PersonenrätselLebensgeschichte

von Frauke Döhring

Das Leben schreibt die besten Drehbücher, davon ist er überzeugt. Was nicht heißt, dass man mit dem, was darin passiert, immer einverstanden sein sollte, im Gegenteil. "Die Dinge laufen aufgrund ökonomischer Zwänge in die falsche Richtung", klagt der Arbeitersohn die Übermacht des Geldes an, mit schlimmen Folgen bis in den "letzten privaten Winkel". Schon sein erster Film, den er vor bald einem halben Jahrhundert fürs Fernsehen drehte, machte das deutlich und löste eine Debatte über Arbeitslosigkeit und Armut aus. Seitdem besteht er darauf: Kino muss mehr bieten als eine Kulisse zum Verzehr von Popcorn.

An die dreißig Filme hat er bis heute gedreht, alles "stille und doch wütende Interventionen", wie ein Kritiker schrieb. Wenn man bedenkt, dass er oft gegen Sendeverbote und Zensoren kämpfen musste, fast ein kleines Wunder. Zäh und aufmüpfig hat er sich durchgewurschtelt gegen alle Widerstände von außen. So wie die Helden seiner Filme, wobei sie nie als Lichtgestalten daherkommen, sondern als Menschen von nebenan: mal nett, mal nervig, mal warmherzig, mal cool. Oder auch als Antihelden, die mit dem Gesetz kollidieren, weil’s anders nicht mehr geht. Recht ist das eine, Gerechtigkeit das andere – wer wüsste das besser als der Regisseur, schließlich hat er Jura studiert im ehrwürdigen Oxford.

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Und weiß: "Gerechtigkeit kriegt man nie geschenkt, dafür muss man kämpfen." Und falls man am Ende trotz aller Mühen scheitert, hat man es zumindest versucht. Es passt zu ihm, dass er an Originalschauplätzen dreht statt im Studio, dass er gern Szenen spontan improvisiert, oft mit Laien. Deren Gesichter und Stimmen bleiben meist noch lange im Gedächtnis des Zuschauers, weil sie so authentisch wirken; der eine oder andere seiner Darsteller hat folgerichtig trotz Übergewichts, schlechter Zähne und bizarrem Akzent Karriere gemacht im Filmbusiness. Wie war das noch mit dem Leben, das die schönsten Plots liefert? Und so wird der preisgekrönte Regisseur hoffentlich noch lange seine Storys aus dem Alltag erzählen, nach eigenem Anspruch "so spannend und überzeugend wie möglich". Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 47:

Der Maler, Zeichner und Architekt Karl Friedrich Schinkel (1781 bis 1841), ein romantischer Klassizist, gestaltete mit seinen Bauten wesentlich das Stadtbild Berlins

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