DIE ZEIT:Sachsens Opposition beklagt, Sie nähmen den in der vergangenen Woche bekannt gewordenen Vorfall in Hoyerswerda nicht ernst genug. Stimmt das?

Stanislaw Tillich: Ich nehme den Vorfall ernst. Für mich gilt ganz klar, dass Menschen, die bedroht werden, von der Polizei geschützt werden müssen. Der Innenminister hat dafür gesorgt, dass die mobilen Einsatz- und Fahndungstruppen der Polizei verstärkt im Einsatz sind. Das Innenministerium plant außerdem ein Aktionsforum für den 28. November in Hoyerswerda. Dort werden Polizei und Verfassungsschutz eine detaillierte Lageanalyse vorlegen und diskutieren.

ZEIT: Ziehen Sie als Ministerpräsident Lehren aus Vorfällen wie diesem?

Tillich: Politik und Polizei sind gefordert, mit allen rechtsstaatlichen Mitteln gegen die rechtsextremistische Bedrohung vorzugehen. Ich rate allen, wachsam zu sein und nicht wegzuschauen, wenn solche Vorfälle in unserem Umfeld passieren. Wir alle sind aufgerufen, mit den Möglichkeiten, die wir haben, dagegen vorzugehen.

ZEIT: Hätten Sie die Probleme mit Neonazis, zumal im Jahr nach dem NSU-Schock, noch ernster nehmen müssen?

Tillich: Das Problem des Rechtsextremismus nehmen wir in Sachsen immer schon sehr ernst. Sachsen stützt sich bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus auf vier Säulen: auf die politische Auseinandersetzung, die Stärkung der Demokratie in Schule und Gesellschaft – zum Beispiel beim Tag der Demokratie an den Schulen. Außerdem auf die Prävention und die Repression.

ZEIT: Sie fordern vehementer denn je ein Verbot der NPD.

Tillich: Die Staatsregierung wird alles dafür tun, dass die NPD verboten und ihr damit das öffentliche Forum entzogen wird, ihr rechtsextremistisches Gedankengut legal zu verbreiten und salonfähig zu machen.

ZEIT: Von zahlreichen zivilgesellschaftlichen Gruppen, die sich gegen Neonazis engagieren, wurde die sächsische Staatsregierung in der Vergangenheit teils heftig kritisiert. Sehen Sie eine Chance, dass beide Seiten wieder zueinanderfinden?

Tillich: Die Staatsregierung ist mit den zivilgesellschaftlichen Gruppen, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren, im Gespräch. Dies hat auch die Extremismuskonferenz im Juni dieses Jahres in Riesa gezeigt.