. Das Drama der hochbegabten Frau ist bei Orell Füssli erschienen.

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de

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Leserkommentare
  1. 1. Drama?

    Dreiecksgeschichten müssen weder ins Drama führen, noch machen sie einsam. Was für ein Mist ist den dieser Gedanke?

    Ich lebe selbst in einer dreieckigen Geschichte und ich finde, es passt zu mir.

    Ich will mich nicht abmühen, mit den speziellen Eigenheiten meines Geliebten, das macht eine andere für mich. Ich genieße ihn, so wie er ist, wenn er bei sich ist und das fühlt sich gut an.

    Ich gebe ihm, was ich ihm gerne gebe und was er gerne nimmt und braucht. Ich bekomme das, was ich für mich brauche; deshalb habe ich diese Beziehung.

    Ich liebe auch die Vorstellung, dass sich alles verändert. Das entspannt und lässt mich weniger festhalten.

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  • Serie Liebeskolumne
  • Schlagworte Wolfgang Schmidbauer | Beziehung | Gesundheit | Liebe | Prozess | Tod
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